ach, Scheiße

      ach, Scheiße

      Hallo liebe Community,

      normalerweise freut man sich auf die Anmeldung in einem Forum - endlich mitlesen und mitschreiben...
      Tja, wir sind hier wohl ein wenig anders. Trotzdem "freue" ich mich auf Gedankenaustausch. Ich habe nämlich leider gerade echt ein ziemliches Tief.

      Mein Mann ist am 16.02.2018 im Alter von nur 44 Jahren völlig überraschend und unerwartet verstorben. Zack, bumm, weg...
      Ich stehe noch immer total unter Schock und kann es gar nicht fassen. Noch bis zum Abend des 15.02. war alles bestens. Am Valentinstag haben wir unseren anstehenden Urlaub bezahlt. Über seinen Geburtstag Ende März wären wir im Urlaub gewesen. Und am 16.02. ist alles anders. Alles.

      Rettungssanitäter, Notarzt, Polizei, Kripo, noch eine Ärztin und schließlich die Männer, die ihn weggebracht haben. Und dann waren alle aus der Wohnung verschwunden. Alle. Überall lagen Handschuhe und Utensilien der Einsatzkräfte.

      Ich bin im Januar 40 geworden - und am Freitag kaufe ich für uns beide die letzte Ruhestätte und habe einen Sarg und eine Urne ausgesucht. Kann mal einer den Film ausschalten?

      Ich habe tolle Freundinnen. Sie haben mich seit dem 16.02. nicht aus den Augen gelassen. Heute ist der erste Abend, den ich hier alleine sitze. Erklärt wahrscheinlich auch, warum gerade alles richtig kacke ist. Ich will ihnen nicht zur Last fallen, auch wenn ich das zweifelsohne gerade mache. Irgendwann kommen diese Tage. Erst ein Tag alleine, dann noch einer und schließlich wird es Gewohnheit, zumindest für die anderen. Seit Montag versuche ich es stundenweise wieder mit Arbeit. An dieser Stelle ein riesen Dankeschön an meine Firma, die so kulant ist, ich bin wirklich gerührt. Meine direkten Kollegen wissen Bescheid. 2 aus der Geschäftsführung ebenfalls. Sonst keiner. Ich könnte diese Blicke nicht ertragen und dieses ewige "falls wir was tun können...". Es ist ja lieb gemeint, das weiß ich ja.

      Hier blinken technische Geräte, von denen ich nicht mal weiß, was sie eigentlich machen.
      Im Keller gibt es eine voll eingerichtete 2-Zimmer-Werkstatt voll mit Zeugs, dessen Namen ich nicht kenne.

      Ich bin hier, weil nur Ihr wisst, wie es wirklich ist. Es ist scheiße...

      Traurige Grüße,

      Laura
      Hallo Laura, ein stilles Willkommen hier. Es tut mir sehr leid, denn Dein Mann war noch so jung. Ich habe genau das Gleiche durchgemacht im Mai 2017. Leider kann ich Deinen Film nicht anhalten. Du brauchst Zeit! Deine Freunde sind für Dich da, nimm die Hilfe an und ziehe Dich nicht zurück. Sonst kommt die Einsamkeit und das hilft auch nicht. Das Schicksal annehmen ist nicht einfach!
      LG
      malsa
      Liebe Grüsse
      malsa
      :)
      Mein herzliches Beileid und Willkommen!

      Es ist gut, dass du hier her gefunden hast, mir hat es sehr geholfen hier zu sein .

      Den ersten Tag allein werde ich auch nie vergessen.
      Die Ablenkung an der Arbeit hat mir auch gutgetan. Der Berg der vielen technischen Geräte ohne den Service meines Mannes hat mich zu Beginn auch erdrückt, aber mit der Zeit habe ich zumindest einiges davon doch auch in den Griff bekommen.
      Lass Dir Zeit.

      ascolina
      Auch ich mag ein liebes leises Willkommen sagen liebe LuS.
      Ja wir wissen wohl, einige wissen genauer weil sich ihre Geschichten mit der deinen gleichen und dennoch, nie ist etwas wirklich gleich.
      Wir kennen ihn aber den Schmerz, die Ohnmacht, die Wut, die Verzweifelung, all das, was uns so in einer Trauer überfällt.
      So frisch gerade noch bei dir, da ist so vieles ja erst der Anfang des Weges, durch die Trauer hindurch.

