Meine Mama ...

      Meine Mama ...

      Hallo,


      ich bin noch sehr neu hier ...


      Ich bin zunehmend trauriger. Vor 7 Wochen ist meine Mama gestorben. Im Moment holt mich alles ein. Auch die Trauer um meinen Papa und meinen Bruder, die schon vor vielen Jahren gestorben sind.


      Meine Mama hatte eine Betreuerin und lebte im Heim, weil sie dement war. Sie ist wohl gestürzt und kam ins Krankenhaus, wurde operiert wegen Oberschenkelhalsbruch. Das Heim hat die Betreuerin informiert, auf den AB gesprochen. Das war der Mittwoch vor Ostern ... am 26.04. (also der Dienstag nach Ostern) bekam ich am Nachmittag um 13.30 Uhr einen Anruf einer Ärztin aus dem Klinikum, dass es meiner Mutter schlechter gehe, sie wohl in der Nacht einen Schlaganfall gehabt hätte, sie wäre am Vormittag noch ansprechbar gewesen und jetzt plötzlich so ruhig, man mache sich Gedanken. Ich fragte erstmal was eigentlich los wäre, wieso meine Mutter im Krankenhaus liege, ich wüsste davon nichts. Ich konnte kaum sprechen, bin dann in die Klinik gefahren ... die Betreuerin sah es (wie schon 2x vorher) nicht für nötig, mich über den Krankenhausaufenthalt meiner Mutter zu informieren. Sie nahm mir so die Möglichkeit nochmal mit meiner Mutter zu sprechen. Meine Mutter lag noch Tage im Krankenhaus. Schlimm war für mich "die Entscheidung" mit treffen zu müssen. Die letzten 3 Tage blieb ich auch nachts bei ihr. Ich konnte nicht gehen ... hätte keine Ruhe gehabt. Oft habe ich mich gefragt warum ich da sitze ... wohl stellvertretend für meinen Bruder und meinen Vater aber im Hauptgrund aus einer ganz tiefen Liebe heraus. Ich möchte keine Minute davon missen ... bereue keine Sekunde davon. Aber es war schwer, sehr schwer ... ich benutze diese Worte normalerweise nie ... aber ich sagte einmal zu meinem Mann "hier zu sitzen und zusehen zu müssen ... das ist die Hölle". Das Zimmer war ganz schrecklich, ganz klein ca. 7 qm, völlig ohne Aussicht. Wenn man den Himmel sehen wollte, musste man ganz nah ans Fenster gehen. Als dann auch noch ein Bett für mich rein gestellt wurde, konnte man sich kaum mehr bewegen. Ansprache gab es kaum, die letzten 2 Tage kam nicht mal mehr ein Arzt. Meine Tochter hatte die Idee einen Diakon zu rufen, der kam täglich vorbei und diese Gespräche haben mir auch gut getan.



      Im Moment weiß ich nicht ... wie ich damit "umgehen" soll. Die Trauer "überrennt" mich förmlich. Damals bei meinem Vater und meinem Bruder habe ich ... ich bin vor der Trauer geflohen und habe deren Tod bis heute nicht überwunden. Man erklärte mir, dass ich im Moment wohl um 3 Menschen trauere ...


      Viele Grüsse
      abeerli2004
      Hallo abeerli2004,
      mein Beileid und ein ich verstehe dich so gut möchte ich dir sagen.
      Die Hölle ich glaube auch ich würde diesen Ausdruck wählen, wennman kein Infos erhält die einem so wichtig gewesen wären, wenn über alle Gefühle hinwegentschieden wird.
      Du aber warst da, hast getan was in deiner Macht stand und du warst nicht allein hattest einen Menschen zum reden das freut mich für dich.
      Das du nun um drei Menschen trauerst kann ich gut nachvollziehen, aber ich glaube das du irgendwann froh sein wirst nicht nicht wieder geflüchtet zu sein auch wenn der Weg nicht leicht wird ich wünsche dir liebe Menschen an deiner Seite alesVerständnis was es braucht und mögest du dich ion diesem Forum gut mitgetragen fühlen.
      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Hallo Funny,

      vielen lieben Dank für Deine Worte!!!!

      Ja, ich war nicht allein bei meiner Mama, eine meiner beiden Töchter war meistens da. Wir haben nachts dann gemeinsam in dem "Zustellbett" geschlafen. Die "letzte Nacht" meiner Mama, war meine Große dabei, ich habe ihr noch gesagt, sie solle sich mit ins Bett legen und "Ruhe geben, ich wäre so müde". Dann sind wir beide eingeschlafen und meine Mama ... auch ... für immer. Ich weiß noch die Worte der Nachtschwester als sie kam "Sie ist über den Berg, sie hat es geschafft, sie ist eingeschlafen.". Und meine ersten Worte waren: "Und wir haben geschlafen." Ich finde es so schlimm, dass meine Mama "gegangen" ist und ich habe nichts bemerkt, habe geschlafen.

