Woran Denkt ihr gerade so?

      ... dass es schon krass ist, dass der Maler sich mir nun schon als Faktotum anbietet - seine Frau sei Krankenschwester, habe früher im Altenheim gearbeitet bzw. sei zu alten Leuten gegangen. Sie könne für mich auch putzen und essen machen/essen kaufen, wenn es mir zu viel würde ... ????

      Seit meine Mutter nicht mehr lebt und ich in dieser neuen Lebensphase bin, muss ich mir ständig von Maklern, Handwerkern etc. solches Senioren-Zeug anhören, als wäre ich mindestens 75. Einfach abartig.

      Hab mich bisher neben meinem Job allein um ein ganzes Haus mit Garten und eine pflegebedürftige Mutter gekümmert. Und jetzt plötzlich: ALTE FRAU.

      Und aus dem Biomülleimer kam mir mehrfamilienhaustypisch gleich mal ein Schwarm Fliegen entgegen ... Nett.

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      Frieda schrieb:


      Und selbst eine Immobilie - und wäre sie noch so großartig - verfällt irgendwann, wenn sie keine Lebensenergie, keine Pflege, keine Restauration mehr erhalten kann.


      Ja, Frieda, da gebe ich dir recht. Deshalb ist es - so schwer mir die Trennung von dem Haus mit Garten auch fällt, nicht zuletzt auch wegen der Katze - mir nun auch recht, dass hier eine fünfköpfige Familie einzieht und Leben in die Bude kommt.

      Ich habe mir früher immer eingebildet, dass das Haus ein wichtiger Bestandteil meiner Identität sei, ich es nach dem Tod meiner Mutter auf jeden Fall behalten möchte und es letztendlich nur eine finanzielle Frage sei, ob ich mir das überhaupt leisten könnte ...

      Ich habe dann aber ziemlich schnell nach dem Tod meiner Mutter gemerkt, dass das Haus sich ohne sie auch gar nicht mehr so heimisch anfühlte wie zu ihren Lebzeiten. Das war ja immer unser Haus, in dem wir uns wirklich wohl gefühlt und trotz vieler Schwierigkeiten, die das Leben für uns bereithielt, alles in allem ein sehr glückliches gemeinsames Leben geführt haben. Und dann habe ich eben gemerkt, dass es UNSERES war, aber MEINES allein nicht wirklich sein kann, weil das Haus mir durch die körperliche Abwesenheit meiner Mutter auch schon ein Stück weit fremd geworden war ... Letztendlich sind es eben doch weniger die Mauern, die Heimat ausmachen als der geliebte Mensch, der dort mit einem zusammen wohnt ...

      Jetzt muss ich eben noch mal in eine neue Umgebung aufbrechen. Das ist abgesehen von der Geschichte mit der Katze schwierig für mich, weil es für mich eben auch so ein Verlust von Autonomie ist, in ein Mehrfamilienhaus zu ziehen. Da hat man eben nicht mehr seine "Trutzburg", in der man sein eigener Herr ist, sondern muss sich auf eine Menge Kompromisse mit anderen einlassen und manches akzeptieren, was einem nicht so gefällt.

      Und weil man natürlich hier auch die Nachbarn schon lange kennt. Aber andererseits ist zum Beispiel meine Lieblingsnachbarin, mit der ich mich oft und gern unterhalte, schon über 90 und wird auch nicht mehr ewig leben. Da ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent sowieso Abriss angesagt und es wird in absehbarer Zeit wohl eine Baustelle hinkommen und es werden auch dort wieder neue, fremde Leute einziehen. Im Prinzip muss ich froh sein, dass ich nun wenigstens um die Baustelle herumkomme, die dort wahrscheinlich irgendwann ansteht.

      Es ist heute ja nicht mehr so einfach, solche Altbauten überhaupt an Privatleute verkauft zu bekommen, da man schon einen sehr großzügigen Finanzrahmen haben muss, um sich die Renovierung leisten zu können. Deshalb wird hier in der Gegend vieles einfach abgerissen. Und gerade Häuser, die am Hang liegen mit vielen Treppen, sind auch bei jungen Familien nicht übermäßig beliebt, da eben immer Bequemlichkeit angesagt ist. Das ist komisch - da rennen die Leute alle für teures Geld ins Fitnessstudio und heben Hanteln, aber wenn man seine Einkäufe die Treppe hochtragen muss, ist es natürlich eine Zumutung. ;)

