Trauer um den geliebten Mann

      Hallo Lucie59,
      das mache ich eigentlich auch so, doch es geht leider nicht immer. Mein Sohn und meine Freunde tun schon sehr viel für mich, mit mir, ich kann/will sie nicht immer in Beschlag nehmen. Sie haben ihr eigenes Leben, ihre eigene Familie, für die sie da sein müssen/sollen/wollen.
      Es ist aber auch in Ordnung, denn ich muss ja auch lernen, alleine mit mir zurecht zu kommen. Das ging ja früher auch, ich war sogar oft gerne mal alleine. Nur war es damals freiwillig, da hatte ich die Wahl und wusste, mein Mann ist da, wenn ich nicht mehr alleine sein möchte.
      Ablenkung tut mir eigentlich auch gut, doch meistens ist es leider so, dass gerade nach einer Zeit der Ablenkung alles hinterher doppelt und dreifach zurückkommt und mich niederknüppelt. Daran hat sich bisher nichts geändert.
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      liebe novemberregen, das wird sicherlich auch noch eine weile so bleiben, dazu ist es ja auch noch viel zu frisch bei dir. aber all das gehört dazu und wird nach und nach vergehen. auch ich habe immer noch tage, wo ich mich verdammt einsam und verlassen fühle. insgesamt aber weicht die trauer dem gefühl, selber noch leben zu wollen und freude zu empfinden.
      Erinnerungen sind kleine Sterne, die tröstend in das Dunkel unserer Trauer leuchten

      Die Erinnerung ist ein Fenster, durch das wir dich jederzeit sehen können
      Irgendwie müssen wir "Frischlinge" Geduld mit uns selber haben - und Geduld hatte ich noch nie, am wenigsten mit mir selber...

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      Geht mir auch so, Franzi. Vor allem konnte ich auch nie meinen Kopf abstellen, diese endlose Gedankenspirale.. Ich habe mir schon immer viele Gedanken gemacht, und jetzt ist es noch mehr. Aber würde ich lieber ohne diese Erinnerungen, ohne diesen Schmerz leben wollen, wenn dies möglich wäre? Ich denke nicht, denn auch der gehört zum Leben, zur Liebe.
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Nein, ich will nicht ohne die Erinnerungen leben, da hast du recht - irgendwann wird der Schmerz anders werden, darauf vertraue ich.
      Wenn ich ehrlich bin ist er ja schon ein bißchen anders geworden. Wenn ich an die ersten Tage nach Tom's Tod denke, da war mein Gehirn wie in Watte gepackt, ich habe alles vergessen was ich mir nicht aufgeschrieben habe und ich habe die Tür immer offen gelassen weil ich dachte Tom kommt wieder ...
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      Darauf vertraue ich auch. Ich hoffe, dass ich eines Tages vor allem dankbar auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicken kann, nicht nur wie jetzt voller Wehmut, Selbstmitleid und Traurigkeit.
      Ich war auch lange Zeit wie unter Schock. Das begann schon, als mein Mann zum Pflegefall wurde. Es war ein Funktionieren. An vieles aus dieser Zeit erinnere ich mich schon gar nicht mehr. Es ist, als wäre alles von einem dichtem Nebel verdeckt. Vergesslich bin ich auch in anderen Dingen geworden, das merke ich immer wieder. Das liegt aber sicherlich am Stress, dem der Körper ausgesetzt ist.
      Ich weiß ja, dass mein Mann nicht wiederkommt, so sehr ich mir dies auch wünschen würde. Das Leben ohne ihn tut nur so verdammt weh...
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Einsamkeit, das war mein Stichwort.
      Auch ich bin , wie eigentlich jeden Tag alleine.
      Gut, das heute schlechtes Wetter ist...
      Auch ich habe das Gefühl, das mich die Einsamkeit auffrisst.
      Leider aber müssen wir selbst den Schritt wagen.
      Es kommt niemand und sagt , so jetzt aber.... und das lassen wir auch nicht zu.
      Ich habe gestern den ersten Schritt getan und bin nach Hamburg gefahren.
      Habe danach gleich die Quittung bekommen.
      Aber ich weis, das ich es ganz langsam weiter versuchen muss.
      Aber langsam und nicht so schnell.
      Es gibt noch Menschen denen Mann sich nähern kann und mit ihnen reden.
      Das bin ich mir sicher, wir müssen sie nur irgendwann finden.
      All unsere Freunde sind weg, wie vom Erdboden verschluckt.
      Ich bin damit auch durch...
      Es ist eben so, das Leben ist nicht wie vorher.
      Es muß eben anders weiter gehen. Aber langsam....
      Einsamkeit.. Wie gesagt, früher war ich gerne mal alleine, um meinen Akku aufzuladen, wie ich es nannte. Doch jetzt ist dies anders. Jetzt ist es nicht freiwillig, sondern ein Dauerzustand, und das macht mir schwer zu schaffen.
      Alles fällt mir schwer, es ist, als würde ein Mühlstein auf den Schultern lasten.
      Dass du nach Hamburg gefahren bist, war ein großer Schritt. Hut ab!
      Ja, wir müssen die richtigen Menschen finden, die uns verstehen und auch unsere Trauer zulassen. Vermutlich sind das aber nur Leute, die gleiches oder ähnliches erlebt haben, die auch deshalb Geduld mit uns haben, egal wie lange oder wie oft wir vom gleichen Thema reden.
      Und da trennt sich eben die Spreu vom Weizen. Meine bisher sog. beste Freundin hat sich bis auf eine Trauer- und Osterkarte gar nicht gemeldet...als hätte ich die Pest.
      Mit ihr bin ich auch durch. Ich war immer für sie da, egal um was es ging. Tja, wer im Sturm nicht bei mir ist, den brauche ich auch nicht an schönen Tagen.
      Ja, es muss anders gehen, liebe Petel... alles ganz langsam...
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)