      Liebe Grüsse
      abeerli2004
      Liebe abeerli2004,

      erstmal möchte ich sagen - Ich habe schon sehr oft gehört, dass Menschen in einer Nacht, während alle schliefen, starben. So auch mein Papa. Ich glaube, dass sehr kranke Menschen, wenn sie über einen längeren
      Zeitraum hinweg sterben, den Zeitpunkt auch ein bischen mitbestimmen. Ärzte erzählen, dass Menschen, die nicht mehr wollen einfach sterben - ohne medizinisch sichtbaren Grund, andere leben viel länger als die Ärzte nach der Diagnose erwartet hatten... Vielleicht brauchen viele einfach die Stille und Ruhe der Nacht und des Schlafs um zu gehen. Vielleicht möchten sie dazu allein sein - die Lieben in der Nähe zu wissen reicht vielleicht schon.
      Mein Vater hat es sich so gewünscht "einfach eines Tages nicht mehr aufwachen". Leider musste er vorher noch sehr leiden.

      Auch ich bin vorsichtig geworden mit der "Hölle", ich verwende den Begriff jetzt ganz anders. Ich musste jetzt schon zwei mal durch die reine Hölle, jeweils beim Krank sein und Sterben meiner Eltern. Ich glaube ich weiß ganz gut, was Du meinst. Bei meinem Vater zu übernachten, immer halb wach, um sofort zu merken wenn er aus dem Bett will, damit er es nicht allein versuchte, er konnte Tag und Nacht irgendwann nicht mehr unterscheiden, diese furchtbaren Tage... Jede Zweite Nacht, jeden Tag dort sein, halb dort "wohnen" über Wochen... Es ist schon kaum auszhalten.
      Und mit dem Tod ist die Hölle ja irgendwie noch nicht vorbei. Dann kommt die Trauer, das Verdauen, der Schmerz. Sie enden nicht so abrupt wie das Leben des geliebten Menschen. Die ersten TAge und manchmal Wochen sind häufig "irgendwie wattig", "nicht ganz da" oder "einfach funktionieren". Dann kommt am Anfang ganz "frisch" die Trauer, viele erleben das als sehr schlimm, dann wellenförmig und dann wird es immer besser.

      Es hört sich überzeugend an, dass Du um drei Menschen trauerst. Das macht die Trauer sicher nicht leichter. Aber Spaß macht Trauern ja sowieso nie. Und das GEfühl übrannt zu werden, kennen die allermeisten hier wohl auch. Einfach weitermachen, ist unser Rezept. Einen Fuß vor den anderen setzen, eine Stunde nach der nächsten aushalten. Irgendwann kommt dann auch immer wieder Land in Sicht.
      Ich bin eine Weile vor der Trauer davon gelaufen und habe mich dann mit der Trauer irgendwie "wohler" gefühlt, als mit dem weglaufen. Ich fand es dann immer besser den SChmerz zu spüren und auszuhalten, als dieses drückende Nichts, die unendlich unangenehme Gefühllosigkeit, die Ruhelosigkeit des Davonlaufens. Ich würde mich Funny anschließen, vielleicht bist Du irgendwann froh, dass Du jetzt nicht wegläufst. Auch wenn es schwer ist.

      Und bis es aufwärts geht, kann man sich viele Hilfen holen: Es gibt Trauergruppen, es gibt Therapeuten (Hausarzt fragen), Trauerbegleiter... und was ist denn mit dem wohltuenden Diakon, kann man den auch weiter sprechen?
      Außerdem natürlich das Umfeld, die Freunde und Partner, die man einfach in einer solchen Lage auch mal in Anspruch nehmen darf.

      Nicht zuletzt, hast Du ja nun uns gefunden! Ich möchte Dich sehr herzlich Willkommen heißen in unserer Runde! Schreib Dir wenn Du magst alles von der Seele, erzähle was Dich gerade bewegt, wenn Dir danach ist... Und Du wirst wohl immer wen finden, der ähnliches erlebt, gefühlt hat oder zumindest nachfühlen kann. Ich hoffe Du kannst hier ein klein wenig Trost und Unterstützung finden!