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      ... und Anfang Oktober rücken hier die Möbelpacker an, und ich kann mir das alles noch gar nicht so richtig vorstellen ... Bis jetzt nur Chaos im Haus und noch nichts vorbereitet. Wird aber auch irgendwie gehen ... Die Mutter musste ich ja schließlich auch begraben. Da werde ich wohl irgendwie auch diesen Umzug noch bewältigen.
      ... dass ich mir zu Weihnachten eine Zeitmaschine wünsche - um noch mal
      in die Vergangenheit zu reisen und in all die schönen
      unwiederbringlichen gemeinsamen Momente einzutauchen, die jetzt nur noch
      als Bilder in meinem Kopf oder als Fotoabzug auf Papier existieren ...

      50 Jahre = 18250 Tage = 438000 Stunden = 26.280.000 Minuten gemeinsam gelebtes Leben

      Wo
      ist das alles geblieben ...?

      Unendlich viel Zeit - irgendwie seltsam
      zusammengeschrumpft auf ein paar Erinnerungsblitzlichter in meinem Kopf,
      hier ein Bild, dort ein Bild, Weihnachten, Ostern, Silvester ...

      Ständig präsent und doch nicht mehr wirklich greifbar.

      Und das, was mal mein ganz normaler Alltag mit meinem Lieblingsmenschen, meiner Mutter, war, rückt Tag für Tag immer weiter weg - als wäre es schon gar nicht mehr richtig wahr, als hätte es vielleicht gar nie wirklich stattgefunden ... Wenn ich auch noch sterbe, ist es weg - sind auch die Erinnerungen endgültig begraben.

      Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon?

      Vielleicht bleibt auch alles gespeichert. Irgendwo im Universum. Aber will man das wirklich? Auch die schrecklichen Erinnerungen der Menschen wären ja dann in alle Ewigkeit gespeichert. Nicht nur unsere schöne kleine Idylle hier mit Haus und Garten und Katzen.

      Und die Ungewissheit bei allem ist für mich noch das Schlimmste. Selbst wenn man definitiv wüsste, es käme nichts mehr nach, wäre es irgendwie leichter - bräuchte man nicht mehr ewig drüber zu rätseln. Könnte man das abhaken ein für alle Mal und sich damit abfinden, dass dies der Lauf der Dinge nun einmal ist. Werden und Vergehen. Geboren werden und Sterben. Aufblühen und Welken. Schönes und weniger Schönes erleben, sich durchkämpfen, Widrigkeiten bestehen, vieles lernen und dann einfach für immer einschlafen und alles wieder vergessen.

      Wie merkwürdig das alles ist. Hatte man doch mal einen ganz normalen Alltag, anstatt sich dauernd in solchen Grübeleien zu ergehen. Nun gut, was heißt schon normal? Ein bisschen exotisch war immer schon alles. Und nie ganz leicht aus den verschiedensten Gründen. Aber im Großen und Ganzen eben doch so ein Allerweltsleben mit "Guten Morgen" und "Gute Nacht, schlaf gut" und "Vergiss nicht, den Mülleimer rauszustellen" oder "Bald ist es wieder Zeit, den Rasen zu mähen" und "Schöne Grüße von der Nachbarin soll ich bestellen".

      Der Stuhl nun unbesetzt, die Stimme verstummt, der Blick erloschen. Und nun fühlen die Tage und die Räume, in denen man sich aufhält, sich immer wie fremd an, obwohl sich doch scheinbar nichts verändert hat und jedes Ding noch an seinem Platz steht. Und auch das Leben - als würde es mir schon gar nicht mehr ganz gehören, als wäre ich nur noch so eine Verwalterin der Vergangenheit, die alles zu einem ordentlichen Abschluss bringen muss ...
      ja Marion genauso ist es, es ist der Lauf der Zeit. Und das haben Millionen von Menschen vor uns auch so empfunden, es ist alles so vorgeschrieben.

