Auch nach Jahren fehlst du mir sehr (Tod meines Vaters)

      Auch nach Jahren fehlst du mir sehr (Tod meines Vaters)

      Liebe Mitglieder,
      vielleicht komme ich direkt zu meiner Geschichte: vor fast 8 Jahren ist mein Vater verstorben. Ich war und bin immer ein Papakind. Mir wurde meine wichtigste Bezugsperson genommen, diejenige mit der ich viele Interessen gemeinsam hatte. Nichts kann mir das ersetzen. Ich weiß noch genau, als mir meine Eltern die Diagnose mitgeteilt haben...Zunächst wurde er operiert (Darmkrebs) und es schien gut auszugehen, jedoch hatte der Krebs gestreut...wie es leider oft der Fall ist. Nach und nach kamen weitere Erkrankungen dazu (COPD). Es schien als ob sein Körper aufgibt...das Leben aufgibt...nicht mehr kämpfen kann/will. In den letzten Monaten musste er zu sehr unwürdigen Umständen mit drei anderen Patienten auf einem Zimmer sein...Auch wie wir auf dem Bett saßen und er seine Beerdigung geplant hat. Da konnte selbst ich (die oft eine harte Schale hat) meine Tränen nicht mehr halten. Er wollte immer in ein Hospiz, dort würdevoll sterben. Wie ein Wunder kam ein Platz frei und er konnte verlegt werden. Nach nur zwei Tagen gab der Körper auf. Zum Glück hatte er keine Schmerzen, da er so viel Medikamente bekam, sodass er nichts davon mitbekam. Er ist dann "hinübergeglitten". Während dieser Zeit ging ich weiter in die Schule, stand kurz vor meinem Abitur. Ich habe nur noch funktioniert, meine Klausuren geschrieben und dann kam der Abiball. Ich kann mich an vieles nicht mehr erinnern, wie betäubt fühlte es sich an. Ich glaube, dass war mein Schutzmechanismus. Einen Tag nach seinem Tod fing ich an zu lernen. Innerhalb meiner Familie wurde nicht so ausführlich gesprochen. Jeder war irgendwie mit sich selbst beschäftigt. Jedenfalls beschäftige ich mich seit letzter Zeit wieder vermehrt mit diesem Thema. Es gibt Momente in denen ich sehr traurig bin und weinen muss, weil er mir einfach so unglaublich fehlt. Auch nach 8 Jahren habe ich oft den Impuls "oh das müsste ich ihm erzählen" und dann wird klar...er ist ja gar nicht mehr da. Es sind oft die Sätze: ach wenn mein Vater wüsste, wenn er nur hier wäre, ja dann wüsste er das ich dies und jenes in meinem Leben erreicht habe. Auch wenn ich nicht so der Heiratsmensch bin, sollte es doch sein, dann versetzt mir der Gedanken, ohne ihn zum Altar zu schreiten einen Stich. So viele Erlebnisse, die er nicht mehr mitbekommen hat bzw. wird. Ich sagte oft: ich war doch schon 19.....ohne wahrzunehmen: man das ist verdammt früh. Außer meinem Partner kann ich mich nicht wirklich darüber austauschen, deswegen hoffe ich hier auf Verständnis und offenen Ohren zu treffen. Sorry, für die lange Geschichte. Da ist noch viel mehr, aber das kann ich ja im Austausch noch benennen.

      Bis dahin erst einmal von mir. Rückmeldungen zu meiner Geschichte, Fragen bzw. Schilderungen eurer Erlebnisse bekomme ich gerne.

      LG Ketti_91
      Ein liebes Wilkommen hier bei uns liebe Ketti.
      Eine Trauer die nicht getrauert wurde, die aber noch immer in dir schlummert und vielleicht jetzt nach Jahren ihre Aufmerksamkeit sucht.
      Das wäre nicht das erste mal das ich davon lese, dass eine Trauer sich so lange verdrängen lässt, bis sie die Oberhand gewinnt im Stess, der Stille des - es wird einfach nicht darüber geredet und man schweigt mit.

