vermisse meine Mutter...

      Hallo Ihr Lieben,
      ich bin seit gestern neu hier und dies ist mein erster Kommentar. Beim kummervollen Stöbern im Internet bin ich auf diese Seite gestossen, habe Eure Beiträge gelesen und mich und meine Gefühlswelt sofort darin wiedererkannt. Eigentlich hatte ich nach Infoseiten zur Selbstanalyse und Selbsthilfe bei Depressionen gesucht und dabei den Link entdeckt. Allein das Lesen und Erkennen, wie vielen es geht wie mir, ist sehr, sehr tröstlich. Meine Situation ist Euren ähnlich - ich bin 54 und meine Mama ist vor 4 Monaten mit 81 Jahren gestorben. Trotzdem sie auf Hilfe angewiesen war, ein schwaches Herz hatte und ich sie täglich unterstützt habe (Duschen, Einkaufen, mit dem Rollstuhl spazierenfahren etc.) war meine Mama geistig voll fit und eher jugendlich im Wesen und Ihr Tod völlig überraschend. Es tut dem Herzen gut zu erfahren, dass man sich nicht schämen muss, nach Monaten zu trauern wie in den ersten Tagen.
      Willkommen, liebe Frizzi.

      So langsam können wir hier einen "Trauernde-Ältere-Töchter-Club" aufmachen.

      Meine Mama war bis auf die letzten Wochen auch geistig voll fit und hatte ein jugendliches Wesen. Da ist das Vermissen natürlich groß, aber andererseits müssen wir auch dankbar sein, dass es so war. Viele müssen aufgrund von Demenz natürlich auch schon jahrelang vor dem Tod Abschied von der Mutter nehmen, insofern die Persönlichkeit weitgehend zerfällt und die Mutter nicht mehr als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Da verteilt sich die Trauer dann eben über einen längeren Zeitraum des Abschiednehmens und ist dann im Moment des Todes vielleicht weniger intensiv.

      Sicher hast du auch meine anderen Beiträge gelesen. Bei mir persönlich ist ja die Trauer momentan schon etwas in den Hintergrund getreten, weil mich vor allem die Existenzsorgen bezüglich des Hausverkaufs plagen und ich hier nun meinen "Kriegsschauplatz" habe. Vielleicht ist das ja auch gut so, dass ich da momentan ein Projekt am Laufen habe, das mich täglich in Atem hält ... Anfang des Jahres ging es mir jedenfalls noch ziemlich dreckig und ich habe vor dem Kauf meiner neuen Wohnung auch überhaupt keine Perspektive gesehen.
      auch von mir ein herzliches Willkommen Frizzi und vor allem auch mein aufrichtiges Mitgefühl zum Verlust deiner Mutter...
      ja erstaunlich, dass unsere Situationen, Emotionen und alles was mit unserer Trauer verbunden ist so ähnlich sind...
      auch ich hätte das am Anfang nicht gedacht als ich mich hier angemeldet habe...schön, dass wir hier gelandet oder besser gestrandet sind...
      im normalen Alltag bewerten die Menschen ganz schnell wessen Trauer oder wessen Verlust am schwersten wiegt...im Vordergrund steht da immer der Verlust des Partners. Das ist ohne Zweifel eine Katastrophe und sehr schlimm...
      Aber auch wir die, wie Marion auch schon geschrieben hat, aus unterschiedlichen Gründen, keine eigene Familie haben, erleben den Verlust unserer Mütter jetzt ebenso schlimm...
      Man fühlt sich allein, einsam, nirgendwo gehört man mehr hin, niemand der auf einen wartet, niemand der sich sorgt...
      und wir müssen uns keineswegs schämen Frizzi, dass wir noch immer trauern, egal ob Wochen, Monate, Jahre...
      bei mir sind es heute 11 Wochen und ich weiß nicht wie ich diese überstanden habe...
      wenn ich alleine bin so wie heute, könnte ich den ganzen Tag heulen und tue es auch dauernd...
      ich muss das Alleinsein erst lernen, es macht mich wahnsinnig...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „JHa69“ ()