      Aber wir machen unsere Sache noch zu Ende wie alle anderen auch. Nichts kann man zurückholen oder wiederholen, es ist mal so.
      Liebe Marion,
      ja, eine Zeitreise, die wünsche ich mir auch. Allerdings bloß zurückreisen, reicht mir nicht. Ich möchte die Zeit dann auch anhalten. Den ganz normalen Alltag wieder genießen mit seinem, der Müll muß noch raus. Mein Mann hat heute Geburtstag und ein sehr schwerer Tag liegt vor mir, den ich nun alleine verbringe. Eigentlich wären wir auf dem Weg zu einem Kurztrip in eine schöne alte Stadt. Das haben wir oft so gemacht, um am Geburtstag die ganze Aufmerksamkeit dem Menschen zukommen zu lassen, der uns am wichtigsten war.Voriges Jahr waren wir in Krakau und gestern kam zufällig ein Bericht über diese Stadt im Fernsehen.Da liefen wieder die Tränen. Meine Tochter schickte Blumen, ein Strauß auch für mich, so zum Trost und als Zeichen, dass sie an mich denkt. Die stehen jetzt im Schlafzimmer neben seinem Foto. Es kommen mir viele Gedanken, darüber wie schnell das Leben vergeht und worin der Sinn von allem liegt.Auch darüber wie es weiter gehen soll.Ich möchte nicht leben ohne ihn und muß es doch. Euch allen ein angenehmes Wochenende.
      L.G.Emmi
      Was die Vergangenheit anbelangt, möchte ich wie Marion höchstens nur die schönen Momente noch einmal erleben. Ansonsten möchte ich die vermeintlich(!) schöneren Zeiten nicht nochmal erleben, sondern vielmehr die Gegenwart genießen bzw. versuchen, das schönste aus der Gegenwart herauszuholen.
      ... dass so ein Trauerforum mir besser gefällt als eine Trauergruppe: weil man sich austauschen kann, ohne sich gegenseitig beim Heulen zuzusehen und zuzuhören. Nee, also das wäre nicht mein Ding - sich dauernd gegenseitig Taschentücher reichen und mitfühlend den Arm tätscheln. Keine Ahnung, wie ich mir das konkret vorstellen muss, war noch nie dort, aber ich wollte da sicher nicht hingehen.

      Zumal mich da wahrscheinlich sowieso keiner ernst nehmen würde. Würde wahrscheinlich ohnehin jeder bloß denken: Was will die denn? 86 Jahre sind doch ein schönes Alter ... Das ist eben der Lauf der Welt, weiß man ja vorher, dass das irgendwann so ausgeht.

      Und ich hätte dann auch keine Lust, dort lang und breit mein Leben zu erklären ... mehr oder weniger intime Details über das Zusammenleben preiszugeben ... Und nachher läuft man sich noch jahrelang in der Stadt über den Weg und weiß nicht, in welche Richtung man gucken soll, weil einem diese tränenreichen Geständnisse gegenüber Fremden im emotionalen Ausnahmezustand der ersten Trauerwochen und -monate dann eines Tages doch irgendwann peinlich sind ...

      Bin ja noch nie der Fan von Stuhlkreisen gewesen ...

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      Mein Lächeln
      Von jeher freundlich und kommunikativ, war mir das Lächeln seit dem schrecklichen Ereignis vergangen. Die furchtbare Dunkelheit und innere Leere über Wochen und Monate... nun, Ihr wisst ja alle sehr gut, was ich meine.

      Während meines mühsamen Kampfes nicht noch tiefer in jenes tiefe schwarze Loch zu fallen, habe ich mich gezwungen, die Menschen auf der Straße ab und zu anzulächeln, wer mir sympathisch schien, also nicht dauernd. Tatsächlich kam immer ein Lächeln zurück. Ein winziger Lichtblick in großer Finsternis.

      Heute, nach 1,5 Jahren, ist nichts gut, aber es fällt mir wieder leicht zu lächeln.
      Was ich zurückbekomme, gibt mir Kraft und die Gewissheit, dass die Welt kein dunkler Ort ist. Heute z.B. habe ich - auf dem Weg zu meiner Naturoase - an der Bushaltestelle eine alte Dame angelächelt und sie durch eine kurze Bemerkung in ein lockeres Gespräch verwickelt .

      Es war nur eine kurze Fahrt, aber die alte Dame fand dieses Gespräch wohl so angenehm, dass sie beim Aussteigen sagte: "Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag und bleiben Sie gesund! Das ist ein Befehl!" Das habe ich ihr gern versprochen und ihr meinerseits alles Gute gewünscht.
      Es sind diese kleinen Begebenheiten, die einem helfen, das Licht zu sehen und nicht die Dunkelheit.
      AL
      Ja, das stimmt schon, dass alte Leute oft dankbar sind, wenn man sie mal nett grüßt oder ein paar Worte mit ihnen wechselt. Oft denkt man, meine Güte, die Olle guckt aber ganz schön griesgrämig aus der Wäsche, wahrscheinlich ist die nicht sonderlich sympathisch. Liegt eben oft daran, dass diese Frau schon seit Tagen, vielleicht auch Wochen, wer weiß, keinen Kontakt und keine Möglichkeit zum Gespräch mit jemandem hatte. Da blüht ein Mensch dann so richtig auf, wenn er mal angesprochen und wahrgenommen wird - und sei es nur für einen kurzen Moment.