      Jeder in seiner Zeit, in seinem Können, für dich freue ich mich, von deinen Freundinnen zu lesen, wie schön, dich nicht allien zu wissen, wenn auch du keinen belasten willst, sie sind da, dass ist so viel mehr schon, als andere haben.
      Das deine Firma dir so entgegen kommt, auch so schön zu lesen, aber sicher, macht das nicht gleich alles einfacher.
      Es muss ankommen, du musst es verpacken, damit umgehen, das nie wieder etwas sein wird, wie es noch vor kurzem war.
      So wirklich dabei helfen, nein das kann keiner, dass muss jeder für sich schaffen, auch wenn das mit lieben Menschen an der Seite weniger schwer sein sollte, als ganz allein.

      So jung, und doch ist es immer zu früh, schwer zu verstehen, da waren so viele Träume, so viel Leben, dass man vor sich dachte.

      Ich wünsche dir annehmen können, auch etwas mehr belasten dürfen anzunehmen.
      Wünsche ich dir alles, was es gerade für dich braucht, auch wenn ich den Film in dir nicht abstellen kann, wünsche ich auch deinen Freundinnen alles was es braucht, weiter da sein zu können, aushalten zu können, was da alles über dich gerade hereinbricht.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Hey LuS, möchte Dich auch bei uns Willkommen heißen nach Deine großen und unerwarteten Verlust. Meine Güte - damit rechnet ja nun niemand ....
      Kann Deine Verzweiflung gut nachvollziehen, obwohl die Sache bei mir anders liegt - meine Mutter ist am 31.10.2017 verstorben.
      Ja - man fühlt sich total überfordert, verzweifelt, wütend, traurig, mutlos, hoffnungslos! Das ist immer wieder bei allen hier im Forum zu lesen. Die erste Zeit ist sehr sehr schlimm.
      Ich finde es aber toll, dass Deine Freundinnen Dir so zur Seite stehen. So bist Du nicht allein mit Deinen unausgesprochenen Problemen. Leider habe ich niemanden, mit dem ich reden kann und habe mir so Hilfe im örtlichen Hospizverein gesucht, welche aber natürlich sehr begrenzt ist - aber geholfen hat es trotzdem etwas.
      Auch ich wollte anfangs nicht hören, dass es irgendwann auch mal wieder besser werden wird, doch es ist so. Jetzt nach 4 Monaten merke ich es ganz langsam, dass meine Gedanken sich auch mal wieder um die Gegenwart drehen und ich meiner Mutter auch ihre Ruhe ohne Schmerzen gönnen kann. Natürlich fühlt man sich total alleine, denn da war ja immer jemand, dem man sehr verbunden war. Auch wenn meine Mutter die letzten 2 Monate bettlägerig war und zum Schluss Morphium bekommen hat und nicht mehr ansprechbar war; sie war aber noch da und ich war jeden 2. Tag bei ihr.
      Habe mir jetzt eine Beschäftigung gesucht und hoffe, dass ich es trotz meiner starken körperlichen Einschränkungen auch durchhalte. Besuche heute erstmalig mit meiner Pudel-Hündin eine 94-jährige bettlägerige alte Dame. War gestern zum Kennenlernbesuch dort und hinterher ging es mir persönlich besser; kann jetzt garnicht sagen warum das so ist! Wir werden sehen.
      Ich wünsche Dir alles Liebe und besonders viel Kraft. Lass zunächst mal alles auf Dich zukommen - es braucht etwas Zeit mit dem Unfassbaren klar zu kommen. Danach wird auch wieder ein Sonnenstrahl zu Dir durchdringen!
      Hallo, Ihr Lieben!

