Trauer um den geliebten Mann

      Trauer um den geliebten Mann

      Auf der Suche nach Menschen, denen es ähnlich ergeht, bin ich auf diese Seite gestoßen. Ich komme mit der Trauer, mit meinen Gefühlen nicht mehr klar.
      Im Januar habe ich meinen geliebten Mann verloren, der für mich nicht nur Partner, sondern auch Freund, Geliebter und Seelenverwandter war. Wir waren erst 6 Jahre verheiratet und wollten zusammen alt werden. Gemeinsam waren wir stark, das war immer unser Motto, weil wir im Leben schon viel durchmachen mussten, beide waren wir in 2. Ehe verheiratet.
      2013 erhielt er die Diagnose MS, was schon ein gewaltiger Schicksalsschlag war, im November 2016 schließlich noch die Diagnose Leberkrebs, inoperabel.
      Für uns brach eine Welt zusammen...
      Wir hatten noch Hoffnung, aber die wurde leider nicht erfüllt, uns blieben nach der Diagnose nur 13 Monate Zeit, was wir natürlich nicht wussten, und diese Zeit verging so schnell....Er arbeitete bis November, machte sogar noch eine Fortbildung, da hätte ich mir zwar mehr Zeit mit ihm gewünscht, aber die Arbeit war eben auch wie eine Therapie für ihn. Erst als er es im Dezember vor Schmerzen nicht mehr aushielt, ließ er sich krankschreiben (sonst immer nur für die Zeit der Chemo). Dann hieß es auch schon, es würde sich nun nur noch um wenige Tage handeln...und dennoch wurde im Krankenhaus mit der Chemo weitergemacht...
      Mein Schatz kämpfe bis zum Schluss, sicherlich auch meinetwegen, weil ich ihn nicht loslassen konnte.
      Zuletzt war er ein Pflegefall, was ihn sehr belastet hat. Er hat sogar über Sterbehilfe nachgedacht.
      Zu sehen, wie mein früher körperlich und immer noch mental starker Mann mehr und mehr abbaute, erst von Woche zu Woche, schließlich von einem Tag auf den anderen, tat sehr weh.
      Nach seinem Tod, der für ihn eine Erlösung war, und das ist auch der einzige wirkliche Trost, habe ich anfangs noch versucht stark zu sein, was nicht immer klappte, aber besser als jetzt. Es musste ja auch vieles geregelt werden. Doch je mehr Zeit verstreicht, desto mehr leide ich, desto mehr falle ich in ein Loch, aus dem ich nicht mehr herauskomme. Bekannte wundern sich schon, dass es mir immer noch nicht besser geht, man kommt sich schon vor wie ein Freak, weil man noch nicht wieder funktioniert, immer noch trauert, ja sogar richtig depressiv ist.
      Jede Erinnerung, ob schön oder schmerzhaft, bringt mich zum Weinen. Ich kann (noch) nicht dankbar an die schönen Zeiten mit ihm zurückdenken, was mir viele raten, weiß nicht, ob ich das jemals kann, weil er mir so unsagbar fehlt. Ich fühle mich einsam- auch unter Menschen. Und wenn ich mich versuche abzulenken mit Freunden, die mir beistehen, gelingt das zwar für eine kurze Zeit, aber wieder alleine bricht dann alles doppelt und dreifach über mich herein. Alles ist anders geworden, das Leben ohne ihn ist einfach nicht auszuhalten, es ist auch kein wirkliches Leben, sondern nur ein Dasein. Und oft frage ich mich, ob ich so ein Dasein möchte. Ich habe mich sehr verändert, empfinde keinerlei Freude mehr an den Dingen, die mir früher Spaß gemacht haben.
      Selbst die Streitigkeiten wegen Nichtigkeiten fehlen mir... Schuldgefühle machen sich breit... dass man vieles nicht gesagt hat, was man hätte sagen können und sollen, dass man dagegen im Streit vieles gesagt hat, wo man lieber hätte schweigen sollen, dass man vieles getan hat, was man am liebsten ungeschehen machen würde, dass man viel mehr hätte tun sollen für den geliebten Menschen. Schon die MS war starker Tobak, doch mein Mann hat es runtergespielt, wie ich mehr und mehr erkennen muss. Warum hab ich nicht mehr nachgehakt? Warum hab ich ihn damit nahezu alleine gelassen?
      Diese Fragen beschäftigen mich und zerfressen mich... Man denkt immer, man hat noch so viel Zeit im Leben, schiebt alles auf, bis es dann für viele Dinge zu spät ist.
      Wie habt ihr es geschafft, aus diesem Loch zu kommen, mit dieser Leere, diesem Schmerz fertig zu werden?
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Liebe Novemberregen,

