Unerwarteter Verlust

      Unerwarteter Verlust

      Hallo liebe Trauergemeinde,
      ich habe mich heute entschieden, ein derartiges Forum aufzusuchen, weil ich mit meiner Trauer alleine nicht mehr klar komme. Gestern ist mein Großcousin nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben, ein Mensch, den ich sehr geliebt habe und der mir wahnsinnig viel bedeutet hat. Allein die Vorstellung, ihn nie wieder sehen, nie wieder mit ihm reden zu können, ist unvorstellbar für mich. Der Schmerz und die Wut sind so groß, dass es mich innerlich zerreißt. An einen normalen Alltag ist momentan gar nicht zu denken, denn in jeder möglichen Situation bricht bei mir ein Heulkrampf aus. Dazu zerfrisst mich das Gefühl, meinem Großcousin nicht genügend gezeigt zu haben, wie lieb ich ihn hatte. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was genau ich mir hiervon erwarte...vielleicht tut mir einfach nur der Austausch mit Menschen gut, die nachempfinden können, wie es mir gerade geht...vielleicht helfen mir auch Bewältigungsstrategien, die anderen Menschen in meiner Situation geholfen haben...vielleicht ist es aber auch einfach das drüber Schreiben, das etwas Erleichterung bringt? Wie versucht ihr trotz des Verlustes eines geliebten Menschen weiterzuleben und habt auch ihr solche Gedanken, jemandem, der nicht mehr da ist, nicht gezeigt zu haben, was er eigentlich für euch bedeutet hat? Ich würde mich über ein paar Zeilen von euch freuen...
      Hallo Susann,
      es ist auf jeden Fall der richtige Schritt, sich hier mit ebenfalls Trauernden auszutauschen. Verständnis findet man fast überall, aber ein Nachempfinden ist unter Betroffenen einfach leichter.
      Ich verstehe, dass du dich mit Unausgesprochenem quälst, aber es ist schön, dass du diese liebevollen Gefühle für deinen Großcousin hattest und hast. Sicher hat er das auch so gewusst, man muss nicht alles sagen.
      Bei mir sind es nun schon und auch erst 7 Wochen her, dass meine Frau gestorben ist. Es ist wie eine Wellenbewegung. Mal geht es einigermaßen gut und dann erwischt mich die Traurigkeit wieder mit voller Gewalt.
      Ich versuche mich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, die ich mit meiner Frau und meinen Kindern gemeinsam hatte, auch die, der letzten Monate. Das macht mich für so vieles dankbar und das ist etwas das bleibt.
      Einfach ist es nicht, es würde sich aber zur Zeit auch komisch anfühlen, wenn es anders wäre.
      Folge deinen Gefühlen und tue dir etwas Gutes.
      Liebe Grüße - Emil
      Hallo Emil,
      ich lese gerade über die Wellenbewegungen beim Trauern . Du sprichst mir aus der Seele.Ich habe schon oft darüber nachgedacht. Es ist fast wie bei einer Geburt bei den Wehen, es sind Wellenbewegungen. Es ist schon interessant, dass Geburt und Tod so nah zusammen genannt werden können.
      Ich versuche mich auch auf die wunderschönen Dinge zu konzentrieren, die wir zusammen erlebt haben, aber es tut schon verdammt weh, und trotzdem muss ich dabei lächeln.
      Mein Mann konnte die letzten 2 Monate nicht mehr mit mir sprechen, er hatte zu der furchtbaren Krebserkrankung noch eine Hirnblutung bekommen. Aber eigentlich mussten wir das auch gar nicht. Er hat mich verstanden, wenn ich mit ihm gesprochen habe. Es reichte unser Blick in die Augen und eine Umarmung und viele Küsse, das war wunderschön.
      Ich bin für ihn so froh, dass er nicht mehr gepflegt werden muss, es war schlimm für ihn. Mein Mann war Ingenieur und hat sich für so vieles interessiert, unter anderem für Wasserkraft. Wir haben auch ein Wasserkraftwerk. Er hat sich auch so sehr für alte Bauten, Pyramiden usw. interessiert. Da hat er immer gesagt, dass werde ich im nächsten Leben machen. Hoffentlich kann er das. Ich liebe ihn so sehr.
      LG Ulla
      Hallo Ulla,
      das ist ja auch das, was ich Susann schrieb, Liebe benötigt nicht vieler Worte. Liebe ist ein Empfindung und keine Bechreibung.
      Ich beneide jeden, der mit seinem Glauben weiter voraus denken kann. Das ist mir leider nicht gegeben.
      Gut verstehen kann ich deine Gedanken, dass es gut ist, dass dein Mann erlöst ist.
      Mir ging es ähnlich. Es ist fürchterlich, den liebsten Menschen den man hat, so leiden zu sehen.
      Für mich war es ein innerlicher Zerriss. Bitte erlöse sie und im nächtsen Moment, nein - bitte alles bloß das nicht.
      Sie fehlt mir so.....