      Vielen Dank für Eure Worte.

      Ihr habt recht - schlimmer geht immer, das war seit jeher meine Devise.

      Gott sei Dank haben wir keine Kinder, die nun keinen Vater mehr hätten. Gott sei Dank sind wir damals nicht in ein Haus umgezogen, was ich mir alleine nicht hätte leisten können und ja, irgendwie auch Gott sei Dank, dass mein Mann nicht zu einem Pflegefall geworden ist. Sein Bruder hatte - ebenfalls mit 44 - eine schwere Gehirnblutung und ist seitdem ein schwerer Pflegefall. Das ist schlimm, um nicht zu sagen, insbesondere für meine Schwägerin die Hölle. Wir haben uns natürlich darüber intensiv unterhalten und waren beide der Meinung: dann lieber tot. Ich habe Leute, die auf mich aufpassen, mit mir reden und mir zur Seite stehen. Die mir auch Belangloses erzählen, damit ich einfach nicht immer DARAN denken muss. Schlimmer geht wirklich immer, dessen bin ich mir sehr wohl bewusst. Und ich bin dankbar für das, was ich habe.

      Trotzdem - ach, Ihr wisst, was ich meine... Scheiß doch auf die Kohle und alles Weitere. Das würden wir - glaube ich - alles gerne hergeben, wenn wir unsere Lieben wieder bekommen könnten, irgendwie...

      Gestern war ein miserabler Tag. Ich kann zwar nicht sagen, dass heute alles gut ist, aber ich weiß, dass ich nachher wieder Besuch bekomme und nicht hier alleine sitzen werde. Zeit ist relativ - wie wahr. Der Abend gestern ging und ging nicht rum. Noch vor 2 Wochen hatte ich das Gefühl, mein Leben ist so schnell wie ein D-Zug.

      Ich war heute bis um kurz nach 5 auf der Arbeit und bin total erschlagen. Aber ich denke, es hat mir gut getan. Ich habe die Hoffnung, dass ich nachher so platt bin, dass es auch mit dem Einschlafen klappt. Ich denke, Euch brauche ich nicht erzählen, dass das mit dem Schlafen momentan nur bedingt funktioniert.

      Am 09. März ist die Beisetzung. Ich habe keine Ahnung, wie ich das durchstehen soll?
      Heute habe ich mir eine Blume bestellt, die ich ihm mitgeben werde.
      Morgen suche ich für uns einen schönen Baum aus und schaue das Café an, idem wir anschließend noch einkehren wollen.
      Und alles läuft immer noch ab wie im Film.

      Es war normal, dass er öfter nicht da war. Er und ich waren viel auf Dienstreisen. Noch habe ich nicht realisiert, dass er nicht mehr heim kommen wird und sagt "daheim bei Dir isses doch am Schönsten". Er kommt nicht mehr, nie mehr. Bald ist sein Geburtstag und wir wären im Urlaub. Wir waren schon 2,5 Jahre nicht mehr weg. Wir haben Tiere, was immer ein logistisches Problem ist und haben in einem Jahr erst das Arbeitszimmer neu gestaltet und letztes Jahr die Küche renoviert. Mann, was haben wir uns auf den Urlaub gefreut. Und noch über das Urlaubsziel "gestritten". Er wollte ins Warme, er wollte nix tun. Türkei? Na, klar. Nachdem er mich 2 Tage Türkeiangebote hat studieren lassen, sagte er, dass er da eigentlich gar nicht hin wolle und doch lieber wieder eine Autotour durch Irland will. Argh! Ich find ja Irland auch toll, weswegen wir die Nordirland-Rundreise gebucht hatten und ich nicht sauer sein konnte (ich hasse es, irgendwo in fernen Ländern "dumm rum zu liegen", ich mag lieber etwas Action - wie er auch). Das waren unsere üblichen kleinen Streits und Zickereien. In all den immerhin 18,5 Jahren gab es nur eine ernstere Krise, die schon mindestens 10 Jahre zurückliegt. Es war einfach toll, alles war super.

