Ich trauere um meine Frau

      Ich trauere um meine Frau

      Hallo,

      ich möchte hier kurz den Leidensweg meiner Frau und auch mein Leidensweg schildern, vielleicht hilft es ja etwas wenn ich das aufschreiben kann. Am 24.01.18 ist meine Frau im Alter von 54 Jahren gestorben. Sie hat leider an diesem Tag den Kampf gegen den Krebs verloren. Die Diagnose bekamen wir im Dezember 2016 kurz vor Weihnachten. Es war ein Jahr voller Auf und Ab's aber auch eine sehr intensive Zeit für die Zweisamkeit. Die letzten 2 Monate war sie dann leider ein Pflegefall und es war mein Wunsch sie zuhause zu pflegen und sie konnte daher in Ihrem eigenen Bett sterben. Die letzten Wochen waren sehr belastend da ich es sehr schlimm fand zusehen zu müssen wie der Körper meiner Frau so abbaut aber der Geist wach ist. Gestern war die Beerdigung, einer meiner schwersten Tage im Leben.
      Nun ist hier so eine schreckliche Leere.... Wie kann man mit dieser Leere jemals fertig werden ? Gibt es darauf eine Antwort ?
      Ein leises, wie immer trauriges Willkommen hier lieber Roland.

      Eine wahre Antwort habe ich nicht, es liegt vieles in der eigenen Kraft, dem Glauben manchmal.
      Wie aber will man die Leere füllen, so frisch in seinem Verlust, neben Dankbarkeit, für die Zeit, die sein durfte, ist es der Schmerz, der so viel Raum einzunehmen weiß, nicht wirklich viel anderes das da Platz finden könnte.

      Die Stille des Lebens die einkehrt, übertönt durch alles, was nicht mehr ist, Pläne, Träume, Kleinigkeiten, so vieles überall scheint ein Ausknopf zu leuchten, so beschrieb es ein lieber Mensch hier bei mir mal.
      Die Gedanken, die ein Eigenleben entwickeln.

      So schwer das Thema, das alles muss ja erst mal bei einem ankommen, ankommen was da geschehen ist, das es unumkehrbar ist.
      Auch ich stehe manchmal der Frage gegenüber, wie hast du das überhaupt geschafft, ich weiß es nicht, vieleicht einfach die Gnade des Glücks.
      Viellicht ist es aber auch die Zeit, die wie ich heute weiß, keinen Wunden heilt, gibt aber der Seele die Gelegenheit, mit den Erlebnissen umzugehen, eine Art Frieden zu schließen, den Schmerz zu lindern, wertvolle Erinnerungen über die Bilder der Trauer zu legen.

      Überheblich zu schreiben, das alles ist so, das wird wieder, das haben andere vor dir geschafft, ich weiß nur, das es da in uns etwas gibt, das mit der Trauer umzugehen weiß, uns daran aber nicht teilhaben lässt.
      Es geschieht einfach, was erst so unmöglich scheint, in kleinen Schritten, von Tag zu Tag.
      Die Trauer will gelebt werden, so schreibt es hier ein lieber Mensch immer wieder.
      Die Tränen wollen geweint werden, sie reinigen die Seele, so schreibe ich öfter.

      Manchmal füllt sich die Leere aber mit Worten, die andere finden, etwas trösten, wenn man denn reden kann, wenn einer da ist, mit dem man reden kann.
      Hier aufschreiben im Tagebuch, lesen das es andere geschafft haben, im ersten Moment habe ich wohl gedacht, ja ich bin aber nicht andere.
      Ich bin aber wie alle ein Mensch, der geglaubt hat, das kann ich nicht schaffen, nie wieder lächeln, wie ohne den geliebten MEnschen an meiner Seite.
      Die Sinnlosigkeit die mich eingenommen hat, der Sinn, der sich irgendwann eingeschlichen hat, was mir andere wie oft, immer wieder sagen mussten - du bist der Sinn, dein Leben hat den Wer gelebt zu werden, wie schwer es auch ist.
      Und nein, ich lebe, ich lächel, ich habe wieder Spaß an Dingen die mir unmöglich schienen, und doch vermisse ich, fehlt mir, vergesse ich mich und meinen Wert immer mal wieder.