      So gesehen: Vielleicht sollte man ja auch mal das Experiment wagen, gerade
      diejenigen anzulächeln, die auf den ersten Blick nicht so sympathisch
      wirken...?

      Letztendlich ist das eben ein tief im Menschen verwurzeltes Bedürfnis - in irgendeiner Form von seinesgleichen wahrgenommen zu werden. Und sei es aufgrund von Geschreibsel in einem Forum ... Wir sind nun mal Rudeltiere und aus meiner Sicht nicht wirklich dafür geschaffen und geeignet, völlig allein vor uns hin zu leben. "Niemand ist eine Insel", wie mal jemand geschrieben hat.

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      auf so ein Experiment wär ich gespannt, ich hab ein gutes jahr alles versucht um den
      anschluß ans leben nicht zu verlieren. ich war in seniorenveranstaltungen, hab eine
      kleine urlaubsfahrt gemacht (4tage) nur mehr hab ich mir alleine nicht zugetraut.
      habe dann eine tagesbusfahrt gemacht, war bei einer vorlesung. ich blieb immer
      einsam dann hab ich mal in meinen spiegel geschaut, verhärmt traurig dieser anblick
      tiefe falten haben sich in mein gesicht gegraben. und ganz ehrlich ich würde mich
      so auch nicht nicht ansprechen, in der schillernden heutigen welt möchte man sich
      nicht mit einsamkeit und traurigkeit abgeben. eine bekannte sagte vor ein paar tagen
      wir tranken einen kaffee es hat mich gefreut dich mal wieder lachen zu sehen. ganz ehrlich
      ich will und kann auch nicht mehr lachen, hab den glauben an die menschen verloren. die
      traurigen züge haben sich so festgefress und lachen fällt so schwer.
      nur meine freundin ROSI vom campinglatz wir kennen uns seit 2000 wenn ich sie nicht hätte.
      sie ist ein so lieber schatz sie kannte ja auch meinen mann über den wir sehr oft reden und sie
      richtet mich immer wieder auf. sie geht kaum noch außer haus sie ist krank, da hab ich mit ihr
      was gemeinsam. ich geh auch kaum noch außer haus nur wenn ich was zum leben kaufen muss.
      habe einfach angst von leuten gemieden und enttäuscht zu werden. ich bin mir heute sicher
      mein restliche leben allein zu verbringen und noch fällt es mir unheimlich schwer...…bitte nur antworten wer mich auch versteht und nicht nur mit unbedachten ratschlägen

      gruß monalisa
      Monalisa, vielleicht kannst du ja mal eine Anzeige in der Zeitung aufgeben, dass du Leute für Freizeitkontakte suchst ... ?? Es gibt doch sicher genug alleinstehende Witwen in Berlin, denen es ähnlich geht und die sich auch mal gern auf einen Kaffee treffen würden oder mal ins Kino, Konzert, Spazieren gehen, was weiß ich. Solange man noch nicht total krank und absolut gehbehindert ist, müsste es doch schon möglich sein, irgendjemanden zu finden, der ab und zu mal etwas mit einem unternimmt ...

      Ich glaube, das muss man schon irgendwie aktiv angehen - wenn man jetzt nur an einer Reise teilnimmt, zu einer Seniorenveranstaltung oder in eine Vorlesung geht, ist es schon eher Glückssache, jemanden näher kennenzulernen, sodass dann auch nachher etwas hängen bleibt.

      Ich habe zum Beispiel eine Freundin, mit der ich etliche Jahre regelmäßig etwas unternommen habe (gemeinsame Konzertbesuche), über eine Anzeige kennengelernt. O.k., mittlerweile ist diese Freundschaft auch beendet, aber das ist eine andere Geschichte.