      Irgendjemand schrieb hier (und das fand ich soooo treffend):
      Es gab ein Leben vor dem Tag X und es gibt ein Leben nach dem Tag X

      Und ich bin irgendwie dazwischen...

      @ Theri53
      es tut mir wirklich sehr leid, dass Du keinen in Deinem Umfeld hast, mit dem Du reden kannst. Ich hoffe, der Verein und hier das Forum können etwas dazu beitragen, dass Du Dich mit Deiner Trauer nicht ganz so alleine fühlst.

      Liebe Grüße an Euch alle,

      LuS
      Liebe Lus !
      Auch von mir ein aufrichtiges Beileid und gleichzeitig auch herzliches Willkommen hier im Forum.Ich war froh als ich dieses Forum gefunden hatte.Man ist in dieser mieslichen Lage nicht allein und kann mit gleichgesinnten über alles schreiben.
      Man fühlt sich in diesen Momenten verstanden, was von der Familie manchmal nicht so richtig rüber kommt.Schade das ihr den Urlaub schon gebucht habt aber wenn es im Urlaub passiert wäre ,nicht auszudenken was da gewesen wäre.Die Beisetzung das wird nochmal ein schwerer Tag.aber wir haben das alle hier überstanden dann werden auch die Tage etwas heller ich will nicht sagen besser aber die Zeit bringt es.Mein Mann starb kurz vor Weihnachten,da war an kein Fest zu denken und am 30.12. dann die Urnenbeisetzung ein Sch.....jahresende.Und dann die langen Winterabende am Tag wenn es schön war bin ich viel raus gegangen,
      Ich hoffe auf einen baldigen Frühlingsanfang.
      Liebe Lus ich wünsche dir ganz viel Kraft und alles Gute für die schwere und traurige Zeit.

      LG Christine
      Liebe Laura,

      auch von mir mein herzlichstes Beileid für den unglaublichen Verlust. Willkommen in diesem Forum, hier kannst du dir etwas Ballast von der Seele schreiben. So wie ich das an deinen Beiträgen entnommen habe kannst du das ganz gut, meinen Respekt dafür dass du nach der kurzen Zeit so offen darüber schreiben kannst. Ich habe die Tage bis zur Beisetzung einfach nur mechanisch funktioniert und überlebt. Ich wünsche dir für den 09. März ganz viel viel viel Kraft, aber bei den meisten Trauernden geht dann dieser Tag doch unkomplizierter vorbei als man sich das vorher im immer schneller drehenden Gedanken-Karussell ausmalt. Gestalte den Tag so schön und individuell wie du und dein Liebster gelebt haben, dann bleibt der Tag in "guter" Erinnerung (sofern man hier irgendwas als gut empfinden kann). Toll dass du jetzt jemanden zum Reden hast, obwohl richtig helfen kann dir jetzt in dieser Zeit niemand, einzig was jetzt helfen könnte, jemand bringt die liebste Person die du verloren hast wieder zurück. So war und ist meine Empfindung bis jetzt, und ich kann auch oft nicht ertragen wenn mich Freunde mit ihren Alltagssorgen und mit Smalltalk von meiner Trauer ablenken wollen. Aber so geht jeder Mensch anders mit der Trauer um, diese ist so individuell wie wir Menschen es sind.
      Wünsche dir viel Mut und Kraft für die Zeit nach der Beisetzung, wird leider auch nicht einfacher die Tage und Wochen danach wenn dich die Erkenntnis der Endgültigkeit immer wieder einholt. Was mir die letzten Wochen geholfen hat waren einige sehr gute Bücher um die Trauer zu verstehen und zu überleben. Kannst du im Buchhandel und im Internet mal suchen findest bestimmt was passendes.
      Mit deiner Bemerkung "Gott sei Dank, dass mein Mann nicht zu einem Pflegefall geworden ist." kann ich dir nicht zustimmen, wie gerne würde ich meine Frau noch pflegen wenn sie dafür noch da wäre und diese Leere an meiner Seite nicht wäre. Glaube mir alles ist besser als die Endgültigkeit des Todes.
      Aber das sieht bestimmt jeder Mensch anders.
      LG Roland
      Ach Puschelinchen, es tut mir sehr leid. Du wirst merken, dass wir alle das gleiche Schicksal meistern müssen. Wie alt war Dein Mann? Hatte er einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. So war es bei meinem Mann. Stunden vorher noch fit und Pläne für den nächsten Tag geschmiedet und dann finde ich ihn am nächsten Morgen tot im Bett. Ab diesem Zeitpunkt war plötzlich alles anders.
      LG
      malsa
      Liebe Grüsse
      malsa
      :)
      Ach ja - was soll man dazu noch sagen? Verstehen können es ohnehin nur die Menschen die selbst ähnliches mitgemacht haben; alles andere ist bloß "Bla, Bla", was einem in einer solchen Situation überhaupt nicht hilft.