      Ich wünsche dir alles, was es gerade für dich braucht, vor allem Geduld mit dir selbst und die Geduld der anderen mit dir.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Hallo Funny,

      danke für die einfühlsamen Worte.
      Habe wieder eine fast schlaflose Nacht hinter mir mit dem Gefühl ich sitze
      in einem Loch und komme nicht heraus, wie ein böser Traum.
      Nur Morgens merke ich, es ist kein Traum...
      Hallo Roland,

      zunächst einmal mein herzliches Beileid. Ich kann mir gut vorstellen, wie du dich fühlst. Habe im Oktober meine über alles geliebte Mutter verloren. In meinem Fall war sie nicht nur Mutter, sondern auch Lebenspartnerin, mit der ich zusammen gewohnt habe und die ich in den letzten Jahren bis zu ihrem Tod zunehmend gepflegt habe. Sitze seither allein in einem Haus und habe aufgrund der Tatsache, dass ich Freiberuflerin bin, leider auch keinen Kontakt zu Kollegen, sodass ich an vielen Tagen keine Möglichkeit habe, mit jemandem zu sprechen.

      Dazu kamen noch Erbauseinandersetzungen mit der Schwester, die mich wie einen Fußabtreter behandelt, Kontaktabbrüche mit Freundinnen, denen ihre eigenen aktuellen Befindlichkeiten wichtiger waren - lauter unerfreuliche Dinge.

      Meine Mutter fehlt mir jeden Tag und die ersten beiden Monate nach ihrem Tod waren ziemlich schrecklich, vor allem auch die schlaflosen Nächte, in denen ich im Stundentakt aus dem Schlaf aufgeschreckt bin. Der Tod eines nahestehenden Menschen ist eben eine sehr tiefgreifende, aufwühlende existenzielle Erfahrung, die einen alles infrage stellen lässt, auch die Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens. Bei mir kamen dann neben dem Vermissen meiner Mutter noch Schuldgefühle hinzu, da die Pflege zum Teil auch nicht ganz einfach war und ich mich dann auch nicht in jeder Situation optimal verhalten habe, was mir nach dem Tod meiner Mutter unendlich leid getan hat. Und dazu das trübe Winterwetter, das hat mich total fertig gemacht. Weihnachten natürlich allein, Silvester allein ... Ich habe null Perspektive für mich und mein weiteres Leben gesehen.

      Momentan geht es etwas besser, da es allmählich Frühling wird, ich von zwei lieben Freundinnen sehr gut aufgefangen werde und ich außerdem allmlählich den Verkauf des Hauses und den Umzug in eine Wohnung in Angriff nehme. Die Aussicht auf eine örtliche Veränderung gibt mir nun doch etwas Auftrieb, auch wenn es natürlich sehr schwer für mich ist, mich von dem vertrauten und lieb gewordenen Haus zu trennen, in dem ich mit meiner Mutter so viele schöne, glückliche Jahre verbracht habe.

      Aber ich merke doch, dass ich wieder etwas Kraft und Energie bekomme und noch einmal für einen Neuanfang bereit bin, während ich letzten November zu einer Freundin noch sagte, am besten wäre es, ich würde auch gleich sterben.

      Vielleicht hilft dir diese Perspektive ein bisschen. Ich habe allerdings selbst die Erfahrung gemacht, dass man in der Situation tiefster Trauer und existenzieller Erschütterung direkt im Anschluss an den Todesfall gar nicht unbedingt hören will, dass alles mit der Zeit besser wird. Da muss man eigentlich erst mal dieses tiefe Trauertal durchschreiten, den unendlichen Schmerz zulassen und aushalten. Da hilft es am meisten, wenn jemand einfach da ist, zuhört und seine Anteilnahme zeigt, ohne alles zu kommentieren und schönzureden.