      erst mal mein herzliches Beileid. Dass es dir jetzt schlechter geht als unmittelbar nach dem Tod ist total verständlich. Am Anfang steht man zum einen total unter Schock, um anderen ist man erst mal sehr beschäftigt mit Beerdigung und Nachlass und solchen formalen Dingen. Wenn die dann erledigt sind, fällt man in ein großes und tiefes Loch. Es wird einem immer bewusster, dass der über alles geliebte Mensch nie mehr zurückkommt. Die Sehnsucht und das Vermissen sind unendlich groß, viele würden dem geliebten Menschen auch einfach folgen. Das sind alles Gefühle, die ich so erlebt habe. Kein Mensch kann von dir erwarten, dass du nach 3 Monaten schon wieder zur Tagesordnung übergehst. Dass das nicht geht wissen aber leider nur Menschen, die so einen Verlust schon erlebt haben. Also fühle dich nicht als Freak, der nicht richtig funktioniert. Das bist du nämlich nicht.

      Mein Mann ist Ende April 2017 ganz plötzlich verstorben. Ich habe sehr lange gebraucht, bis es mir wieder etwas besser ging. Das Auf und Ab der Gefühle begleitet mich auch heute noch. Aber es ist besser geworden. Freude kann ich inzwischen manchmal für einen kurzen Augenblick empfinden. Dankbar zurückblicken kann ich aber auch noch nicht.

      Mein Mann und ich kannten uns erst 6 Jahre, 3,5 davon waren wir verheiratet. Also jetzt auch noch nicht allzu lang. Auch bei uns war es jeweils die 2. Ehe und genau wie bei euch hat jeder von uns schon einiges mitgemacht. Mein Mann war depressiv, hatte auch oft Suizidgedanken. Das war für mich nicht immer einfach. Ich kenne die Schuldgefühle, von denen du schreibst nur zu gut. Genau so ging es mir auch. Mittlerweile habe ich für mich erkannt, wir sind alle nur Menschen und haben Fehler. Genauso wie es wir empfinden geht es unseren verstorbenen Partnern vielleicht auch. Vielleicht denken die dort, wo sie jetzt sind auch, dass sie manches hätten anders machen sollen.

      Und nun zu deiner Frage, wie ich es geschafft habe, mit dem Schmerz fertig zu werden. Ich habe getrauert, habe geweint, habe mich verkrochen und die Trauer einfach zugelassen. Und ich hab viel geredet. Was auch sehr gut hilft ist, hier zu lesen und zu schreiben. Hier gibt es immer jemanden, der einem antwortet und auch versteht, wie es einem geht und dass man nach so kurzer Zeit nicht fröhlich durchs leben geht. Heute in zwei Wochen ist der 1. Todestag meines Mannes. Seit kurzem merke ich, dass das Vermissen weniger wird, dass ich so langsam auf dem Weg bin, mir selbst zu genügen. Allerdings kann dieses Gefühl sehr schnelle kippen und ich hocke wieder heulend in der Ecke.

      Lass dir Zeit, schau dass du nur das machst, was dir gut tut (geht natürlich nicht immer) und gestehe dir zu, dass du traurig sein darfst. Und höre auf dein Bauchgefühl. Mir sagt mein Bauchgefühl grad echt sehr gut an, was ich besser lassen soll und was nicht. Was noch wichtig ist, hast du vielleicht schon selbst erlebt, lass dich nicht von blöden Sprüchen runterziehen. Die kommen nämlich ziemlich sicher von Menschen, die keine Ahnung haben.