      Ich umarme Euch und wünsche Euch ganz viel Kraft, wie ich sie auch noch vor wenigen Monaten gebraucht habe. Es sind jetzt 4 1/2 Monate vergangen so ganz langsam kann ich mal wieder an die Zukunft denken und kleine Pläne machen. Bislang fiel mir nur die Decke auf den Kopf; kann leider auch nicht viel raus, weil ich gehbehindert bin - umso schlimmer ist das hilflose "Eingesperrt" sein. Zusätzlich Schmerzen, Trauer, Einsamkeit - die ganze Palette ...
      Bin super froh, dass ich wenigstens noch meine Vierbeiner habe, die mich über vieles hinweg trösten!
      Hallo,

      vielen lieben Dank für Eure Anteilnahme. Auch ich spreche Euch mein herzliches Beileid aus und wünsche Euch viel Kraft und gute Gespräche - sei es auch nur virtuell.

      @ Christine
      Du hast völlig Recht. Ich wäre durchgedreht, wenn es irgendwo anders als bei mir passiert wäre. Gut, ich bin auch so durchgedreht, aber das ist noch mal etwas ganz anderes. Er war 2 Tage zuvor noch auf Dienstreise. Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wäre es dort passiert. Ich wünsche nur trotzdem keinem, aber der ein oder andere von Euch kennt das leider ja auch, neben seinem toten Partner aufzuwachen. Ich glaube wirklich, dass ich sagen kann, das war mein erstes richtiges traumatisches Erlebnis. Christine, ich wünsche Dir prallen Sonnenschein und einen tollen Frühling. Hoffentlich vermag Dir die Sonne ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

      @ Roland
      Auch an Dich - hab Dank. Richtig, jeder geht mit seiner Trauer anders um. Aber wie auch immer das sein mag, ich wünsche jedem, dass er für sich den richtigen Weg findet. Hier ist alles voller Bilder von uns - und ich mag es, immer noch. Für die Trauerfeier sollte ich ein Bild aussuchen. Das hab ich nicht geschafft. Es gab nicht DAS EINE Bild, was alles sagt. Ich habe ihm eine schöne Collage auf Leinwand erstellt, die nach der Trauerfeier einen Platz bei mir im Wohnzimmer findet. Das kann und mag nicht jeder, aber für mich fühlt es sich "gut" an.
      Ein Teil von mir stimmt Dir bei der Pflegefallsache wirklich zu. Er wäre noch da, ich hätte ihn noch. Aber um welchen Preis? Vielleicht gerade deshalb, weil sein Bruder ein schwerer Pflegefall geworden ist, bin ich mir sehr sicher, dass er das nicht gewollt hätte. Wir haben darüber lange Gespräche geführt. Ich zumindest wäre in solch einem Fall auch lieber tot. Aber wie auch immer hoffe ich, dass sie es gut haben, wo sie jetzt sind.

