Woran Denkt ihr gerade so?

      Es sind so viele Schicksale um uns herum. Un ich denke oft, es trifft immer die falschen...
      Ich will mein früheres Leben zurück und vor allem meinen Mann. Ich weiß, dass das nicht geht, aber so fühle ich. Werde ich irgendwann seine Stimme vergessen? Ich möchte das alles nicht. Ich will nicht, dass die Erinnerung an ihn verblasst. Er war mein Fels zum Anlehnen und jetzt ist er nicht mehr da. Keine Gespräche mehr, keine Zweisamkeit. Es tut so weh, ich denke, ich bin der Hölle gelandet.
      ... dass meine liebe Freundin vor etlichen Jahren in ihrer Depression am liebsten gestorben wäre und, wie sie mir sagte, nur ein Klinikaufenthalt sie wohl gerettet hat. Wie gut, dass sie sich damals nicht aufgab!

      Denn hätte ich sie nach dem Tod meiner Mutter nicht gehabt, wäre wohl ICH mehr oder weniger ein Fall für die Klinik gewesen - zumindest sehr allein und verlassen gewesen.

      Heute strahlt sie trotz aller inneren Kämpfe, die auch sie immer noch durchmacht, eine unglaubliche Lebensfreude aus, die sich auf andere überträgt. Nein, ihr Leben war nicht leicht und ist nicht leicht, sie hat alle möglichen gesundheitlichen Probleme und hätte gern ein etwas anderes Leben geführt, aber sie hat diesen Blick für das Schöne in der Natur, saugt es förmlich in sich auf und versteht es, diese Freude am Schönen mit anderen zu teilen.
      Ich denke auch ich bin in der Hölle gelandet.
      Im Moment habe ich das Gefühl ich schaffe das alles nicht. Mein Mann war doch unser Beschützer. Er hatte für alles eine Lösung und jetzt, zu wem sollen wir jetzt gehen. Wer hält seine starken Arme auf, in denen wir uns einfach schmeißen können und sicher sein können das uns nix passiert.
      Liebe Lena,
      das fühlt sich wirklich wie Hölle an, ich verstehe dich so gut. Der Wunsch beschützt zu werden und die Angst davor jetzt alles alleine zu schaffen begleitet mich auch seit dem Tod meines Mannes.
      Aber Du wirst bald merken du bist stärker als du denkst. In kleinen Schritten wirst du Dinge schaffen und Probleme lösen und das bringt dir ein Stück innere Sicherheit zurück.
      Verzweifle nicht sondern gib dir Zeit. Du bist nicht allein, sicher gibt es Menschen um dich die dir immer zur Seiten stehen werden.
      Alles Liebe
      Mir geht es genau so. Ich traue mich gar nicht nach hause. Ich MUSS aber nach dem Grab meiner Frau schauen. Sicher sind in der letzten Woche wieder ein paar Blümchen eingegangen. Werde wieder ein paar Neue pflanzen. Morgen muss ich mit meinem Sohn einkaufen gehen und ich muss Post erledigen. Heute gehts mir insgesamt nicht so gut, und dann habe ich das noch alles vor mir. Aber .... ok ..... Krönchen geradegerückt, aufstehen und wieder einen Schritt vor den Anderen.
      Ich wünsche allen Trauernden viel, viel Kraft. Die Tage werden auch rum gehen. Unseretwegen wird die Erde nicht stehen bleiben.
      LG Franky.
      Insbesondere an diejenigen, die jetzt während der Feiertage mit ihrer Trauer alleine sind. Das Wetter soll schön werden, viele machen daher Ausflüge oder sogar einen Kurzurlaub. Deshalb wünsche ich allen Betroffenen alles Gute für die Bewältigung der Feiertage und vor allem die Kraft zu tanken, um wieder in eine bessere Zukunft blicken zu können. Franky hat es nämlich zurecht bemerkt: "Unseretwegen wird die Erde nicht stehen bleiben." Ja, das Leben geht weiter, und das eurige auch! Ja, ich weis, das ist schwer zu verstehen wegen des Verlustes, aber die Realität ist so!
      ... dass ich mich seit dem Tod meiner Mutter, so schwierig diese tiefgreifenden Lebensveränderungen nun auch für mich sind, doch irgendwie von etwas Großem und Schönem auf wunderbare Weise getragen fühle. Ich denke, dass die Liebe, die uns verbunden hat, mir auch über den Tod hinaus die Kraft gibt, meinen Weg im Bewusstsein dieser Liebe noch ein Stück weit fortzusetzen.