      Wünsche ich dir, den Platz für deine Trauer, die Worte, all das, was es braucht, um zu verarbeiten, vielleicht uach ankommen lassen, ein Stück Weg zurück im Inneren um dann in Frieden deinen Weg im Heute zu gehen.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Funny,
      danke für deine Reaktion auf meinen Eintrag. Es ist nicht so, dass ich zum ersten Mal trauere, jedoch hat es bei mir einige Zeit gebraucht mich intensiver damit auseinander zu setzen. Das Leben geht weiter, keine Frage. Ich vermisse jedoch die Anteilnahme mancher Menschen bzw. die Möglichkeit darüber zu sprechen. Viele erstarren beim Thema Tod und haben keine Worte dafür, umso mehr freut es mich, dass du dich zu meiner Geschichte äußerst.

      Ich habe auch deine Geschichte gelesen. Das ist unfassbar, unvorstellbar grausam was dir passiert ist. Du bist in meinen Augen eine sehr starke Frau, die versucht sich weiterhin im Leben aufrecht zu halten und weiter zu machen. Das ist sicherlich nicht immer einfach.

      LG Ketti
      Hallo an alle Betroffenen,

      auch ich (45) habe nach 2,5 Jahren noch Schuldgefühle meiner Mutter gegenüber. Mein Vater ist bereits vor einigen Jahren (mit 67) verstorben, und meine Mutter (74) war immer sehr stark. Wie soll ich unser Verhältnis beschreiben? Wenn ich ehrlich bin, haben wir nicht wirklich viele Gemeinsamkeiten gehabt, ich bin natürlich trotzdem regelmäßig bei ihr gewesen, aber unternommen oder so haben wir eigentlich fast nichts zusammen. Ich hätte ihr nie Widerworte gegeben. Sie hat, glaube ich, nie gemerkt, dass ich meist meine Pflichtbesuche absolvierte bzw. wg. meiner Katze bei ihr war. Das tut mir leid, aber ich konnte mein Gefühl ja nicht verändern, habe versucht, mich so "normal" wie möglich zu verhalten. Als sie die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs bekam, war uns allen klar, was das bedeutet. Der Arzt hat ihr ohne Therapie noch 2, 3 Monate gegeben. Letztendlich wurden es über 2,5 Jahre. Alle Leute haben sie bewundert, wie tapfer sie damit umgeht. Ich bin ganztags berufstätig, und ich hätte mir finanziell erlauben können, mich freistellen zu lassen und habe es nicht getan. DAS ist, was ich mir jeden Tag und immer wieder aufs Neue vorwerfe. Warum habe ich nicht mehr Zeit mit ihr verbracht? Zur Chemo und Bestrahlung musste sie allein gehen, ich bin zwar mit, wenn sie wieder einen Termin beim Onkologen hatte, aber danach bin ich arbeiten gefahren. Dieses beschissene Pflichtbewusstsein meinem Arbeitgeber gegenüber (ich bin Beamtin) und meine große Feigheit, haben mich nicht handeln lassen. Ich hätte jmd. gebraucht, der mir gesagt hätte, was ich machen soll, aber so war ich einfach nur feige. Ich habe sie zwar jeden 2. Tag besucht, und am Wochenende habe ich sie auch zu mir u. meinem Mann geholt, aber das sind alles nur wenige Stunden - was ist das schon, wenn man sich den ganzen Tag mit Gedanken des Sterbens beschäftigen muss?! Wenn ich da war, haben wir nicht über das Sterben geredet - wir konnten ja zu Lebzeiten schon nicht über Gefühle reden. Ich hab so ein schlechtes Gewissen, habe mir immer gesagt, dass ich ja daheim bleiben kann, wenn es ihr schlechter geht. Sie hat sogar mal gefragt, ob ich mich frei stellen lassen könnte. Irgendwann meinte sie aber auch, sie will mir ihre Pflege nicht zumuten. Ich weiß nur nicht mehr, in welcher Reihenfolge sie es gesagt hat. Wahrscheinlich hätte sie es gewollt, und ich habe es ignoriert. Das Beste ist, mein Bruder macht sich keinerlei Vorwürfe, der kam höchstens 1x die Woche, das war`s. Ich war ständig hin- u. hergerissen, weil ich es meinem Mann recht machen wollte, den es ja auch noch gab u. von dem ich mich nicht unterstützt gefühlt habe in der Zeit. Meine Mutter musste dann wg. Wasser im Bauch ins Krankenhaus. Eigentlich nur 1 Tag. Daraus wurden dann knapp 6 Wochen. Ich habe sie Samstags morgens abgeholt u. bin bei ihr geblieben bis abends. Da hab ich schon gemerkt, dass sie sehr schwach ist u. kaum die Treppe hoch ins Schlafzimmer kam. Ich bin dann