      Ich wünsche dir, dass du Menschen in deinem Umfeld hast, die dies leisten können. Wenn nicht, dann ist auch sicher die weiter anhaltende Beziehung zu der verstorbenen geliebten Person ein innerer Kraftquell, der dir über die schwere Zeit hinweghelfen wird. Denn diejenigen, die uns über den Tod hinaus in Liebe verbunden sind, wollen mit Sicherheit nur eines: dass wir unser Leben weiterhin bewältigen und nach der Zeit intensiver Trauer irgendwann wieder die schönen Dinge des Lebens sehen und zu genießen wissen.

      Lieben Gruß
      Marion68 - das finde ich sehr schön und treffend geschrieben. Es stimmt - in der 1. Zeit nach einem solchen Erlebnis will es gar nicht hören, dass es auch wieder besser wird und man kann es auch gar nicht annehmen. Es braucht alles seine Zeit - besonders die Trauer. Die muss jeder - wenn auch anders - erst einmal durchleben. Mir geht es aber genau wie Marion68; ab und zu sehe ich wieder ein bißchen Sonne in meinem Leben und mache die ersten kleinen schüchternen Pläne in Richtung Frühjahr, was sehr schön ist und die Seele erfreut.
      Menschen, mit denen man darüber reden kann sind unglaublich wichtig ....; ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Mittwoch und den Termin im Trauercafe des Hospizvereins. Die 4 Wochen zwischen den einzelnen Treffen sind mir meist viel zu lange; danach bin ich aber wieder etwas im Gleichgewicht und kann mich immer öfter - wenn auch nur für kurze Zeit - aus dem tiefen Loch befreien, in welches auch ich gefallen war und immer noch bin. Auch ich rede (spirituell) immer mal wieder mit meiner verstorbenen Mutter oder frage mich, was sie in jener Situation wohl gesagt habe. Es macht mich manchmal traurig, manchmal bestärkt es mich aber auch, einfach weiterzumachen.
      Wünsche Euch allen viel Liebe und Kraft und umarme Euch liebevoll.
      Vielen Dank für eure Hilfe und die wirklich sehr lieben Worte. Versuche die Worte mir zu verinnerlichen. Ich hatte im letzten Jahr jede Hilfe für mich abgelehnt da ja meine Frau krank war und leiden musste. In dieser Zeit wollte ich immer stark sein und keine Aufmerksamkeit für mich. Daher bin ich jetzt ganz gerührt dass diese Worte an mich gerichtet werden.
      Danke
      Auch mein Mann kämpfte mit dem Krebs,aber er verlor den Kampf nach 5 Jahren.Es gab aber noch paar schöne Jahre für uns .Immer mit Höhen und Tiefen verbunden mit Chemo.Aber kurz vor Weihnachten war der Krebs stärker und besiegte den starken Willen meines Mannes.Obwohl mir immer bewust war das der Tag X mal kommen wird,kam er doch noch zu schnell.
      Aber er ist zuhause im Beisein unser Kinder friedlich eingeschlafen und das beruhigt mich .
      Nun bin ich froh dieses Forum gefunden zu haben wo wir doch alle von Trauer betroffen sind und auch darüber reden können.Wir trösten uns gegenseitig und das tut sooooooo gut.