      Danke für die lieben Worte und Euren Zuspruch. Ich drücke Euch mal fest aus der Ferne und hoffe, ich kann Euch mit dem einen oder anderen Gedankengang auch etwas trösten. Es hilft mir immer ein wenig, wenn ich mich an die Gespräche und Gefühle miner Mama erinnere, wenn sie selbst von ihrer Mutter - meiner Oma - gesprochen hat. Ebenso in Erinnerungen geschwelgt hat wie ich nun und auch 20 Jahre nach dem Tod meiner Oma noch meinte „es gibt immer wieder Momente, da vermisse ich sie ganz arg“ und ihr dann die Augen feucht wurden. Ich habe dann keine Angst, dass der Schmerz nicht nachlassen wird, das wird die Zeit ganz sicher heilen - bei jedem von uns in einem anderen Tempo. Aber diese Erinnerungsmomente mit Herzens-Seufzern werden mit warmen liebevollen Gedanken einhergehen und wie Marion treffend gemeint hat, mit Dankbarkeit, dass wir so eine lange und innige Beziehung haben durften. Das ist nicht jedem vergönnt wie ich bei Freundinnen erlebt habe und dann kommt zur Trauer über den Tod noch die Verzweiflung über die verpassten Gelegenheiten weil sich Mutter und Tochter nicht verstanden haben. Ich denke wir haben unseren Mamas sehr innig nahegestanden und es gab keinen ungeküssten Kuss, keine nicht gemachte Umarmung und kein liebevolles Wort, das nicht gesprochen wurde ...und das finde ich sehr tröstlich. Schuldgefühle, weil man manchmal wegen der doch anstrengenden Pflege insgeheim etwas genervt war, sind offensichtlich ganz normal und hatte meine Mama auch, als wir meinen verstorbenen Papa gepflegt haben.
      liebe JHa69, lieber Heiko,
      dass sich ganz sicher nach 11 kurzen Wochen und auch nach 8 Monaten das Alleinsein noch fremd anfühlt, kann ich gut verstehen. Ich denke nun oft über den Begriff „Trauerjahr“ nach und er hat nun tatsächlich eine andere Bedeutung für mich...in einem Jahr der Trauer durchläuft man alles zum ersten Mal ohne den geliebten und vermissten Menschen. Ich vertraue darauf, dass es danach besser ist und der Schmerz „milder“, weil man ihn schon kennt..das wünsche ich mir auch sehr für Euch. :knuddeln:
      Liebe Frizzi, ganz lieben Dank für deine tröstenden Worte, ich kann sie gerade gut gebrauchen.
      Ich habe heute einen ganz furchtbaren Tag. Habe heute Mittag versucht bei dem Frühlingswetter ganz normale Sonntagsdinge zu tun. War spazieren und dann Kaffetrinken, aber es hat mir nicht gut getan. Jetzt auf dem Heimweg habe ich nur geweint. Ich kann ständig nur daran denken,dass meine Mutter all diese Dinge nicht mehr tun kann. Ich vermisse sie immer mehr. Es tut körperlich weh, kann es nicht mehr aushalten....
      Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie es weitergehen soll, fühle mich so erschöpft und ausgelaugt von diesem Monster namens „Trauer“
      Wo nimmst du die Kraft her so stark zu sein? Ich die sonst immer eine Macherin war fühle mich zur Zeit nur noch klein und hilflos...
      Liebe JHa69, so stark wie es scheint bin ich nicht. Ich kann Dein Gefühl gut nachvollziehen, geht mir ganz oft jetzt auch so. In der Arbeit schleppe ich mich meist nur durch, funktioniere teilweise in jedem Bereich automatisiert nur am unteren Level und könnte mich viele Tage einfach nur ins Bett legen, weil ich so müde bin. Trauer strengt körperlich sehr an. Ich bin eigentlich auch immer Macherin und erschrecke manchmal, weil ich so kraftlos bin und mich so unsicher und ungeliebt fühle. Wenn ich aber dann hier erfahre, dass es Euch auch so geht, beruhigt es mich, dass meine Gefühle offensichtlich ganz normal sind. Vielleicht tröstet es Dich auch ein wenig, wenn Du weißt, dass ich wie so viele hier auch so empfinden wie Du. Ganz sicher gibt es auch viele weitere Trauernde, die unsere Beiträge lesen und getröstet sind, ohne sich zu beteiligen. Lass Deine Trauer jederzeit zu und gib Deinem Herz Raum dafür und vertraue darauf, dass es besser werden wird - es dauert nur seine Zeit. Fühl Dich herzlich umarmt und verstanden. lg
      Lieber Heiko,
      schön, dass du am Wochenende etwas Kraft tanken konntest an euren gemeinsamen Ort und deiner Frau dort nah sein konntest....das freut mich... :)
      Bei mir ist eher so, dass mich in der gewohnten Umgebung wo alles an meine Mutter erinnert, die Trauer ganz besonders beutelt....
      In 3 Wochen werde ich aber nach Sylt fahren, einer der Lieblings– und bis zuletzt Sehnsuchtsorte meiner Mutter. Wir waren oft gemeinsam dort, aber auch jede allein....
      Ich hoffe, dass ich dort etwas zur Ruhe komme und will mit dieser Reise auch einen großen letzten Wunsch meiner Mutter erfüllen, „nocheinmal ans Meer zu fahren“....

