Ein "Altes-Hasen-Tagebuch" mit der Möglichkeit, auch mal zu antworten

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      Ja, liebe Syli, deinen Beitrag kann ich wirklich unterschreiben. So viele gemeinsame Jahre und (teilweise auch wunderschöne!) Erinnerungen und natürlich auch Schwierigkeiten, die man gemeinsam bewältigt hat, das lässt sich nicht einfach so abhaken.

      Ist bei mir wirklich alles genauso, mit dem einzigen Unterschied vielleicht, dass ich nicht bloß mehrfach am Tag, sondern mehr oder weniger permanent an meine verstorbene Mutter denke oder den Gedanken immer irgendwie im Hinterkopf habe. Dass das bei mir noch etwas ausgeprägter ist, hängt sicher auch damit zusammen, dass ich durch meine selbstständige Tätigkeit praktisch keine Ablenkung durch Kollegen habe. Für mich ist das eben der Dauerzustand, was für viele andere die einsamen Wochenenden und Abende sind.

      Und ja, das mit dem Fallen-Lassen stimmt. Ich konnte mich da einfach so geben, wie ich bin, mit allen Fehlern und Schwächen - ohne darüber nachzudenken, wie das nun bei der anderen Person ankommt, ob sie mir die Freundschaft aufkündigt, wenn ich irgendetwas sage, was ihr nicht so genehm ist ... Ansonsten hatte ich natürlich auch viel Verantwortung durch die Pflege, musste ja praktisch alles weitgehend allein regeln und managen und mich jahrelang täglich kümmern ... Einfach war das nicht. Aber das fehlt jetzt natürlich auch ganz gewaltig - das Gefühl, von jemandem gebraucht zu werden. Und viel schlechtes Gewissen schwingt auch immer noch mit - dass ich mir im Nachhinein wünschen würde, vieles anders gemacht zu haben. Dass ich mir wünschen würde, noch mehr für sie da gewesen zu sein, anstatt meine Zeit anderweitig verplempert zu haben. Oder dass ich meiner Mutter am Lebensende gewisse unschöne Dinge nicht ersparen konnte, die ich hier auch schon erwähnt habe.

      Von den anderen braucht einen ja niemand, da führt jeder sein eigenes Leben und ruft eben mal an, wenn er gerade Lust hat oder auch nicht.

      Am besten geht es mir immer noch, wenn ich mal ein nettes Gespräch führen kann mit jemandem, der mir wirklich sympathisch ist, und sei es "nur" die Nachbarin. Es laufen aber meiner Empfindung nach auch nicht so wahnsinnig viele sympathische und/oder intelligente Leute in der Gegend herum, mit denen ich mich gern unterhalten möchte.

      Es ist ja auch keineswegs so, dass ich jeden Tag bloß am Heulen wäre, hab ja auch meine Arbeit, auf die ich mich konzentrieren muss, mache mir auch mal gern ein gutes Essen, freue mich über das gute Wetter und bin bestimmt niemand, der sich zwanghaft in seine Trauer hineinsteigern möchte. Würde auch gern mal wieder etwas mehr unternehmen. Aber die Freundinnen, die Zeit hätten, wohnen zu weit weg. Den anderen sind offenbar ihr großer Bekanntenkreis oder ihre Facebook-Freunde wichtiger ... Und dann passt eben immer dieses oder jenes nicht. Früher konnte ich mit meiner Mutter ganz einfach in ein Konzert gehen, weil wir eben dieselben Interessen hatten. Aber wenn ich heute frage, heißt es, nee, sorry, hab keine Zeit oder das ist nicht mein Musikgeschmack oder die Karten sind mir zu teuer usw. Da müsste man wahrscheinlich ein Dutzend Leute kennen, um dann immer jemanden zu finden, dem irgendetwas gerade in den Kram passt. Das ist für mich aber auch keine Option, da ich noch nie so extrovertiert war, dass ich mich mit x Leuten abgeben möchte.

      Nun ja, alles nicht so einfach ...