      LG Christine
      Hallo Christine,
      ja es tut gut hier seine Gedanken nieder zu schreiben. Für mich ist dies neu, ich habe sowas noch nie gemacht.
      Leider konnte meine Frau nicht friedlich einschlafen sie hat gekämpft bis zum Ende. Und ich bekomme die letzten Stunden nicht aus dem Kopf. Darum bin ich froh dieses Forum gefunden zu haben, wenn auch meine Gedanken die ich hier aufschreibe vielleicht etwas wirr und durcheinander sind.
      Lieber Roland,
      Auch von mir mein aufrichtiges Beileid und Willkommen hier im Forum, von dem man wohl niemals gedacht hätte dazuzugehören und das jetzt doch so eine brosse Hilfe ist i:Weiterleben nach dem Tag X.
      Der Tod meines geliebten Mannes liegt schon 2 1/2 Jahre zurück, er starb völlig unerwartet aus bester Gesundheit im Alter von 57 Jahren. Unfassbar noch heute das wir uns noch nichtmal berabschieden konnten.
      Aus meiner Erfahrung kann ich sagen es braucht Zeit und Geduld mit sich selber das Geschehene anzunehmen. Noch heute gelingt es mir nicht an jedem Tag. Wenn die Schockstarre nachlässt und die organisatorischen Dinge erledigt sind holt einen Kummer und Vermissen ein und es ist wichtig, wie alle Anderen ja auch sagen, die Trauer zuzulassen. Sie veröndert sich im Laufe der Zeit, aber die Zeit heilt nicht alle Wunden, es wird aber leichter dMit umzugehen. Der Alltag spielt eine grosse Rolle hierbei, jedenfalls ist das bei mir so. Und Familie und Freunde die einen nicht allein lassen.
      Ich wünsche Dir Unterstützung und Mut und Kraft für diese Zeit
      Liebe Grpsse
      Jenny
      Liebe Jenny und an alle anderen,
      danke für die Worte und den Trost. Heute ist ein sehr schlimmer Tag, da jetzt die Kinder wieder aus dem Haus sind. Sie mussten jetzt wieder zurück zu ihren Partnern und zu ihren Arbeitsstätten. Nun bin ich zum ersten mal in unserem Haus, seit wir hier vor 12 Jahren gemeinsam eingezogen sind, alleine. Seit Weihnachten war immer eine Tochter hier im Haus und hat mich bei der Pflege meiner Frau unterstützt. Vorher war ich nie ohne meine Frau hier in dem Haus, und nun ist diese entsetzliche Stille... Wie hält man dies aus ? Bin schon stundenlang spazieren gegangen und gehe im Haus von unten nach oben und dann wieder nach unten, kann nicht ruhig hinsitzen und schon gar nichts essen heute.

      LG
      Roland
      Lieber Roland,
      an diese innere Unruhe in der ersten Zeit kann ich mich auch nich sehr gut erinnern. Es ist eine schwere Zeit und ich habe auch keinen Ratschlag wie man ihr begegnen kann. Wenn für alle Anderen der Alltag wiederkehrt bleibt man allein mit seiner Angst und Traurigkeit zurück, so fühlt es sich jedenfalls an.
      Vielleicht schaust du mal ob es bei Dir eine Trauergruppe oder ein Trauercafe gibt. Ich bin damals über ein Hospiz in so eine Gruppe gekommen und wir haben noch immer Kontakt, schreiben 7nd treffen uns, Menschen die den gleichen Schmerz erleben können einem im Gespräch doch sehr hilfreich sein.
      Auch hier im Forum ist immer jemand da der mit dir schreiben kann.
      Doch es ist und bleibt so dass du dich eben nach deiner Frau sehnst und diesen Schmerz ertragen musst. Versuch dich abzulenken, mir hat soazieren gehen auch immer geholfen, und der Appetit kommt irgendwann wieder. Hab Geduld mit dir, es gilt jetzt nur jeden Tag zu überstehen, und denke nicht zuviel über mirgen nach. Dann ist wieder ein neuer Tag und auch den wirst du sicher schaffen.
      Alles Gute
      Lieber Roland, obwohl ich soweit immer ein volles Haus hatte, spürte ich dennoch die Stille, es fehlten Geräusche zwischen allen anderen.
      So hatte ich in den ruhigen Momenten im Haus die Musik laufen, den Fernseher an.
      Einigen hilft das während andere in der Stille besser zurecht kommen.