      glg
      Judith
      Liebe Frizzi,
      das kenne ich auch, dass ich auf der Arbeit nur am unteren Level funktioniere und ja es tröstet mich, dass wir hier alle ähnliche Gefühle haben, vorallem tröstet es, dass, man hier jederzeit sagen darf, man fühlt sich immer noch beschissen. Ohne, dass alle schnell das Thema wechseln oder betreten schweigen...
      Auch ich möchte darauf vertrauen, dass es mit der Zeit vielleicht leichter wird...ich möchte auch alles aushalten aber es kostet mich alle Energie...
      Und mir als sehr ungeduldigem Mensch fällt das besonders schwer...
      glg und einen guten Start in die neue Woche, fühle dich umarmt :knuddeln:
      Judith
      Woche 12 ohne Dich...mir ist schlecht vor Angst, Einsamkeit, Tränen, Wut....
      Warum kann man die Zeit nicht zurück drehen?
      Wie soll alles nur weitergehen....wie soll ich diesen Schmerz noch länger aushalten?
      Ich habe das Gefühl je mehr Zeit vergeht, desto weher tut es, desto endgültiger die Gewissheit...es gibt kein zurück
      Ja, genau so geht es mir auch...die Zeit arbeitet nicht wirklich für einen, zumindest für mich nicht, denke ich immer. Es ist nicht mehr wie es war und wird auch nie mehr so sein. Manchmal kann ich nicht glauben, dass die Zeit wirklich vergeht, dann frage ich mich, wie überhaupt ein Tag vergehen konnte und dann fühlt es sich an wie eine Ewigkeit, seit ich das letzte Mal hier auf Erden meinen geliebten Vater im Arm halten durfte. Mir fehlt er so sehr, dass ich es kaum beschreiben kann und nachdem ich noch nicht mal damit umgehen kann, einen meiner beiden Elternteile verloren zu haben, kämpfe ich mit Mutti um ihr Leben und versuche irgendwie zu funktionieren. Sie vermisst meinen Vater auch so sehr und muss nun auch noch selbst so großes Leid ertragen. Ich frage mich ganz oft nach dem Sinn des Lebens :(

      Ich drück dich

      m-m-chen
      M-m-chen, ich kann dich so gut verstehen. Alle sagen, die Zeit mache den Schmerz erträglicher und ich frage mich was damit gemeint ist.Im Augenblick fühle ich nur das Gegenteil. Mein Vater ist bereits vor fast 13 Jahren gestorben, auch diesen Schmerz habe ich glaube ich nur aushalten gelernt und ich hatte meine Mutter noch. Auch bei mir waren die letzten Jahre von der Sorge um meine Mutter geprägt. Im letzten Jahr hat sie gesundheitlich stark abgebaut und wir waren mehrmals im Krankenhaus. Danach gab es immer kurze Phasen in denen es besser ging, bis zum nächsten Krankenhausaufenthalt. Aber sie war da und ich dachte es geht ewig so weiter. Bei ihrem letzten Krankenhausaufenthalt im Januar hat sie sich dann nicht mehr erholt. Es war mir unvorstellbar, dass sie sterben könnte und doch ist es passiert. Ich hätte sie so gerne festgehalten hier in diesem Leben. Und manchmal denke ich, ich habe nicht genug gekämpft....
      Jetzt nach 12 Wochen ist es mir noch immer unwirklich, dass sie nicht mehr da ist, dass alles so bleiben wird und auch ich frage mich wie konnte diese Zeit überhaupt vergehen...
      Immer weiter rückt die gemeinsam verbrachte Zeit weg, der Schmerz gräbt sich tiefer und tiefer. Alle Kraft und Energie saugt dieser Schmerz auf...
      Ich wünsche dir ganz viel Kraft auf dem Weg der Trauer um deinen Vater und beim Kampf um das Leben deiner Mutter. Ich wünsche dir, dass du Unterstützung dabei hast und du deine Mutter nicht auch verlieren musst.
      Sei herzlich umarmt und fühl dich gedrückt von mir
      :knuddeln:

