Ein "Altes-Hasen-Tagebuch" mit der Möglichkeit, auch mal zu antworten

      Frieda schrieb:

      Jenny29 schrieb:



      Jetzt sind wir hier und bald vielleicht nicht mehr. Niemand von uns weiss, wann die Abreise angesagt ist.

      AL Frieda


      Ja, Frieda, das ist wohl auch so etwas, was man sich oft viel zu wenig bewusst macht, obwohl man es ja bei den eigenen Lieben schon ganz konkret erfahren hat, wie schnell es mitunter gehen kann: dass es bei einem selbst ja ebenso fix gehen kann. Heute noch gesund, morgen vielleicht schon schwer krank. Heute noch hier im Forum unterwegs, morgen vielleicht schon tot unter dem Schreibtisch liegend.

      Man geht eben immer so mit der unverschämten Erwartung durchs Leben, mindestens 85 Jahre alt zu werden und noch ganz viel Zeit mit schlechter Laune, Selbstmitleid, Ressentiments gegen andere, was auch immer, verplempern zu können. Dabei kann schon morgen, wie du schreibst, tatsächlich auch an uns der Ruf zur Abreise ergehen. Deshalb sollten wir vieles wohl auch etwas entspannter angehen und uns weder in unsere Trauer noch in diese blöden Alltagsärgernisse allzu sehr hineinsteigern.

      Wir wollen es eben einfach nicht wahrhaben, weil es uns zu sehr in unserem Selbstverständnis erschüttert, aber es ist definitiv so: "Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen."
      Marion, du sprichst mir aus der Seele. Obwohl ich mich relativ viel mit dem Thema Tod, auch in wissenschaftlicher Hinsicht, beschäftige, bemühe ich mich dennoch, jeden Morgen beim Morgenkaffee daran zu denken, dass ich dankbar sein sollte, wieder einen neuen Tag gesund erleben zu dürfen.
      Da fällt mir eben noch das Rilke-Gedicht ein, das sicher auch viele von euch kennen:


      Der Tod ist groß.

      Wir sind die Seinen

      lachenden Munds.

      Wenn wir uns mitten im Leben meinen,

      wagt er zu weinen

      mitten in uns.

      Und der Bibelvers, den meine Mutter vor über 20 Jahren für die Beerdigung meines Vaters ausgesucht hat:

      Denn wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern die zukünftige suchen wir.

      Nun habe ich für heute aber genug "Schöngeistiges" von mir gegeben ... Muss weiterarbeiten und später noch das Haus putzen, weil der Besuch meiner Freundin ansteht ...
      Ich sehe den Bäumen die Stürme an,
      die aus laugewordenen Tagen
      an meine ängstlichen Fenster schlagen,
      und höre die Fernen Dinge sagen,
      die ich nicht ohne Freund ertragen,
      nicht ohne Schwester lieben kann.



      Da geht der Sturm, ein Umgestalter,
      geht durch den Wald und durch die Zeit,
      und alles ist wie ohne Alter:
      die Landschaft, wie ein Vers im Psalter,
      ist Ernst und Wucht und Ewigkeit.



      Wie ist das klein, womit wir ringen,
      was mit uns ringt, wie ist das groß;
      ließen wir, ähnlicher den Dingen,
      uns so vom großen Sturm bezwingen, -
      wir würden weit und namenlos.



      Was wir besiegen, ist das Kleine
      und der Erfolg selbst macht uns klein.

      Das Ewige und Ungemeine
      will nicht von uns gebogen sein.

      Das ist der Engel, der den Ringern
      des Alten Testaments erschien:

      wenn seiner Widersacher Sehnen
      im Kampfe sich metallen dehnen,
      fühlt er sie unter seinen Fingern
      wie Saiten tiefer Melodien.



      Wen dieser Engel überwand,
      welcher so oft auf Kampf verzichtet,
      der geht gerecht und aufgerichtet
      und groß aus jener harten Hand,
      die sich, wie formend, an ihn schmiegte.

      Die Siege laden ihn nicht ein.
      Sein Wachstum ist: der Tiefbesiegte
      von immer Größerem zu sein.


      Aus: Das Buch der Bilder


      Dieses Gedicht ist für mich das allerschönste alle Gedichte in meinem bisherigen Leben.


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      So hart das Leben ist, so weich und wunderschön ist es auch.

      Letzte Nacht einen Traum gehabt: Unsere Wege haben sich trennen müssen, wir haben einen Treffpunkt vereinbart. Ich bin da, aber er nicht. Eine alte liebenswerte Frau ist da auf dem Platz, der unser Treffpunkt sein sollte. Sie redet mit mir und meint, dass das Leben manchmal sehr seltsam sei, aber es wäre zu akzeptieren. Mir ist mulmig, ich bin traurig.

      Sie spricht davon, wie hart das Leben sein kann und wie weich, wunderschön und versöhnlich.