      Liebe Grüße
      Marie
      Es ist wie es ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Marie“ ()

      Liebe abeerli2004,
      und ich habe geschlafen, ich finde es so schlimm, die Worte lassen mich noch einmal schreiben, weißt du ich habe eines in meiner Trauer festgehalten, es gibt so viel mehr als wir wir erfassen, als es in Worte zu fassen gibt.
      Ich bin sicher, das deine Anwesentheit egal ob schlafend oder wach schon das ist was in dem Moment für euch zählt.
      Vielleicht etwas merkwürdig wenn ich sage vielleicht habt ihr euch im Schlaf verabschiedet, wart euch näher als man meinen möchte.
      Wie oft sage ich es kommt alles wie es muss, wer weiß schon immer warum, mal so und mal anders.
      Auch ich hätte vieles am Anfang meiner Trauer als hilfreich gefunden, wenn doch dieses und jenes.
      Heute aber weiß ich wie gut manches war wie es war, nichts hätte mir meinen Sohn zurückbringen können und ob es wirklich einfacher gewesen wäre wenn es anders gewesen ist ich bin mir nicht merh sicher.
      Das Schiksal hat entschieden und ich kann es heute anders sehen und vieleicht war es genau so wie es war zwar hart aber auch die einzige Chance das ich damit fertig werden kann.
      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Hallo Ihr Lieben,

      erstmal ganz herzlichen Dank für Eure Antworten!!! Es tut gut zu sehen, dass es auch "Anderen" ähnlich geht, sie ähnliches empfunden haben oder zumindest verstehen.

      Manchmal fühle ich mich so unverstanden .... meine Gefühle spielen total verrückt ...
      - ich fühle mich wütend ... ganz schrecklich zornig ... könnte mit dem Kopf an die Wand schlagen
      - dann wieder bin ich so niedergeschlagen, dass ich nicht weiß wie es weiter gehen soll
      - ins Bett gehe ich mit dem Gedanken "Mama, wie soll ich jetzt leben auch noch ohne Dich ... "

      Sie fehlen mir so sehr ... mein großer Bruder ... er wäre derjenige gewesen, der in dieses Situation Ruhe und auch eine gewisse "Gelöstheit" rein bringen hätte können. Mir gelingt sowas in solchen Momenten überhaupt nicht ... ich war so verzweifelt ... und doch so dankbar, dass ich diese letzten Tage mit meiner Mama hatte. Sie war "so klein", sie hat so hilflos gewirkt ... Ist man überfordert damit, wenn man plötzlich selbst nicht mehr das Kind, sondern plötzlich "die Erwachsene" ist? Ich finde mit dem Tod der Eltern ... ist endgültig das "Kind sein" vorbei ... Ich bin schon älter ... nicht mehr so jung, habe schon 2 Enkel, aber irgendwie, wenn ich an meine Mama dachte, habe ich mich immer als Kind gefühlt. Das ist jetzt vorbei ...

      - manches Mal erscheint mir die Nacht so dunkel ... ich weine mich in den Schlaf
      - dann wieder erscheint der nächste Morgen, der "neue Tag", wie ein unüberwindbarer Berg ...
      - ich fühle mich so schrecklich einsam ... ich bin gern allein, mir macht das nichts ... aber allein sein und einsam sein ... ist so ein großer Unterschied

      Ich war damals auch bei meinem Papa gesessen, "ES" war so ganz anders. Er war bis zum letzten Tag bei vollem Bewusstsein, er hat alles mitbekommen. Wir haben nie darüber gesprochen, dass er sterben wird ... vorher, ja bevor es klar war, dass es so ist, hat er öfter mal darüber gesprochen "wenn ich ... falls ich es noch erlebe ... " und dann "als es soweit war ... " nichts, kein Wort mehr davon ... und auch er "ging in der Nacht". Am Abend bin ich nach Hause, keiner hat es geahnt, dass es so schnell gehen wird, nicht mal die Ärzte und morgens um 5 Uhr kam der Anruf ...

      Kennt Ihr diese Gedanken ... ? Wenn man Angst hat vor dem nächsten Morgen, vor der Nacht?

      Liebe Grüsse
      abeerli2004
      Liebe beerli,

      oh ja, diese Gefühlsbäder kenne ich gut. Mich hat am meisten eine plötzlich aufbrausende, enorme Wut verwirrt. Auch Wut ist ein Teil der Trauer für viele Menschen. Wut auf die Person, dass sie gegangen ist, auf die Welt, dass sie so ungerecht ist, auf die anderen, die einen damit allein lassen. Oder auch einfach nur so. Lass es kommen wie es will, lass es raus wo Du kannst, beobachte Dich, warte ab. Alles ist richtig und gesund.

      Dein großer Bruder ist nicht da, aber auch wieder doch. Vielleicht kannst Du Dir öfter vorstellen: was würde er jetzt sagen, wie würde er damit umgehen? Vielleicht kann er Dir auch so mit seiner "Gelöstheit" etwas helfen?