      Ich überlege mir ja auch, diese Schiene noch einmal zu fahren, wenn ich nächstes Jahr endlich in meiner neuen Wohnung angekommen bin, denn bei mir ist es ja leider auch nicht allzu weit her mit Kontakten. Natürlich ist das alles sehr mühsam, und am liebsten wäre es mir, ich hätte den Menschen noch an meiner Seite, mit dem es wirklich immer gepasst hat und in dessen Gegenwart ich mich am wohlsten gefühlt habe. So eine wirklich enge Beziehung und Seelenverwandtschaft ist einem eben im Leben meistens nur einmal, wenn man ganz großes Glück hat vielleicht sogar zwei Mal gegeben.

      Ich bin auch ziemlich sicher, dass es das für mich in dieser Form nicht mehr geben wird. Und andere Leute bedeuten eben immer viele Kompromisse. Bloß bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als diese einzugehen, wenn man nicht allein in seiner Wohnung versauern will ...

      Und Aktivitäten ohne Begleitung sind nun mal leider auch gar nicht meine Sache, weil ich eben auch ein Mensch bin, der den persönlichen Austausch braucht. Wenn ich etwas Schönes sehe, möchte ich auch sagen können: "Da, schau mal, wie schön das ist ..." Bloß allein davor stehen und denken: "Ja, das ist jetzt aber ganz schön. Freu. Freu." Gut, wenn man das kann, aber ich gehöre nicht zu denjenigen, die Spaß an so etwas haben ...

      Ich finde es ja schon toll und mutig von dir, Monalisa, dass du überhaupt so eine 4-tägige Urlaubsfahrt allein gemacht hast. Aber wie gesagt, du könntest ja auch mal ausschreiben: "Wer hat Lust, mit mir zusammen einen Kurzurlaub zu machen?" Da werden sich doch sicher etliche melden. Schau doch, dass du möglichst noch ein bisschen etwas aus der Zeit machst, die du noch hast. Es wird ja ohnehin immer weniger mit den Jahren. Irgendwann geht man dann tatsächlich am Rollator und kommt sowieso nicht mehr aus der Bude.

      LG
      Marion
      Ich hoffe, dass ich nicht falsch verstanden wurde.
      Dass ich mit fremden Menschen leicht ins Gespräch komme, liegt an meinem offenen und sehr kommunikativen Wesen und meine innere, lebensbejahende Einstellung.

      Meine liebste Person liebte auch das Leben und war lebensfroh, aber sie war nicht der offene auf andere zugehende Typ. Auch der Rest meiner Familie ist seltsamerweise eher introvertiert.
      Daher habe ich es zugegebener Maßen leichter, mit Menschen in Kontakt zu kommen.

      Das bedeutet allerdings nicht, dass ich nicht auch allein und einsam bin.Es sind halt nur flüchtige Begegnungen.
      Situationen, die mich Lächeln machen.

      Gestern, war ich an meinem Lieblingsort (großes offenes Naturgrundstück des Naturschutzbundes) und habe ab Mittag den Tag dort verbracht. An meinem angestammten "Rastplatz" saß ein Mitarbeiter und machte Mittagspause. Nun, ihr könnt es Euch denken,
      ich plauderte wieder munter drauf los und er ging darauf ein.
      Währenddessen teilte er sich mit mir seine frisch gepflückten Pflaumen. Mhm, die schmeckten doch etwas besser als aus dem Supermarkt.
      Am gleichen Tag - auf der Rücktour - hatte ich einen fantastischen Small Talk mit einer jungen Frau, die lachend aus dem Bus stieg.
      Und heute - wie es der Zufall so will - traf ich genau jene junge Frau auf dem Grundstück wieder. Ich hatte sie nicht gesehen, aber plötzlich wurde ich lächelnd gegrüßt, mit der Frage, ob ich mich an sie erinnere. Und ob!

      Nein, diese Situationen lösen nicht meine Sorgen und Probleme. Sie geben mir aber die Kraft, weiterzumachen.

