Ich verbringe meine " neue " Freizeit mit........

      Ich verbringe meine " neue " Freizeit mit........

      Hallo Ihr Lieben,
      beim Lesen im Forum ist mir aufgefallen, das viele große Schwierigkeiten haben, mit der neuen und ungewohnten Freizeit umzugehen. Viele von uns " hängen " im wahrsten Sinne des Wortes nur noch vor dem PC rum, machen Spiele die Sie vorher nicht interessiert haben oder langweilen sich........das kann es doch aber nicht sein.....auch wenn wir alleine sind muss es doch Möglichkeiten geben !

      Ich dachte mir, das wir hier unter diesem Thema mal Erfahrungen bezüglich des Themas " Freizeitgestaltung " austauschen könnten.......was habt Ihr gemacht und womit habt Ihr gute oder auch schlechte Erfahrungen gemacht ?
      Seit Ihr in einen Verein eingetreten oder wo habt Ihr nette Leute kennengelernt ? Hat schon jemand mal einen Kochkurs oder ähnliches besucht ? Was ist mit Volkshochschulkursen ? Lohnt sich das oder eher doch nicht weil langweilig ?
      Oder mal an die, die schon viel, viel weiter in Ihrer Trauer sind.....womit habt Ihr gute Erfahrungen gemacht ? Was ist mit " Gruppenreisen " ? Schon mal gemacht ? Und wie war die Erfahrung ?

      Kurz und gut alles kann helfen um nicht in den eigenen vier Wänden zu vereinsamen.......ob " Kleingruppenbildung " beim täglichen " Hundespaziergang " oder Theaterclub......wie sind Eure Erfahrungen ?

      Liebe Grüße
      Mäusi
      Liebe Mäusi

      sehr gute Anregungen die Du da schreibst.

      Ich hab mir auch schon oft über diese Dinge Gedanken gemacht, hab mir überlegt mal einen Kursus an der VHS zu besuchen...ja, in Gedanken schon ganz oft.
      Konnte es bisher leider nicht umsetzen. Frag mich nicht woran es liegt. Ich weiß es selbst nicht so genau. Und so bleibt mir im Moment nur der Freitag an dem ich mich mit drei Freundinnen treffe. Und das jeden Freitag.
      Aber trotzdem sollte ich diese Gedaken mal wieder aufgreifen und dann auch in die Tat umsetzen.
      Bräuchte mal jemanden der mich in den H... tritt

      LG Elke
      Was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen
      Liebe Elke,
      genau das war meine Intention......mir geht es genauso....OK, ich treffe mich auch mit Freunden aber auch nur wenn ich mir selbst in den Hin*** trete. UND...ich weiß auch nicht so genau woran es liegt. Na ja, oder doch alleine macht vieles keinen Spaß aber an diesem alleine sein wird sich ja nichts ändern und schon garnicht wenn man nichts dagegen tut.....ich sitze manchmal nur vor dem PC und wenn ich auf die Uhr sehe bin ich erschrocken wie viel Zeit ich z.B. mit sinnlosen Spielen verbracht habe.

      Mal schauen, was hier so für Ideen kommen.......

      LG
      Mäusi
      Hallo ihr Lieben,

      ich tue jetzt Dinge, die ich bisher im Zusammenleben mit ihm unterlassen habe. Z.B. tagsüber auch mal einen Film schauen, Blumentischdecke auflegen, fastfood essen, mit dem Auto einfach drauf los fahren, überhaupt: es ist trotz aller Trauer auch manchmal ein ganz ganz kleines Gefühl von Freiheit zu spüren. Gut, ich würde alles dafür geben, wieder mit ihm zusammen zu sein, das ist ja klar. Aber diese Entscheidungsfreiheit tut mir auch gut, obwohl ich noch nicht viel damit anfangen kann.

      Wie du schreibst Mäusi: die neue "Freizeit" - für mich auch eine Art neue "Freiheit".

      Ich erlebe es so, dass ich über meinen "eigenen Trauerschatten springen muss", um mich diesen "normalen" Dingen wieder zu öffnen. Nicht einfach, weil ich am liebsten von früh bis spät über Walter reden würde, mich mit ihm beschäftigen, und dann auch wieder gar nicht mehr, weil es so weh tut.

