Trauer um den geliebten Mann

      Ihr Lieben,
      wie gut ich Euch verstehe und auch wenn ich schon 3 Jahre in diesem Leben danach geschafft habe scheint es mir zwischendurch immer noch unmöglich dieses Leben ohne ihn. Aber es ist da und es will gelebt werden. Es wird Tag und es wird Nacht, die Wochen und die Monate vergehen und auch ihr werdet voran kommen auf dem Weg der Trauer. Die Liebe wird bleiben und die traurigkeit leider auch aber man akzeptiert sie irgendwann als Teil dieses neuen Lebens und man kommt damit klar. Gebt die Hoffnung nicht auf und lasst auch die Tränen zu....
      Alles Liebe
      Jenny
      Hallo Steffi,
      auch mir geht es so.
      Alles so wie du es geschrieben hast. Am 5. Aug. 40. Hochzeitstag
      am 30. 9. der Geburtstag von meinem Mann.
      Und nichts wird besser.
      Im Alltag funktioniert man, aber mehr auch nicht.
      Kein neues Leben , kein in die Zukunft schauen, nur Schock und
      Trauer. Schuldgefühle sowieso und viele Tranen.
      Und die Gesellschaft ist von uns genervt. Ist doch schon so lange...
      sagen die meisten.
      So vergräbt man sich und hält eigentlich nur Kontakt mit Menschen denen
      es genauso geht .
      Oder man spricht mit den Anderen nicht mehr über seine Probleme.
      Der einzige greifbare Mensch um mich ist mein Sohn, der mich
      voll und ganz versteht und alles so aktzeptiert und mir keine Vor-
      Schriften machen will.
      So ist das immer alles noch unfassbar und eigentlich nicht wirklich,
      weil ich es nicht wahr haben will.
      Ich kanns nicht aktzeptieren, geht einfach nicht....
      Liebe Emmi, ich danke dir für die Umarmung, davon können wir jetzt gar nicht genug bekommen. Natürlich würde ich lieber von meinem lieben Schatzi umarmt werden, und zu wissen das wird nie wieder, das ist so schmerzlich, da schnürt es mir regelrecht das Herz zusammen.
      Das ist wahr, es gibt das "gebrochene Herz Syndrom". Und vielleicht kann man daran auch sterben, also ich würde mir das wünschen. Ich weis nur nicht, ob meine liebe Seele oben in den Wolken damit einverstanden ist, ich denke manchmal, ich kann mir wünschen wie ich will, tot zu sein, mein Gert will das verhindern, warum?? Will er dass ich lebe? Will er dass ich für uns beide lebe und er durch mich sozusagen noch Anteil nehmen kann? Ja, der Gedanke kann sogar tröstlich sein, allerdings müssen wir uns da was einfallen lassen wegen der "Umarmungen".
      Mein Hausarzt (bin grad wegen einer unklaren Entzündung im Körper krankgeschrieben, Penicillin),
      hat mir auf meine Bitte hin einer Überweisung zu einer Psychologin ausgestellt, vielleicht hilft mir das auch. Ich verstricke mich noch so sehr in Schuldfragen, Warum und immer wieder Warum?
      Liebe Grüße von Steffi
      Hallo ihr Lieben,
      das sind auch immer wieder meine Gefühle. Ich kann nicht ohne ihn leben und ich will es auch nicht.Aber ich muß. Wie soll das gehen. Ja, man wächst mit seinen Aufgaben, mache Sachen, die ich mich früher nicht getraut habe, oder auch wegen Arbeitsteilung zwischen uns nicht machen mußte. Auf manches könnte ich stolz sein, aber ich brauche diesen Stolz nicht, ich brauche die Wärme meines Mannes. Die Traurigkeit darüber, dass er nicht mehr leben, nicht mehr teilhaben darf, bricht mir das Herz.Ich kann es immer noch nicht begreifen, finde in nichts Trost. Die lieben Worte anderer helfen ein bißchen und das Wissen darum, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin.
      L.G.Emmi

      Emmi schrieb:

      Auf manches könnte ich stolz sein, aber ich brauche diesen Stolz nicht, ich brauche die Wärme meines Mannes.


      Emmi, da sprichst du mir aus der Seele. Nachdem ich hier das erste Weihnachten und Silvester allein rumgebracht hatte, meinte meine (nun ehemalige) Freundin, ich könne nun stolz auf mich sein, dass ich das geschafft hätte.

