weiterleben wie und wo

      Liebe ascolina,
      wie bei der Trauer gibt es auch in dieser Situation kein richtig oder falsch, keinen Rat, weil jede Situation einzigartig ist. Für den einen kann die gewohnte Umgebung Trost sein, für den anderen ist sie eine Belastung, weil alles an die geliebte Person erinnert. Manche haben auch keine Wahl und müssen bleiben oder verkaufen oder umziehen.
      Wenn die Frage bei Dir aus rein emotionalen Gründen entstanden ist, dann würde ich nichts überstürzen. Insbesondere deshalb nicht, weil das Unfassbare bei Dir erst vor Kurzem passierte.
      Wenn Du magst, kannst Du dich ja umschauen, ob Du eine hübsche Wohnung findest und Dich gleichzeitig gedanklich damit auseinandersetzen, was ein Umzug für Dich bedeutet. Also, was nimmst Du z.B. mit und was nicht.
      Ich selbst musste umziehen und habe mich auch verkleinert. Das hatte zur Folge, dass ich kaum etwas aus meinem alten Leben mitnehmen konnte. Ist das nun gut oder schlecht? Im Nachhinein kann ich sagen, dass mir der Umzug gut getan hat. Ein sogenannter Tapetenwechsel. Aber: Wenn es die Umstände erlaubt hätten, hätte ich auch gut in meiner alten Umgebung leben können. Ich hätte dann so nach und nach kleine Veränderungen vorgenommen. So wie ich mich nach und nach verändere.
      Was ich damit sagen will, ist, dass ich nicht aus Trauer umgezogen bin, sondern weil ich musste und das hat mich sehr viel zusätzliche Kraft zu dieser Zeit gekostet.
      Nein, es gibt kein Rezept. Horch in Dich hinein und tue das, was für Dich gut ist. Aber nur nicht überstürzen.
      Alles Liebe
      Syli
      Hallo ascolina,
      Syli hat es schon geschrieben, jeder geht mit dieser Ausnahmesituation anders um, es gibt kein richtig oder falsch!
      Ich mußte auch übersiedeln, zu groß- zu teuer usw....
      Für mich war es aber der richtige Schritt, fühle mich in der neuen, kleinen Wohnung sehr wohl. Ich konnte mit den Erinnerungen nicht leben, war für mich eine große Last, die jetzt weg ist. Ich denke noch immer täglich an meinen Liebsten - manchmal mit Tränen und Wehmut, manchmal mit einem Lächeln - aber so geht es uns allen.
      Ich wünsche dir viel Kraft und hoffe du findest bald deinen Weg.
      Liebe Grüße
      Biggy
      Liebe ascolina,

      so ist es, wie schon geschrieben wurde hat alles mindestens 2 Seiten, meistens mehrere oder sogar viele Seiten. ;)

      Wenn du Leute um Rat fragst, dann bekommst du zu einer Frage viele Antworten.

      Aber eines weiss ich gewiss: das, was du tief in dir fühlst, das ist der richtige Weg für dich in deiner jetzigen Situation. Höre in dich hinein, fühle hin und entscheide dann.

      Ich war am Anfang nach seinem Tod total überfordert mit den äußeren Bedingungen. Doch nach und nach hat alles seinen Platz und seine Berechtigung bekommen. Und was richtig gut ist: es war nicht eine einzige Entscheidung, sondern eigentlich mehrere Entscheidungen - immer wieder - bis heute.

      Du wirst sicher die richtige Entscheidung treffen.

      Alles Liebe Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Hallo ascolina,

      Bei mir war es ähnlich , ganz extrem waren die Zweifel ob ich es schaffen würde in der alten Umgebung weiterzuleben wo mich doch am Anfang alles sehr niederdrückte und vieles über den Kopf wuchs. Die Räume die jetzt , bis auf die Möbel, leer sind, die manchmal unheimliche Stille............... war sehr schwer und obwohl ich nicht an Übersinnliches glaube ist es so dass ich das Gefühl habe das hier in "unserer" Wohnung meine Tochter und meine Frau irgendwie noch da sind, ich kann das überhaupt nicht erklären weil es ja nur ein Gefühl ist. Eine Mischung aus Beklemmung und Sicherheit. Ich habe nach und nach angefangen Dinge zu ändern, einige nur marginal , manche radikal. Eine gewohnte Umgebung die trotzdem nicht mehr so wie vorher ist. Eine Entscheidung zu treffen die für dich gut ist wird schwer und sollte wirklich gut überlegt sein, wichtig ist das was dir gut tut und womit es dir besser geht.

      VG S.
      Hey Ascolina, ich bin noch neu hier.
      Gestern war ich erstmalig im Trauercafe beim Hospizverein und dort wurde von einer Teilnehmerin die gleiche Frage gestellt, die jedoch von ihrer "Schwiegerfamilie", die nur 3 Häuser weiter wohnt, verstoßen wird nach dem Tod des Ehemannes. Wir sind zum gleichen Ergebnis gekommen, dass sie sich noch mehr Zeit lassen soll für eine Entscheidung, weil das alte Haus / Wohnung ja auch z.T. Sicherheit geben kann und es sicherlich auch schöne gemeinsame Erinnerungen birgt.
      LG Theri
      Hab ich mich auch gefragt, der erste Impuls war flüchte, einfach nur weg. Doch wohin, die Erinnerungen nimmt man ja mit. Die Umgebung, wenn man in derselben Stadt bleibt, bleibt auch voller Erinnerung. Der Stress eines Umzugs hätte ich auf keinen Fall durchgestanden. Hat man noch Tiere geht das auch nicht mal einfach so. Vielleicht wäre ein Urlaub bei Freunden eine Alternative.
      Ich kann mich dem nur anschließen, eine Entscheidung wie und wo man weiterleben möchte kann man, glaube ich, im ersten Jahr kaum treffen, wenn man nicht aus finanziellen Gründen dazu gezwungen ist. So geht es mir auch. Diese Wohnung in der ich lebe, gibt mir die Sicherheit, wie Theri schon geschrieben hat und da schließe ich mich Zahbri an, ich hätte auch den Stress eines Umzugs nicht durchgestanden, aber ich musste es ja auch nicht, da ich es finanziell gerade so hinbekomme. Das ist schon ein Unterschied, ob ich will oder muss. Der Umzug bei mir ist erst für 2021 geplant, da gehe ich vorzeitig in Rente und werde hier meine Zelte abbrechen und in meine alte Heimat, in die Nähe meiner Kinder ziehen. Ich hoffe ich halte bis dahin durch.
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