      Ja, ich empfinde es auch so. Seit mein Vater tot ist, habe ich keine "Eltern" mehr, darf ich nicht mehr das Kind sein. Es ist schwer, aber ich gewöhne mich daran. Und später habe ich wieder entdeckt, manchmal darf ich mich doch wieder fallen lassen, bei Freunden, meinem Freund und meiner Tante.
      Mit den Eltern geht auch der "Ursprung". Man hatte eine gemeinsame Welt, die Erinnerung daran, die nur die Familienmitglieder teilen. Und dann ist da nun keiner mehr, der diese Welt noch kannte. Keiner, mit dem ich das teile. Es schmerzt sehr. Vielleicht macht das einen Teil der EInsamkeit aus?
      Ich muss mich damit abfinden. Auch das wird die Zeit bringen.

      Denk nicht an morgen, nicht an den "neuen Tag". Die Kraft dafür wirst Du erst morgen bekommen.
      Denk heute nur an heute, an jetzt. Man bekommt die Kraft erst dann, wenn man sie auch wirklich braucht...
      Gehe Schrittchen für Schrittchen, den Moment hälst Du noch aus. Und den nächsten auch. Und an den danach, kannst Du dann denken, wenn er da ist...

      Es ist wie es ist. Dieser Spruch hat mir immer und immer wieder sehr geholfen.

      Du schaffst das schon!

      Und hast Du alle Unterstützung, die Du Dir wünschst? Du trauerst. Du brauchst alle Hilfe und Unterstützung die Du bekommen kannst! Kannst Du Freunde, Nachbarn, Familie vielleicht bitten, Dir zu helfen? Was würde Dir gut tun, was würdest Du Dir wünschen?
      Vielleicht kannst Du z.B. fragen, ob sie bei Dir übernachten oder Du bei Ihnen?

      LIebe Grüße
      Marie
      Es ist wie es ist.
      Irgendwie hat mich der Tod jedes mal überrascht. Obwohl ich wusste, dass meine Eltern sehr sehr schwer krank waren. Obwohl die alte Schwester auf meine Frage sagte "lange kann es nicht mehr dauern". Aber als dann der Anruf kam, war ich doch so überrascht.
      Es ist wie es ist.
      Liebes beerli,

      ich kenn das auch mit den verschiedenen Gefühlen, manchmal bin ich so zornig und frage mich warum wir, warum mein Vater, warum ausgerechnet jetzt und daß das Leben so unfair ist usw. Dann bin ich wieder total niedergeschlagen und weiß nicht wie das alles weitergehen soll und ich ohne meinen Vater weiterleben soll. In einem Buch über Trauer hab ich aber gelesen, dass das völlig normal wäre, dieses Hin und Her der Gefühle. Ich hab mir angewöhnt immer nur einen Tag für den anderen zu leben, jetzt noch nicht zu denken was nächste Woche ist, nächsten Monat usw. . Mir hilft das ein wenig.

      Das mit dem "Nicht mehr Kind sein" geht mir genauso. Ich hab bisher immer bei allen Dingen gewußt, okay, wenn was schief geht, meine Eltern sind für mich da. Auch wenn ich sie nie in Anspruch nehmen mußte und eigentlich ganz gut allein mein Leben meistere; aber allein das Wissen dass sie für mich da sind, war unheimlich beruhigend.

      Und dass ist eben jetzt von einen auf den anderen Tag weg. Es ist im Moment eher so, dass ich auch noch für meine Mutter Verantwortung bei vielen Dingen übernehmen muß und Entscheidungen treffen muß, weil sie dem Ganzen noch nicht so gewachsen ist und sich eben auch erst an die neue Situation gewöhnen muß. Das ist neben dem Vermissen der verstorbenen Person das Schwierigste, nicht mehr Kind zu sein... Manchmal ruf ich mich da selbst zur Ordnung, so nach dem Motto "Mensch, du wirst im Oktober 40 Jahre alt, stehst mitten im Leben und hast auch schon so manche Klippe gemeistert", aber es tut schon weh, so gezwungenermaßen von einen auf den anderen Tag erwachsen werden zu MÜSSEN, ich kann dich da sehr gut verstehen.

      LG vom fischlein
      Hallo Ihr Lieben,

      ich danke Euch sehr!!! Genau das was mir im Moment fehlt, Verständnis!!!

      Ich fühle mich so unverstanden ... kann denn keiner verstehen, dass man traurig ist? Dass das nicht nach 2 Monaten vorbei ist ... ja gar nicht vorbei sein kann. Meine Mama hat mich 49 Jahre begleitet und jetzt ist sie plötzlich weg. Genau das ist doch auch so eine Sache, wenn jemand so lange da war, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass derjenige "da" ist. Und plötzlich, weg ... eine Leere, ein Loch ... das keiner mehr füllen kann. Eine Mama kann niemand ersetzen. Eltern sind nicht ersetzbar ...