probeweise mit ihr hochgegangen u. dann heim bzw. auf ein kleines Fest mit meinem Mann. Am nächsten Tag wollte ich sie zu uns holen. Abends hab ich sie nochmal angerufen, die Sozialstation war noch da (sie konnte nichts mehr essen u. musste über den Port ernährt werden). Am nächsten Morgen, also direkt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus, wollte ich sie morgens abholen u. habe sie tot im Bett gefunden. Warum bin ich nicht mal die 1. Nacht nach dem KH bei ihr geblieben? Wäre ich noch Single gewesen, hätte ich mehr Zeit mit ihr verbracht. Ach, mir fallen so viele Situationen ein, in denen ich mich falsch verhalten habe. Ein Tag nach Weihnachten z.B., da ging es ihr auch nicht so gut, bin ich mit ganz schlechtem Gewissen u. Tränen mit meinem Mann zu seinen Eltern gefahren (nur der 1 Tag mit Übernachtung, sie wohnen weiter weg), obwohl ich lieber da geblieben wäre. Was wäre passiert, wenn ich den Wunsch geäußert hätte? Nichts, aber ich wollte es wieder jedem Recht machen. Ich könnte jetzt noch täglich weinen, und es wird einfach nicht besser. Ich bin nicht glücklich, auch nicht in meiner Ehe. Wir haben dann auch noch "schnell" geheiratet, damit es meine Mama noch miterleben kann. Es war keine schöne Hochzeit. Ich war schon immer recht emotionslos (außer meiner Katze gegenüber - die liebe ich - aber bei einem Menschen war das noch nie der Fall). Ich habe einen guten Mann, der mich liebt, aber ich kann es nicht erwidern (anderes Thema). Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Habe keine Freude am Leben.
      ...Vor dem Tod meiner Eltern war es auch nicht viel anders, aber jetzt geht's gar nicht mehr. Als ich nach dem Tod meiner Mutter in Kur war, hatte ich dort eine Therapeutin, die bei mir allerdings das Gegenteil bewirkt hat. Ich hab mich noch schlechter gefühlt. Sorry für den langen Text, ich sollte wohl lieber Tagebuch schreiben. Ich schicks jetzt einfach mal weg. Danke für`s Zuhören. Liebe Grüße, Ludsimaus
      Hallo Ludsimaus,
      ich kenne deinen Gedankengang. Auch ich denke manchmal "ach hätte ich doch noch mehr Zeit meinem Vater verbracht, wäre ich doch noch öfters zu Besuch ins Krankenhaus gefahren". Dies sind völlig normale Gedanken. Viele Menschen, wenn nicht fast jeder, hat sie. Vor allem wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Wir Menschen sind doch so programmiert "was wäre gewesen wenn"-Fragen zu stellen. Ich vermute du hast damals vielleicht einfach funktioniert und auf deine Art und Weise versucht mit der belastenden Situation umzugehen...ich auch. Dazu gehört sich auch abzulenken, etwas anderes zu tun als ständig mit Krankheit und dem nahenden Tod konfrontiert zu sein. Das ist gesund und menschlich. Jedoch verstehe ich auch, dass dich genau deswegen ein schlechtes Gewissen plagt. Du warst allerdings nicht der kranke Mensch, das Leben geht weiter und die Erde dreht sich weiter....ich sage es deswegen, da ich z.B vor dem Tod meines Vaters weiterhin zur Schule ging. Ich habe nicht einen Tag gefehlt, meine Vorabi und Abi Klausuren geschrieben....habe ihn ab und zu im Krankenhaus besucht. Ins Hospiz, dazu kam es nicht mehr. Er kam Montagsabends rein und ist Mittwochabends verstorben, war da aber auch schon nicht mehr richtig ansprechbar. Ich finde auch nicht, dass man sagen kann Schuldgefühle sind unberechtigt/berechtigt (Bezug auf den Beitrag von Ruinengarten). Du beschreibst einfach dein Gefühl und das ist erstmal wichtig. Im Trauerprozess geht es dann darum zu gucken, wie war die Situation, wie ging es dir damit, und was hast du getan, um das irgendwie auszuhalten. Und wie schon benannt gehört auch das Abschalten und sich auch mal ablenken dazu. Ich fühle wie gesagt auch deinen Schmerz Zeit verloren zu haben, es anders hätte regeln müssen. Das ist aber wirklich ganz normal, dass man sich nach dem Tod eines geliebten Menschen mit solchen Gedanken plagt. Das wird mit der Zeit weniger werden. Blöder Trost, ich weiß. Ich kann das nur aus meiner Erfahrung sagen. Vielleicht hilft dir das etwas?!