      Unruhig schaue ich umher, aber die Zeit vergeht. Mir wird richtig schlecht und ich glaube ihr nicht mehr. Grad als ich weggehen will, kommt er auf einem riesigen Pferd herangebraust und erklärt ganz jungenhaft, warum er zu spät kommt und dass er dieses Pferd Gott sei Dank bekommen hat.

      Ein Wahnsinnstraum, riesige Wiedersehensfreude ....


      ... und heute: immer wieder Traurigkeit ... es war halt ein Traum ...


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Liebe Frieda,
      wie ich solche Träume kenne,
      Ich sehe ih dann ganz nah bei mir und es ist alles so wie es sein sollte.
      Das Aufwachen, das Realisieren.....
      Aber es bleibt doch die Hoffnung auf ein Wiedersehen die ich nicht verlieren möchte.
      Sei lieb gegrüsst
      Jenny
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      Beitrag von „Syli“ ()

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      Was wäre ein Leben ohne Träume, egal um welche Art von Träumen es sich handelt. Sie gehören dazu. Ein chinesisches Sprichwort sagt allerdings: "Wer von seinen Träumen lebt, verbringt sein Leben im Schlaf."
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      Beitrag von „Syli“ ()

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      Liebe Syli,

      jeder Mensch ist auf seinem ureigensten Weg. Wir sind alle so unterschiedlich und zusammengewürfelt hier auf dieser Erde. Seit ich mich über gar nichts mehr wundere, geht es irgendwie "aufwärts". Ich akzeptiere, dass alles, was mit mir und um ich herum geschieht, mit mir zu tun hat, kremple die Ärmel hoch und arbeite daran. Nur Mut, das wird auch bei dir laufen. ^^

      AL Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Ihr Lieben!

      Immer wieder ertappe ich mich dabei das ich z. B. beim Bäcker so einkaufe das die Verkäuferin denkt das ich noch zu zweit bin.....das ist doch blöd...aber es kommt so aus mir heraus...ohne vorher zu überlegen.
      Ich kaufe Gemüse ....und überlege was er am liebsten mag....dabei sind es bald 3 Jahre..ohne ihn.
      Ich komme nach Haus ..und denke das er vielleicht doch noch mal vorbei schaut...und dann überlege ich warum ich es immer noch nicht angenommen habe....das er nicht wieder kommt. zeitweise lebe ich so..als ob er noch da ist....
      Geht es euch auch noch so? Dieses Gefühl...er ist gar nicht tot?
      Eigentlich habe ich mein Leben soweit im Griff...aber wenn ich genauer Überlege ...lasse ich neues nur sehr ungern zu...ich benötige für Entscheidungen sehr lange...es fällt mir immer noch so schwer darüber zu reden...diese Sehnsucht und dieses Vermissen...lässt das denn nie nach?

      Ich wünsch euch einen schönen Sonntagabendsommerabend

      Liebe Grüße
      Sorina
      Alles verändert sich, mit dem der neben einem ist oder neben einem fehlt.
      In meiner Trauer wohnt die Liebe
      Liebe Sorina,
      mir geht es ganz genau so. Ich habe meinen Alltag auch gut im Griff und doch, wenn ich genauer darüber nachdenke, bin ich immer noch in der Warteposition. Aber auf was? Wann schaffe ich es endlich über Neues nachzudenken und den Verlust vollständig zu akzeptieren?
      Zeit ist nur ein Wort....
      Ihr Lieben,

      habt ihr mal daran gedacht, dass seine Seele noch (wenn vielleicht auch sporadisch) da sein könnte? Gut, die Seele braucht keine frischen Brötchen mehr. Mein Liebster hat immer wieder Kontakt zu mir. Ja, er ist nicht mehr wirklich "da", aber ich spüre ihn so oft.

      Lebe mein Leben, weil es das einzig Richtige ist, was ich jetzt tun kann. Seele und Seele sind nicht getrennt.

      AL Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      ich kann das auch nur bestätigen, ich habe auch mein Leben im Griff, aber es sind dann am 30.07. 8 Jahre und ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Es ist halt so. Ich weiß auch nicht warum das so ist. Ich versuche auch jeden Tag mein Leben zu leben ohne ihn. Es ist schwer, aber es muß ja gehen. Ich frage niemanden was ich lassen und tun muß, wie gesagt es ist jeder für sich verantwortlich.

      Wünsche Euch auch eine gute Nacht schlaft gut und träumt was Schönes . Apropo Traum, ich habe in diesen fast 8 Jahren nur 3 x geträumt von ihm und als ich aufwachte habe ich Rotz und Wasser geheult.

      lg Heidi
      Doch...die Seelen unsere Lieben sind um uns...sie sind uns nah...daran glaube ich...und ich spüre es so oft.

