Woran Denkt ihr gerade so?

      Liebe Regenpalme,

      das hat sich bei mir nach all der Zeit auch nicht geändert. Ich bin ja gerade zur Reha, wo auch Entspannung angesagt ist. Doch gerade dabei kommt bei mir vieles hoch. Man ist die ganze Zeit abgelenkt und eingespannt durch Therapien und Anwendungen, durch Gespräche mit anderen Patienten, doch wenn man dann tatsächlich zur Ruhe kommt, ist alles sofort wieder da. Und dann geht das Weinen los und hört nicht mehr auf.
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Ja liebe Marion, ich werde mir das auch sehr gut überlegen.
      Die Entscheidung kann ich aber jetzt einfach nicht fällen.
      Weil ich noch gar keine Richtung habe , wo die Reise hingeht.
      Ich bin jetzt doch immer noch in der Phase, wo ich nur mal einen Tag
      voraus denke und versuche das es irgendwie weiter geht.
      Ich weis das ist kein Ersatz, aber vielleicht eine Hilfe.
      Manchmal denke ich schon, was soll das Ganze. Wozu bist du eigentlich noch hier.
      Hat doch keinen Sinn, aber das ist eben auch wieder das Wollknäul...
      Ich entscheide erst, wenn es mir besser geht, wenn überhaupt.
      Danke Marion
      Auch ich habe solche Gedanken doro.
      Ich stehe oft am Grab und entschuldige mich.
      Wir hatten vier Tage vorher morgens noch eine Diskussion und ich war dann so beleidigt. Mein Mann hatte dann abends gekocht. Für ihn war die Diskussion erledigt. Ich aber habe weiter streiten wollen. Wie gingen ohne zu essen ins Bett und ich denke nur daran, es tut so weh, da es ja wie immer nur blödsinnig war.
      Ich will ihn einfach nur zurück
      Liebe Lena,
      solch ein "Päckchen" tragen glaube ich viele mit sich. Was hätten wir anders machen können ?
      Leider sind wir nur Menschen mit Fehlern und nicht perfekt, daher hilft es nicht mit vergangenen gemachten Fehlern zu hadern, macht alles noch schwerer als es eh schon ist. Ich denke unsere Liebsten verzeihen diese Fehler da sie unsere Liebe spüren. Glaube ich auf jeden Fall das dies so ist.
      LG Roland
      Guten Morgen,
      Ich komme gerade vom Nachtdienst. Letzte Nacht kam mein guter Kollege zu mir und berichtete über seine Frau die schon seit Januar krank ist. Eine Diagnose war immer noch offen. Jetzt haben sie die Diagnose: Leberkrebs !! Keine Heilung möglich. Sie liegt nun seit 31 Tagen im Krankenhaus. Mein Kollege war fix und fertig. Als er erzählte lief ein 'Film' in mir ab. Ich wusste sofort: Niemand weiß jetzt in diesem Augenblick, wie schrecklich er sich fühlt, welche Verzweiflung sich in ihm breit macht. Er wird jetzt seine Rente beantragen.
      Mich beschäftigt das so sehr, das mir ständig die Tränen kommen. Wie kann das alles sein ?! So ein feiner und fleißiger Mensch bekommt direkt vor mir vom Schicksal eins mit der Keule !! Und das wo ich selber mitten 'drin' stecke .. Die beiden hatten so viele Pläne und wollten jetzt 'leben', so hat er es gesagt.
      Mir fiel auf, wie bei uns allen hier. Wir alle wollten doch noch so viele schöne Jahre mit unserem Partner verbringen. Daran denke ich... Das so schnell alles vorbei sein kann, nicht nur bei mir..
      Meine Zuversicht ist gerade völlig verschwunden und ich stecke wieder in diesem riesen schwarzen Loch.
      Doro
      Als du gegangen bist, hast du die Farben mitgenommen.
      Gestern Abend nach langer Zeit mal wieder "Unsere kleine Stadt" von Thornton Wilder gelesen - ein sehr lesenswertes Büchlein über das Leben und den Tod. Spielt in einer amerikanischen Kleinstadt zu Anfang des 20. Jahrhunderts, 1938 veröffentlicht. Hat aber bis heute seine Aktualität nicht verloren.