      VG - Emil
      Hallo Ulla, hallo Emil
      das mit dem Auf und Ab kann ich gut nachempfinden. In einer Minute denkt man, das Leben wird irgendwie weiter gehen, doch dann übermannt einen plötzlich wieder diese Wut und Trauer und man fragt sich, wie man das ohne diesen Menschen schaffen soll. Mich bedrückt besonders, dass ich keine Möglichkeit mehr hatte, Abschied zu nehmen. Mein Großcousin wohnte in Baden-Württemberg, ich in Sachsen, und seine engste Familie duldete den Kontakt nicht aus mir bis heute nicht bekannten Gründen. So konnte ich ihn nur noch einmal im Krankenhaus besuchen, was aber in Anwesenheit seiner Frau eine eher angespannte Atmosphäre war. Daher hatte ich mir vorgenommen, dieses Wochenende noch einmal alleine hinzufahren, um ihm zu sagen, wieviel er mir bedeutet und auch schon immer hatte. Doch das hab ich nicht mehr geschafft, da er keine Kraft mehr hatte. Das tut umso mehr wehr und ich mach mir Vorwürfe...manchmal wünschte ich mir, dass wäre alles nur ein böser Traum, man würde aufwachen und alles wär wieder gut...
      Liebe Susann, lieber Emil

      leider ist es hier - glaube ich - nicht so gerne gesehen, über das Leben oder den Glauben danach zu schreiben. Aber liebe Susann, ich bin mir sicher, dass Dein Cousin das jetzt weiß, dass Du ihn so sehr
      gemocht hast.
      Ich könnte jetzt viel über meine Erfahrungen darüber schreiben, aber leider....

      GLG Ulla
      Da kann ich monalisa nur zustimmen. Dazu ist doch dieses Forum da! Um sich auszutauschen, nichts in sich hineinzufressen und alles nur mit sich selbst ausmachen zu müssen. Denn das macht einen Menschen von innen heraus kaputt. Und vielleicht kannst du uns in unserem Trauerprozess ebenfalls unterstützen?

      LG Susann
      Hallo Susann,

      auch an Dich mein herzliches Beileid. Deine emotionale Bindung zu Deinem Großcousin war sehr stark und Du kannst davon ausgehen, dass er wusste, wie Du denkst und fühlst. Ich habe meinem Mann am Abend zuvor auch keine gute Nacht gewünscht, ich war so müde, ich bin einfach eingeschlafen. Am nächsten Morgen war alles anders... Und ich hab ihm nicht mehr gute Nacht gewünscht und gesagt, dass ich ihn liebe - wie eigentlich jeden Abend. Aber ich bin mir sicher, er wusste es. Mach Dir bitte keine Vorwürfe, das führt zu nichts. Denk an die schönen Zeiten mit ihm. Die Vorwürfe fressen Dich nur unnötig auf.

      Auch ich habe mich hier angemeldet, da ich zwar viele Leute um mich rum habe, mit denen ich reden kann und die für mich da sind, die aber (Gott-sei-Dank) nicht wissen, wie es ist, in dieser Situation zu sein. Was es mit einem macht, wenn ein Teil von einem selbst mitstirbt, wenn der geliebte Mensch geht. Es ist grauenhaft und da bringen auch alle Worte leider nichts. Aber hier sind wir alle - wie heißt es so schön - im selben Boot. Mir hilft es, einfach mal runter zu schreiben, wie es mir geht und was gerade in mir los ist. Und ich weiß, dass meine Adressaten hier genau verstehen, was ich meine und wie ich fühle.

      Denke nicht nach, schreib es Dir hier von der Seele, vielleicht hilft es Dir so, wie es auch mir hilft. Ich hoffe es.

      Fühl Dich gedrückt, liebe Grüße,

      Laura
      Liebe Susann,

      zunächst einmal mein herzliches Beileid zum Tod deines geliebten Großcousins.