      @ Puschelinchen
      es gibt keine Worte, von daher fühl Dich bitte ganz feste gedrückt. Es tut mir sehr, sehr leid. Ich hoffe, Du hast Leute um Dich rum, mit denen Du reden kannst - über was auch immer. Ich schicke Dir eine dicke Portion Kraft

      @ malsa
      oh Mann, wie schrecklich bekannt mir Deine Geschichte vorkommt :(
      Es ist fürchterlich, es ist schmerzhaft, es ist sinnlos.
      Ich drück Dich

      @ therie53
      Ich freue mich, dass Du wieder kleine Pläne machen kannst. Genieße die Zeit mit Deinen Vierbeinern. Ich habe gerade einen Kater vor der Tastatur liegen, von daher weiß ich, was für kleine Seelentröster sie sind. Ich wüsste nicht, was ich ohne sie machen sollte.
      ____________

      Am Freitag habe ich für uns eine kleine, schöne Birke ausgesucht. Im Wald liegt Schnee, so dass man nicht alles richtig erahnen kann, aber ich glaube, wenn es Frühling wird, wird es dort richtig schön. In seiner Nachbarschaft stehen Buchen und Kirschbäume und wir haben eine Bank neben unserer Birke. Ich hoffe, es gefällt ihm dort.

      Grabvertrag und die Schilderbestellung waren für den Samstag geplant. Ich habe stundenlang über einen Spruch nachgedacht und ganze Tsunamis geheult. Ich habe einen schönen Spruch gefunden und weiter geheult. Dann habe ich alles eingescannt und für die Post fertig gemacht. Tja, es hat immer noch keiner die Stopp-Taste gedrückt. So langsam realisiere ich auch erst die gesamte Tragweite. So langsam erst begreife ich, was hier gerade passiert ist und was nie mehr sein wird. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: es ist scheiße und macht mir eine heiden Angst.

      War heute wieder auf der Arbeit. Ich habe letzte Nacht das letzte mal um halb zwei auf die Uhr gesehen, halb sechs der Wecker. Mein Gott, irgendwann muss doch mal der Punkt kommen, an dem man so hinüber ist, dass man mal früh schlafen kann. Wenn ich allerdings schlafe, dann auch gut und tief und fest. Wahrscheinlich mehr als manch anderer hier. Sonntag Morgen bin ich wach geworden und hab meinen Arm im großen Bogen nach links geschmissen. Er zielte ins Leere :(

      Ich wünsche uns allen eine gute Nacht und Kraft für den nächsten Tag!
      LIebe Lus!

      Auch mir passiert es immer noch,das ich Abends nach links schaue und " Gute Nacht " sagen will.Aber im gleichen Augenblick erschrecke ich und merke das alles ja ganz anders ist.
      Es war 52 Jahre eine Selbstverständlichkeit und nun seit einem 1/4 Jahr nur noch Leere.
      Hoffentlich geht der Frost bald aus dem Boden,denn kann der Grabstein gesetzt werden und ich kann das Grab schön bepflanzen.
      Darauf freue ich mich wenn ichs meinen Mann schön machen kann (klingt bischen kitschig aber mir gehts gut dabei ).

      LG Christine
      Hallo Heiko,

      Pflegefall - das war von mir definitiv nicht konkret genug benannt. Pflegefall ist natürlich nicht gleich Pflegefall. Wenn ich an Pflegefall denke, sehe ich vor mir meinen Schwager.
      Ich hoffe, Ihr wisst, dass ich mit dieser Aussage niemanden angreifen wollte. Ich habe da auch zu wenig Ahnung, um qualitativ mitreden zu können. Ich bewundere jeden, der in der Pflege tätig ist, seien es Angehörige oder auch Pflegekräfte. Was Ihr leistet bzw. geleistet habt, das können nur wenige.
      ________

      Schlafen konnte ich wieder nicht. Ich hab mich richtig erschreckt, als ich heute Morgen in den Spiegel gesehen habe - hab das fürchterliche Gesicht aber trotzdem gewaschen ;)
      Sah allerdings danach auch nicht besser aus. Noch 2 Tage bis zur Beerdigung. Täglich treffen irgendwelche Trauerkarten ein. Ich fand Karten früher immer schön, jetzt hasse ich es.