      Leider habe ich die Unterstützung die ich bräuchte, nicht. Mein Mann ja, er versucht zu verstehen, nimmt mir vieles der bürokratischen Dinge ab (wofür ich ihm sehr dankbar bin!!!) aber die menschliche, die Gefühlsseite, die versteht er nicht. Er hat noch niemand wirklich nahestehenden verloren, er kennt dieses Trauer nicht. Aber ich glaube im Moment zeigt sich ihm was "DAS" bedeutet, er bekommt ein Gefühl dafür wie es sein könnte. Vor einigen Wochen erst habe ich bemerkt, wie er Angst bekam, weil er seine Mutter telefonisch nicht erreichte. Sowas habe ich bei ihm noch nie erlebt.

      Meine Hausärztin, mit der ich mich sehr gut verstehe und die sich immer sehr viel Zeit nimmt, "nimmt sie DAS so mit?". Diesen Satz fand ich ein wenig komisch ...Ich habe meine Mama verloren, natürlich nimmt mich DAS mit!

      Aber diese Vorstellung

      Marie schrieb:

      Denk nicht an morgen, nicht an den "neuen Tag". Die Kraft dafür wirst Du erst morgen bekommen.
      Denk heute nur an heute, an jetzt. Man bekommt die Kraft erst dann, wenn man sie auch wirklich braucht...
      Gehe Schrittchen für Schrittchen, den Moment hälst Du noch aus. Und den nächsten auch. Und an den danach, kannst Du dann denken, wenn er da ist...

      finde ich gut. Schrittchen für Schrittchen ... den Moment hältst Du noch aus ...

      Manches Mal glaube ich aber, dass ich den nächsten Moment nicht aushalte, nicht aushalten kann ...

      Besonders traurig macht es mich, wenn Menschen von denen ich dachte, sie verstehen, jetzt Sprüche machen oder -noch schlimmer!- mir vorwerfen, dass es "jetzt mal genug wäre ... ".

      Liebe Grüsse
      abeerli
      Hallo Abeerli,
      Bei mir ist es nun ziemlich genau 3 Jahre her, dass ich von meinem Mann Abschied nehmen musste und gerade kürzlich hatten wir in der Verwandtschaft wieder einen Trauerfall, bei dem ich merkte, dass auch nach dieser Zeit längst nicht alles verarbeitet und abgehakt ist. Dass da doch so vieles wieder hochgekommen ist. Ich bin allerdings inzwischen so weit, dass ich nun mit etwas Abstand auch ein paar positive Lehren daraus ziehen konnte. Das wird Dir vielleicht befremdlich vorkommen, was soll daran schon positiv sein. Aber ich habe zum Beispiel gelernt, wer meine wirklichen Freunde sind. Das sind nicht die, die einen mit "das Leben geht weiter" oder "du musst nach vorne schauen" dazu bringen wollen, wieder "normal" zu werden. Nein, das sind die, die sich auch nach Monaten zum 50.Mal geduldig anhören, wie sehr der Mensch fehlt, wie schlimm es war, wie man sich ändert, was man glaubt, falsch gemacht zu haben usw. usw. Die einfach da sind, ohne wenn und aber, ohne kluge Ratschläge und "Aufmunterungen". Die vielleicht auch nicht verstehen, dass man seitdem anders tickt, aber die das einfach akzeptieren.

      Sei ruhig egoistisch. Die Mutter fehlt einem für den Rest des Lebens. Gerade, als ich Witwe wurde, hätte ich meine Mutter so manches mal um Rat fragen wollen, schließlich hat sie in ähnlichem Alter wie ich den Mann verloren. Ich habe aber auch überlegt, ob ich damals nach dem Tod meines Vaters meine Mutter genügend unterstützt habe, oder mit meiner Trauer um meinen Vater zu beschäftigt war. Überhaupt bin ich den "anderen" nicht gar so böse, wenn sie sich falsch verhalten, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich früher mit Trauernden richtig umgegangen bin, oder die gleichen Fehler gemacht habe, die ich bemängelte, als es mich selbst betraf.

      Schalte die Umwelt geistig so gut als möglich aus. Geh Deinen eigenen Weg in Deinem Tempo. Du spürst am besten, was Dir wann gut tut, ob Ablenkung, oder eher wie bei mir das bewusste Ausleben, Durchleben und Durchleiden der Trauer. Das ist sicher bei jedem anders, jeden Tag anders und es gibt kein richtig oder falsch.

