...meine Verlobte

      Hallo Michaela,

      natürlich kannst Du Dich direkt an mich wenden. Gar kein Problem.

      Ich bin 49.

      Hatte gestern einen etwas besseren Tag an dem die Wellen nicht so häufig und nicht heftig kamen, aber heute ist es wieder etwas schlechter.
      Da ich selbst eine Therapie mache, kenn ich die Situation, dass diese Gespräche heftige emotionale Ausbrüche hervorrufen. Aber diese Termine sind sehr wichtig, da dort auch verschiedene Dinge erarbeitet werden und danch geht es mir meistens besser.
      An Medikamente habe ich auch schon gedacht, möchte es aber (noch) nicht, da ich glaube, es ist das Beste alles zu durchleben und Medikamente unterdrücken es dann doch etwas.

      Aber jeder wählt ja seinen individuellen Weg und jeder Weg ist, meines Erachtens, demnach auch richtig.

      Ich versuche manche Dinge an mich heranzulassen, aber schaffe es auch nur in den seltensten Fällen. Die Arbeit hilft mir etwas, da sie so eine gewisse Konstante da ist, auch wenn ich jeden Morgen denke, ich schaffe es nicht. Aber ich raffe mich auf.

      LG
      Michael
      Hallo Michael,

      danke für deine schnelle Antwort, ich gestehe, ich hab schon ein bissel gewartet........

      Tja, dann sind wir beide ja beinahe gleichalt.. Hätte niemals gedacht, dass ich doch so früh zur Witwe gemacht werde. Hört sich für mich noch völlig fremd an.

      Ich atte gestern diesen richtig beschissenen Tag, nur heulen und völlig verzweifelt sein und am schlimmsten ist , man fühlt sich so unglaublich einsam. Heute geht es ein bisschen besser. Ich kann nicht loslassen sagt meine Trauerbegleiterin, das stimmt auch, ich will irgendwie auch gar nicht. Alles in mir schreit !!!! Das kann doch nicht sein !!!!

      Aber sie will mit mir arbeiten. Ist halt nur auch schwierig mit meiner Arbeit. Ich bin selbstständig und nur unterwegs, meistens 2 Wochen am Stück. Dann wieder für ein paar Tage zu Hause.....

      Und so raffe ich mich dann auch immer wieder hoch und mache weiter.

      Liebe Grüße

      Michaela
      Hallo Michaela,

      ich hätte auch nie gedacht, dass mir so etwas passiert. Das trifft doch immer nur die anderen.

      Tja, das mit dem Loslassen ist sehr schwer und ich will es auch nicht. Vorallem, was bedeutet es letztendlich? Nicht mehr mit ihr reden, nicht mehr so oft zum Grab gehen, weniger an sie denken? Ich habe keine Antwort darauf. Glaube, dass muss jeder selbst entscheiden.
      Ich möchte, dass sie Ihren Frieden hat, aber auch hier weiss ich nicht, was es bedeutet.

      Die Erinnerungen und der Schmerz darüber stehen immer noch im Vordergrund. Und ich kann mir nicht vorstellen ohne sie irgendwann ein glückliches Leben zu führen...

      Auch ich werde meine Therapie weiter machen und hoffe täglich, dass es besser wird. Aber was eigentlich? Der Schmerz, das Vermissen, die Tränen? Gerade jetzt bekomme ich wieder die Tränen in die Augen, aber im Büro versuche ich es zu unterdrücken.

      Kurz und knapp, es ist einfach nur beschissen ohne Katharina!!!
      Hallo Michaela, hallo Michael,

      ich bin auch 49. Und auch ich dachte nicht im Traum daran, so früh Witwe zu werden. Loslassen ist schwierig, aber loslassen heißt ja nicht vergessen. Nach 5 1/2 Monaten realisiere ich so langsam, dass mein Mann für immer weg ist. Nie mehr zurück kommt. Ich denke aber ständig an ihn, weine immer noch fast jeden Tag, die Sehnsucht ist groß, doch der ganz dolle Schmerz hat nachgelassen. Auch mit der Einsamkeit komme ich schon besser klar.

      Ihr beide seid noch so frisch in der Trauer, da ist doch klar, dass ihr vor Schmerzen weint. Das sollt ihr auch ruhig tun.