      Und dann ist da der unaufhaltsame Fluss des Lebens, das ewige Kommen und Gehen, in dem ich mich letztendlich doch auch geborgen fühle.

      Ich kann davon ausgehen, dass der Mensch, der mir irgendwann das Leichenhemd anzieht und mich einsargt, nun auch schon irgendwo mit mir auf dieser Welt lebt, genau wie ich jeden Morgen am Frühstückstisch sitzt. Vor 20 Jahren war er vielleicht noch gar nicht geboren.

      Auf den ersten Blick vielleicht ein etwas unheimlicher Gedanke. Aber im Grunde ist es nur eine Einstellungssache, denn in gewisser Hinsicht ist der Gedanke doch auch sehr beruhigend: zu wissen, dass letztendlich auf wunderbare Weise für alles gesorgt ist. Dass irgendwann Menschen da sein werden, die einen im Sterben begleiten werden, wohl kaum so gut, wie eigene Angehörige dies tun würden, aber doch in irgendeiner Form, und dass man dann irgendwann auch seinen Platz unter der Erde finden wird. Dass auch für diesen wenig glamourösen Job des Bestatters dankenswerterweise Menschen bereitstehen.

      Eine meiner Freundinnen war diese Woche in Beaune in Burgund im Urlaub und hat das berühmte Hotel de Dieu besichtigt. Die Zustände in den Krankenhäusern sind heute wegen des Pflegenotstandes teilweise wirklich schlimm, aber mal ehrlich, solange wir bloß das Problem haben, im Mehrbettzimmer zu liegen und nicht zu mehreren in einem Bett liegen - worüber beklagen wir uns eigentlich?

      Wenn ich etwas bereue in meinem Leben, auch im Hinblick auf die Beziehung zu meiner Mutter, dann vielleicht, dass ich mich schon viel zu viel über alles Mögliche beklagt habe ...

      Uli schrieb:

      Insbesondere an diejenigen, die jetzt während der Feiertage mit ihrer Trauer alleine sind.


      Feiertage sind selbst für mich immer etwas schwierig, obwohl ich mit meiner Mutter schon lange keine gemeinsamen Unternehmungen mehr machen konnte, da sie das Haus seit Jahren nicht mehr verlassen konnte. Aber es gab dann eben diese kleinen, gemeinsamen Rituale bzw. Gewohnheiten, um den Feiertagen einen etwas besonderen Anstrich zu geben, sodasss sie sich vom Alltag zumindest minimal abhoben, die nun leider wegfallen bzw. von mir irgendwie allein weiter gepflegt werden müssen, was eben nicht dieselbe Qualität hat wie das gemeinschafliche Erleben.

      Ich werde trotzdem versuchen, das Pfingstwochenende - nun eben leider Gottes allein - so gut wie möglich zu genießen.
      ... eine nette Nachbarin empfahl mir ja kürzlich, solche Bus-Tagesausflüge bzw. "Fahrt ins Blaue" zu machen.

      Das ist mir dann aber doch etwas zu seniorenmäßig ;) (obwohl ich infolge meiner eingeschränkten Mobilität natürlich schon etwas auf dem Senioren-Trip bin). Vielleicht in zehn Jahren dann, mal schauen ...

      Ich denke auch gerade daran dass ich vor gut einem Jahr von der Reha nach Hause kam und dass mir der Abstand sehr gut tat im Nachhinein und war am Überlegen ob ich dieses Jahr mal einen Kurzurlaub mache. Irgendwas Interessantes , am Besten mit Leuten denen es privat auch so geht wie mir und suchte nach sowas wie "Witwerreisen" ( dämliches Wort, ich weiß) , endete aber immer bei Singlereisen. Gut, mein Ansinnen war etwas mit Leuten zu unternehmen die eben das gleiche Schicksal wie ich haben so dass man sich nicht wie das fünfte Rad am Wagen fühlt. Hab leider nichts entsprechendes gefunden, bleib ich halt daheim, auch gut.
      ...dass ich nächsten Samstag für 6 Tage auf die Insel Juist fahre, eine private Reise zusammen mit 4 Frauen aus meiner Trauergruppe. Was mir aber sehr zu schaffen macht, ist, dass mein altes Hundemädchen während dieser Reise in einer Tierpension sein muss, sie kennt das nicht und sie ist schon die Woche über den ganzen Tag allein, wenn ich arbeiten bin und ich frage mich, wie es sein wird auf Juist mit einem schlechten Gewissen und der Angst ob alles gut geht mit ihr und wieso ich mich trotzdem für diese Reise angemeldet habe. Alles grad irgendwie blöd.
      Liebe beateangela,
      mach Dir da mal nicht so viele Gedanken und vor allem kein schlechtes Gewissen......versuch es mal positiv zu sehen......dort hat Dein Wauwi Kontakt mit anderen Hunden, ist eben nicht den ganzen Tag alleine, bekommt mehrmals am Tag Auslauf und wird rundum versorgt. Die Leute die so eine Pension für Tiere betreiben kennen sich aus......ich weiss nur zu gut wie das ist und der Tag an dem man sein Tier dort abgibt ist nicht so schön aber die Freude wenn Dein Wauwi Dich beim abholen freudig begrüßt ist um so schöner......
      Und die Frage warum Du dieser Reise zugestimmt hast ist wohl ganz einfach zu beantworten......weil Du es brauchst ! Irgendetwas in Dir hat gesagt stimm zu und schwupp hast Du gebucht......und wenn es gar nicht geht na dann fährst Du wieder nach Hause denn Juist ist nicht das Ende der Welt. Du fähst doch mit anderen Trauernden die werden das dann verstehen........