      Zitat:

      " ...Ach Erde, du bist so wunderbar, dass keiner dich erkennt. ... Kann ein Mensch das Leben erkennen, während er lebt? - in jedem einzelnen Moment?"

      "Nein. ... Heilige und Dichter vielleicht - hier und da."
      Es sind so viele Schicksale um uns herum. Un ich denke oft, es trifft immer die falschen...
      Ich will mein früheres Leben zurück und vor allem meinen Mann. Ich weiß, dass das nicht geht, aber so fühle ich. Werde ich irgendwann seine Stimme vergessen? Ich möchte das alles nicht. Ich will nicht, dass die Erinnerung an ihn verblasst. Er war mein Fels zum Anlehnen und jetzt ist er nicht mehr da. Keine Gespräche mehr, keine Zweisamkeit. Es tut so weh, ich denke, ich bin der Hölle gelandet.
      ... dass meine liebe Freundin vor etlichen Jahren in ihrer Depression am liebsten gestorben wäre und, wie sie mir sagte, nur ein Klinikaufenthalt sie wohl gerettet hat. Wie gut, dass sie sich damals nicht aufgab!

      Denn hätte ich sie nach dem Tod meiner Mutter nicht gehabt, wäre wohl ICH mehr oder weniger ein Fall für die Klinik gewesen - zumindest sehr allein und verlassen gewesen.

      Heute strahlt sie trotz aller inneren Kämpfe, die auch sie immer noch durchmacht, eine unglaubliche Lebensfreude aus, die sich auf andere überträgt. Nein, ihr Leben war nicht leicht und ist nicht leicht, sie hat alle möglichen gesundheitlichen Probleme und hätte gern ein etwas anderes Leben geführt, aber sie hat diesen Blick für das Schöne in der Natur, saugt es förmlich in sich auf und versteht es, diese Freude am Schönen mit anderen zu teilen.
      Ich denke auch ich bin in der Hölle gelandet.
      Im Moment habe ich das Gefühl ich schaffe das alles nicht. Mein Mann war doch unser Beschützer. Er hatte für alles eine Lösung und jetzt, zu wem sollen wir jetzt gehen. Wer hält seine starken Arme auf, in denen wir uns einfach schmeißen können und sicher sein können das uns nix passiert.
      Liebe Lena,
      das fühlt sich wirklich wie Hölle an, ich verstehe dich so gut. Der Wunsch beschützt zu werden und die Angst davor jetzt alles alleine zu schaffen begleitet mich auch seit dem Tod meines Mannes.
      Aber Du wirst bald merken du bist stärker als du denkst. In kleinen Schritten wirst du Dinge schaffen und Probleme lösen und das bringt dir ein Stück innere Sicherheit zurück.
      Verzweifle nicht sondern gib dir Zeit. Du bist nicht allein, sicher gibt es Menschen um dich die dir immer zur Seiten stehen werden.
      Alles Liebe
      Mir geht es genau so. Ich traue mich gar nicht nach hause. Ich MUSS aber nach dem Grab meiner Frau schauen. Sicher sind in der letzten Woche wieder ein paar Blümchen eingegangen. Werde wieder ein paar Neue pflanzen. Morgen muss ich mit meinem Sohn einkaufen gehen und ich muss Post erledigen. Heute gehts mir insgesamt nicht so gut, und dann habe ich das noch alles vor mir. Aber .... ok ..... Krönchen geradegerückt, aufstehen und wieder einen Schritt vor den Anderen.
      Ich wünsche allen Trauernden viel, viel Kraft. Die Tage werden auch rum gehen. Unseretwegen wird die Erde nicht stehen bleiben.
      LG Franky.
      Insbesondere an diejenigen, die jetzt während der Feiertage mit ihrer Trauer alleine sind. Das Wetter soll schön werden, viele machen daher Ausflüge oder sogar einen Kurzurlaub. Deshalb wünsche ich allen Betroffenen alles Gute für die Bewältigung der Feiertage und vor allem die Kraft zu tanken, um wieder in eine bessere Zukunft blicken zu können. Franky hat es nämlich zurecht bemerkt: "Unseretwegen wird die Erde nicht stehen bleiben." Ja, das Leben geht weiter, und das eurige auch! Ja, ich weis, das ist schwer zu verstehen wegen des Verlustes, aber die Realität ist so!
      ... dass ich mich seit dem Tod meiner Mutter, so schwierig diese tiefgreifenden Lebensveränderungen nun auch für mich sind, doch irgendwie von etwas Großem und Schönem auf wunderbare Weise getragen fühle. Ich denke, dass die Liebe, die uns verbunden hat, mir auch über den Tod hinaus die Kraft gibt, meinen Weg im Bewusstsein dieser Liebe noch ein Stück weit fortzusetzen.