      Liebe Grüße

      Claudia
      Hallo Ihr Lieben,
      Claudia hat recht. Nach 7 Monaten kann ich bestätigen, dass der Schmerz noch täglich da ist,
      aber eben nicht mehr unerträglich. Habt Geduld. Ich denke, dass das normal ist. Denn der
      Schmerz muss heraus. Es wird besser/erträglicher. Ganz sicher.
      Liebe Grüße Caro
      Lieber Michael,
      Auch von mir einen stillen Gruss. Mein geliebter Mann, mein Seelenmensch, starb plötzlich und unerwartet vor 20 Wochen, 55 Jahre jung,sass tot auf der Couch.
      Heute vor 2 Jahren, waren wir in Ägypten, die Fotos habe ich mir eben angeschaut und ich bin todtraurig, weil das Leben nicht mehr mein Leben ist.
      Das die Zeit wunden heilt ?! Daran glaube ich nicht...wäre gerne bei ihm. Aber jeder will einen überzeugen, dass es weitergeht...
      Nur Menschen, die diesen Alptraum selbst erlebt und überlebt haben, die sich hier austauschen und versuchen, sich Mut zu machen, Halt zu geben, helfen einander...
      Mir gibt es immer ein klein wenig Hoffnung, doch einesTages der Dunkelheit zu entkommen, die einen so oft umgibt.
      War eben am Grab und konnte endlich nochmal weinen...das war lange nicht möglich, total ausgetrocknet...
      Ich wünsche Dir und den Kindern, dass einesTages die Sonne auch für Euch wieder scheint...
      LG Belinda

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      Guten Morgen,

      was mich momentan etwas beschäftigt ist, dass ich das Gefühl habe, nach nun knapp acht Wochen nicht mehr so viele Tränen zu vergiesen.
      Ich kann es schwer beschreiben, ich bin sehr, sehr traurig, sie fehlt mir so sehr und ganz besonders am Morgen bin ich immer verzweifelt, da sie nicht mehr da ist, habe aber das Gefühl wenigstens ein ganz kleines bisschen besser klarzukommen. Was passiert grade mit mir? Fange ich an zu aktzeptieren? Verdränge ich, aufgrund der Arbeit?
      Tränen kommen ab und zu am Tag, aber ich habe es einigermaßen im Griff. Ich habe Angst aufgrund der Arbeit das Trauern zu unterdrücken und mir damit zu schaden.
      Ich verstehe es grade einfach nicht. Lasse ich los? Ich habe Angst Ihr Unrecht zu tun und das verunsichert mich zutiefst.
      Die Erinnerungen an unsere Zeit machen mich traurig und ich weiss, dass ich dies nie mehr wieder haben werde und sehe sie dabei vor mir.
      Ich schreibe für sie auf, was mich beschäftigt, schreibe Ihr immer wieder, dass ich sie vermisse und wiederhaben will und erzähle ihr dies am Grab.
      Weiterhin beschäftigt mich gerade auch wieder das Thema OP. Wurde dort ein Fehler gemacht und sie musste deshalb sterben. Einiges deutet darauf hin.
      Ich hätte die Möglichkeit mit dem Arzt der bei der OP dabei war nochmals zu reden. Aber bringt mir das etwas? Reisst es mich dann wieder in den Abgrund, vor allem, wenn es weitere Anzeichen für Fehler hervorrufen würde. Eigentlich hatte ich mit diesem Thema abgeschlossen, aber es kommt gerade wieder hoch. Aber egal wie und was... alles bringt sie mir nicht mehr zurück.

      Und so drehen sich die Gedanken im Kreis und dieses Karussel hat keinen Ausgang.

      Ach, würde sie doch nur durch die Türe kommen...

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      Hallo!
      Nein keine Sorge. Das ist durchaus normal. In der ersten Zeit ist man ja wie erstarrt, fast schon versteinert. Nach ein paar Wochen fällt dann dieses erste Entsetzen etwas von einem ab.
      Das hat nichts mit der Arbeit zu tun. Die hält dich übrigens auch nicht vom Trauern ab.
      Und wenn weniger Tränen fließen ist das auch nicht schlimm. Traurig sein bedeutet ja nicht automatisch Weinen.
      Du wirst wahrscheinlich wirklich inzwischen in den Bereich des aktzeptierens kommen.
      Ob du wegen der OP weiter machen solltest ist schwer zu sagen. Letztendlich habe ich auch festgestellt das es für einen selbst durchaus Sinn machen kann da einen Schlußstrich zu ziehen. Ändern kann man das Ganze leider ohnehin nicht mehr. Und man muss sich Fragen ob man sich den ganzen Stress wirklich antun möchte. Immerhin kann so etwas dann seelisch ziemlich weh tun. Denn wenn man da weiter macht zieht sich natürlich auch gerade diese Belastung immer weiter in die Länge. Und der geliebte (und leider verstorbene) Mensch wird dadurch mehr und mehr zu einem Gegenstand um den gestritten wird degradiert.
      Nach acht Wochen ist ohnehin natürlich alles noch ziemlich frisch bei dir. Da kann und will man vieles noch nicht wirklich begreifen. Aber es wird leichter. Nur dauert dies halt leider seine Zeit.
      Ich wünsche dir die nötige Kraft um diese Zeit zu überstehen.