      LG
      Mäusi
      .... dass ich mich über mich selbs ärgere, weil ich nix auf die Reihe bekomme.
      Wollte wieder fotografieren, habe aber schon 2 Termine wieder abgesagt. Wollte die Wohnung fertig renovieren, aber es liegt noch alles so, wie es meine Frau vor 2 Jahren verlassen hat.
      Ich war immer ein Mensch, der hoch motiviert war. Spasd und Freude an Creativität hatte, Mut zu Veränderungen und voller Tatendrang. Alles weg.
      Ich arbeite seit 2 Monaten. Erledige Pflichten. Kümmer mich um die Schwäne und das Grab meiner Frau. Das mache ich sehr gerne. Darüber hinaus? ... Nix. Und dass ärgert mich ... über mich selbst.

      BorSte schrieb:

      Ich denke auch gerade daran dass ich vor gut einem Jahr von der Reha nach Hause kam und dass mir der Abstand sehr gut tat im Nachhinein und war am Überlegen ob ich dieses Jahr mal einen Kurzurlaub mache. Irgendwas Interessantes , am Besten mit Leuten denen es privat auch so geht wie mir und suchte nach sowas wie "Witwerreisen" ( dämliches Wort, ich weiß) , endete aber immer bei Singlereisen. Gut, mein Ansinnen war etwas mit Leuten zu unternehmen die eben das gleiche Schicksal wie ich haben so dass man sich nicht wie das fünfte Rad am Wagen fühlt. Hab leider nichts entsprechendes gefunden, bleib ich halt daheim, auch gut.


      Witwerreisen gibt es nicht, aber "Trauerreisen" - ehemalige Freundin von mir hat das öfter gemacht und dort wohl auch den Witwer kennen gelernt, mit dem sie nun "zusammen" ist oder auch nicht, wollte sie mir ja partout nicht sagen und seitdem ist Freundschaft beendet - nicht weil sie das nicht sagen wollte, ist ja ihre Sache, aber weil dann gleich in harschem Ton noch Vorwürfe kamen in dem Sinne, dass mich das ja nichts anginge, würde mich ja (angeblich) auch sonst nicht für ihre Angelegenheiten interessieren ... Aber zurück zum Thema: Sie scheint mit solchen Trauerreisen also ganz gute Erfahrungen gemacht zu haben, die sind wohl bloß auch recht teuer!
      Dass ich es nicht glauben wollte und irgendwie auch unpassend fand, als meine (ehemalige beste) Freundin mir wenige Wochen nach dem Tod meiner Mutter (ich hatte das Gefühl, dass mein ganzes Leben in Trümmern lag, und hatte keinen
      blassen Schimmer, wie es mit meinem Leben und insbesondere auch mit meiner
      Wohnsituation weitergehen soll ...) sagte, ich würde später wahrscheinlich
      sogar mal Spaß am Einrichten meiner neuen Wohnung haben.

      Heute muss ich sogar zugeben, dass sie Recht behalten hat. Ich freue mich tatsächlich, etliche Sachen für die neue Wohnung zu kaufen, wie zum Beispiel den Bauernschrank, den ich bereits erwähnt hatte.