      Bei mir war dieser unendlich wichtige, über alles geliebte Mensch im meinem Leben - vergleichbar mit deinem Großcousin - meine Mutter.

      >>Dazu zerfrisst mich das Gefühl, meinem Großcousin nicht genügend gezeigt zu haben, wie lieb ich ihn hatte.

      An Schuldgefühlen leide ich leider auch in Bezug auf meine Mutter - diese belasten mich eigentlich noch mehr als die Tatsache ihres Todes, mit der ich so einigermaßen umgehen kann, da sie ja doch ein gesegnetes Alter erreicht hat. MIch quält vor allem der Gedanke, dass ich in der Zeit der Pflege, als ihr Tod noch nicht direkt absehbar war, in einigen Situationen einfach versagt habe und meinem Frust freien Lauf gelassen habe. Ich habe sie zwar nie persönlich angegriffen oder beleidigt, aber eben doch auf wenig rücksichtsvolle Weise zum Ausdruck gebracht, wie belastend diese ganze Situation für mich war. Und das war für sie natürlich gar nicht schön, da sie mir ja nicht zur Last fallen wollte, aber eben das nun ziemlich deutlich zu hören bekam. Ich hätte mich sicher anders verhalten, wenn ich damals gewusst hätte, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben hat. Aber damals war die Perspektive eben eine andere - ich wusste einfach nicht, wie das alles noch weitergehen soll, und hatte ja praktisch kein eigenes Leben mehr, weil ich sie mehr oder weniger den ganzen Tag über betreuen musste.

      Ich denke, mit diesem Bewusstsein, mich daneben benommen zu haben, muss ich nun einfach weiterleben, das kann mir niemand abnehmen.

      Aber sicher hätte sie mir verziehen bzw. verzeiht sie mir, insofern ich von ihrer Fortexistenz in einer anderen Dimension ausgehe, denn sie war ein sehr lieber, großzügiger Mensch und sie hat mich sehr geliebt. Gestern habe ich noch mein gerahmtes KInderbild in ihrem Rucksäckchen gefunden, das sie als "Notfalltasche" an der Garderobe hängen hatte mit Sachen zum Mitnehmen, falls man in einem Notfall mal schnell das Haus verlassen müsste. Da sind bei mir wieder viele Tränen geflossen, weil mir wieder bewusst wurde, wie sehr sie mich geliebt hat.

      Was ich damit sagen will, liebe Susann: Schuldgefühle gehören beim Verlust eines geliebten Menschen wohl recht oft zur Trauer dazu. Und das Gefühl, die Liebe nicht genug zum Ausdruck gebracht zu haben, ist noch relativ harmlos im Vergleich zu dem Gefühl, sich trotz großer Liebe in einer Situation relativ lieblos verhalten zu haben.

      Jetzt, da ich das schreibe, muss ich schon wieder weinen - ich denke immer, ich habe mich nach 4,5 Monaten größtenteils mit dem Verlust schon abgefunden und bin bereit, in ein neues Leben zu starten. Trotzdem holt es mich dann auch immer wieder ein ... Aber ich denke, das ist auch gut so, denn die Tränen fließen ja sozusagen "zur Ehre" des geliebten Menschen, der mir so viel bedeutet und der so viel für mich getan hat. Wenn ich jetzt schon gar nicht mehr weinen würde, müsste ich mich ja schämen, denn das würde ja bedeuten, mir wäre der Verlust schon egal ... So seltsam es vielleicht klingt: Insofern bin ich auch glücklich darüber, diese Tränen hin und wieder vergießen zu dürfen.

      Lieben Gruß
      Marion

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Marion68“ ()

      Taube schrieb:

      Liebe Susann, lieber Emil

      leider ist es hier - glaube ich - nicht so gerne gesehen, über das Leben oder den Glauben danach zu schreiben. Aber liebe Susann, ich bin mir sicher, dass Dein Cousin das jetzt weiß, dass Du ihn so sehr
      gemocht hast.
      Ich könnte jetzt viel über meine Erfahrungen darüber schreiben, aber leider....


      Liebe Ulla,

      so wie ich das verstanden habe, ist nur die Werbung für Medien unerwünscht, die Jenseitskontakte gegen Bezahlung herstellen. Ich denke nicht, dass etwas dagegen spricht, über eigene Erfahrungen wie Nachtodkontakte zu berichten.