      Liebe Grüße
      Frieda Renate


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Meine neue Freiheit - Freizeit gibt es nicht.
      Hatte bei meinem Mann auch schon alle Freiheiten
      gehabt, wenn ich es gewollt hätte.
      Er hat nie gesagt, das möchte ich nicht, oder tu das bitte nicht.
      Das einzige was er nicht hätte ertragen können wäre, das mich
      ein anderer Mann berührt hätte.
      Wie in dem Refrain von unserem " Lied "

      " Schon der Gedanke, daß ich dich einmal verlieren könnt,
      das dich ein and`rer Mann einmal sein eigen nennt,
      er macht mich traurig, weil du für mich die Erfüllung bist,
      was wär`die Welt für mich ohne dich? "

      Das hat mir oft vorgesungen. Er hatte eine wunderschöne
      Tenor Stimme.
      Meine Liebe nahmst du mit,
      deine trage ich in meinem Herzen,
      bis wir uns wiedersehen.
      Jeder Herzschlag bringt mich näher zu dir.

      Ich verstehe es mehr so, dass der Partner mit seiner Anwesenheit großen Raum eingenommen hat und das war gut, das war wunderbar. Wir "haben uns selbst genügt" wie man so sagt. Nun ist dieser Raum frei ... ob du willst oder nicht! Mir hat Walter auch nichts untersagt oder ähnlich - nein - es ist einfach so, dass ich bestimmte Dinge jetzt tue, die ich früher, als er noch da war, nicht getan habe.


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Liebe Frieda Renate,

      so gesehen hast du ja Recht.
      Wir waren uns auch immer selbst genug und brauchten
      niemanden sonst, und ich wünschte den " großen Raum "
      würde er heute noch ausfüllen. Es ist so furchtbar schwer
      das " andere Leben " ohne ihn.
      Meine Liebe nahmst du mit,
      deine trage ich in meinem Herzen,
      bis wir uns wiedersehen.
      Jeder Herzschlag bringt mich näher zu dir.

      "Neue Freizeit" - was ist das?
      Ich hatte vorher wesentlich mehr Freizeit, denn ich muss nun Dinge
      erledigen, die ich vorher nie machen musste.
      Bei einem Fulltime-Job, den ich nicht missen will, verringert
      sich dadurch natürlich die Freizeit.
      Deshalb bin ich für jede freie Minute, also auch für jeden Feiertag
      oder das Wochenende sehr dankbar.
      Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
      Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.
      Man trägt die Erinnerung wie ein kostbares Geschenk in sich.
      Spatzerl, ich liebe Dich unendlich und vergesse Dich nie.
      Liebe Regine,
      bei einem Fulltime - Job und den Dingen
      die du jetzt alleine machen musst kann ich mir gut
      vorstellen das du für jede freie Minute dankbar bist.

      Eigentlich habe ich jetzt mehr " Freizeit " nachdem
      ich meinen Mann 11/2 Jahre gepflegt habe, aber was fange ich
      damit an. Mag diese " Freizeit " gar nicht.

      LG
      Heidi
      Meine Liebe nahmst du mit,
      deine trage ich in meinem Herzen,
      bis wir uns wiedersehen.
      Jeder Herzschlag bringt mich näher zu dir.