      Liebe Grüße
      Claudia
      Danke dir, Heiko, für deine Tipps und die lieben Worte. Ich hoffe, dass mir dieses Forum auch ein wenig hilft. Im Grunde können einen wohl auch nur Menschen verstehen, die ähnliches erlebt und durchgemacht haben. Für die Anderen geht das Leben weiter, man selbst fühlt sich wie im falschen Film.
      Darf ich fragen, welche Bücher du empfehlen würdest?
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Liebe Claudia,
      danke für deine ausführliche Antwort- und auch für deine Tipps. Ich werde versuchen sie zu beherzigen.
      Es tut gut zu lesen, dass Andere ähnliches durchgemacht haben, dass sie auch nicht nach 6 Monaten wieder funktioniert haben. Es kommt einem ja selbst schon verrückt vor, dass man immer und immer wieder nur von dem Verlust, vom Geliebten reden möchte, fast kein anderes Thema zulässt, weil es einen so durch und durch beschäftigt. Ich wäre meinem Mann auch am liebsten gefolgt, denke auch immer noch darüber nach in den dunklen Momenten, die in letzter Zeit sehr häufig sind. Es ist eigentlich gar nicht so, dass ich sterben möchte, ich schaffe es aber halt auch einfach nicht zu leben, fühle mich schon tot. Sicher verstehst du, was ich meine.
      Es gab auch schon Tage, an denen ich relativ "taff" war, was mich selbst wunderte, was mir aber auch Mut machte. Doch wie du schreibst, kann dieses Gefühl schnell kippen, gerade noch etwas besser drauf gewesen, eine Stunde später wieder in einem tiefen Loch, noch schlimmer als Tage zuvor.
      Ja, wir sind alle nur Menschen und machen Fehler, mein Mann würde das genauso sehen, er hat auch nicht alles richtig gemacht und sicherlich vieles bei mir versäumt, was er sich vorwerfen würde (denke ich zumindest, er war aber eher ein Verdränger), wäre ich vor ihm gegangen. Vom Kopf her sage ich mir das alles auch immer wieder, dennoch ändert es nichts an meinem Zustand, mein Herz spricht da eine andere Sprache.
      Aber ich bin ja noch neu hier und hoffe, dass mir das Schreiben/ Lesen und der Kontakt zu anderen Trauernden in diesem Forum helfen, den Schmerz erträglicher zu machen.
      Viele Grüße von Regina
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Ein liebes Willkommen hier bei uns liebe Novemberregen.
      So frisch noch, wer kann verstehen, wenn nicht selbst erlebt, nicht dabei gewesen ist, in vileen Momenten, nur von Außen schaut.

      Vile gut gemeintes einen traurig macht, man ja selbst will, es einfahc aber nicht schaffenkann, man nicht soweit ist wie andere meinen, dass man sein müsste.
      Lass dir deine Zeit, in deinem Können, so wie lernen musstest mit deinem Mann in der Situation klar zu kommen, so muss du es jetzt für dich lernen, damit zu leben, was nun ist, nicht mehr ist, nie wieder sein kann, darf.
      Ein schwerer Weg, vor allem mit all deinen Gedanken, was nicht richtig gelaufen sit, was du anders gemacht hättest.
      Ich mag dir sagen, alle sind wir nur Menschen, oft mal überfordert, wir tun einfach einiges, das wir gar nicht wollen, nicht richtig darüber nachdenken, dass alles aber ist menschlich.
      Ich kenne keinen der wirklich perfekt ist, wo es nur ein Schein von etwas ist, das zu beneiden wäre.
      Keiner hat die Kraft, wenn das Leben uns vor manche Herrausforderung stellt, uns ein Schiksal aufbürdet, dem wir eigentlich nicht annähernd gewachsen sind.

      Und doch ist das Kraft, zum durchhalten, zum nicht alles hinwerfen, egal wie schwer es auch fällt, die Kraft um die Tage zu stemmten, so irgendwie.
      Ja so irgendwie und das bezieht Fehler mit ein, Ungerechtigkeiten die aus einem Moment einer Situation heraus geschehen, ungeplant manches Wort und doch fällt es.