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      Lieber Michael,
      auch ich habe schon daran gedacht, nochmals die Ärzte im Krankenhaus zu befragen, was da wohl "schief gegangen" ist. Zumal man uns so große Hoffnung gemacht hat. Aussage des einen Arztes : " Ich mache Sie wieder fit, auch mit Leistung" . Aber nach der 2 Chemo am 12.August , der Geburtstag Meines Mannes ! , ging es stetig bergab. Ich frage mich, ist er im Endeffekt an der Chemo verstorben, hat er die nicht verkraftet und wenn ja, warum ?
      Aber bringt uns das weiter ???? Das habe ich auch gestern meinen Hausarzt gefragt.
      Es bringt nichts!!!!! Niemand kann uns das Liebste wiederbringen!!!! Auch nicht, wenn wir alles genau wüssten.
      Ich weine auch nicht jeden Tag, manche Tage aber von früh bis spät. Alles läuft mechanisch ab, so gänzlich ohne Freude. Das ist Trauer. Schwerstarbeit !!! Wenn mal bei irgendeinem Anlass doch gelächelt wird, hat man sofort ein schlechtes Gewissen. Ich stelle mir dann immer vor, was hätte mein Mann jetzt zu mir gesagt? Der hätte niemals gewollt, dass ich so rumhänge wie ein "Trauerkloß". Ich bin eins mit ihm und ich trage ihn bei mir, immer!!!!!

      Michaela

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      Hallo ihr Lieben,

      habe eure Schicksale stillschweigend gelesen und sehr viel darüber nachgedacht. Selbst nach über 15 Monaten
      muss ich noch fast täglich weinen. Mittlerweile nenne ich dieses Weinen, das Weinen des Vermissens. Das
      allerschlimmste für mich ist wirklich dieses "für immer". Nach dem Warum frage ich schon gar nicht mehr. Nach
      dem Sekundentod meines Partners, der mich monatelang in einen Schockzustand versetzt hatte, war für mich dieses
      Warum immer so wichtig. Warum er mit 51ig Jahren, warum, warum. Aber an dieser Stelle kann ich allen nur sagen,
      es wird besser, der Schmerz lässt nach... aufhören wird er wahrscheinlich niemals, aber er wird erträglich, so erträglich, dass man damit leben kann. Auch ich rede jeden Tag mit ihm, z. B. wie ihm meine neuen Sachen gefallen, ob er den Duft der Kerze mag, die ich jeden Tag für ihn anzünde, wie ihm der Film gefallen hat... also ganz banale Sachen. Ich bilde mir dann ein, dass er mir antwortet und mir Tipps gibt - auch wie ich weiterleben soll. Manchmal schmunzel ich, wenn ich an die Vergangenheit denke, wenn er mir irgendwelche Tipps gegeben hat, die eigentlich völlig unsinnig waren. Ich wünsche allen hier ganz viel Kraft die Trauer gut in den Griff zu bekommen. Wer trauert ist sehr mutig, denn er lässt seine Gefühle zu. Trauer ist ja alles, Weinen, Wut, Verzweiflung, Angst.

      Bis bald und liebe Grüße
      Anne

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      Auch ich glaube, dass meine Liebste nicht wollte, dass ich leide wie verrückt. Aber anders geht es nicht. Es ist Leiden pur und erst jetzt wird mir bewusst, was der Satz "ich wünsche Dir viel Kraft" eigentlich bedeutet. Am anfang dachte ich nur, lasst mich in Ruhe mit diesen Floskeln.
      Diese Kraft benötigt man aber, für alles, was man tut. Vor allem aber für das Vermissen. Das geht teilweise über das Mögliche hinweg. Und dann dieses ewige "was wäre gewesen wenn?"
      Es hilft nichts, aber trotzdem wünscht man sich eine Zeitschleife um alles nochmal zu durchleben und mit dem jetzigen Wissen anders, vieleicht besser zu machen.
      Ich würde Ihr gern noch so vieles sagen und auch meine Tochter hat sich schon gewünscht, noch einen Tag mit ihr zu bekommen um ihr vieles zu sagen...geht alles nicht. Es ist endgültig.
      Einen solchen Menschen gibt es nicht noch einmal, dieses Leben gibt es nur einmal. Und da kommt einem das restliche Leben so lang und unsinnig vor.
      Sie war mein Volltreffer, wie es ein guter Freund gesagt hat. Ja, das war sie!!!
      Und da sind sie wieder diese unerträglichen Gedanken, die Gedanken, dass ich sie nie mehr wieder sehen werde. Nie.

