Woran Denkt ihr gerade so?

      Ja, es ist sehr verhängnisvoll, wenn wir uns selbst als arme Hinterbliebene sehen und dem Leben, das ja bereits gelebt ist, nachtrauern. Sicher, wenn wir die Wahl hätten, dann würden wir genau wissen, was wir wählen. Aber niemand hat "die Wahl". Das Leben ist wie es ist und es liegt an jedem selbst, etwas daraus zu machen, etwas daraus zu lernen.

      Ich bin so gern mit meinem Mann durch dieses große Stück Leben gegangen und unendlich froh, ihm begegnet zu sein. Aber es gab auch ein Leben vorher für mich und jetzt ist es mein Leben nach unserer Ehe, nach all unseren Arbeiten, unseren kleinen und größeren Verrücktheiten, unseren Streits und unserer Übereinkunft.

      Es ist nicht wirklich ein "neues" Leben, denn es ist immer noch meins. Neu ist das Leben aber so wie so jeden Tag, jeden Moment.

      Meine Trauer hat sich gewandelt. Es gibt viele Momente der Wehmut, überall Erinnerungen, die mir - obwohl sie auch noch weh tun - total lieb sind.

      AL Frieda


      ......................................................

      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Hallo Zusammen,
      ich habe vor ein paar Tagen geschrieben, das Selbstmord keine Option ist. Doch seit gestern denke ich darüber nach. Mein Mann hätte diese nicht gewollt, doch im Moment überfällt mich die Trauerwelle gnadenlos. Ich kann an nichts anderes mehr denken, als dass ich ihn vermisse und bei ihm sein möchte. Ich kann nicht verstehen, dass er nicht wiederkommt. Er hat mich allein gelassen, mit meinem Schmerz. Obwohl viele gesagt haben, sie helfen mir durch diese schwere Zeit, merke ich das sie entweder nicht mehr wollen oder nicht mehr können. Ich soll weitermachen, Zukunftspläne machen, gemeinsame Träume alleine verwirklichen. Meine Mutter fragt mich ständig, wie ich dieses oder jenes zukünftig geplant habe. Ich kann das nicht, einfach weitermachen, denn mein Mann ist tot. Mein Psychologe hat gesagt, das Trauerwelle normal sind, nur so kann der Mensch das Leid ertragen. Doch kann man diese starken Wellen wirklich ertragen? Weinen und schluchzen hilft nicht und ablenken kann ich mich im Moment auch nicht.
      Die Zukunft ist einfach nur grau und verschwommen. Wenn ich die Augen schließe sehe ich meinen Mann auch nur verschwommen, irgendein Bild versucht sich darüber zu legen, welches ich nicht erkennen kann.
      Ich drücke euch alle.
      Schlumpfine
      Liebe Schlumpfine,
      Nein Selbstmord ist keine Option.
      Ich wollte das auch erst. Dann habe ich gehört, wenn man das macht
      sieht man seine Liebsten nicht wieder.
      Ob das stimmt weis ich nicht. Aber das Risiko gehe ich nicht ein.
      Vielleicht dauert es nicht mehr so lange bis es soweit ist.
      Wir wissen es alle nicht. Aber damit tröste ich mich ein wenig, mit dem
      Wiedersehen.
      Ich träume auch sehr viel von meinem Mann. Aber das Komische ist,
      das Gesicht ist immer durch irgendetwas nicht sichtbar.
      Aber ich träume oft, wie wir zusammen Dinge tun oder uns unter-
      halten oder etwas unternehmen.
      Das ist schön. Nur das Aufwachen ist nicht so schön. Denn dann kommt der
      Hammer.
      Ja ich richte mein Leben auch ganz langsam anders ein.
      Es wird nicht mehr alles sofort erledigt und auch die Wohnung ist nicht
      mehr so super ordentlich.
      Mein Mann war immer super ordentlich. Hat jeden Morgen meinen Schlafanzug
      ordentlich zusammen gelegt und mein Bett gemacht.
      Das liegt jetzt alles kreuz und quer.