      Ich wünsche Euch einen schönen Abend,
      liebe Grüße,

      Laura
      Liebe Laura,
      mein Mann ist vor 7 Wochen am Krebs gestorben, nach 2 Jahren schwerer Krankheit.Mir geht es mal ganz gut, geh auch wieder zum arbeiten, mal bin ich nur noch am Weinen.Du hast noch 2 Tage bis zur Beerdigung. Ich möchte dir kurz erzählen, wie das bei mir war.Ich habe so eine Angst vor der Beerdigung gehabt und dachte, dass ich das nicht durchstehen werde. Aber es war gar nicht so. Mein Sohn hat in der 1. Woche bei mir geschlafen, in der Früh am Beerdigungstag kam auch meine Tochter. Sie waren so lieb zu mir. Ich habe keine Tablettengenommen, meine Tochter hat mir die Bachblütten-Rescue-Tropfen mitgebracht, die ich dann auch genommen habe. Dann sind wir zur Trauerfeier gefahren. Als ich die Aussegnungshalle betreten habe, habe ich so ein wahnsinniges Gefühl von Liebe und Frieden bekommen, das war unglaublich. Ich war richtig glücklich, ich kann das gar nicht beschreiben. Ich habe gefühlt, dass mein Mann ganz nahe und gesund bei mir ist und eine unglaubliche Liebe da ist. Und ich habe so eine Angst gehabt. Dieses Gefühl war noch den ganzen Tag so wunderbar. Hab also keine Angst, dein Mann wird auch bei dir sein, da bin ich mir ganz sicher. Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Mein Mann hat immer gesagt: Halt die Ohren steif, mein Herz. Das war immer
      ganz toll. Mein Trauerspruch in der Anzeige und auch auf dem Grabstein, den ich jetzt bestellt habe: Die Trennung ist nur vorübergehend.
      Ulla
      Hallo Laura,
      ich hatte auch ziemlich Panik vor der Beisetzung. Meine Frau hatte sich für den Friedwald entschieden. Da sie Konventionen hasste, sollte es auch kein entsprechender Rahmen sein. Also habe ich Abende nur Fotos herausgesucht, Musik zusammengestellt und unser Leben Revue passieren lassen.
      Ich wollte nicht, dass ein Fremder über ihr Leben spricht. Daher wollte ich das selbst machen, wohl wissend der Gefahr, ob ich das dann auch wirklich leisten kann.
      Letztlich hat mir die Vorbereitung eine sinnvolle Beschäftigung für die erste Zeit gegeben und mir jede Menge dankbarer Gedanken beschert.
      Auf der Trauerfeier habe ich dann über eine Stunde über unser Leben gesprochen. Es hat mir das Gefühl gegeben, dass ich noch etwas für sie habe tun können.
      Momentan erfüllt mich in Wellenbewegungen tiefe Dankbarkeit, unendliche Traurigkeit und auch Wut, dass uns so viel Zeit genommen wurde....
      LG - Emil
      Hallo Ulla,
      hallo Emil,

      mein herzliches Beileid auch an Euch.