      Und dann ist da der unaufhaltsame Fluss des Lebens, das ewige Kommen und Gehen, in dem ich mich letztendlich doch auch geborgen fühle.

      Ich kann davon ausgehen, dass der Mensch, der mir irgendwann das Leichenhemd anzieht und mich einsargt, nun auch schon irgendwo mit mir auf dieser Welt lebt, genau wie ich jeden Morgen am Frühstückstisch sitzt. Vor 20 Jahren war er vielleicht noch gar nicht geboren.

      Auf den ersten Blick vielleicht ein etwas unheimlicher Gedanke. Aber im Grunde ist es nur eine Einstellungssache, denn in gewisser Hinsicht ist der Gedanke doch auch sehr beruhigend: zu wissen, dass letztendlich auf wunderbare Weise für alles gesorgt ist. Dass irgendwann Menschen da sein werden, die einen im Sterben begleiten werden, wohl kaum so gut, wie eigene Angehörige dies tun würden, aber doch in irgendeiner Form, und dass man dann irgendwann auch seinen Platz unter der Erde finden wird. Dass auch für diesen wenig glamourösen Job des Bestatters dankenswerterweise Menschen bereitstehen.

      Eine meiner Freundinnen war diese Woche in Beaune in Burgund im Urlaub und hat das berühmte Hotel de Dieu besichtigt. Die Zustände in den Krankenhäusern sind heute wegen des Pflegenotstandes teilweise wirklich schlimm, aber mal ehrlich, solange wir bloß das Problem haben, im Mehrbettzimmer zu liegen und nicht zu mehreren in einem Bett liegen - worüber beklagen wir uns eigentlich?

      Wenn ich etwas bereue in meinem Leben, auch im Hinblick auf die Beziehung zu meiner Mutter, dann vielleicht, dass ich mich schon viel zu viel über alles Mögliche beklagt habe ...

      Uli schrieb:

      Insbesondere an diejenigen, die jetzt während der Feiertage mit ihrer Trauer alleine sind.


      Feiertage sind selbst für mich immer etwas schwierig, obwohl ich mit meiner Mutter schon lange keine gemeinsamen Unternehmungen mehr machen konnte, da sie das Haus seit Jahren nicht mehr verlassen konnte. Aber es gab dann eben diese kleinen, gemeinsamen Rituale bzw. Gewohnheiten, um den Feiertagen einen etwas besonderen Anstrich zu geben, sodasss sie sich vom Alltag zumindest minimal abhoben, die nun leider wegfallen bzw. von mir irgendwie allein weiter gepflegt werden müssen, was eben nicht dieselbe Qualität hat wie das gemeinschafliche Erleben.

      Ich werde trotzdem versuchen, das Pfingstwochenende - nun eben leider Gottes allein - so gut wie möglich zu genießen.
      ... eine nette Nachbarin empfahl mir ja kürzlich, solche Bus-Tagesausflüge bzw. "Fahrt ins Blaue" zu machen.

      Das ist mir dann aber doch etwas zu seniorenmäßig ;) (obwohl ich infolge meiner eingeschränkten Mobilität natürlich schon etwas auf dem Senioren-Trip bin). Vielleicht in zehn Jahren dann, mal schauen ...

      Ich denke auch gerade daran dass ich vor gut einem Jahr von der Reha nach Hause kam und dass mir der Abstand sehr gut tat im Nachhinein und war am Überlegen ob ich dieses Jahr mal einen Kurzurlaub mache. Irgendwas Interessantes , am Besten mit Leuten denen es privat auch so geht wie mir und suchte nach sowas wie "Witwerreisen" ( dämliches Wort, ich weiß) , endete aber immer bei Singlereisen. Gut, mein Ansinnen war etwas mit Leuten zu unternehmen die eben das gleiche Schicksal wie ich haben so dass man sich nicht wie das fünfte Rad am Wagen fühlt. Hab leider nichts entsprechendes gefunden, bleib ich halt daheim, auch gut.
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