      Judith
      Liebe Judith,

      genau das, was du schreibst, war und ist bei mir auch. Nie hätte ich daran gedacht, dass Vati den letzten KH-Aufenthalt nicht überlebt. Genau wie du denke ich oft, was hätte ich anders/besser machen können. Damit komme ich auch überhaupt nicht klar. Und auch wenn man weiß, dass man nur Gast auf Erden ist, so schiebt man diesen Gedanken doch ganz weit vor sich her. Bis man auf den Boden der Tatsachen geholt wird - mit voller Wucht. Es tut mir so leid, dass du deinen Vater schon vor vielen Jahren hergeben musstest und jetzt auch deine Mutter - man bleibt doch immer das Kind seiner Eltern.

      Mich tröstet irgendwie gar nichts, ich hadere oft und zweifle und muss aufpassen, nicht zu verzweifeln, weil meine Mutti mich braucht. Ich bin zum Glück nicht ganz alleine, habe meine kleine Familie, die nun noch aus meiner Mutti, meinem Mann und meinem Sohn an meiner Seite besteht. Klein aber fein, aber nun nicht mehr komplett :( Meine Eltern waren schon viel früher als ich ohne ihre Eltern, eigentlich müsste ich dankbar sein - was ich natürlich auch einerseits bin. Aber es gibt eben noch andere "Kinder", die ihre Eltern noch länger haben dürfen. Und das macht mich dann wieder noch trauriger. Und da das nicht viele Menschen verstehen ist es schön, hier Menschen zu treffen, bei denen man sich nicht rechtfertigen muss, was man und wie man fühlt.

      Danke dafür...

      Sonnige Grüße

      m-m-chen
      Hallo ihr lieben,
      auch ich trauere seit Anfang diesen Jahres, weil ich meine Mama verloren habe...
      Auf der Suche nach irgendetwas Brauchbarem im Internet bin ich vor einiger Zeit auf diese Seite gestoßen; nun habe ich mir gedacht, mich auch einmal zu Wort zu melden.
      In allem was ich bisher von euch gelesen habe, erkenne ich mich wieder.
      Die ganzen Gefühle...
      Das Auf und Ab...
      Die Menschen die einen einfach nicht verstehen, obwohl sie es möchten. Obwohl, wenn mir jemand in dieser Situation im letzten Jahr begegnet wäre, hätte ich diese Person auch nicht verstehen können. Wenn man es nicht selbst erlebt hat / noch durchmacht, kann man es nicht nachvollziehen, dies ist einfach unmöglich...
      Meine Mum ist vor 3 Monaten gestorben und ich weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll...

      Umso erstaunlicher ist es, dass ich beim durchlesen dieses Threads erfahren habe, dass es wohl tatsächlich irgendwann besser wird. Alleine deswegen hat es sich gelohnt, eure ganzen Beiträge durchgelesen zu haben...

      Ich fühle mit euch, es tut mir sehr leid für euch alle. Es fühlt sich alles so an, als ob ein Mensch allein dies eigentlich nicht ertragen könnte; aber natürlich haben dies schon einige andere durchgestanden... Auch sie hätte gewollt, dass es mir irgendwann besser geht!!!
      Liebe JayJay,

      das tut mir sehr leid, dass du deine Mama schon so früh verloren hast. Ich stelle mir das wirklich schlimm vor und wünsche dir für deinen weiteren Weg viel Kraft.