      Zeit weise träume ich sehr viel von meinem Mann...meist sind es sehr realistische Träume...er ist da..spricht mit mir...lacht...sagt das ich nicht mehr so traurig sein soll...mittlerweile bin ich nach so einem schönen Traum sehr entspannt, fühle ich ausgeruht....und gehe gut gelaunt in den Tag...spüre ihn dann am Tag auch häufiger....ihre Seelen sind um uns herum :)

      Liebe Grüße
      Sorina
      Alles verändert sich, mit dem der neben einem ist oder neben einem fehlt.
      In meiner Trauer wohnt die Liebe

      Neu

      Seit mein liebster Mensch von mir gegangen ist - und das ist nun schon über ein Jahr her - vergeht kein Tag, dass ich nicht an ihn denke.
      Das geschieht mehrmals am Tag. Insofern stimme ich zu, dass der geliebte Mensch immer bei uns/mir ist. In Gedanken, in Bildern und oft auch im Handeln.
      Ich mag mir diese Situation nicht schön reden. Sie fehlt mir so sehr. Ich lebe und sie ist nicht mehr da. Alles Mist!
      Das Problem scheint wirklich zu sein, dass man einen langen Lebensabschnitt gemeinsam gegangen ist - mit Höhen und Tiefen. Sich daran gewöhnt hat. Der Pfad teilweise vorgezeichnet. Sich einfach fallen lassen, wenn einem danach war - aufgefangen vom anderen. Schön, weil der andere einfach da war.
      Und nun? Wenn ich meinen Tag in Abschnitte aufteile, ist das ein Großteil Job, ein wenig Hausarbeit und Schlafen. Die Stunden dazwischen sind die Herausforderung. Alles anders!
      Die Abende, die Wochenenden, der Urlaub und die Jahre, die noch vor mir liegen...
      Ich muss nun mich selbst in diesen Zeiten finden. Selbst meine Interessen / Hobbies haben sich gewandelt. Was mir früher viel Freude machte oder spannend fand, interessiert mich teilweise nicht mehr. Das liegt daran, dass meine Interessen im Cocon des Wohlfühlens mit der liebsten Person eingebettet war und teilweise traurig schöne Erinnerungen weckt.
      Also bin ich auf der Suche nach Neuem, bin weiterhin Entdeckerin und lerne mich neu zu beschäftigen.

      AL Syli

      Neu

      Hallo Syli,
      mir erehts auch noch wie dir,obwohl es ende juli bei mir ZWEI JAHRE her ist,das meine Lebensgefährtin von mir gegangen:DAS WÄRE JA AUCH SCHLIMM;WENN MAN NICHT MEHR DENKEN WÜRDE:DAS HAT WOHL KEINER VERDIENT:AM ANFANG MEINER TRAUER HATTE ICH AUCH ZU NICHTS MEHR LUST;WAS ALLEINE ZU UNTERNEHMEN ,das hat sich mit der zeit aber ein wenig geändert.gibt zwar Situationen,wo es extrem ist,das mit dem vermissen,das hätte meine Lebensgefährtin aber nicht gemocht,das ich mich total verschliesse,und gar nichts mehr mache,sie hätte das gewollt.das ich am leben weiter teil nehme

      Neu

      Wie gut ich das nachempfinden kann. Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit dachte ich, was ist nun geblieben, wo ist der Sinn? Früher war der Sinn meines Lebens das Leben mit meinem Liebsten. Arbeit, Haus Garten, die erwachsenen Töchter gehörte dazu. Das ist mir ja auch geblieben, allein der Sinn nur für mich da zu sein.....
      Es ist eine Suche, eine Suche auf die ich mich eigentlich gar nicht begeben wollte und nun muss.
      Der Sinn des Lebens ist das Leben selber, ich weiss es ja.
      Jeder Tag ist eine Herausforderung und ich bin oft so müde.
      Die Hoffnung bleibt auf Besserung, für uns Alle
      LG

      Neu

      Ihr Lieben,
      gerade vor einer halben Stunden fahre ich nach Hause in unsere Straße, sieht wunderschön aus im Abendlicht ... und plötzlich erinnere ich mich an ihn, wie er oft am Tor stand, über die Wiesen schaute und auf mich wartete, wenn er wusste, dass ich kommen würde. Es zerreisst mir das Herz für einen Moment und Tränen fließen mal wieder, sehr wenige, aber heisse Tränen.

      Es war so schön mit ihm. Ich kann euch so gut verstehen. Jetzt lebe ich mein Leben ohne ihn als Persönlichkeit neben und hinter mir. Es ist manchmal noch sehr hart, auch nach 4 Jahren. Aber ich muss auch sagen, dass ich das Leben allein als eine große Herausforderung ansehe und mich neuen Menschen und neuen Aufgaben stelle. Das bin ich ihm und das bin ich mir selbst absolut schuldig. Alles andere wäre völliger Schwachsinn.

      Und so denke ich sehr liebevoll an ihn und schicke Herzensgrüße weit hinaus, damit er sie empfangen kann.

      AL Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
    Liebeskummer Sorgen Forum