      Ich sehe es ähnlich wie Frieda Renate. Dieser Raum, den vorher mein Mann eingenommen hat, ist jetzt leer, und diese Leere muss ich irgendwie füllen. Als ich damals das erste Mal ein paar Wochen nach seinem Tod erst allein im Schwimmbad war und mir dann ganz spontan noch eine Kinokarte geholt hatte, da dachte ich auch "Das ist jetzt Deine neue Freiheit. Du kannst ganz spontan entscheiden, was Du machst, musst nicht mal zu Hause anrufen..." Und im selben Moment hätte ich losschreien mögen, dass ich auf diese Freiheit sch..., dass ich sie nicht will. Ich bin dann lange hin-und hergewankt zwischen purem Aktionismus und völligem Rückzug. Letztlich hat mir beides nicht gut getan und ich versuche den goldenen Mittelweg. Gehe wieder regelmäßig zum Sport und mache Linedance. Gut, das hatte ich vorher auch schon gemacht, aber da auch ich meinen Mann etliche Monate gepflegt hatte und nach seinem Tod erstmal gar nichts mehr machen wollte war da doch eine lange Zwischenpause drin.
      Der größte "Gewinn" sind eigentlich die Menschen, die ich nach Rainers Tod kennenlernen durfte. Wir hatten keinen Freundeskreis, da wir uns irgendwie auch immer selbst genug waren. Dafür aber jede Menge Bekannte, bei denen ich aber in den letzten 2 Jahren leider erkennen musste, wie oberflächlich diese Beziehungen doch waren. Davon ist mir inzwischen niemand mehr geblieben.
      Dafür gibt es diese neuen Freundschaften- 2 Frauen aus dem Trauercafe, mit denen ich mich 1-2 Mal im Monat treffe und die lieben Menschen hier aus dem Forum, von denen mir einige sehr ans Herz gewachsen sind. Gerade erst wieder gab es ein ganz tolles Treffen - Beate, ich hab Dich lieb!
      Mit der Freizeit sieht es bei mir ähnlich aus wie bei Regine- durch Vollzeitjob und dann halt auch noch den Sport bin ich eigentlich auch ziemlich eingedeckt und eigentlich immer froh über ein paar freie Tage. Inzwischen liebe ich auch wieder die Wochenenden oder Urlaube, aber das hat lange gedauert, ehe ich damit meinen Frieden machen konnte. Ich versuche ganz gern, mir am Wochenende was vorzunehmen. Liebe inzwischen Kurztrips über zwei oder drei Tage, das tut mir echt gut. Denn sonst vergammele ich echt die Zeit- gestern war mal wieder so ein Tag. Da sitze ich tatsächlich nur am PC und pendele zwischen Forum, Facebook und meinem kleinen Computerspiel hin- und her. Klar, das brauche ich auch manchmal, aber an solchen Tagen merke ich dann doch, dass das Trauertier ein leichteres Spiel hat. Und genau diese Macht mag ich ihm nach all der langen Zeit nicht mehr einräumen, deshalb ist es tatsächlich besser, sich irgendeine Beschäftigung zu suchen. Deshalb werde ich mich heute auch ins Auto setzen und sein Grab und seine Verwandtschaft besuchen, ich war lange nicht mehr dort.
      Liebe Heidi- bei Dir ist es doch noch so frisch. Kein Wunder, dass Du dieses Leben nicht magst, diese neue Freizeit und eben auch Freiheit. Das haben wir glaub ich alle durch und es dauert, bis man damit seinen Frieden macht. Man muss es nicht mögen, dieses neue Leben, aber irgendwann muss man veruchen, das beste aus der Situation zu machen, weil man ohnehin keine andere Wahl hat. Nein, glücklich bin ich auch nicht, nach wie vor hadere ich mit dem Schicksal und vermisse mein altes Leben, vermisse ich ihn, die Liebe meines Lebens. Aber ich habe zumindest eine gewisse Zufriedenheit erreicht- keine Ahnung, ist vielleicht auch nicht das richtige Wort, aber mir fällt keines ein, das diesen Zustand treffend beschreibt. Irgendwie geht es weiter, auch wenn man sich noch so sehr dagegen sperrt, und letztlich hat man es selbst in der Hand, wie es weitergeht.
      LG
      Kerstin
      Alles ändert sich mit dem, der neben einem fehlt.

      youtube.com/watch?v=bEXy9yXl_WA&feature=player_detailpage
      Liebe Kerstin,

      mein Verstand sagt mir ja auch
      ab und zu das das " Leben " weitergeht nur
      wie das sagt er mir nicht, und mein Herz will es
      einfach nicht wahr haben.
      Ob ich jemals etwas alleine unternehme, kann ich mir
      nicht vorstellen, mein Mann und ich haben von der ersten Sekunde
      unseres Kennenlernens immer alles gemeinsam gemacht.
      Bei uns war es nicht nur Liebe auf den ersten Blick,
      bei uns schlug der Blitz gewaltig ein.
      Heute ist auch wieder so ein sch..... Tag nicht zu ertragen.
      Das erste mal das er an seinem Geburtstag nicht mehr bei mir
      sein kann. Es tut so verdammt weh.

      LG
      Heidi
      Meine Liebe nahmst du mit,
      deine trage ich in meinem Herzen,
      bis wir uns wiedersehen.
      Jeder Herzschlag bringt mich näher zu dir.