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      Dennoch, liebe Marion, fange ich nach und nach wieder an, Pläne zu schmieden und setze diese gaaaanz langsam auch um. Doch hat sich jede Umsetzung als Erfolg erwiesen und mir gut getan.
      Wie immer im Leben ist die Umsetzung das Schwierigste. Mich zu motivieren, raus aus meinem Nebel, wo es doch so viel einfacher ist, in meiner gemütlichen Wohnung zu bleiben.
      Nein, es hat keinen Sinn zu verharren: Ich muss und will meinen Weg weitergehen. Wohin auch immer er führt und so schwer es mir auch fällt.
      Wie ich von einigen von Euch höre, wird das Laufen von Mal zu Mal leichter. :)

      AL Syli

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      Liebe Syli, ja das ist schön, dass du das kannst.

      Ich glaube, ich bin da trotz vieler Gemeinsamkeiten, die wir haben, doch ein etwas anderer Typ. Ich käme auch nie auf die Idee, morgens um sieben die Wohnung zu saugen ... ;)

      Jetzt aber Schluss für heute und gute Nacht. :)


      P.S.: Wobei ich ja sagen muss, dass ich gerade auch einen Plan umsetze: nämlich Umzug. Ob die Umsetzung aber nachher zu meiner Zufriedenheit ausfällt oder ob ich diese Entscheidung dann für den Rest meines Lebens bereue, weil sie vielleicht doch etwas übereilt war, wird man sehen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

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      Syli schrieb:


      Das Problem scheint wirklich zu sein, dass man einen langen Lebensabschnitt gemeinsam gegangen ist - mit Höhen und Tiefen. Sich daran gewöhnt hat. Der Pfad teilweise vorgezeichnet. Sich einfach fallen lassen, wenn einem danach war - aufgefangen vom anderen. Schön, weil der andere einfach da war. ..............

      .................Selbst meine Interessen / Hobbies haben sich gewandelt. Was mir früher viel Freude machte oder spannend fand, interessiert mich teilweise nicht mehr. Das liegt daran, dass meine Interessen im Cocon des Wohlfühlens mit der liebsten Person eingebettet war und teilweise traurig schöne Erinnerungen weckt.


      Wunderschön geschrieben. Gerade heute spricht es mir aus dem Herzen.
      LG
      allesanders die heute sehr traurig ist

      Es gibt Menschen, die wir in der Erde begraben; aber andere, die wir besonders zärtlich lieben, sind in unser Herz gebettet. Die Erinnerung an sie mischt sich täglich in unser Tun und Trachten, wir denken an sie, wie wir atmen, sie haben in unserer Seele eine neue Gestalt angenommen, nachdem zarten Gesetz der Seelenwanderung das im Reich der Liebe herrscht.

      Honoré de Balzac


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      die zeiten, wo ich jeden tag an meinen udo denken musste, sind inzwischen vorbei. wobei ich sagen muss, dass dies ohne mein zutun passiert ist, einfach so. ich empfinde das als sehr wohltuend, denn es gibt mir die freiheit für neues in meinem leben. wenn ich an ihn denke, dann mit viel freude und erinnerung im herzen und nicht mehr mit soviel trauer, vielleicht auch eher mit wehmut. ich habe wieder freuede am leben und genieße viele dinge. es passiert gerade soviel. ich bin wieder verliebt und ich schreibe ganz viele sachen. ich bin dankbar für die zeit, die ich mit udo hatte und er wird immer den ersten platz in meinem herzen haben, aber ich bin ebenso offen für neues, was immer es auch sein wird.

      eure lucie/lonie 8o
      Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten

      Die Erinnerung ist ein Fenster, durch das wir dich jederzeit sehen können

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      Liebe Lonie,

      du hast es geschafft und dich wieder ins Leben eingefädelt, wobei wirklich vieles von selbst geschieht, doch es kommt eben auch auf einen selbst an, ob du willst oder nicht.

      Das Leben ist mit allem, was dazugehört, unendlich intensiv und kostbar. Ich wünsche dir ein schönes Leben voller Freundlichkeit und Mut. Udo wird dir das ebenfalls wünschen.

      Alles Liebe Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
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