      Auch die restliche Hausarbeit geht nicht mehr so gut von der Hand.
      Die Kraft fehlt einfach und die Motivation und für wen überhaupt.
      Garten habe ich nicht mehr. Wir sind vor einem Jahr in eine Altersgerechte
      Wohnung gezogen. Das Haus war viel zu groß für uns und zu viel Arbeit.
      So habe ich nur noch einen kleinen Balkon und nun das Grab.
      Aber selbst das ist fast nicht zu schaffen , weil die Kraft fehlt.
      Auf das Grab habe ich ganz viele Blumen und Gräser gepflanzt und lasse
      auch nicht ein Stück Unkraut zu. Obwohl mein Mann nicht so für den Garten
      war. Das Pflanzen mache ich , glaube ich, für mich.
      Aber sonst geht auch bei mir nicht viel.
      Ich versuche Dinge zu tun, die ich nie mit ihm gemacht habe.
      Das ist besser. Das tut nicht so weh. Aber es ist anstrengend.
      Liebe Schlumpfine,
      vor ein paar Tagen hattest du Recht, Selbstmord ist keine Option und Aufgeben auch nicht. Ich kann dich sehr gut verstehen. Wenn einen die Trauerwelle überrollt, verliert man den Boden, sieht keinen Sinn mehr im Leben. Aber diese Welle ebbt auch wieder ab, die "alten Hasen" hier im Forum bestätigen uns das immer wieder und sie haben sicher recht. Dein Verlust ist erst so kurze Zeit her, da darfst du alle Gefühle haben und auch ausdrücken. Aber Frieda hat recht, wir müssen unser Leben leben, es ist ein Geschenk, wie schwer es auch im Moment ist. Und dein Mann hat dich nicht allein gelassen, er wollte leben, genauso wie mein Mann und zwar gemeinsam mit uns. Mein Schatz sagte immer, es geht ihm gut, wenn es mir gut geht. Wenn mich die Trauer so ganz massiv überkommt bitte ich inzwischen auch ihn um Hilfe. Da habe ich mir kleine Rituale geschaffen, obwohl ich bisher immer ehr ein Verstandsmensch war. Es ist eigenartig, aber wenn ich denke, es geht gar nicht mehr, kommt in letzter Zeit immer ein kleiner Lichtblick in mein Leben der mir hilft, auch wenn es nur für einen Moment ist. Beinah ist es so, als wolle mein Mann mir dabei helfen, daß es mir besser geht und ich möchte, daß es ihm gut geht, egal wo er jetzt ist und das geht ja nach seinen Worten nur, wenn es mir besser geht. Für mich merke ich, daß ich außer meiner Liebe und Dankbarkeit meinem Mann gegenüber auch andere Menschen brauche. Da habe ich mich geöffnet, nehme vieles dankbar an. Ich drücke dich ganz doll und denke und glaube an dich.
      L.G.Emmi
      Nein, Suizid ist wahrhaftig keine Option, wenn man das Leben vor
      dem Tod des geliebten Menschen geliebt hat.
      Ja, die Gedanken kommen am Anfang schon einmal, aber diese
      entspringen der Trauer und Verzweiflung.......................

      Und wie kostbar ist unser Leben, weil wir nur dieses eine Leben haben...........

      Und glaubt mir; mein geliebter Mann und meine geliebte Schwester
      wollten so gerne leben und hatten aufgrund der Krebserkrankung
      keine Chance, dies zu beeinflussen.

      Allein dieser Gedanke hat mich immer wieder "aufgerüttelt",
      mir geholfen und die Kraft geschenkt, mein Leben zu leben
      und dieses so zu gestalten, dass es mir gut geht und ich zufrieden bin.
      Ich bin sehr dankbar dafür, dass es mir gesundheitlich
      gut geht und ich am Leben teilhaben kann.
      Jeder Tag, jede Stunde ist wertvoll und man kann die Zeit nicht
      anhalten oder zurückdrehen........................

      All dies ist nicht selbstverständlich und das ist mir sehr bewusst,
      weil ich leider auch die andere Seite kennenlernen musste.