      Hallo,
      genau das was Frieda-Renate und Kerstin beschrieben haben meinte ich......OK, " Freizeit " war evtl. das falsche Wort......es gilt diesen " leeren Raum " den unsere Lieben hinterlassen haben zu füllen.
      Auch ich habe einen Fulltime-Job und glaubt mir, wann immer es geht räume ich dem Job viel mehr Zeit ein als mir gut tut und doch ist da Zeit die es gilt zu füllen......und ebend nicht nur mit stupiden PC-Spielen......
      Ich erkenne nämlich immer mehr das nach der Trauer das schlimmste die Einsamkeit ist......

      LG
      Mäusi
      Meine "neue Freizeit" nach über neun Monaten Krankenhausbesuchen und Pflege zu Hause habe ich jetzt gefüllt mit der Verantwortung für ein Katzenkind, das mir vor allem die Einsamkeit vertreibt. Denn diese Einsamkeit und Stille in der Wohnung war es, die mich fast verrückt gemacht hat. Ich weiß aber auch, dass das nicht jedermanns Sache und Möglichkeit ist.
      Die stoff- und garnlastigen Hobbies der früheren Zeit ruhen im Moment noch, ich hoffe aber, dass sie nach und nach wieder ans Tageslicht kommen.
      Ansonsten sind es auch bei mir end- und teilweise nutzlose Sitzungen vor dem PC.

      Liebe Grüße
      Mädl-Oma
      Hallo Mäusi,

      ich verstehe sehr gut, wie Du es meinst. Einsamkeit ist absolut
      vernichtend und deshalb ist es auch ganz wichtig, sich Stückchen für
      Stückchen von der Einsamkeit zu befreien. Deshalb stimme ich
      Frieda Renate und Kerray voll zu.
      Ich treffe mich mit Familie und Bekannten und telefoniere häufig mit Verwandten
      und Freunden. Ich lese viel und lade mir des öfteren Besuch ein.
      PC-Spiele habe ich noch nie gespielt und ansonsten verbringe ich nicht viel
      Zeit in sozialen Netzwerken, weil es nicht meine Art von Kommunikation ist,
      alle persönlichen Dinge, Fotos oder Sprüche zu posten. Für mich ist es ganz einfach
      nur nervig, dass es Menschen gibt, die sich dermaßen selbst produzieren müssen.
      Aber das ist meine ureigenste Meinung und es kann daher Jeder handhaben,
      wie er es für richtig hält.
      Aber ich fühle mich auch manchmal sehr einsam, wenn ich unter ganz vielen
      Menschen verweile, denn ich bin der Meinung, dass der "leere Raum" nicht
      immer mit Aktivitäten zu füllen ist.

      Liebe Grüße Regine
      Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung.
      Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in eine stille Freude.
      Man trägt die Erinnerung wie ein kostbares Geschenk in sich.
      Spatzerl, ich liebe Dich unendlich und vergesse Dich nie.
      Hallo ihr Lieben,
      schaue ja ab und zu noch ins Forum.
      Neue Freizeit....
      Zum Glück hatte ich schon vor dem Tod meines Mannes liebe Freundinnen / Freunde, darunter in erster Linie Paare.
      Urlaube und Ausflüge verbrachten wir aber in erster Linie als Familie , später als Paar......
      Die meisten Freunde sind geblieben, ich treffe mich auch oft mit den Frauen der Paare, gehe aber auch an Familienfesten zu ihnen.
      Dann hatte ich das große Glück im richtigen Forum nette Menschen kennen zu lernen.
      ;)
      Doch wie im wahren Leben bleiben am Ende ein paar lose Bekanntschaften, manches verläuft im Sande, aber auch feste Freundschaften,...und mehr..........
      :)
      Komme gerade aus dem Urlaub mit einer ehemaligen Userin.
      Ich denke man sollte offen sein für alles.....habe auch Freundinnen aus dem örtlichen Trauercafe, aus fb - Trauergruppen, etc.
      Nicht alles was nach Außen oberflächlich erscheint , ist es auch....Wir haben Spaß miteinander, gehen zum Sport, ins Kino, in den Urlaub,ins Restaurant, machen tolle Ausflüge zu Weinfesten etc......
      Wir sprechen aber auch über ernste Dinge, helfen und unterstützen uns gegenseitig.
      Wir wissen, wen wir anrufen können, wer ein offenes Ohr hat......
      Ich trauere noch um meinen Mann, aber einsam bin ich nicht mehr.
      Und ich freue mich sehr darüber, dass viele, mit denen ich den Trauerprozess begonnen habe, auch Fortschritte gemacht haben.
      Zum Glück habe ich auch einen tollen Job, bei dem ich viel mit Menschen zu tun habe und Kollegen und Kolleginnen mit denen ich auch oft etwas unternehme, .wir waren sogar gemeinsam ein paar Tage in London.
      Das klingt vielleicht ein bissl nach Aktionismus, nach Flucht..An manchen Tagen sicher, aber immer seltener. Ich war schon immer ein wuseliger Mensch.
      Am Anfang meiner Trauer dachte ich auch, was nun ??????????
      Urlaub ? Wie mit wem ?
      Freizeit ?????Alleine ???
      Aber nach und nach hat sich so vieles ergeben....
      Ja, liebe Beauty, das hattest du mir am Anfang geschrieben. Und du hattest Recht !!