      LG Ketti
      Liebe Ketti, so weit sind wir gar nicht auseinander, es ist eben nicht leicht, in wenig Worten so zu erzählen, ebenso, wie aus wenigen Worten verstehen.
      Freut es mich aber, das du mir weiteres erzählst, damit ich besser verstehen kann.

      Das einer so gar nicht trauert, kann ich mir sowiso nicht vorstellen, lese aber öfter davon, das nicht alles verarbeitet wurde, das sich auch Jahre später seinen PLatz sucht, Aufmerksamkeit fordert.

      Um so schwieriger, in seiner Zeit, auch Jahre später, wenn andere längst abgeschlossen haben, keine Aufmerksamkeit und Worte mehr haben.
      Davon ausgehen das die Zeit gewesen ist, das Thema einfach abgeschlossen sein müsste.

      Ich habe eine liebe Freundin, in der Trauer kennen gelehrnt, sicher haben wir in vielen Jahren unsere Trauer besprochen, bearbeitet, wie auch immer man das betiteln könnte - und doch haben wir ein OHr, wenn es einen auch nach Jahren einfach mal wieder umhaut, die Tränen rollen, mann das selbst nicht versteht, nicht will, es aber einfach spassiert.

      Ich wüsste kaum, wen ich in einem solchen Moment damit konfrontieren könnte, dürfte, wollte.
      Bei ihr aber darf ich das ebenso, wie sie bei mir.
      Dann weinen wir gemeinsam, schimpfen auf das Schiksal, auf die böse Welt.
      Am Ende aber, da werden wir über etwas lachen, nicht selten, über uns selbst und dann wird am Ende eines Gespräches, wenigstens ein Danke stehen.
      Eines dafür das man zugemutet hat, eines dafür das man es ohne schlechtes Gewissen durfte - egal wie oft schon, egal, seit wie vielen Jahren.