      Was mir aber sehr geholfen hat, das waren die Menschen hier im Forum. Die Möglichkeit, all den Kummer einfach von der Seele zu schreiben und zu erkennen, dass man mit seiner Verzweiflung nicht alleine ist. Deshalb hab ich mich auch bis heute nicht abgemeldet, auch wenn das Thema Trauer in meinem heutigen Leben nicht mehr pausenlos präsent ist. Wenn Du magst, kannst Du Dich durch meine alten Beiträge lesen und dabei recht gut erkennen, wie sich die Gefühle im Laufe der Zeit verändern. Welche Gedanken einem kommen, wie man neue Perspektiven gewinnen kann und irgendwann einmal feststellt, dass die Welt noch so viel mehr zu bieten hat, als Kummer, Angst, Verzweiflung und Chaos.

      Und irgendwann wirst auch Du in der Lage sein, neue Forumsmitglieder aufzufangen, wirst merken, dass Gedanken und Ratschläge die Du gegeben hast, von den Neuen an die noch Neueren weitergegeben werden und sich der Kreis schließt. Das Leben hat Dich wieder.

      Liebe Grüße
      Beauty
      Liebe Beauty,

      erstmal vielen herzlichen Dank, dass Du mir schreibst, auch wenn das Thema Trauer Dich nicht mehr so sehr beschäftigt. Mich beschäftigt es leider schon ziemlich lange. Ich habe vor 23 Jahren meinen Bruder und meinen Papa innerhalb von 3 Monaten verloren. Ich war damals ganz frisch allein erziehend und mit allem völlig überfordert. Hinzu kam, dass ich auf die Initiative meines Bruders hin, eine Ganztagsschule besucht habe, um mich fortzubilden und wieder in den Beruf einzusteigen. Zu der Zeit ... war ich eben "zu bin obenhin". Ich bin gerannt ... unbewusst ... davon gelaufen vor der Trauer ... ich war schon traurig, aber wenn es mich "überkam" wollte ich nur raus, nur weg. Ich hatte keinen Spaß mehr am Leben. Mir war alles egal. Ich habe einfach weiter gemacht, immer wieder. Damals habe ich das nicht erkannt, habe nicht verstanden, warum ich fast dauernd auf "Achse" bin. Mir fiel es nur kurz nach dem Tod meiner Mama auf, dass meine "Kleine Tochter" das Gleiche gemacht hat. Und da fiel es mir wie "Schuppen von den Augen".

      Die Trauer war "untergründig" immer da. Das ging so weit, dass man mit mir manchmal nicht über meine "Lieben" sprechen konnte. Und wenn jene Jahreszeit kam, war ich zu nichts zu gebrauchen, ich brach förmlich in mir zusammen. Immer wieder wurde mir gesagt, das sei nicht verarbeitete Trauer, im Fall meines Bruders sogar ein Trauma ... aber wie verarbeitet man im nachhinein Trauer richtig? Verständnis findet man auch keine dafür. "Das ist doch schon so lange her ... " wie oft habe ich das gehört. Aber ich bin traurig ganz tief drin. Erst heute Nacht habe ich von meinem Bruder geträumt ... geträumt, dass wir im Krankenhaus waren ... ich mit einer Magenverstimmung und plötzlich sah ich ihn, am Defibrilator und sie haben ihn wieder belebt. Dann bin ich aufgewacht ....

      Meine Mama konnte mir damals auch nicht helfen, hatte sie doch ihren Sohn verloren ... Und jetzt geht es mir so, "vieles von damals kommt hoch". Mir wurde schon gesagt, dass ich im Moment um 3 Menschen trauere.

      Liebe Grüsse
      abeerli

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „abeerli2004“ ()

      Hallo,

      heute hat mein Mann im Heim angerufen, nächste Woche am Mittwoch können wir die Sachen meiner Mama holen. Ich hab riesig Angst davor. Wieder so ein Schritt, wenn der gemacht ist, dann ist es wieder ein Stückchen mehr Wahrheit. So ganz glauben kann ich es immer noch nicht, dass sie nicht mehr kommt ... nicht mehr da ist ... ich nicht mehr mit ihr reden kann. Ich hätte ihr so gern noch vieles gesagt, mich für so manches entschuldigt, nochmal ihre Stimme gehört.

      Ich vermisse sie so sehr!!!

      Viele Grüsse
      abeerli2004
      Hallo,

      es ist wieder so weit ... ich glaube, dass ich den nächsten Moment ... die nächste Sekunde, Minute ... nicht aushalten kann. Sie fehlt mir so entsetzlich. Ich kann nicht glauben, dass sie nicht mehr kommt. Ich sie nie mehr in den Arm nehmen kann, nie mehr mit ihr sprechen, nie mehr ihre Stimme hören und nie mehr in ihre blauen Augen sehen.