      Und sie wird fehlen, egal was du machst, aber dennoch würde ich alles ausprobieren, was an Gedanken da ist.
      Kerzen anzünden, Bild aufstellen, obwohl viele in der ersten Zeit keinen Blick auf das Foto ihres Liebsten Menschen ertragen.
      Habe ich mich den unmöglichtes Herrausforderungen gestellt, habe seine Musik gehört, seine Lieblingschips, seine geliebte Pizza, mit ihm geteilt, so irre wie sich das lesen mag, viele meiden alles geliebte des Partners oder Kindes für lange Zeit.
      In Gedanken habe ich die Pizza gebacken hey schau für dich wie immer, auch wenn du sie nicht mehr essen kannst.
      Ich esse sie für dich mit.

      In meiner Vorstellung aber dachte ich zöge der Geruch gen HImmel und würde ihn freuen.

      Ausnahmezustand eben, was hilft ist erlaubt, ob nun für andere Selbstveräppelung oder nicht, es ging um keinen anderen, es ging um mich.
      Meine Tochter lernte schnell sie war noch klein, Mama du ich glauibe der ANdy hätte nun gerne ...
      Na ja wenn sie meint, wird das wohl so sein und so machte ich, wenn es um Kleinigkeiten ging mit.

      So haben wir unsere Trauer gelebt, egal wie auch immer, so, wie es uns gut tat, mir gut tat.

      Und dennoch, wie wir es geschafft haben, ich es geschafft habe, ich weiß das nicht, vieleicht eine Mischung aus allem, oder auch nur weil ich bin wie ich bin.
      Weil ich die Gnade der Zeit habe wirklen lassen, weil ich im Gegensatz zu einigen anderen einfach nicht aufgeben konnte, egal wie weh es auch immer tat, immer wieder tat, ich musste stark sein weil ich es anderes von keinem anderen erwartet hätte, wäre es anders herum gewesen.
      Und stark, nein ich bin nie wirklich stark gewesen, vieleich thabe ich einfach meine Schwächen zugelassen, traurig sein, schreien, ggen Bäume treten, am Wasser stehen und alles verfluchen was es schaffte, meinen Sohn aus dem Leben zu reißen.

      Stark bin ich nur für Fremde gewesen, nicht jeder sollte meine Schwäche sehen, heute würde ich das vieleicht anders machen, das Recht steht einem ja zu.
      Alles ist wie es ist und so sollte auch alles dürfen, was dem Elend da in einem ein gutes Gefühl vermittelt.

      Dazu bruacht es Zeit, zum probieren, suchen, finden, wie ein ruheloses Tier auf Wanderschaft, bis es zu sich selbst zurück findet.

      Du hälst ja aus, indem du wanderst zb, du hälst aus, von Moment zu Moment, von Tag zu Tag, wir halten mehr aus, als das wir uns zutrauen manches mal.
      Essen ist schwierig, aber wichtig, nicht ganz aus den Augen verlieren bitte, es hilft nur bedingt sich dem zu verweigern, der Körper nimmt es einem übel irgendwann.

      Wie man es schafft, vieleicht in Liebe, aus Liebe, zu Ehren seines geliebten Menschen.