      Am Ende aber ist da die Liebe, die mehr weiß, da tief in uns, wissen wir das einiges aus HIlflosigkeit nicht zu verhindern ist, aus Überforderung, einfach alles zu viel wird.
      So bleibt aber wohl der Dank, der Erlösung, so war es bei mir, das die Not ein Ende hat, die Schmerzen, die Angst die man seinen Lieben nicht nehmen konnte.
      Das man alles getan hat, was einem möglich war, nichts aus böser Absicht geschah.

      So wünsche ich dir die Kraft, die tägliche um deinen Weg zu gehen, zu finden, zu erkennnen, was es bene bruacht um deinen Friedne mitund in dir zu finden.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Danke dir, liebe Funny, für deine netten Worte, sie tun sehr, sehr gut.
      Ja, die Schmerzen hatten ein Ende, für ihn war es eine Erlösung.
      Welche Schmerzen musste er wohl aushalten? Die Angst vor dem baldigen Tod können wir nicht nachvollziehen, nur erahnen... alles, was man liebt, zurücklassen zu müssen, hilflos zu sein, kraftlos... Ich hätte ihm so gerne einiges davon abgenommen,wenn ich es gekonnt hätte...
      Es war im Grunde ein Segen für ihn, doch für mich begann damit die schlimmste Zeit in meinem Leben - ohne ihn ist alles einfach nur leer und trostlos und sinnlos. Es ist , als wäre mir mein Herz herausgerissen worden. Ich bin nicht mehr ich selbst, ich muss mich erst wiederfinden bzw. zu mir finden, denn so wie früher werde ich nicht mehr sein (können). Danke auch für deine lieben Wünsche, liebe Grüße von Regina
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      ja, da stimmt, so wie früher wirst du nicht mehr sein. So wie früher wird leider gar nichts mehr sein. Mein Mann war jetzt nicht körperlich krank, dafür hat er psychisch sehr gelitten. Ich hab damals, als er gerade gestorben war ein Gefühl gehabt von "jetzt hat er es geschafft, er muss nicht mehr leiden". Leider konnte ich dieses Gefühl nicht konservieren. Ich weiß, dass mein Mann nun nicht mehr leiden muss. Aber dafür hab ich jetzt ein Jahr lang extrem gelitten. Es ist wirklich die schlimmste Erfahrung in meinem ganzen Leben. Und ich war nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens.

      Liebe Grüße
      Claudia
      Liebe Claudia,
      genauso geht es mir schon die ganze Zeit.Wir waren beide auch nie auf der Sonnenseite des Lebens, haben in unserer Kindheit, Jugend und auch später viel mitmachen müssen, waren gemeinsam zum ersten Mal richtig glücklich. Auch ich konnte diesen Trost oder Segen, dass mein Mann nun keine Schmerzen mehr hat, nicht verinnerlichen. Ich hätte mir eher gewünscht, dass er gar nicht krank geworden wäre... es ist alles so unfair... Es ist beinahe so, dass ich seine Schmerzen übernommen habe, als müsste ich sie nochmals oder weiter durchleben, und das ist für mich auch die bisher schlimmste Erfahrung in meinem Leben...
      Liebe Grüße von Regina
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Liebe Regina,

      auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Es ist gut dass du hierher gefunden hast und dir etwas von der Seele schreiben kannst und die Menschen dich hier bestens verstehen. Gerne hätte ich dir tröstende Worte geschrieben aber ich befinde mich gerade in der gleichen besch.. Seelenlage wie du. Daher ich habe ich jetzt lange überlegt ob ich dir ein paar Worte schreiben soll. Aber es hat mir keine Ruhe gelassen da sich dein Schicksal doch sehr dem meinem und ich glaube vielen hier ähnelt.
      Auch meine Frau ist im Januar nach 13 monatiger Krankheit und Leiden gestorben. Wir waren auch nur
      2 1/2 Jahre verheiratet, davor aber 10 Jahre zusammen, davon war dann nur gut ein Jahr ohne die schreckliche Krankheit. Für uns beide war es auch die 2.Ehe mit davor nicht so schönen Zeiten. Letztes Jahr haben wir versucht so viel wie möglich zusammen zu unternehmen, was halt die Chemotherapie und Bestrahlungstherapie so zu lies. Die letzten 6 Wochen war dann meine Frau auch ein Pflegefall und ich konnte sie bis zum Schluss zu Hause pflegen. Danach bin ich auch in ein Loch gefallen, zwischendurch hatte ich die Hoffnung dass ich besser mit der Trauer umgehen kann aber die letzten 2 Wochen hat es mich wieder mit voller Wucht zurückgeholt. Aber ich glaube so nach 3-4 Monaten realisiert der Verstand eigentlich erst was es bedeutet jetzt ohne den geliebten Partner weitermachen zu müssen und dass der Teil der einem entrissen wurde für immer fehlt. Ja es wird nichts mehr so sein wie es war. Zur Zeit drehen sich meine Gedanken um das Thema weshalb wusste man die Partnerschaft und die Liebe nicht jeden Tag zu schätzen solange alle gesund waren, man verlor sich im Alltag und machte sich Sorgen um Nichtigkeiten. Aber ich denke das ist uns wohl so anerzogen worden und die meisten Menschen ticken so.
      Daher wünsche ich dir und allen anderen hier im Forum viel Kraft und Zuversicht für unsere Zukunft.
      LG Roland
      Lieber Roland,
      danke für deine netten Zeilen!
      Es ist erstaunlich, wie ähnlich es bei uns abgelaufen ist. Ich dachte eigentlich sogar- ein dummes Vorurteil, das gebe ich zu- dass Männer dies alles besser wegstecken können, weil sie es schaffen zu verdrängen, was ja manchmal auch wirklich gesünder ist. Ich wünschte manchmal, das gäbe es einen Knopf zum Abschalten bei mir !
      Wir waren 6 Jahre verheiratet, kannten uns aber ca. 10 Jahre, und bereits ein Jahr nach der Hochzeit wurde MS bei meinem Mann diagnostiziert. Im Grunde hat das Medikament gegen MS den Lebertumor verursacht :(
      Die letzten Wochen vor seinem Tod waren schlimm, er hat viel geschlafen, ich habe viel geweint, alles erscheint mir wie durch einen Nebel. Wie bereits erwähnt, die Zeit ist auch einfach viel zu schnell vergangen.
      Vor ein paar Wochen, sogar erst wieder vor ein paar Tagen, hatte ich das Gefühl, es ginge besser, als würde ich es schaffen- sogar ohne Therapie. Doch dann hat mich -zuletzt wieder gestern - alles eingeholt. Die Erinnerungen, die Wut, die Traurigkeit, meine Schuldgefühle, meine Selbstvorwürfe haben mich wieder richtig niedergeknüppelt. Und so erkenne ich, dass ich im Grunde gar nicht zurecht komme. Wenn ich mir nur vorstelle, dass sein Platz hier für immer leer bleibt, dass er nie mehr nach Hause kommt, dass wir uns nie mehr in den Armen liegen, ich nie mehr seine Hand halten, nie mehr seinen Kopf kraulen kann, mich nie mehr an ihn kuscheln kann, dass wir nie mehr miteinander lachen, uns nie mehr küssen werden, muss ich heulen und kann mich nicht mehr beruhigen. Ich kann ihn einfach immer noch nicht loslassen, halte auch alles fest, was ihm gehört, kann mich von nichts trennen (will es auch gar nicht). Und in ganz dunklen Momenten wünsche ich mir - obwohl ich einen Sohn habe, der mich braucht, denn er ist Autist- dass es bald zu Ende ist, weil ich diesen Schmerz einfach nicht mehr ertragen will und kann. Dann denke ich aber an meinen Schatz und wie tapfer er gekämpft hat, obwohl er nie eine wirkliche Chance hatte und schäme mich für diese Gedanken. Weg sind sie dennoch nicht ganz...
      Auch bei mir drehen sich die Gedanken sehr um das Thema, das dich beschäftigt. Wieso wusste man die Liebe und diesen besonderen, den wichtigsten Menschen in seinem Leben, nicht jeden Tag zu schätzen, wieso hat der Alltag so viel kaputt machen können, obwohl man in Liebe miteinander verbunden war? Wusste er denn, wie sehr ich ihn liebte? Man sagt es wirklich zu selten, aber oft spürt man es ja auch in kleinen Dingen. Ich hoffe, er hat es auch gespürt... Man streitet sich wegen Lappalien und verliert dabei das wichtigste aus den Augen: Dass alles schneller vorbei sein kann als einem lieb ist, dass man sich die Zeit, die man miteinander hat, wirklich schön machen sollte. Ob das so anerzogen ist, weiß ich nicht. Ich denke, dass wir von so vielen Gefühlen bestimmt werden, mal herrscht Wut über eine Kleinigkeit vor, manchmal die Freude über etwas, man ist eben ein Mensch mit Fehlern und Schwächen. Wenn ich Sprüche lese wie "Lebe jeden Tag so als wäre es dein letzter", dann fühle ich mich schon wieder als Versager, denke aber, dass es schwierig ist, dies zu verwirklichen, weil wir ja auch viele Verpflichtungen und Stress im Leben haben, was uns das (Zusammen-)Leben erschwert. Noch dazu haben wir eine Vergangenheit, die uns geprägt hat. Auch ihr beide seid mit einem "Päckchen" in die 2. Ehe gegangen, musstet vermutlich erst lernen miteinander umzugehen. Es ist schwer etwas dazu zu schreiben , weil es mir ja selbst so nahe geht, ich selbst damit hadere. Je nach Stimmung gehe ich versöhnlicher oder vorwurfsvoller mit mir um.
      Ich wünsche dir -und allen anderen hier - auch ganz viel Kraft und Zuversicht für deine Zukunft! LG von Regina
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Novemberregen“ ()