      Das war auch so ein Spruch, auf den ich hätte verzichten können. Da dachte ich auch, ja toll. Worauf soll ich da eigentlich groß stolz sein? Dass ich mich über die Feiertage nicht direkt in die Klapsmühle habe einweisen lassen? Und was bringt es mir schon, stolz zu sein, wenn sich die ganze Sache einfach bescheiden anfühlt?

      Ansonsten bin ich tatsächlich ein bisschen stolz darauf, was ich in den letzten Monaten alles bewerkstelligt habe, das ganze Theater mit Wohnungskauf und Hausverkauf, das Theater mit Handwerkern in Bezug auf die Renovierung der neuen Wohnung, x Telefonate führen und Angebote einholen, Termine koordinieren, jeden Tag auf die "Baustelle" rennen und nach dem Rechten schauen usw., nun den Umzug vorbereiten ... Ich glaube auch, meine Mutter wäre schon ein bisschen stolz auf mich, dass ich das alles doch ganz gut angepackt habe, anstatt bloß weinend im Bett zu liegen und aus Bequemlichkeit oder Angst vor der Veränderung alles so lange weiterlaufen zu lassen, bis ich wegen der hohen laufenden Kosten und der Instandhaltungskosten entweder pleite bin oder eines Tages wie sie aus dem Haus getragen werden muss, weil ich die Treppen nicht mehr laufen kann.

      Ist ja ganz schön, wenn man sein Leben einigermaßen selbstständig auf die Reihe kriegt, und natürlich kann man darauf auch ein bisschen stolz sein. Aber glücklich sein ist eben definitiv etwas anderes ... Und ich kann in diesem absoluten Auf-sich-selbst-zurückgeworfen-Sein eben auch keine wirkliche Bereicherung erkennen, im Gegenteil, ich finde es schrecklich und beängstigend.

      Aber ich denke, wenn man in eine große gegenseitige Liebe eingebunden war, muss es letztendlich eben auch so sein: dass man sich dann einsam, verlassen und verloren in der Welt fühlt, wenn einer von beiden auf dem Friedhof liegt oder die Seite gewechselt hat oder wie auch immer. Das ist jetzt der Preis, den wir für die gute Zeit zahlen, die wir hatten. Und je besser die Zeit war, umso höher ist der Preis.

      Wenn wir schon stolz sein sollen: Vielleicht müssen wir lernen, auf den Schmerz stolz zu sein, den wir empfinden, weil er Zeugnis ablegt von unserer Liebe? Dass wir nicht zu denen gehört haben, die durchs Leben gegangen sind, ohne einem anderen Menschen jemals wirklich nahezustehen.

      Das heißt nicht, dass wir verzweifelt oder verbittert sein müssen, sondern dass wir akzeptieren, dass dieser Schmerz nun zu uns gehört - so wie vorher der geliebte Mensch zu uns gehört hat - und dass wir ihm durch diesen Schmerz auch immer noch nahe sind, dass er nun eigentlich die einzige Möglichkeit der Nähe darstellt. Denn ich möchte auch nicht diese Erinnerungen loslassen ... Niemals!
      Hallo Ihr Lieben,

      Ihr alle schreibt mir und auch den anderen aus der Seele. Habe das ja alles auch schon beschrieben, es ist leider ein Auf und Ab. Bei mir sind es ja (habe alles schon erwähnt) 8 Jahre und es ist nur "ein klein bißchen besser", aber nicht gut., Das wird es auch nie sein. Bei Euch fast allen ist das ja gar keine Zeit um über das alles "hinauszusein", wenn und ob es das wirklich so gibt.

      Marion beschreibt es richtig "je schöner und voller die Erinnerung, desto größer der Schmerz". Aber wir müssen damit leben, es ist leider so. Und es kann auch keiner helfen, nicht mal Psychologen, denn die sagen auch nichts anderes, als wir schon alle wissen. Man muß, auch wenn man eigene Kinder hat, ganz alleine durch. Denn Kinder gehen auch abends nach Hause und haben Familie. Bei mir ist das ganz genauso, obwohl ich "nur meine "Art Pflegekinder" habe, die schauen nach mir. SEit Freitag bin ich malat, weiß nicht was ich habe, ich habe Drehschwindel und habe den ganzen Tag, aber wirklich alle Stunde, gekübelt. Als sie abends kamen, waren sie erschrocken und meiten "wie siehst du denn aus". Ja man kann nichtg gut aussehen, wenn man kübelt. Das weiß ja jeder. Gestern mittag kamen sie mit den Motorrädern und haben mich besucht. Das ist ja alles gut und schön, aber ich wollte damit sagen, im Endeffekt ist man allein.