      Mit meiner gewohnten Lieben Umärmelung (auch wenn sich das für Neutrauernde seltsam liest)
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Lieber Roland,

      mein aufrichtiges Beileid zum Tode deiner Frau. Ich weiß, wie schmerzhaft es ist, den geliebten Ehepartner gehen zu lassen. Mein Mann ist letztes Jahr von jetzt auf gleich gestorben. Ich weiß bis heut nicht, woran genau. Er hieß übrigens auch Roland. Da mein Mann so plötzlich gestorben ist, weiß ich natürlich nicht, wie es ist, wenn man jemanden vor dem Tod noch pflegt. Aber das ist glaub ich auch egal. Du fühlst dich jetzt allein und einsam. Ich habe gelesen, du bekommst die letzten Stunden nicht aus dem Kopf. Das kenne ich, ich habe nach 9 Monaten immer noch ab und zu die Bilder im Kopf wie er bewusstlos am Boden liegt. Aber das wird zum Glück weniger.

      das Bewusstsein, in einem andauernden Albtraum gefangen zu sein hab ich manchmal heute noch. Es ist einfach so unbegreiflich. Ich denke, so wird es dir auch gehen. Ich weiß jetzt nicht, ob du Unterstützung hast von seiten der Freunde oder Familie. Ich wünsche dir das jedenfalls. Denn in den ersten Monaten ist man gar nicht wirklich in der Lage, richtig zu handeln. Man funktioniert, aber alles weitere funktioniert überhaupt nicht mehr. Es ist nur noch Trauer, Schmerz und eine große Leere im Herzen.

      Ich wünsch dir jetzt viel Kraft. Und es ist am Anfang einfach so, dass man nur einen Tag um den anderen lebt und auch überlebt.

      Liebe Grüße
      Claudia
      Lieber Roland!
      Auch ich bin ganz allein in meinem Haus,auch ich war immer mit meinem Mann zusammen.Aber ich staune über mich selbst wie ich so allein zurecht komme.Ich suche mir immer eine andere Ablenkung,Möglichkeiten gibt es ja in einem Haus genug.Ja vielleicht sehe ich das von meiner Sicht als Frau.Man putzt mal und mal da oder ich mache mal einen Rundgang um das Gebäude.Wenn das Wetter mitspielt gehe ich auch spazieren und auf den Friedhof.Greife auch öfters mal zum Telefon wenn ich mit jemanden reden möchte.Am schlimmsten finde ich die langen Abende,aber dafür haben wir ja das Forum.
      Es ist schon sehr schwer mit der Trauer,habe auch immer das Foto bei mir und rede mal mit meinem Mann.
      Wir müssen das alles schaffen und dafür sind wir auch stark.
      LG Christine
      Hallo,

      ich muss hier nochmals meine Gedanken und Gefühle aufschreiben.
      Gestern waren es (erst oder schon ?) 2 Wochen seit meine Frau an meiner Seite und in meinen Händen gestorben ist. Ich habe gestern nochmals die letzten 3 schrecklichen Stunden durchlebt und habe um 22:10 Uhr ganz fest geweint und unsere Lieblingsmusik laufen lassen. Nun hatte ich mal wieder eine fast schlaflose Nacht trotz Schlaftabletten und fühle mich heute wieder antriebslos.
      Von Verwandten und Bekannten bekomme ich jetzt schon den Ratschlag wenn ich meine Trauer erzähle:
      "Dann geh doch wieder arbeiten dann kannst du mal an was anderes denken"
      Aber 1. will ich an nichts anderes denken und meine Trauer zulassen und 2. ist dies nochmals etwas schwieriger da meine Frau und ich in der gleichen Firma gearbeitet haben. Wir haben sogar im selben Großraumbüro gearbeitet, und wenn ich jetzt wieder da reingehe werde ich Ihren Schreibtisch und Ihre Arbeitskollegen sehen und jeden Tag daran erinnert werden. Das weiß ich noch nicht wie ich dies machen soll ?
      Und ja ich sehe auch die Arbeit die Zuhause so ansteht, da ja die Hausarbeit die letzten Monate eh zu kurz gekommen ist. Aber hier kann ich mich noch nicht so richtig dazu aufraffen hier mal anzufangen richtig aufzuräumen da die ganzen Sachen von meiner Frau die da noch rumliegen tabu sind um diese wegzuräumen. Ich hoffe hier können ein paar Leute mich verstehen da wir alle mit der Trauer um einen geliebten Menschen verbunden sind. Und ja ich verstehe auch dass jeder anders mit der Trauer umgeht und es keine universellen Ratschläge gibt.