      LG
      Marion

      Marion68 schrieb:



      An Schuldgefühlen leide ich leider auch in Bezug auf meine Mutter - diese belasten mich eigentlich noch mehr als die Tatsache ihres Todes, mit der ich so einigermaßen umgehen kann, da sie ja doch ein gesegnetes Alter erreicht hat. MIch quält vor allem der Gedanke, dass ich in der Zeit der Pflege, als ihr Tod noch nicht direkt absehbar war, in einigen Situationen einfach versagt habe und meinem Frust freien Lauf gelassen habe. Ich habe sie zwar nie persönlich angegriffen oder beleidigt, aber eben doch auf wenig rücksichtsvolle Weise zum Ausdruck gebracht, wie belastend diese ganze Situation für mich war. Und das war für sie natürlich gar nicht schön, da sie mir ja nicht zur Last fallen wollte, aber eben das nun ziemlich deutlich zu hören bekam. Ich hätte mich sicher anders verhalten, wenn ich damals gewusst hätte, dass sie nur noch wenige Wochen zu leben hat. Aber damals war die Perspektive eben eine andere - ich wusste einfach nicht, wie das alles noch weitergehen soll, und hatte ja praktisch kein eigenes Leben mehr, weil ich sie mehr oder weniger den ganzen Tag über betreuen musste.

      Ich denke, mit diesem Bewusstsein, mich daneben benommen zu haben, muss ich nun einfach weiterleben, das kann mir niemand abnehmen.


      Ganz genau so ist das bei mir auch! Den Tod an sich zu akzeptieren ist schwer, aber mit solchen Vorwürfen weiterzuleben, macht das noch viel schwerer. Auch ich war in letzter Zeit immer wieder abweisend zu meinem Großcousin, weil ich allgemein irgendwie eine depressive Phase durchgemacht habe. Als ich erfahren hatte, wie schlecht es ihm geht, wurde mir schlagartig bewusst, wie wichtig er mir ist und dass ein Leben ohne diesen Menschen nicht vorstellbar ist. Da hatte ich es mir fest vorgenommen, ihm genau das noch einmal zu sagen - doch es war zu spät, weil seine Familie uns nicht auf dem Laufenden über seinen Gesundheitszustand gehalten hat...

      Aber du hast Recht, die Tränen sind eigentlich nur der Ausdruck, dass eine der mensch, um den man trauert, so viel bedeutet hat. Und diese Tränen müssen wohl auch sein, um seine Trauer rauszulassen...
      Hallo an alle, die mir geantwortet haben,

      es ist nicht leicht, in Worten auszudrücken, was man glaubt und was Gewissheit für einen ist, weil
      man einfach schon viel in seinem Leben erlebt hat.
      Wäre unser jetziges Leben nicht völlig sinnlos, wenn es nur dieses Leben gäbe ?
      Ich würde Euch so gerne zu mir einladen und sagen: Kommt doch heute Abend auf ein Glas Wein oder
      Kaffee oder sonstwas bei mir vorbei, damit wir in Ruhe unsere Gedanken austauschen können, ein
      bisschen weinen, ein bisschen lachen und voneinander lernen können. Das wäre echt toll !
      LG Ulla
      Ihr seid alle wunderbar hier, es tut gut, sich mit euch auszutauschen! Es wird eine harte Zeit, das ist mir bewusst, aber es ist eine große Erleichterung, ohne Bedenken oder Ängste hier schreiben zu können, wie man sich fühlt, was einem gerade durch den Kopf geht oder einen gerade bedrückt.
      Ich selbst habe für mich entschlossen, wenn sich der erste Schock etwas gelegt hat, alle Gedanken über meinem Großcousin, was ich ihm hätte gern noch gesagt, niederzuschreiben...
      Ich habs noch lesen können und fand es wunderbar! Verstehe aber natürlich die Kritik bezüglich des Urheberrechts.

      Ich muss euch mal was anderes fragen...wie ihr wisst, zerfrisst es mich innerlich, dass ich meinem Großcousin nicht nochmal sagen konnte, was er mir bedeutet hat || Da kam mir eine Idee: Ich würde ihm gern einen Brief schreiben mit all den unausgesprochenen Gedanken und Gefühlen und diesen an einen Heliumballon hängen, um ihn in den Himmel steigen zu lassen. Hat das schon mal einer von euch gemacht bzw. ist das überhaupt einfach so erlaubt?
    Liebeskummer Sorgen Forum