      Ich durfte meine Mama 20 Jahre länger haben, wie du meinem Benutzernamen entnehmen kannst. Das macht die Sache vielleicht etwas einfacher, weil man sich in diesem Alter wohl eher mit der Vergänglichkeit abfinden kann, aber schwer ist es trotzdem, was du allein schon an der Tatsache siehst, dass ich nach 5 Monaten auch immer noch ziemlich aktiv in diesem Forum bin. Zumal dann eben in meinem Fall auch noch Schuldgefühle hinzukommen, weil man die hochbetagte Mutter irgendwann mehr oder weniger für "unsterblich" hielt, mit der Zeit auch etwas nachlässig in seinen Bemühungen wurde und ihre Anwesenheit irgendwann wohl auch als etwas zu selbstverständlich hinnahm und vielleicht nicht immer in dem Maße geschätzt hat, wie sie es eigentlich verdient hätte.

      Du schreibst "natürlich haben dies schon einige andere durchgestanden". Ich tröste mich unter anderem auch mit eben diesem Gedanken, mit dem meine Mutter mich nach dem Tod meines Vaters getröstet hat, den ich mit 28 Jahren verlor: "Da müssen alle anderen auch irgendwann durch ...", sagte sie. Und so ist es tatsächlich. Jeder ist zwar allein mit seiner Trauer um diesen einen Menschen, den nur er gekannt hat und der nur ihm etwas bedeutet hat. Aber gleichzeitig ist man sich auch bewusst, dass dies tatsächlich unser gemeinsames Schicksal ist, das den einen eben leider früher und den anderen später trifft. Und dieser Gedanke gibt schon etwas Kraft, finde ich. Dass es, so ungeheuerlich es auch für den Einzelnen sein mag, doch eine existenzielle Erfahrung ist, die uns Menschen miteinander verbindet und unausweichlich zu uns gehört.

      Einen lieben Gruß an dich und alles Gute
      Marion

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Marion68“ ()

      Hallo liebe JayJay,
      meine aufrichtige Anteilnahme zum Tod deiner Mama. Wie ich in deinem Profil sehe ist sie nur zwei Tage nach meiner Mama gestorben.
      Fast 15 unendlich lange Wochen sind seit dem vergangen. Ich weiß wie du dich fühlst, du hast aber recht damit, dass wir es vorher auch nicht wußten wenn andere in dieser Situation waren, sie nicht richtig verstehen konnten.
      Meine Mutter hat ihre Mutter verloren als sie 24 war und auch jetzt mit 83 hat es sie noch geschmerzt, nicht dauernd aber hin und wieder. Wenn sie darüber gesprochen hat konnte ich es nicht verstehen und habe manchmal gesagt, „das ist doch schon so langen her...“
      Oder im letzten Jahr ist die Mutter einer Kollegin gestorben, ich hatte Verständnis für sie, habe viel mit ihr darüber gesprochen, aber wie ich jetzt weiß hatte ich keine Vorstellung wie sie sich fühlte. Vieles worüber wir gesprochen haben habe ich erst jetzt verstanden.
      Was ich für mich in den letzten Wochen gelernt habe, ist, dass ich auf mich, auf mein Bauchgefühl hören muss. Nichts tun von dem andere Denken, dass es gut für mich ist.
      Nicht für andere funktionieren wollen, alles zulassen was die Trauer und der Verlust von uns abverlangen. Den Schmerz bewußt annehmen, alles rauslassen...erst das hat mir ein klein wenig Ruhe gebracht.
      Aber ich bin noch weit davon entfernt in diesem so anderen Leben angekommen zu sein...
      Ich wünsche dir, dass du Menschen hast die für dich da sind, die einfach zuhören, deinen Schmerz, deine Tränen, deine Wut, alle Emotionen einfach aushalten...
      Es gibt leider nur wenige, die das können...
      alles liebe für dich und wenn du magst hier kannst du alles schreiben was dich bewegt, wir werden da sein...
      Judith
      Hallo Marion68,
      und hallo JHa69, Judith,

      vielen lieben Dank für die schnelle Antwort; ich wusste wirklich nicht was ich mir von der Teilnahme an einem solchen Forum wie diesem erhofft habe; aber hinter dem Grundgedanken sich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen, an diesem scheint tatsächlich etwas dran zu sein...