      Liebe Grüße
      Eva
      Carpe diem, quam minimum credula postero !

      Horaz

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Eva265“ ()

      Liebe Mäusi eine sehr gute Anregung zum Nachdenken....

      ja wie fülle ich meine Zeit ohne meinen Mann. Wir haben sehr viel Zeit gemeinsam verbracht, da wir unsere Ziegen hatten und immer gemeinsam im Berg waren. Ausserdem waren wir beide aktiv im Schützenverein und somit hatte ich eigentlich nie ne Zeit, wo mir langweilig war oder auch Zeit, die ich alleine ausfüllen musste.

      Und jetzt ist es um so schwieriger, aber ich habe schon Sachen gefunden die mir Spaß machen.

      Im September fängt unser Übungsschießen wieder an und ich habe mir ganz fest vorgenommen dann wieder daran teilzunehmen. Obwohl ich nicht weiß ob ich mich dort nochmal richtig wohlfühlen kann, erstens haben mich dort viele Freunde voll entteuscht, weil ich von denen bis heute nichts gehört habe und zweitens war es doch "unser Hobby, unser Verein" aber mal schauen und abwarten.

      Außerdem bin ich nun Mitglied im DAV und dort macht man gemeinsam Bergtouren und Wanderungen.
      Da ich erst vor einigen Wochen Mitglied wurde, konnte ich noch nirgends teilnehmen aber für nächstes Jahr habe ich schon einige Ziele ausgesucht.

      Ja ich glaube ich bin auf einem guten Weg und hoffe, dass es uns allen gelingt die leeren Stunden mit neuem Leben zu füllen.


      glg Monika
      Dem Auge fern, dem Herzen ewig nah <3
      Ich habe sehr viel Zeit, weil nicht nur Viktor in meinem Leben eine neue, ungewohnte Leere hinterlassen hat.

      Nachdem er starb, löste sich die WG, in der wir jahrelang mit unseren engsten Freunden gewohnt hatten, nach und nach auf. Wir waren eine Familie und das Zusammenleben, Zusammensein fehlt mir sehr. Meine Arbeit, die früher den größten Teil meiner Zeit beanspruchte, habe ich auch nicht mehr.

      Die freie Zeit mit Viktor war oft sehr knapp bemessen und beschränkte sich meist auf die Wochenenden. Trotzdem ist ihr Fehlen am schmerzhaftesten und vor allem am schwierigsten zu kompensieren, weil unsere gemeinsame Zeit die schönste war. Samstagabend gingen wir meistens aus und am Sonntag trafen wir oft Freunde zu einem späten Frühstück am Markt oder einem Picknick am Fluss. Wir waren beide sehr kulturaffin, gingen gerne in Kunstgalerien oder Museen, auf Konzerte, ins Kino oder Theater. Mir fehlt das alles unendlich. Selbst neben ihm im Bett zu liegen, er in sein und ich in mein Buch vertieft, fehlt mir unendlich.

      Vieles, was ich früher gerne gemacht habe, bedeutet mir jetzt nichts mehr. Früher las ich sehr viel, heute schaffe ich kaum eine halbe Seite, weil ich mich nicht konzentrieren kann. Leider neige ich dazu, in Lethargie und Träumereien zu versinken. Heute lag ich den halben Nachmittag im Bett, hörte dem Regen zu und hing meinen Gedanken nach ohne zu bemerken, wie die Zeit verstreicht. Das passiert mir oft.

      Wie auch immer, ich denke, dass es stimmt: es ist wichtig, über seinen Schatten zu springen und früher oder später etwas zu finden, das man gerne macht. Altes oder neues, vollkommen egal. Wir brauchen das, um nicht den Bezug zur Welt zu verlieren.