      An "jenem" Tag, in dem "Andachtszimmer", ich wollte so schnell wie möglich gehen ... nur weg ... nicht darüber nachdenken, dass es das letzte Mal ist, dass ich sie sehe. Noch heute kann ich diesen Gedanken nur in meinen Kopf lassen, meine Gefühle kann ich da nicht ran lassen.

      Ich wusste noch, dass "ES" sehr weh tut ... aber ich wusste wirklich nicht mehr wie sehr! Dass es körperliche Schmerzen sind ... mein Körper spielt völlig verrückt ...

      Ach ...

      Liebe Grüsse
      abeerli2004
      Hallo,

      heute ist es so weit, wir holen "ihre" Sachen aus dem Heim. Ich kann kaum beschreiben wieviel Angst ich davor habe. Mein Mann meinte gestern, er könne auch allein fahren. Aber nein, ich muss da mit, ich will es. Ich muss noch einmal in dieses Heim, wo sie ihre letzten Jahre verbracht hat. Diese letzten traurigen Jahre ... ich muss nochmal diese schreckliche Atmosphäre erleben ... noch mal diesen Geruch ...

      Ich hab Angst davor. Ihre Tasche, die sie mir im Krankenhaus an "jenem Tag" mitgegeben haben, sie steht immer noch an der Tür. Seit dem 2. Mai steht sie da. Ich kann nicht ... ich hab sie nur mal "weg gerückt" ... in die Nische neben dem Schrank ... ich kann sie nicht auspacken. Wahrscheinlich wird es mir mit diesen Sachen auch so gehen ...

      Liebe Grüsse
      abeerli2004
      Liebe abeerli,

      ich hoffe es war nicht so schlimm wie befürchtet!
      Du musst auch nicht. Du kannst alles in eine Kiste packen und verstauen, bis Du soweit bist!

      Es tut dann weh, wenn man sich irgendwann daran wagt, aber mir hat es auch gut getan. Es ist wie der nächste Schritt auf meinem Weg der Trauer.

      Liebe abeerli, Du wirst es aushalten! Halte durch! Der SChmerz kommt meist in Wellen, ist das auch bei Dir so? Hast Du schon etwas gefunden, was Dir etwas Erleichterung verschafft? Ich konnte mich sehr gut ablenken. Magst du getröstet werden? Du könntest ihr auch schreiben, wenn Du magst.
      Schritt für Schritt!

      Viele Grüße
      Marie
      Es ist wie es ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Marie“ ()

      Liebe Marie,


      es war schlimmer ... als ich gedacht hätte. Ich wollte eigentlich nichts sagen ... nicht fragen warum sie mich nicht angerufen haben ... ich wollte eigentlich nur die Sachen holen und meine Ruhe .


      Aber dann, irgendwie -mein Mann sagt das Gleiche- ist es aus mir heraus gesprudelt.



      Ich hatte ja schon erzählt, dass meine Mama eine Betreuerin hatte. Meine Mama ist wohl am 20.4.und kam ins Krankenhaus, erst am 26.4. wurde ich verständigt!!! Von einer "mitdenkenden" Ärztin aus dem Krankenhaus, die damit eigentlich gar nichts zu tun hatte. Da hatte meine Mama aber bereits den Schlaganfall und war selten ansprechbar, selbst konnte sie gar nicht mehr reden. So wurde mir genommen, dass ich mit ihr nochmal sprechen konnte.

      Gestern dann im Heim machte ich Vorwürfe, warum sie mich nicht verständigt hätten. Natürlich wiesen die die Schuld von sich und schoben alles auf die Betreuerin, die sie an jenem 20.4. auf dem AB verständigt hätten. Ich sagte denen, dass die Frau so kurz vor Ostern auch im Urlaub hätte sein können ... meine Mutter, wenn jene Ärztin nicht angerufen hätte, allein gestorben wäre. Dass sie mir bei meiner telefonischen Beschwerde, erklärt hätten, dass meine Mutter so Angst gehabt hätte, dass sie sich an die Pfleger geklammert hätte. Ich nicht verstehen könne, warum man dann die Angehörigen nicht informiert. Ich immer wieder gesagt hätte, dass ich unbedingt informiert werden möchte. Man erklärte mir, dass man "rechtlich" alles getan hätte. Die Betreuerin ihnen erklärt hätte, sie hätten richtig gehandelt. Ich wies sie dann auf ihre menschliche Pflicht hin, wenn ihnen ihre Bewohner so wichtig sind, warum sie dann die Angehörigen nicht verständigen. Dass ich es "im Kopf" nicht verstehe und nun damit leben muss, dass meine Mama 6 Tage allein -frisch operiert (zum ersten Mal im Leben operiert)- im Krankenhaus lag. Dass ich damit leben muss, dass sie nicht noch ein einziges Mal mit mir gesprochen hat, ich gerne noch Worte aus ihrem Mund gehört hätte. Was ja noch möglich gewesen wäre, wenn eine Information rechtzeitig erfolgt wäre. Ich stand zitternd da ... kämpfend mit den Tränen ... Gänsehaut, mir war es egal. Ich fand sie sollten nur sehen, was sie angerichtet haben. Ich konnte mich kaum beruhigen. Mein Mann -der immer sehr ruhig bleibt- meinte hinterher, dass er sich gewundert hat, dass ich nicht gebrüllt habe. Ich glaube er war sehr stolz auf mich, hat mir dann auch noch gesagt, dass ich das sehr gut gemacht habe.