      Meine Geschichte, da hat sich das Schiksal für mich etwas nicht alltägliches einfallen lassen- unfassbar.
      Ich fasse es einfach nicht, auch wenn ich mich sicher darin zu bewegen scheine, es ist wie es ist - am Ende vermisse ich einfach, wie viele andere Mütter und Väter auch - jeder auf seine Art, in seinem Können.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Ketti,

      ​vielen Dank für deine Zeilen. Du scheinst mir auch sehr pflichtbewusst zu sein, mir ging es genauso, ich bin nie krank und wäre mir "schwach" vorgekommen, wenn ich gefehlt hätte oder zum Arzt gegangen wäre, um mich ein paar Tage krank schreiben zu lassen. Dann wäre ich aber für meine Mutter da gewesen. Ich hab mich nicht getraut, dabei wollte ich es meiner Mutter immer recht machen. Man sollte nicht meinen, dass ich 45 Jahre alt bin - fühle mich eher ein paar Jahrzehnte jünger, was das Verhalten angeht. Du warst ja auch noch extrem jung, als du deinen Papa verloren hast. Als meine Mutter im Krankenhaus war, hatte ich Urlaub, war aber dennoch nicht den ganzen Tag dort, sondern nur 1, 2 Stunden, aber das wenigstens täglich. Mein Bruder ist in Urlaub gefahren, das hab ich mich gar nicht getraut, weil ich Angst hatte, das was Schlimmes passiert. Ach, ich wäre gerne positiver gestimmt. Wenn meine Mutter an Altersschwäche gestorben wäre, könnte ich mich besser mit umgehen, glaube ich. Ablenken sollte man sich, da hast du recht, aber ich tu mir sehr schwer damit. Ich müsste etwas finden in meinem Leben, was mir Spaß macht, aber eben das ist das Problem. Allerdings hatte ich das schon zu Lebzeiten meiner Eltern. Ich träume auch jetzt noch ganz oft von meinen Eltern, geht dir das auch so? Wie ist das Verhältnis zu deiner Mutter, kannst du mit ihr über deinen Papa reden? Das war auch so endgültig, wir haben relativ zügig mein Elternhaus verkauft. Mein Bruder war da die treibende Kraft, ich hab - wieder nur - funktioniert. Wollte ich das eigentlich? Nicht wirklich, aber meinem Mann war das Haus zu alt, ich wäre wohl eingezogen, vor allem wg. meiner Katze, die dort Freigang hatte u. die ich jetzt aus ihrer Umgebung gerissen habe. Wir haben kurz vorher eine Eigentumswohnung gekauft, jetzt ist sie eine Wohnungskatze. Auch da habe ich wieder ein schlechtes Gewissen, weil die Katze den ganzen Tag alleine ist. Eine Therapeutin meinte mal, ob ich gerne leide. Vielleicht ist das so, wobei ich von "gern" nicht reden will. Ich sehe nur immer die negativen Dinge.

      ​Liebe Grüße

      Ludsimaus
      Hallo Marcus,

      ​danke für deine Worte. Ja, es sagt sich so einfach, man ist nicht der Ersatz für den Ehemann, aber ich habe mich wohl verpflichtet gefühlt, jetzt für sie da zu sein. Und hatte gleich ein schlechtes Gewissen, wenn meine Mutter Freunden gegenüber erwähnte: "Ja, meine Kinder sind da, aber wenn sie heimgehen, bin ich auch allein." Das hat mir auch immer einen Stich versetzt. Wenn ich mir meinen Bruder anschaue - der kommt sehr gut mit allem klar. Vielleicht sind Männer da auch anders gestrickt. Was meinst du dazu?