      Für mich weiß ich, dass ich mich für vieles noch nicht bereit fühle. Samstagabendverabredungen mit unseren Freunden oder Ballett zum Beispiel. Anderes versuche ich, auch wenn es mir schwer fällt. Ich höre viel Musik und gehe nachts gerne alleine spazieren. Der Therapeut der Tagesklinik, in die ich seit einer Weile gehe, sagte einmal: "Das Leben geht weiter, ob du willst oder nicht. Mach es dir also so angenehm, so gemütlich und schön wie möglich." - Ziemlich pragmatisch, aber vermutlich hat er damit recht.
      Das erste, was ich unternommen habe, als ich plötzlich mehr Zeit hatte, als mir lieb war, das waren Reisen, von denen ich wusste, dass sie meinem Mann sowieso keinen Spaß gemacht hatten. Ja, es waren oft Gruppenreisen, denn ich wäre mit dem selbst buchen, bzw. organisieren überfordert gewesen. Während dieser Reisen habe ich mich aber immer mal für ein paar Stunden aus der Gruppe ausgeklinkt und bin z.B. auf eigene Faust durch die alten Städte in der Toscana gebummelt. Natürlich kratzt man bei solchen Unternehmungen immer nur an der Oberfläche der Gegend, in der man unterwegs ist. Aber da man dann schon mal die Luft geschnuppert hat und es einem nicht mehr so fremd ist, die Neugier geweckt ist, entsteht von ganz alleine bei dem ein oder anderen Ziel der Wunsch es auf eigene Faust zu entdecken und das ein oder andere Thema zu vertiefen. Dann hat man auch den Mut, ohne die Gruppe zu fahren.
      Ich will nicht verschweigen, dass es erst mal weh tut, wenn in der Gruppe viele Paare dabei sind, die die Reise gemeinsam genießen können. Aber genauso weh tut es einem, die Nachbarn gemeinsam einkaufen gehen zu sehen. Das ist einfach ein Punkt, den man erst mal hinnehmen muss und der sich aber mit der Zeit gibt.

      Auch VHS-Kurse habe ich belegt. Und zwar nicht Kurse, in denen man sich über Wochen oder gar Monate verpflichtet, wie z. B. Sprachen zu lernen, sondern Kurzprogramme wie z. B. ein Kurs über Baustile. Seitdem gehe ich mit ganz anderen Augen durch die Stadt. Ach ja "Stadt". Ich wohne in einer Stadt, in der oft Touristen unterwegs sind. Und auch wenn ich hier in die Schule gegangen bin, eigentlich hier aufgewachsen bin und mir eingebildet habe, alles über die Stadt zu wissen. Ich habe angefangen Stadtführungen mit zu machen. Im Gegensatz zu früher, als man nur einfach mit Wissen vollgestopft wurde, werden Stadtführungen heute ja oft themenbezogen angeboten. So gibt es hier eine Stadtführung mit Kaiser Augustus (dem Gründer), der die Spuren der römischen Vergangenheit zum Thema hat. Wolfgang Amadeus Mozarts Vater und Bert Brecht sind hier geboren und die Fugger waren bereits zu ihrer Zeit "Global player". So wird sehr plastisch und natürlich viel tiefer in die Themen eingetaucht.
      So makaber es klingt, eine der interessantesten Führungen fand auf einem großen und sehr alten Friedhof statt. Dort liegen all die Größen der Vergangenheit, deren Namen man oft aber nur als Straßennamen kannte oder als Gründer von Schulen oder Fabriken. Der Leiter wusste von fast jedem Grab die Hintergrundinformationen zu den Familien.

      Ausserdem habe ich eine lebenslange Liebhaberei zu einem aktiven Hobby ausgebaut, zu dem es auch ein Forum gibt.

      Auch eher wieder habe ich eine liebgewordene Gewohnheit aus jungen Jahren, die irgendwann aus Zeitmangel eingeschlafen ist: Ich korrespondiere mit Freunden, die über ganz Deutschland und darüber hinaus verteilt sind wieder per Hand. Schon alleine schönes Briefpapier auszusuchen und einen richtigen Füller zu benutzen, macht mir Freude und einen handgeschriebenen Brief aus dem Briefkasten zu ziehen ist noch schöner, als eine Mail zu bekommen.