      Danke für da lesen und evtl. verstehen.
      Roland
      Hi Roland ! Mein Mann ist vor 18 Monaten tödlich verunglückt. Es ist ein schwerer Weg mit Höhen und Tiefen ! Das Trauerjahr ist sehr wichtig - wenigstens war es bei mir so! Ich habe vor zwei Monaten einen Teil seiner Kleidung weg gegeben - vorher war es so, dass er wieder kommen könnte und nichts hat sich verändert! Sicher geht jeder mit seiner Trauer anders um - wichtig immer darüber reden - auch über - mit Deiner Frau ! Und denke an die schönen Tage die ihr hattet und euch keiner nehmen kann ! Liebe Grüße
      Lieber Roland,

      bei mir ist der Supergau jetzt fast ein halbes Jahr her, aber ich weiß noch allzu gut, wie furchtbar die erste Zeit war und wie abgrundtief verzweifelt ich war. Inzwischen habe ich das Gefühl, dass ich zumindest wieder ein wenig Boden unter den Füßen habe, wenngleich das Vermissen und die vielen Erinnerungen unverändert schmerzhaft sind. Ich bin bereits nach 2 Wochen wieder arbeiten gegangen, habe aber meine Arbeitszeit auf 30 Stunden reduziert. Am Anfang war das sehr anstrengend und ich habe die 6 Stunden kaum geschafft. Ich hatte eine furchtbare Unruhe in mir und habe manchmal schon nach 5 Stunden fluchtartig mit gerade noch unterdrückten Tränen das Büro verlassen. Inzwischen ist es fast wieder wie "früher" und ich bin froh, die Arbeit als Ablenkung zu haben. In deinem Fall ist das aber natürlich etwas anderes. Für mich ist die Arbeit hilfreich, weil mein Liebster dort keine Rolle gespielt hat, weil sich dort nichts verändert hat. Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es für dich eine viel größere Hürde ist. Vielleicht wäre es für dich auch eine Möglichkeit, erst einmal mit reduzierter Stundenzahl zu beginnen? So hat der Tag eine Struktur und es bleibt trotzdem ausreichend Zeit, um die Trauer zuzulassen. Mein Arbeitgeber war diesbezüglich Gott sei Dank sehr verständnisvoll und das war für mich die Rettung.

      Schlafen konnte ich komischerweise von Anfang an recht gut. Ich habe es vom ersten Tag an (fast wie ferngesteuert) so gemacht, dass ich so lange ferngeschaut habe - selbst den größten Schrott -, bis ich schon fast auf dem Sofa eingeschlafen bin. Dann bin ich sofort ins Bett umgezogen und habe versucht, an nichts zu denken - vor allem nicht an ihn (autogenes Training hilft dabei sehr). Auf diese Weise bin ich meist sehr schnell eingeschlafen und habe auch meist bis morgens durchgeschlafen. Wenn ich dann aufgewacht bin, ging direkt das Gedankenkarussel los - ich bin dann sofort aufgestanden, damit mein Bett sozusagen "grübelfrei" bleibt. Am Wochenende habe ich mich gezwungen, mich tagsüber nicht hinzulegen, damit ich abends müde genug bin und der Rhythmus gleich bleibt. Mit diesen Krücken hat das Schlafen bei mir recht gut geklappt.

      Es gibt wohl leider keinen Königsweg, um diese schlimme Zeit zu durchleben, aber vielleicht hilft es dir ja ein wenig. Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld!!!