      AL


      PS.: Da gibt es natürlich auch die vielen unangenehmen Situationen, die eine Großstadt mit sich bringt, z.B. eine Fahrt mit den Öffentlichen. Ich mag mich aber nicht unterkriegen lassen. Es ist ein nie endender Kampf. Den habe ich aber auch schon vor dem schrecklichen Ereignis geführt.
      Liebe Monalisa,
      ich verstehe schon, was du zwischen den Zeilen schreibst.
      Mit dem Alleinsein können wir wahrscheinlich alle mehr oder weniger gut umgehen.
      Manchmal habe ich auch nichts gegen das Alleinsein und wenn ich das nicht will, gehe ich raus und mache all das, was Marion68 beschrieben hat.
      Das Problem ist eher die Einsamkeit. Ich habe gelesen, dass dies ein Gefühl ist. Also ein Gefühl der Verlassenheit und inneren Leere. Die hatte ich nicht, als die liebste Person noch da war.
      Ich befürchte, wenn denn da niemand mehr ist, muss man sich damit arrangieren. Mir gelingt das ganz gut, weil ich in meinem Leben bisher "die Freundschaft" nicht gekannt habe. Das habe ich meiner Meinung nach nicht verdient, aber es hat sich nicht ergeben. Schicksal eben. Jetzt, nachdem meine liebste Person nicht mehr da ist, fühle ich mich tatsächlich verlassen/einsam.
      Was kann ich tun? Ich gehe hinaus und bin, wenn ich es will, nicht allein. Dass aus Einsamkeit Zweisamkeit wird - vielleicht, vielleicht auch nicht. Es gelingt mir immer besser, damit zu leben.
      Ich denke, liebe Monalisa, dass du in diesem einen Jahr alles richtig gemacht hast. Du darfst nur nicht zuviel erwarten. Einfach raus und genießen. Nicht mit dem Vorsatz oder auch nur den Gedanken, dass sich jetzt eine engere Bekanntschaft entwickelt. Das mache ich auch nicht und bin daher nie enttäuscht.
      Liebe Grüße :knuddeln:

      PS.: Ich habe auch gelesen, dass sehr viele Menschen einsam sind, obwohl sie zweisam sind, also in einer Partnerschaft.
      liebe hobbyor……….
      ich hab das schon hier im Forum geschrieben , ich verlor schon 2 Männer hintereinander.
      einen 1999 und 2015 beide an krebs es war sehr schlimm. und bin nun tatsächlich ganz
      allein auf der welt keine vertrauten Familienangehörigen. jetzt hab ich zwei traurige Geschehnisse zu verkraften, ende September wäre der 60 te Geburtstag von meinem mann gewesen und einen Monat
      weiter ende Oktober sein 3 ter Todestag. LG monalisa :knuddeln:

      @ Marion ich bin auch immer ein aufgeschlossener mensch hatte keine Kontaktschwierigkeiten war
      lange jahre kraftfahrer im großhandel mit liefertätigkeiten. aber jetzt nach tod von meinem schatz
      bin ich abgefallen, körperlich seelisch hab nicht mehr viel drauf, ist alles nicht mehr leicht. liebe grüße monalisa
      ... dass 50 Jahre ein schwieriges Alter sind, wenn man aus seinem bisherigen Leben herausgefallen ist und nun allein dasteht-

      ...irgendwie schon zu alt für einen kompletten Neuanfang, vor allem wenn man gesundheitlich ohnehin angeschlagen ist, und weil der Großteil des Lebens, der einen geprägt hat, schon vorbei ist,...

      ...aber irgendwie auch noch zu jung fürs "Altenteil", sich damit zufrieden zu geben, mit den Senioren in der Nachbarschaft ein Schwätzchen zu halten ...

      ... mit 40 fällt es vielleicht leichter, noch mal etwas ganz Neues anzugehen, mit 60 kann man sich vielleicht sagen, dass es jetzt auch mehr oder weniger egal ist, wie man die restlichen Jahre noch rumkriegt ...

      Wobei die Jahre von 50 bis 60 ja auch vollends schnell rumgehen. Ein Jahr habe ich jetzt bald schon wieder durch mit Papierkram im Zuge der Nachlassbearbeitung, Haushaltsauflösung, Wohnungsrenovierung, Umzugsvorbereitung ...

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      Na ja. Es ist auch mit 60 nicht egal. Und ich denke nicht, die paar Jahre werd ich schon rumkriegen. Ich habe vor noch einige Zeit zu leben. Wir waren 38 Jahre verheiratet. Es ist in jedem Alter schlimm, einen lieben Menschen zu verlieren.
      Außerdem ist man nie zu alt für einen Neuanfang - schon gar nicht für einen Umzug.
      Alles verändert sich mit dem, der neben einem ist oder neben einem fehlt.

      "Musste dich gehen lassen und konnte nichts tun.
      Still und ohne Schmerz hoffe ich, kannst du nun ruhn."

      Chris schrieb:


      Außerdem ist man nie zu alt für einen Neuanfang - schon gar nicht für einen Umzug.