      Novemberregen schrieb:

      Nein, sie war nicht bei der Beerdigung. Und natürlich habe ich alle meinem Mann und mir wichtigen Menschen informiert, wo und wann die Trauerfeier stattfindet.


      O je, das ist natürlich hochgradig frustrierend. Ja, die Dame kannst du als Freundin wirklich abschreiben! Das war dann tatsächlich nur eine Bekannte ... Tut mir leid.

      Da hatte ich noch Glück mit meiner Freundin. Sie kam ja zur Trauerfeier meiner Mutter. Bloß nachher wurde eben der Kontakt doch etwas komisch ... Aber ich kann mich eben auch nicht wirklich von ihr loslösen, weil eben doch auch viel Nettes und Unterstützendes in der Trauerzeit kam, sodass ich das Ende der Freundschaft noch nicht so richtig wahrhaben will.

      In deinem Fall ist das dann wirklich "einfacher", weil man so jemanden tatsächlich vergessen kann.
      wenn ich so darüber nachdenke - ich muss meine Kontakte auch neu ordnen und umsortieren... hätte ich vorher nie gedacht.

      edit: in der Beziehung bin ich sehr viel dünnhäutiger geworden, ehemalige "Freunde" rangieren durch ihre eigenen (nicht-) Aktionen nur noch unter weniger wichtig als "Bekannte"

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      Danke, liebe Marion. Nun, ich schrieb ja schon mehrfach, dass sich in solch schweren Zeiten der Spreu vom Weizen trennt. Dafür waren wirklich liebe Menschen um mich, auch einige, von denen ich das so nicht erwartet hätte.
      Das gab und gibt mir Halt <3
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      Meine Freunde erwarten, daß ich mich melde wenn ich was brauche oder reden will oder spazieren will.
      Ich will nur eins..... das bekomme ich nie wieder.

      Ich kann mich ja gar nicht aufraffen , wie soll ich mich dann bei Ihnen melden.

      Anders ist es bei der ich dachte das wäre nur eine Bekannte. Die kommt einfach und sagt so heute kochen wir mal zusammen oder sie schreibt ich komme für ne Tasse Kaffee. .....
      Ich freue mich immer wenn sie kommt, mit ihr kann ich auch weinen.