      Susanne
      Liebe Susanne,

      danke für die Worte und die Tipps, werde die Worte mir zu Herzen nehmen und so etwas mit reduzierter Stundenzahl mit meinem Arbeitgeber besprechen. Jetzt habe ich noch zwei Wochen bis das Problem ansteht, ich bin noch freigestellt von der Arbeit wegen Pflegegesetz. Da ich dieses vor dem Tod meiner Frau in Anspruch genommen habe gibt es die Möglichkeit nach dem Tod dies noch 4 Wochen in Anspruch zu nehmen. Es ist so schön wenn man hier Menschen trifft welche das Gefühlschaos verstehen das in einem herrscht und ein ein paar Worte dazu schreiben können.
      Danke an alle
      Roland
      Lieber Roland,

      ich habe nach 3 Wochen nach dem Tod meines Mannes wieder angefangen zu arbeiten. Ich habe aber auch das große Glück, dass ich nur 80 % arbeite und gleitende Arbeitszeiten habe. Ich kann also in einem bestimmten Rahmen bestimmen, wann und wie lange ich arbeite. Natürlich muss ich meine Stunden schon im Großen und Ganzen einhalten. Ich habe in den ersten Wochen oft gerade mal 6 Stunden durchgehalten und bin dann auch unter Tränen aus dem Büro gegangen. Mit der Zeit wurde das dann wieder besser und bis heute halte ich es so, dass ich, wenn es mir besser geht länger bleibe und wenn es mir nicht so gut geht, dann geh ich nach 6 Stunden. Wie gesagt, das geht nicht an jedem Arbeitsplatz, hat mir aber sehr geholfen und hilft mir auch heute noch, nach bald 10 Monaten.

      Was das Schlafen angeht, so schlafe ich seit dem Supergau eigentlich keine Nacht mehr durch. Ich wache mehrmals die Nacht auf. Am Anfang war das total schlimm, es kamen dann in der Nacht große Ängste auf, die völlige Verzweiflung und ich bin stundenlang nicht mehr eingeschlafen. Inzwischen nehme ich etwas zum Schlafen. Ich schlafe damit zwar nicht durch, kann aber wieder einschlafen. Aber es hat ca. 4 Monate gedauert, bis ich mich dazu entschlossen habe, chemische Mittel zu Hilfe zu nehmen. Es ging einfach nicht mehr anders.

      Liebe Grüße
      Claudia
      Hey Claudia, ja stimmt mit dem Schlafen; ist bei mir auch immer noch so (nach 3 Monaten). Habe zwischendurch gedacht, dass ja auch mal wieder ohne Schlaftabletten (pflanzlich) funktionieren müsste - hat es aber nicht. Auch ich konnte nicht einschlafen und lag immer bis ca. 5 Uhr morgens absolut wach. Jetzt schlafe ich abends wieder ein, habe aber einen sehr sehr leichten Schlaf - also keinen Tiefschlag - und schlafe immer nur 1-2 Stunden; aber immerhin. Muss morgens nicht zur Arbeit, da Frührentner. Meist habe ich dann in der Nacht noch Schmerzen, die mich ebenfalls wachhalten oder aufwecken - alles Mist. Hoffe so sehr, dass auch mal wieder bessere Zeiten kommen.
      Bin aber neben dem Verlust mit meiner Mutter auch phsychisch so angeschlagen, weil wir seit 11/2 J. mit dem Sozialamt kämpfen, die meiner Mutter nach ihrem Hausverkauf alles weggenommen haben. Den "Selbstbehalt", der jedem zusteht, ist ebenfalls einkassiert worden vom Amt, so dass ich jetzt die Beerdigungskosten aus eigener Tasche bezahlen durfte. Wenn jetzt mit meinem Mann oder mir etwas passiert, kann ich selbst zum Sozialamt gehen - unglaublich ! Jeder Anwalt (habe mittlerweile den 3., weil sich keiner so richtig im Sozialrecht auskennt) sagt, dass das Verhalten der Behörde rechtswidrig sei. Aber die haben das Geld und rücken es nicht heraus. Ich denke mal, dass das meine Schlafprobleme sehr stark beeinflusst.
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