      Ich habe jedenfalls irgendwann angefangen, die Seiten mit den Veranstaltungen in der Zeitung genauer zu lesen und picke mir die Rosinen heraus.

      All das mache ich nicht, um mich abzulenken, oder bewusst der Einsamkeit aus dem Weg zu gehen, sondern weil mich all diese Themen wirklich interessieren. Und wenn man damit mal angefangen hat, dann entdeckt man immer mehr Spannendes, Bereicherndes und man taucht wirklich in die Fülle des Lebens wieder ein.
      Zitat Beauty: °All das mache ich nicht, um mich abzulenken, oder bewusst der Einsamkeit aus dem Weg zu gehen, sondern weil mich all diese Themen wirklich interessieren."

      Ich glaube, genau das macht den Unterschied auszwischen dieser Zwischenwelt aus dem alten und dem neuen Lebensabschnitt (vielleicht nenne ich es hier mal die aktive Trauerzeit) und dem Angekommensein in diesem neuen Leben. Auch wenn wir uns ja immer gegen diese Formulierung wehren, denn eigentlich hat man ja nur ein Leben, aber ich weiß nicht, wie ich es anders benennen soll. Aber ich meine jedenfalls den Zeitpunkt, den wir alle irgendwann erreichen wollen (und müssen). Wo wir endlich wieder Freude am Leben haben und nicht jedes Schöne, das uns widerfährt, sofort mit einem "aber" kleinreden. Wo wir dem Leben wieder eine Chance geben, uns zu erreichen...
      Das dauert bei jedem unterschiedlich lange, weil jeder Mensch anders tickt und auch die Umstände unterschiedlich sind. Manch einer hat es nach einem Jahr geschafft, andere brauchen viel länger. Da ist es wichtig, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und sich vor allen Dingen auch nicht selbst unter Druck zu setzen.
      Ich selbst sehe mich dort noch immer nicht angekommen, aber doch auf einem guten Weg. Man muss auch verschiedene Dinge ausprobieren- neue, aber auch alte. Dabei habe ich auch für mich alte Hobbys wiederentdeckt, musste mich aber auch von lieb gewordenen trennen. So waren wir immer zusammen zum monatlich stattfindenen Musikertreff und die damaligen "Freunde" haben auch immer zu mir gesagt, ich solle doch ruhig weiterhin dorthin kommen. Sie haben mich, als ich nach ein paar Monaten soweit war, sogar zu Hause abgeholt, damit ich nicht allein hingehen muss. Ich war dann ein paarmal dort, aber nirgends habe ich mich nach Rainers Tod so einsam gefühlt wie dort. Das war immer unser gemeinsames Ding gewesen, diese Menschen haben ihn alle gekannt und sie leben alle seinen Traum weiter- aber er ist nicht mehr da. Ich wollte mir das erst gar nicht eingestehen, weil ich mir immer eingeredet hatte, dass er gewollt hätte, dass ich dort weiter hingehe. Aber irgendwann merkte ich, dass ich jedes Mal neue Ausreden für mich selbst erfand, um nicht hingehen zu müssen. Bis ich es mir dann eingestand und für mich selbst beschlossen habe, dort nicht mehr hinzugehen. Was da für ein Druck von mir abfiel kann ich gar nicht beschreiben, aber ich habe das sogar körperlich gespürt. Da musste ich einfach einsehen, dass ich dieses gemeinsame Hobby mit ihm verloren hatte, weil es ohne ihn eben nicht mehr das selbe war. Das bedauere ich bis heute, aber ich bin auch bis heute nicht in der Lage, dort wieder hinzugehen.
      Was ich damit sagen will ist, dass man seinem Bauchgefühl vertrauen sollte. Das hat sich in den letzten 2 Jahren ziemlich gut entwickelt bei mir. Habe ich früher alles mit Rainer besprochen und mich auch sehr gern auf seinen Rat verlassen, muss ich heute selbst entscheiden, und da tut mein Bauchgefühl mir tatsächlich ganz gute Dienste. Auch wenn man es nicht so gewollt hat, aber man ist nunmal jetzt allein und muss lernen, sich selbst wieder wichtig zu nehmen. Etwas nur für sich selbst zu tun, damit tun gerade wir Frauen uns manchmal recht schwer, aber man kann es tatsächlich lernen.
      Alles ändert sich mit dem, der neben einem fehlt.

      youtube.com/watch?v=bEXy9yXl_WA&feature=player_detailpage
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