      Ich bin im Nachhinein unendlich dankbar dafür, so viele Dinge für
      meine Lieben und mich richtig gemacht zu haben, die Zeit mit
      meinem geliebten Mann genießen konnte und auch sehr schöne Erlebnisse
      mit meiner Schwester hatte und sie begleiten zu dürfen.

      Zu Lebzeiten der geliebten Menschen war alles so selbstverständlich,
      aber nun leben wir mit den Erinnerungen, die unendlich wertvoll sind,
      zu unserem Leben gehören und ich möchte diese nicht missen.................
      All diese Erfahrungen hätte ich nicht unbedingt benötigt; aber wer
      will und wollte das schon ?
      Sie haben mich jedoch auch zu dem Menschen gemacht, den ich zur Zeit
      verkörpere.

      In diesem Sinne wünsche ich allen noch einen ruhigen, sonnigen Feierabend.

      Ganz liebe Grüße Regine
      Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
      Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.
      Man trägt die Erinnerung wie ein kostbares Geschenk in sich.
      Spatzerl, ich liebe Dich unendlich und vergesse Dich nie.
      Stell dir vor:

      Auf diesem Planeten geht es zu wie auf einem Bahnhof: Leute kommen plötzlich an und wieder andere fahren ab.

      Das Leben hier findet in einer Art "Bahnhofshalle" statt, die riesig ist. Jeder richtet sich ein und trifft Andere, die auch gerade angekommen sind. Man lernt , hier in der Halle zu leben und es ist für Viele nicht schlecht. Mit der Zeit siehst du, dass Einige wieder abreisen, ihre Züge gehen! Dein liebster Mensch nimmt plötzlich seinen kleinen Koffer und besteigt einen Zug ... :girl_sad:

      Du bist unendlich traurig darüber und würdest ihm am liebsten nachfahren, den nächsten Zug nehmen, der kommt.

      Aber leider fahren alle Züge in andere Richtungen!

      Du musst abwarten, auch wenn es sehr schwer fällt, bis dein Zug kommt. Denn wenn du irgendeinen Zug nimmst, dann landest du im Nirgendwo und wirst deinen Liebsten erstmal nicht wieder treffen.

      AL Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Bei unserer Hochzeit verglich die Standesbeamtin in ihrer Rede unser künftiges Leben auch mit einer Reise, mit einem Zug den wir besteigen. Aber mein Mann hätte nicht seinen Koffer genommen und mich alleine am Bahnsteig stehen lassen. Er hätte mich mitgenommen und noch mal überprüft, ob meine Schminktasche und das Haarspray eingepackt sind :saint: . Gerne hätte ich auch die letzte Reise gemeinsam mit ihm angetreten. Ja, der Vergleich mit dem Bahnhof ist gut. Nur weiß ich im Moment nicht, auf welchem Gleis mein Zug einfährt und wohin die Reise geht. Gerade jetzt ist mir das Herz besonders schwer und die Einsamkeit lastet auf mir. Ein Zugbegleiter, kompetent und freundlich ,der mich durch das Chaos führt wäre hilfreich, damit ich auf keinen Fall den Anschlußzug verpasse.
      L.G.Emmi
      Mein Zugbegleiter war vielleicht gerade hier. In Form einer netten Dame von der Apotheke, die mir im Auftrag meiner lieben ehemaligen Hausärztin (ist leider in Rente gegangen) homöopathische Tropfen gegen Panik- und Angstzustände gebracht hat. In letzter Zeit habe ich immer öfter das Gefühl, daß mir die Luft wegbleibt, wenn ich an meinen Mann denke und mich die Trauer so überrollt. Es ist schön, daß sich jemand Gedanken um mich macht und mir hilft. Dafür danke ich ihr sehr. Gestern bat ich noch meinen Mann, mir ein Zeichen zu senden und als ich heute auf den Friedhof kam, hatte das kleine abgeblühte Rosenbäumchen lauter neue Knospen angesetzt. Ein kleiner Lichtschein in meinem Leben, das wünsche ich euch auch von Herzen.
      L.G.Emmi
      Hallo Ihr Lieben,


      unter Google findet Ihr auch diesen Text

      "der Zug des Lebens"

      genauso wie das Leben verläuft.