      Ich glaube auch, daß wir für die gute Zeit jetzt die Kehrseite ijn Kauf nehmen müssen. Das ist Lauf der Dinge.

      Ich hoffe und wünsche für Euch alle und auch für mich, daß das alles mal besser wird......Heute kann ich meine Großmutter gut verstehen, die hat 9 Jahre lang schwarz getragen, konnte ich nie nachvollziehen....ja jeder muß das alleine entscheiden. Mir erging es so ähnlich, manche haben nach 6 Wochen hell getragen und ich bin über 1 Jahr schwarz gegangen. Ich konnte keine helle Kleidung sehen an mich. Es war unmöglich. Obwohl ich genau von meinem Mann wußte, daß er das nie wollte....

      Ich wünsche Euch weiterhin viel viel Kraft und alles Liebe lg Heidi
      Hallo, ihr Lieben,
      es ist ein guter Gedanke, das unser Schmerz diese Verbindung zu unseren Lieben ist. Wenigstens kann ich da was fühlen, der Schmerz tut unheimlich weh, wenn mir diese furchtbaren "Nie mehr - Gedanken" kommen, tut mir wirklich das Herz elende weh, direkt ein zusammenpressen. Dann weine ich, erst danach wird es besser, d. h. es klingt leise ab.
      Ja hab ich auch schon gehört, ich könne stolz sein auf das erreichte als Witwe, alles gemanagt mit der Beerdigung, jeden Tag gearbeitet (na außer jetzt mal), für Familie da sein, meine 90jährige Mutti ordentlich ins Pflegeheim aufgehoben. Und ich kann auch alleine in eine Gaststätte gehen oder ins Freizeitbad. Ich war ja vorher auf nicht doof, sondern selbständig. Aber dieses verfluchte Alleine sein, nie mehr haben, keine Umarmung. Genau, meine Kinder gehen auch wieder nach dem Besuch auch wieder nach hause. Ich benutzte seine Deos und Parfüms, damit ich seinen Geruch in der Nase habe.
      Morgen haben wir unseren 38. Hochzeitstag. Liebes Gerti-Seppel, du fehlst mir so sehr. Kannst mich holen.
      Liebe Steffi,
      auch ich benutze die Sachen meines Mannes, habe noch nichts weggeräumt, fühle mich ihm dadurch nah. Diese Niemehr-Gedanken quälen mich auch, ich war so glücklich mit ihm. Da hast du morgen einen besonders schweren Tag vor dir. Im November ist unser 35. Hochzeitstag, das Herz wird mir jetzt schon schwer. Ich denke an dich und wünsche dir viel Kraft. :knuddeln:
      L.G.Emmi
      Liebe Emmi,
      danke dir für die tröstenden Zeilen. Ich bin auch heute früh wieder aufgewacht, so wie in den letzten 28 Wochen. Er ist nicht mehr hier. Was hätten wir wohl heute getan an unserem 38. Hochzeitstag? Im schlimmsten Falle müsste ich zur Spätschicht ins Pflegeheim, falls ich nicht rechtzeitig ein "Wunsch-Frei" ins Dienstbuch notiert hätte. Es ist ein herrlicher Sommertag, richtige Hitze, dann hätten wir im Garten angestoßen und uns gefreut über diese lange Zeit. Blumen hat mein Mann meist nicht besorgt, aber das habe ich auch nicht erwartet oder gewollt, wir waren uns auch so genug.
      Heute habe ich mir einen Blumenstrauß gekauft und ihn neben sein Bild auf den Wohnzimmertisch gestellt, da stehen sonst auch Blumen, aber eine sparsame Variante :| er soll ja nicht schimpfen.
      Und natürlich noch Blumen für sein Grab, da werde ich dann hinfahren und weinen. Soll ich sagen, was ich für ein Glück habe, dass mein Ehemann und mein Vati in einem Grab gemeinsam liegen?? Das kann ich nicht als Glück bezeichnen. Eher Erleichterung. Die zwei haben sich zu Lebzeiten super vertragen :rolleyes: .
      Witwe am Hochzeitstag habe ich irgendwo in fünfzehn Jahren gedacht. Ich hoffe, bald kann ich unser gemeinsames Leben als wirkliches Geschenk betrachten und hegen. Noch bin ich nicht soweit. Es tut nur weh und ich staune, dass mein Herz das aushält.
      Ganz viele liebe Grüße und Trost für uns alle von Steffi
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