      Ich wollte einfach nur hören, dass sie einen Fehler gemacht haben ... nichts ...

      Erleichterung hat mir das auch keine gebracht. Aber ich habe was gesagt, habe es nicht "einfach so" hingenommen und das bringt mir dann doch ein wenig. Es fehlen Dinge meiner Mama, die ich gern gehabt hätte.
      Sie sind nicht mehr da. Man erklärte mir noch, man hätte diese Dinge auf dem Nachtkästchen gesehen ... in den "blauen Tüten" waren die nicht ... Bilder zerbrochen ...

      Eines verstehe ich gar nicht!!! Wenn die Betreuerin uns nicht informiert und das Heim das auch nicht muss ... wer unterrichtet dann die Angehörigen?
      Keiner?
      Gott sei Dank, hat jene Ärztin angerufen ... weiter kann ich gar nicht denken ... wenn sie nicht ... meine Mama wäre einsam in diesem schrecklichen Zimmer gestorben.

      ... ich könnte kotzen ... weinen ... schreien ... manchmal weiß ich einfach nicht mehr weiter ...


      Liebe Grüsse
      abeerli2004
      Liebe abeerli2004,

      super, dass Du das rausgelassen hast! Es wäre schön gewesen, wenn sie zugegeben hätten wie blöd das von denen war. Aber es ist halt so, vielleicht ist am Ende doch noch etwas bei denen angekommen. Vielleicht denkt beim nächsten mal trotzdem eine Kraft dort daran die Angehörigen zu informieren (und wenn auch nur um solche gerechtfertigten Auftritte wie Deinen zu vermeiden).
      Und so oder so, es ist immer gut sich ein wenig zu wehren!!!

      Auf die kannst Du gepflegt wütend sein! Und ncoh besser, dass Du Deine Wut an der richtigen Stelle herausgelassen hast!

      Wundere Dich nicht, wenn in nächster Zeit keine Antwort von mir kommt, ich werde die nächste Woche nicht hier (zu hause und im Internet) sein. Aber es gibt ja ncoh so manche andere hier...

      Liebe Grüße
      Marie
      Es ist wie es ist.
      Liebe Marie,

      ja, ich habe es raus gelassen und irgendwie war ich auch froh darüber. Zumindest konnte ich es noch los werden ... denn das Gefühl wird bleiben. Das Gefühl, dass sie mir vielleicht noch etwas gesagt hätte. Aber ihre Augen haben gesprochen ... in manchen Momenten ... ich kann es kaum sagen ... darf man das ... ? Ich habe so eine Liebe in diesen letzten Tagen zu ihr gespürt, wie selten zuvor in meinem Leben. Erst da wurde mir wieder klar wie sehr ich sie liebe. Schade, dass ich das erst so spät erkannt habe!!!

      Ich hatte am Ende meines "Vorwurfes" noch erklärt, dass sie doch bitte zukünftig auch die Angehörigen verständigen möchten, damit sowas (!!!) nicht mehr passiert, denn für die Angehörigen ist das ganz schrecklich. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die keinen Anteil mehr nehmen an ihren Angehörigen, habe ich auch im Krankenhaus von den Schwestern gehört. Die Nachtschwester erzählte mir, dass es Menschen gibt die sagen "rufen sie mich keinesfalls nachts an". Na ja, muss jeder selbst wissen ... ich bin anders ... bei meinem Papa wurde ich früh morgens um ca. 5 Uhr angerufen.

      Liebe Marie,
      dann wünsche ich Dir ein paar schöne Tage ... ich hoffe zumindest für Dich, dass Du sowas wie Urlaub machst ... stelle ich mir jetzt einfach so vor!

      Liebe Grüsse
      abeerli2004

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „abeerli2004“ ()

    Liebeskummer Sorgen Forum