      Ja so ist es, einige steigen aus auf nimmer wiedersehen und andere steigen zu und bleiben. So haben wir das auch erlebt und Ihr werdet das ja auch erleben.. Ist viel Wahrheit drin.
      Liebe Syli,
      den ersten Schritt machen, das fällt mir schwer, bin ehr der zurückhaltene Typ. Aber ich übe fleißig und merke, daß da durchaus etwas zurück kommt.Brauche bloß mehr Traute. Mein Mann und ich waren viel mit dem Auto unterwegs, das fällt jetzt leider auch weg, bin ein schlechter Autofahrer. Wenn überhaupt, geht es bei mir jetzt wirklich mit dem Zug weiter, alleine. Falls wir mal zufällig im selben landen, gib dich bloß zu erkennen, würde mich freuen, dann fahren wir ein Stück der Strecke gemeinsam. :knuddeln:
      L.G.Emmi
      Ich denke gerade, dass so ein Sommer wie dieser hier in Deutschland (extreme Trockenheit, Unwetter, Stürme nehmen stark zu , Gewitter werden bedrohlicher, selbst Regen wird zum Problem, egal ob er fällt oder nicht fällt)) zu denken gibt.

      Wenn die Menschen hier jetzt nicht ins Denken kommen, sondern wenn sie weiter einfach nur konsumieren und sich nur um ihr eigenes Wohl kümmern ... ?


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Ich denke gerade dass sich am Sonntag zum dritten Mal der Todesrag jährt und ich es nicht fassen kann dass ich schon so lange ohne ihn leben muss.
      Und das Frida Recht hat, dass die Menschen nachdenken müssen, über das Klima und auch über unser Leben mit all unseren Mitmenschen, alles scheint zurzeit im Umbruch, das macht mir Angst und ich fphle mich oft mit dieser Angst allein!
      Jenny
      Nicht nur @'Schlumpfine:

      Nein, Selbstmord ist keine Option. Dass wir (noch) leben, ist trotz aller Trauer ein Geschenk, das wir achten sollten! "........bis dass der Tod euch scheidet.," heisst es bekanntlich. Wobei ich weiss, dass die Trauer gegenwärtig noch eine Qual ist, die je nach Typ entsprechend lange dauern wird. Warum das so ist, eine Antwort auf diese Frage kennt wohl nur der Wind.
      Nein,
      Selbstmord ist keine Option, aber die Gedanken und Gefühle kommen und sollten auch ausgesprochen werden dürfen. Wenn der geliebte Mensch derartig fehlt und man für sich selbst keine Zukunft sieht, braucht man Hilfe, schafft man es meines Erachtens nicht, alleine aus dem Tal heraus zu kommen. Es fehlen einfach Motivation und Kraft, vor allem, wenn man erst am Beginn der Trauer ist. Helfende Hände, die sich einem entgegenstrecken und Halt geben werden da ganz dringend gebraucht. Leider hat nicht jeder Verwandte, Freunde oder Kollegen, die dazu bereit und in der Lage sind. Ich habe das alles, falle aber trotzdem auch immer wieder in dieses große schwarze Loch. Aber liebe Schlumpfine, man schafft es mit Hilfe da auch wieder raus. Die "Alten Hasen" hier im Forum sind das alles selber durch, einer ist doch immer online und hört bzw. liest zu. Und es gibt auch gute Psychotherapeuten, die sich auf Trauer spezialisiert haben.Sind manchmal nicht leicht zu finden und haben lange Wartezeiten, aber manchmal klappt das über eine Tagesklinik ganz gut. Gib nicht auf und fühl dich gedrückt, du bist nicht allein.
      L.G.Emmi
      Morgen wird ein ehemaliger Arbeitskollege beerdigt, gestorben an Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom), mein Jahrgang. Gestern musste ein 7-jähriges Mädchen mit ansehen, wie ihre Mutter von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt wurde. Wer meint, ich hätte mir des Wegen unter anderem die Frage gestellt, warum Gott dies zugelassen hat, dem antworte ich mit einem eindeutigen NEIN!
    Liebeskummer Sorgen Forum