      Sie fragt nicht sie kommt einfach.
      Zum Thema Einsamkeit mache ich im Moment
      auch so meine Erfahrungen. Heute wäre ich bei unseren Freunden beim Grillen eingeladen, habe aber abgesagt da dies 4 Ehepaare sind und ich mir wie das fünfte Rad vorkommen würde. Bin hier total auf Unverständnis gestossen. Heute Mittag habe ich dann eine Wanderung gemacht, bin extra 50 km gefahren um nicht die gleichen Wege zu gehen die ich früher mit meiner Frau lief. Und es begneten mir lauter Paare und ich fühlte mich dann so unendlich traurig und einsam dass ich wieder nach Hause fuhr. Kann mir im Moment nicht vorstellen dass man sich an dieses Gefühl des alleine sein gewöhnen kann.
      LG Roland
      Liebe Lena81,

      deine "Bekannte" ist ein Glücksfall. So eine Freundin, von der ich dachte, es wäre nur eine Bekannte, habe ich auch. Sie redet nicht einfach, sie macht. Das ist auch das, was mein Mann immer sagte "Nicht reden, machen!". Wie gut, dass es solche Menschen gibt <3
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      leider verstehen nur wenige Menschen wie trauernde sich fühlen, wie anstrengend es ist jeden einzelnen Tag zu überstehen und wir keine Kraft haben uns bei ihnen zu melden...
      wie einfach wäre es für sie uns anzurufen, vorbei zu kommen...aber die meisten können uns und unsere Trauer auch nur schwer aushalten, ich glaube manchmal es macht ihnen Angst...Tod und Trauer kommen in unserer ach so schönen Gesellschaft eben nicht vor...
      aber vielleicht haben wir uns vorher auch so verhalten und wussten es nicht besser, hatten Angst...Ich wünsche uns allen Menschen die unsere Trauer, unsere Tränen, den Schmerz aushalten und einfach da sind...
      Glg
      Judith
      Lieber Roland,

      genauso empfinde ich auch. Auch ich käme mir bei einer Feier, wo nur Pärchen sind, wie das fünfte Rad am Wagen vor. Noch dazu sieht man ja das geballte Glück vor sich, das könnte ich nicht ertragen- auch wenn ich es den Anderen gönne. Ich merke dann einfach, wie unvollständig ich ohne meinen geliebten Mann bin.
      Ich gehe zurzeit auch viel spazieren und wandern mit meinem Sohn, und auch da begegnen uns meistens nur Pärchen oder Familien, was mir dann trotz der eigentlich guten Stimmung beim Laufen immer einen Stich versetzt.
      Wie gesagt, früher war ich gerne nur für mich, das brauchte ich, doch jetzt hab ich nicht die Wahl, und merke, dass es mir sehr schwer fällt, alleine zu sein. Ob ich mich daran gewöhnen kann, weiß ich nicht. Es ist aber nichts, was mir gefällt.
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)

      Lena81 schrieb:

      Meine Freunde erwarten, daß ich mich melde wenn ich was brauche oder reden will oder spazieren will.


      Ja, das fand ich auch übel, als meine (nun nicht mehr) beste Freundin mir wenige Wochen nach dem Tod meiner Mutter mal ganz locker schrieb, sie habe eben einen Spaziergang gemacht ... Die ist leider nicht mal auf die Idee gekommen, mich mitzunehmen ... Und das obwohl sie als Witwe schon hätte wissen müssen, wie besch*** man sich in so einer Situation fühlt, wenn durch den Tod der engsten Bezugsperson plötzlich das ganze vertraute Lebensumfeld um einen herum wegbricht und man komplett allein dasteht.

      Und der anderen ehemaligen Freundin (mittlerweile kein Kontakt mehr) bin ich beim Spazierengehen begegnet - da hieß es dann, ach ja, wenn sie gewusst hätte, dass ich auch spazieren gehe, dann hätte sie mich auch gefragt, und dann musste ich mir noch ihr blödes Gelächter anhören, weil sie es offenbar komisch fand, dass ich nun diese ganze Haushaltsauflösung zu bewältigen habe. Das Schönste daran ist, dass sie heute (viele Jahre nach dem Tod ihrer Eltern) ihr Elternhaus noch als Geisterhaus leerstehen lässt, weil sie selbst den Hintern nicht hochgekriegt hat, es leer zu räumen bzw. sich emotional überfordert fühlte und sich das Leerstehen-Lassen offenbar leisten kann. Aber dann bei mir so tun, als ob das alles ganz locker und vielleicht sogar noch witzig wäre ...

      Sorry, immer dieselbe Leier mit diesen Freundinnen, aber das sind eben auch so Dinge, über die ich noch nicht so richtig hinweggekommen bin.
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