      Heute war ein relativ guter Tag. Ich war mit dem Auto in der Waschstraße, damit der Traumwagen meines Mannes auch schön funkelt, wenn wir am Freitag zu ihm fahren. Meine Mutter hat mir was zu Essen gekocht und dann bin ich noch zu meiner Freundin gefahren. Permanentablenkung, so geht es einigermaßen. Ich habe festgestellt, dass es mich beruhigt, seinen Traumwagen zu fahren. Hätte ich nicht gedacht, ich fand es grauenhaft, seine Sitzposition zu verändern und wäre am liebsten wieder heulend aus der Garage gerannt. Ich hab es mir selbst verboten und mich gezwungen, auf das Startknöpfchen zu drücken. Und dann war sie da, eine innere Ruhe und ich fuhr. Ich verstehe so gut, warum er dieses Auto so geliebt hat und sah ihn vor mir, wie er mit einem fetten Grinsen im Gesicht am Steuer saß. Es tat mir gut.

      Wenn ich nach Hause komme, erwartet mich Gott-sei-Dank kein elendige, stumpfe Stille und Leere, sondern unsere Vierbeiner mit einem gigantischen Hunger. Wäre die Wohnung leer, ich wäre nicht hier.

      Meine Freundin hat mir homöopathische Tropfen gegeben, die ich jetzt immer brav nehme. Irgendwann muss es ja mal mit dem Einschlafen klappen. Ich war heute nicht arbeiten, Morgen auch nicht. Ich hab mir vorgenommen, Morgen Großputz hier zu machen. Rumsitzen und Wände anstarren geht nicht.

      Ich habe immer noch Bammel vor Freitag. Auch ich habe mich für den Friedwald entschieden. Da mein Mann urplötzlich im Alter von nur 44 Jahren verstorben ist, haben wir nie ernsthaft über das Thema gesprochen - warum auch? Wir hatten ja gedacht, wir haben noch ein paar Jahrzehnte Zeit. Von daher hoffe ich einfach, dass es auch in seinem Sinne ist. Auch ich würde niemals einen Fremden reden lassen. Ich verstehe Dich sehr gut, Emil. Ich habe das ganz große Glück in diesem Fall: eine meiner ältesten Freundinnen ist Pfarrerin und sie nimmt sich dieser schweren Aufgabe an. Sie kannte ja auch seit fast 20 Jahren meinen Mann. Eines weiß ich leider ganz sicher: das würde ich niemals schaffen, selbst zu reden. Emil, Chapeau, dass Du das konntest.

      Ich werde jetzt einen neuen Versuch starten. Projekt "Einschlafen"

      Ich wünsche Euch eine gute, friedliche Nacht :)
      Hallo Laura,

      ich wünsche dir, dass du den Freitag einigermaßen gut bewältigen kannst und vielleicht danach auch der Schlaf wieder etwas besser wird. Die ersten Wochen war es bei mir auch einen Katastrophe. Allerdings konnte ich schon ca. 6 Monate nicht mehr richtig schlafen. Versuche mir auch, die Tage möglichst bis zum Anschlag zu belegen, damit die Traurigkeit nicht zu übermächtig wird. Gehe immer möglichst spät zu Bett und dann mit einem Schlaftee, dass wirkt bei mir inzwischen meistens ganz gut.
      Das mit dem Auto kann ich gut verstehen. Das Auto meiner Frau fährt nun schon seit einigen Monaten mein Sohn, der kein eigenes hatte. Er behält es nun, weil er auch sagt, dass ihm das immer ein innere Freude bereitet, mit ihrem geliebten Auto zu fahren und er sich dann immer mit seiner Mutter verbunden fühlt.
      GLG - Emil
      Ja - Laura, wir wünschen Dir auch ganz viel Kraft für Freitag. Leider kenne die Beerdigungstage mittlerweile auch hinreichend. Ich war wie paralysiert auf dem Friedhof und habe bei weitem nicht alles verinnerlicht, was sich da abgespielt hat (habe es hinterher erst realisiert als ich die Verwandten erzählen hörte). Na ja, wer weiß, wofür es gut ist. Es ist der absolute Ausnahmezustand und das muss man wohl so hinnehmen.

      Ich umarme Dich und wünsche Dir alles alles Liebe !
    Liebeskummer Sorgen Forum