      Es war vielleicht bloß etwas undiplomatisch, mir schon so kurz nach dem
      Todesfall mit solcher Art Trost zu kommen – denn mit so geringem Abstand
      empfindet man die Unterstellung, irgendwann an irgendetwas wieder Spaß zu
      haben, einfach nur als Affront, weniger als Trost und vielmehr als Ausdruck von
      Gleichgültigkeit und sich nicht Hinein-Versetzen-Mögen in den aktuell
      tiefgreifenden, alles infrage stellenden Schmerz.

      Wäre schon passender gewesen, sich mal mit mir zu treffen und sich meinen
      Kummer anzuhören bzw. im persönlichen Gespräch alle Optionen mit mir durchzugehen,
      anstatt mich vom hohen Ross der Trauer-Erfahrenen herunter per Mail
      mit solchen Erkenntnissen zu beglücken. An Zeitmangel lag es jedenfalls nicht, da man sich ja mit allen möglichen Leuten vor Weihnachten noch problemlos treffen konnte.

      Im Übrigen hätte es ihr ja wahrscheinlich auch nicht gefallen, wenn ich ihr wenige Wochen
      nach dem Tod ihres Mannes gesagt hätte, dass sie sicher bald wieder Spaß mit
      einem neuen Mann haben wird. Was dann ja tatsächlich nach einigen Monaten sogar
      der Fall war ...
      ... dass meine liebe Mutter jetzt sagen würde: So, hängst du
      wieder in deinem komischen Internet-Forum herum, hast wohl nichts Besseres zu tun
      ? ... ;)

      Miss you much, Mom. <3

      Und trotzdem ist alles gut, wie es ist. Das habe ich dir auch in deinen letzten
      Tagen immer wieder gesagt: Alles gut. Alles in Ordnung.

      Nicht dass du noch auf die Idee gekommen wärest, dass ich ohne dich hier nicht
      klarkäme. Bin ja nicht mehr die kleine Marion, die noch in den Kindergarten
      geht, sondern schon lange ein großes Mädchen, das sich in der Welt irgendwie
      auch allein zurechtfindet.

      In diesem Sinne: Schöne Pfingsten und eine gute Zeit, wo immer du nun auch bist! Allzu weit bist du sicher
      nicht weg, denn da wo ich bin, da bist du immer auch in der Nähe, kann gar nicht
      anders sein. Ob du unser Pfingstgedicht jetzt noch auswendig weißt? Oder was
      erzählt man sich sonst so im Jenseits? Da werde ich wohl noch ein bisschen
      abwarten müssen, bis mir diese Offenbarung zuteil wird.

      Heute Morgen habe ich jedenfalls schon einen lieben Pfingstgruß
      von dir bekommen, hab herzlichen Dank dafür!

      Mäusi schrieb:

      Liebe beateangela,
      mach Dir da mal nicht so viele Gedanken und vor allem kein schlechtes Gewissen......versuch es mal positiv zu sehen......dort hat Dein Wauwi Kontakt mit anderen Hunden, ist eben nicht den ganzen Tag alleine, bekommt mehrmals am Tag Auslauf und wird rundum versorgt. Die Leute die so eine Pension für Tiere betreiben kennen sich aus......ich weiss nur zu gut wie das ist und der Tag an dem man sein Tier dort abgibt ist nicht so schön aber die Freude wenn Dein Wauwi Dich beim abholen freudig begrüßt ist um so schöner......
      Und die Frage warum Du dieser Reise zugestimmt hast ist wohl ganz einfach zu beantworten......weil Du es brauchst ! Irgendetwas in Dir hat gesagt stimm zu und schwupp hast Du gebucht......und wenn es gar nicht geht na dann fährst Du wieder nach Hause denn Juist ist nicht das Ende der Welt. Du fähst doch mit anderen Trauernden die werden das dann verstehen........

      LG
      Mäusi


      Ach liebes Mäusi, danke dir für deine aufbauenden Worte, das tut gut. Sicher hast du recht, hier ist sie die ganze Woche jeden Tag 10 Stunden alleine, dort ist bestimmt den ganzen Tag über irgendetwas los. Ich war vor 14 Tagen einmal mit ihr da, zum Anschauen, damit sie die Gerüche und Geräusche einmal wahrnehmen kann. Alle sind sehr nett und sicher auch sehr um ihre Pensionsgäste bemüht, daran habe ich auch keinen Zweifel. Du hast es treffend beschrieben, schwupps hatte ich der Reise zugestimmt weil ich im letzten Jahr schon so gerne einfach mal ans Meer gefahren wäre, aber alleine, dazu fehlte mir der Mut. Jetzt werden wir sehen wie es wird. Und Juist ist ja wirklich nicht am Ende der Welt. LG Beate
    Liebeskummer Sorgen Forum