      Da hast du definitiv recht, dass man nie zu alt für einen Umzug ist, denn der Umzug ins Pflegeheim kommt ja irgendwann auf viele von uns noch zu ... ;)

      Ich wollte hier mit meiner Aussage übrigens niemandem zu nahe treten - war nur so ein Gedanke von mir, wie ich es vielleicht in Bezug auf MICH gesehen hätte ...

      Was mich angeht, würde ich ja viel lieber wieder in ein Haus ziehen, vielleicht auch, wenn ich jemanden fände, der da mitmacht, aber da denke ich eben, das wird wohl ein Traum bleiben, denn das passt wohl definitiv nicht mehr und wäre der Wahnsinn, mir das noch einmal anzutun.

      Das meinte ich nämlich: dass ich für eine solche Art von Neuanfang dann wohl doch etwas zu alt bin ... Ich meine, man kann das schon machen, keine Frage, und mancher macht so etwas auch - die Frage ist nur, ob es Sinn macht ... In Wohnung ziehen ist für mich eben nicht unbedingt der tolle Neuanfang, sondern eine Entscheidung, die ich aus rein rationalen Überlegungen wohl oder übel treffen musste.

      Letztendlich sind das eben alles so Gedanken, die man sich macht, wenn man merkt, dass man mit seinem Leben irgendwo gestrandet ist, wo man nicht sein möchte. Warum erzählt mir meine geschiedene Freundin denn immer, dass es ihr Lebenstraum sei, irgendwo in Italien in einer Hütte ohne Wasser und Strom zu hausen? Finde ich ziemlich verrückt und ich glaube ja nicht, dass sie es dort wirklich lange aushalten würde. Letztendlich ist das meines Erachtens eben auch so ein Traum von einem vermeintlich "besseren Leben", so ein Fluchtreflex, weil ihr Leben so, wie es sich momentan darstellt, sich offenbar auch nicht wirklich "heimisch" für sie anfühlt ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von „Marion68“ ()

      Liebe Chris,

      wie Du schreibst, auch mit 60 Jahren und älter ist es mit
      absoluter Sicherheit nicht egal, wie man den Rest seines
      Lebens gestaltet und verbringt.
      Mein Papa ist nun 88 Jahre alt, den Umständen entsprechend geht
      es ihm gut und er ist geistig total fit.
      Wenn er vor 20 Jahren, als meine Mama starb, gedacht hätte,
      dass es egal ist, wie er nun den Rest seines Lebens verbringt,
      hätte er ganz viele wunderschöne Begebenheiten nicht erlebt,
      die er dank seiner positiven Einstellung zum Leben, wahrnehmen
      konnte.

      Alles eine Frage der Einstellung und des positiven Denkens.

      Ich genieße mein Leben, vor allen Dingen die schönen Begebenheiten,
      denn wir alle wissen nicht, für wie lange.......................

      Ich habe mich soeben mit einer langjährigen Freundin getroffen,
      deren Ehemann seit Januar diesen Jahres mit 66 Jahren an CA
      erkrankt ist. Die Behandlung erfolgt palliativ und ich weiß sehr wohl,
      was das bedeutet...............

      Alleine die 3 Stunden Gemeinsamkeit und die Gespräche bei einem leckeren Essen
      waren für uns sehr entspannend, und ich bin so dankbar dafür
      derzeit gesund zu sein und dass es mir sehr gut geht.

      Und das Schönste an diesen Gesprächen war, dass meine Freundin
      immer noch Hoffnung auf ein paar gemeinsame Jahre hat, denn
      die "Hoffnung stirbt zuletzt".
      Außerdem ist es ein schönes Gefühl ihr zuhören zu dürfen, Probleme
      teilen zu dürfen und ihr 3 entspannte Stunden geschenkt zu haben,
      denn wie ich selbst aus Erfahrung weiß, kann man aus solchen
      Begebenheiten wieder ein wenig Kraft schöpfen.............

      Ich wünsche diesen lieben Freunden von Herzen, dass ihnen noch ein
      wenig lebenswerte, gemeinsame Zeit bleibt und wer weiß............

      Ganz liebe Grüße Regine
      Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
      Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.
      Man trägt die Erinnerung wie ein kostbares Geschenk in sich.
      Spatzerl, ich liebe Dich unendlich und vergesse Dich nie.
    Liebeskummer Sorgen Forum