      Liebe Marion68; ich glaube nicht, dass es einen wirklichen Unterschied macht, wie früh unsere Mütter von uns gegangen sind. Es ist in jedem Fall zu früh. Ich habe in diesem Thread diverse Einträge gelesen; solche wie "ja, das ist doch ein gutes Alter in dem man gehen kann...". Solche Aussagen können wie schon gesagt nur von Personen stammen, die noch nicht ähnliches durchgemacht haben. Aber dafür sind wir ja hier...
      Gleichzeitig möchte ich mir natürlich auch nicht Anmaßen nur eine Vorstellung davon zu haben, wie eure Beziehung zueinander war. Aber so liebevoll wie Du von ihr sprichst, und so schwer Dir der Abschied fällt, glaube ich nicht, dass sie gewollt hätte dass Du Schuldgefühle hast... Denn so sind Mütter. Hätte sie denn wirklich gewollt, dass Du sie jeden Tag anders behandelst? Also meine Mum hätte es denke ich bevorzugt, wenn ich jeden Moment mit ihr "normal" verbracht hätte, als sie wie eine Patientin zu behandeln... Leb Dein Leben! Das wollen die meisten Mütter...

      Liebe Judith; auch meine Mum hat manchmal vom Ableben meiner Oma gesprochen; auch ich habe das ehrlich gesagt nicht immer sehr emotional aufgenommen; "ist halt schon so lange her..."
      Und jaaaaa, auf MEIN Gefühl hören; auch das hat für mich eine ganz andere Bedeutung angenommen. Niemand reagiert gleich. Die verschiedensten Situation lösen ganz plötzlich die heftigsten Gefühle aus. Dabei war ich immer einer der eher ausgeglichenen Menschen in meinem Umfeld. Dies ist nun nicht mehr so....

      Ich hatte eine sehr, sehr enge und gute Beziehung zu meiner Mum. Wir haben uns mehrmals die Woche gesehen, gesprochen oder telefoniert. Sie war einer meiner engsten Bezugspersonen. Wir haben immer gesagt, wir sind keine Freudinnen, da wir ja Mutter und Tochter sind geht das nicht :) Aber eigentlich waren wir das... Sie fehlt mir in fast jedem Moment. Wenn ich dann doch mal unterwegs bin (wozu ich mich momentan selten bewegen kann, und auch nur unter dem engsten Freundeskreis), weiß ich, dass ich schon eigentlich längst eine Nachricht von ihr bekommen hätte... "Und wie ist es so? Ist doch nicht so langweilig wie du dachtest, oder? Hab doch gesagt wirst schon Spaß haben! Ruf mich an wenn Du zu Hause bist, kann nicht abwarten was Du erzählst!" Und spätestens am nächsten Tag hätten wir uns gesehen...

      Sie hatte keine chronische Krankheit. Sie ist an einem Montag ins Krankenhaus wegen inneren Blutungen, am folgenden Donnerstag wurde sie entlassen, da alle Werte in Ordnung waren; mit einem Termin für den darauf folgenden Monat für eine Operation (Gebärmutter Entfernung). Am Wochenende war ich noch bei ihr. Am Montag bin ich zur Arbeit gefahren; hab noch auf dem Weg überlegt, welche Zeitschriften und Bücher ich ihr für den nächsten - geplanten - Krankenhausaufenthalt besorgen kann, damit sie keine Langeweile hat.

      An diesem Montag ist sie um 13:00 Uhr im Krankenhaus, in den armen meines Vaters, gestorben. Multiples Organversagen. Ich bin 10 min. danach im Krankenhaus angekommen. Sie ist nur 50 Jahre alt geworden. Einen Monat später hätte sie Geburtstag gehabt, und einen Monat danach hatte ich meinen 30. Geburtstag.

      Der nächste bevorstehende bedeutende Termin ist der 24.05., der Hochzeitstag von meinen Eltern, der 32. Meine Eltern haben sehr früh geheiratet, und sind dementsprechend schon lange zusammen gewesen.... Dieser Tag wird meine Vater umhauen.
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