      ​Liebe Grüße u. einen schönen Abend,

      ​BEATE
      Sätze wie "Ja, meine Kinder sind da, aber wenn sie heimgehen, bin ich auch allein." kenne ich auch von meiner Mutter, als ihr Freund gestorben ist. So,lche Sätze zeugen nicht nur von Trauer, sondern zum größten Teil von Egoismus. Entschuldige, wenn ich das sagen muss. Warum trauernde Menschen öfter so unfair werden, weiß ich nicht. Es ist wahrscheinlich so, dass sie auch die Schuld für ihren Schmerz bei jemandem suchen, und da kommen die Kinder gerade recht. Ich liebte meine Mutter, aber trotzdem waren solche Sätze eine Schweinerei. Wie man damit umgeht, hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit Selbstachtung und Selbstrespekt. Ich war nicht der Lückenbüßer für meine Mutter und Du nicht für Deine.

      Liebe Grüße,

      Marcus
      Pfff auch hier wieder eine logische Erklärung......Trauernde sind egoistisch......ja das sind sie und sie haben auch jedes Recht dazu......zumindest für einige Zeit und in einer Familie in der alles so ist wie es sein sollte dürfte das auch kein Problem sein.......gegenseitiges geben und nehmen........
      So sehe ich es auch.
      Der Weg der Trauer ist nicht immer logisch und geradeaus. In der Verzweiflung und grossen Trauer ist man auch mal ungerecht und / oder schießt über das Ziel. In diesem Forum wird man verstanden, aufgefangen und liebevoll darauf hingewiesen wenn es mal so sein sollte. Aber nicht verurteilt, sondern es wird versucht Hilfestellung zu geben auf diesem schweren Weg. Das macht dieses Forum aus....alle haben ähnliche Gefühle durch ihren Verlust und verstehen dass was "draußen" nicht oder nicht mehr verstanden wird und es wird versucht, jeden dort abzuholen wo er gerade auf seinem Weg steht oder droht zu straucheln...
      Mir hat dieses Forum schon sehr geholfen und ich bin froh, weil ich weiss, ich kann jederzeit schreiben und werde verstanden.
      Danke an euch
      Ein geben und nehmen, so fühle ich das auch.
      Sicher ist das traurig, es trauert ja vielfach nicht nur einer.

      Und manchmal da vertauschen sich die Rollen, ich denke da an mich, wenn die Tochter auf einmal stärker sein will oder ist, zurück geben möchte, was man über Jahre bekommen hat.
      Sicher sollte das nicht für zu lange Zeit sein, dazu sind dann auch Gespräche nötig.

      Sich selbst in Frage stellen, sein Tun, hätte, wäre ...
      Ich halte das bei mir so, weil eben auch ich nicht unfehlbar bin.
      Selbst wenn man nicht immer etwas Rückgängig machen kann, so hat man die Möglichkeit, aus seinen Fehlern zu lernen ebenso wie sich in dseinem Tun bestärkt zu fühlen *Denk*

      So denke ich, macht keiner Fehler in Absicht, ist nicht jeder Egoismus gleich unfair, kann es nicht auch aus gesundem Selbschutz geeschehen *denk*
      Darf sich auch eine Tochter aus Selbschutz gewissen Situationen entziehen, Distanz schaffen ohne als Egoistin gesehen zu werden.
      Gilt denn der Sohn/Bruder sofort als Egoist, weil er seine Distanz geschaffen hat, er macht und tut, nach seinem Können.

      Sehe ich in meinem Umfeld das sich in Trauer Probleme hochkochen, die schon länger bestehen, nie angesprochen vor sich hin geschlummert haben.
      Da gibt schnell mal ein Wort das andere und am Ende tut es allen leid, wollte das keiner, nicht so wie es geschieht und schon gar nicht, in der Situation.