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      Lieber Michael,

      alles, was du gesagt und getan hast, das hast du aus Liebe zu ihr gesagt und getan. Was könnte daran besser gemacht werden?

      Und ob du sie wirklich nie wieder sehen wirst? Wer kann das schon sagen? Es gibt so vieles zwischen Himmel und Erde, was wir uns nicht erklären können, nicht vorstellen können, einfach nicht wissen können. Aber eines weiss ich: die Liebe ist die stärkste Kraft und das hellste Licht. Sie geht über den Tod hinaus.

      Alles Liebe Frieda


      ......................................................

      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein

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      angeregt durch eure beiträge bin ich wieder ins grübeln gekommen zu diesen Thema.
      die zeit ist für mich nicht so einfach mein schatz ist jetzt am 26.10 17 schon zwei
      jahre nicht mehr bei mir. nachdem er Juni 2014 eine große und schwere op hatte
      ​und im anschluß chemo galt er 2014 klinisch und radiologisch als geheilt. im april 2015
      ​war der krebs wieder da in form eines lymphknoten es gab den ersten turnus chemo und
      ​im juli galt er nach untersuchung im strahlenlabor wieder als geheilt. die strahlenärztin
      ​sagte wenn ich nich wüsste das ihr mann krebs hatte würde ich es nicht glauben.. aber trozdem
      ​entschied sie ihm noch 35 bestrahlungen zu geben zur vorsicht. mein schatz war zum ende
      ​so ko er hatten keine kraft mehr. ein paar tage später hatte er temperatur und luftnot. er
      ​kam ins kh erst normale station dann intensiv und 3 wochen später war Tod. ich bin der
      ​festen Meinung es war ein versuch man hat ihn zu tode bestrahlt.
      ​am anfang hätte ich der ärztin böses tun können und dann hab ich mir gesagt davon wird
      ​mein schatz auch nicht wieder lebendig. und ich hab keinen der hinter mir steht keine familie
      ​mehr, bin ganz allein und da fehlte mir einfach die kraft dafür.
      sorry das musste einfach raus........
      ​lg. monalisa

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      Ja Monika....
      diese Behandlungen sind echt heftig für den Patienten. Bei uns war es Chemo, recht hoch dosiert. Er wurde auch immer kraftloser.
      Bei uns war es so das die nach der ersten Krebs-OP 2012 einfach keine (wie ich finde) vernünftige Nachuntersuchungen gemacht haben. Abtasten und Ultraschall ist ja schön und gut. Aber da ja nach so einer OP die ersten 5 Jahre kritisch sind weil der Krebs wieder auftreten könnte wäre es halt schon sinnig gewesen mal rechtzeitig eine CT zu machen. Als das geschah war es letztendlich schon etwas spät. In der folgenden OP haben sie aufgeschnitten... gesehen das sie da erstmal nichts machen können ohne das der Patient dabei stirbt und dann so gefühlt notdürftig zu gemacht. Es hat dann über 9 Monate gedauert bis die Wunde zu war weil der Chirurg vor Ort zu unfähig war (bzw. zu alt.... was ich hinterher von einigen erfahren habe die auch Probleme mit dem hatten). Dadurch konnte ein dreivierteljahr nicht die wirksamere und härtere Chemo gegeben werden da diese die Wundheilung verhindert. So konnte der Krebs da dann langsam schön den Magen erreichen.
      Nunja.... man kann es nicht ändern.... sag ich mal etwas sarkastisch.
      Vielleicht hätte man dagegen angehen können.... sowohl die Unfähigkeit der Klinik wie auch die des örtlichen Chirurgen. Aber ich hatte da weder die Kraft noch die Lust darauf Don Quichotte zu spielen und gegen Windmühlen zu kämpfen. Und wir sind nicht die USA wo man bei so etwas sofort Recht bekommt. Wenn man nicht gerade einen Lottogewinn zu Hand hat und sich einen der absoluten Topanwälte leisten kann hat man gegen die Klinikkonzerne (wobei es in dem Fall die katholische Kirche wäre) schlechte Karten.
      Und zurück bekommen hätte ich ihn trotzdem nicht.
      Zumindest hab ich etwas draus gelernt. Wenn ich höre das irgendwer eine Krebs-OP hatte weise ich darauf hin das die dann unbedingt mit dem Arzt wegen vernünftigen Untersuchungen (CT etc.) ansprechen sollen.... insbesondere während der ersten 5 Jahre.
      Vielleicht kann ich ja zumindest durch den Hinweis darauf durchaus ein Leben retten. Dann wäre das ganze nicht total umsonst und sinnlos gewesen.

      LG
      Holger
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