      In solchen Situationen beweist sich manchmal die Stärke und Verbundenheit einer Familie, oder einer Freundschaft.
      Und ja bei den einen mehr, bei anderen weniger.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Neu

      Liebe Ludsimaus,
      ich war nun einige Zeit nicht im Forum aktiv. Ich habe tatsächlich alte Notizen meines Vaters gefunden. Er war zusätzlich zur körperlichen Erkrankung auch stark depressiv (schlimme Kindheit). Diese Zeilen die er geschrieben hat, teils Monate vor seinem Tod haben mich in die Vergangenheit ( fast 8 Jahre zurück) katapultiert. Plötzlich kam ganz viel Schmerz hoch, den ich nur von damals kenne, als ich richtig zu realisieren begann, was eigentlich passiert ist. Die Ängste die er schildert, die negativen Gedanken und die Gewissheit, dass dies sein letztes Osterfest/Weihnachtsfest sei. Das hat mich wirklich getroffen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nichtmal daran gedacht. Auch fühlte er sich sehr einsam, konnte sich nur erklären, dass seine Kinder nicht anders damit umgehen konnte, als sich abzulenken etc. Da kam auf einmal diese scheiß bekannte Schuldgefühl hoch...richtig fies. Ich weiß, dass er wollte, dass ich mein Abitur schaffe. Ich musste funktionieren, ich weiß nicht was sonst passiert wäre. Jedoch tut es mir so leid, dass er sich alleine gefühlt hat. Sobald ich daran denke wird mir ganz komisch und werde ich unglaublich traurig. Vielleicht habe ich sogar das all die Jahre verdrängt. Ich weiß, dieses letzte Jahr ersetzt nicht die Zeit die ich vorher mit ihm hatte, in der ich viel mit ihm unternommen habe, er wusste, dass ich ihn lieb habe. Ich ärgere mich und bin frustriert, dass ich mich so verhalten haben. Anscheinend hätte auch ich noch mehr Zeit mit ihm verbringen müssen/sollen?! Ich habe ihn noch 2-3 Monate vorher im Krankenhaus besucht, das weiß ich. Dieses schlechte Gewissen nagt auch hin und wieder an mir. Ich habe seine Gedanken gelesen und sie wieder in die Box getan. Da bleiben sie erst einmal. Ich sehe da nicht den Sinn mich immer wieder damit zu konfrontieren. Seine Lebensgeschichte ist sehr traurig, unfair, einfach nicht gerecht. Durch seine eigene Familie hat er dennoch erfahren was Liebe bedeutet und das erleichtert es mir (sein Elternhaus war schrecklich....). Ich weiß nicht, ob ich traurig für ihn bin, dass die Hälfte seines Lebens so verdammt schwer war oder ich davon einfach schockiert bin (ich denke dann oft "dieser arme Mensch") oder es einfach die reine Trauer ist den Vater so früh zu verlieren. Oft sehe ich Kinder mit ihren Vätern auf der Straße....was für ein Glück die haben, den Vater noch zu haben. Meiner ist weg, schon seit 8 Jahren...wird, wenn ich heiraten sollte, mich nicht an die Hand nehmen, wird auch niemals Enkelkinder im Arm haben....das hätte ich mir auch für ihn gewünscht, auch dass er noch weiter an meinem Leben teilhaben kann, was ich alles erreicht habe...wenn er das doch wüsste. All solche Gedanken, an Dinge, die nicht mehr möglich sind. Es gibt Momente in denen mich genau dies zerreisst....ich habe zum Glück einen Partner, dem ich all dies anvertrauen kann. Der zwar schwer Worte finden kann, mich jedoch in den Arm nimmt, meine Trauer ernst nimmt und bei dem ich so zerbrechlich sein darf. Und dann kommt auch wieder die Sonne, ich mache weiter, geh weiter meinen Weg. Das gehört zum Leben dazu, die Erde dreht sich weiter...

      Vielleicht geht es dir ähnlich...

      Zu deiner Frage: ja ich träume schonmal öfters von ihm. Dann taucht er plötzlich auf, sagt aber oft nichts. Manchmal umarme ich ihn und dann ist er plötzlich wieder weg. Wenn ich doch mit ihm rede (im Traum), dann realisiere ich oft erst später "hä? der ist doch tot, wie geht das denn?". Sowas kenne ich nur zu gut.
    Liebeskummer Sorgen Forum