      Hallo Regina,
      auch von mir mein Beileid.
      Ich lese deine letzte Nachricht und muss so weinen , weil ich eigentlich das gleiche schreiben könnte.
      Der einzige Unterschied mein Mann ist von einer Minute auf die andere einfach umgekippt und verstorben. Morgen macht es 10 Wochen und auch ich hab das Gefühl es wird immer schlimmer. Das einzige was mich hier noch hält sind meine zwei Kinder.
      LG Lena
      Hallo Lena,
      du kannst dich trotz allem glücklich schätzen, dass du die Kinder hast, in ihnen lebt dein Mann weiter- und sie sind für dich da bzw ihr könnt füreinander da sein.
      Manchmal weiß ich nicht, was besser ist, krank zu sein, auf den Tod vorbereitet zu werden oder von einem Moment auf den anderen zu sterben. Früher dachte ich, dass ich mich noch vorbereiten möchte (auf meinen eigenen Tod), weil man sich dann verabschieden und noch einiges regeln kann. Doch das ist wirklich SEHR schwer für den Sterbenden. Ich kann nur erahnen, was in meinem Mann vorgegangen sein muss, wie tapfer er dieses schwere Schicksal getragen hat. Man weiß es, hofft und bangt trotzdem, klammert sich an jeden Strohhalm und muss dann doch erkennen, dass alles umsonst war. Ihn so leiden zu sehen, war auch schwer für mich. Es hat mir das Herz zerrissen. Ich hätte ihm doch lieber einen schöneren Tod gewünscht, bei dem er nicht so hätte leiden müssen, sich nicht so hilf- und kraftlos gefühlt hätte. Es ist schlimm, wenn man jegliche Kontrolle über seinen Körper verliert, wenn man weiß, dass man alles verliert. So gesehen hatte es dein Schatz besser. Für dich ist es natürlich nicht besser, denn du konntest dich nicht von ihm verabschieden, hättest ihm noch so vieles sagen wollen, gerne noch einiges für ihn tun wollen. Und ich habe festgestellt, dass ich trotz der Krankheit auf seinen Tod nicht wirklich vorbereitet war. Es gibt immer noch genug Dinge, die ich versäumt habe zu tun und zu sagen, wo ich mir jetzt Vorwürfe mache und mich frage, wieso konnte das passieren....warum hab ich nicht daran gedacht... es wäre doch noch Zeit gewesen... Doch irgendwie tickten die Uhren anders, man war wie im Trance, ständig auch gefordert und unter Strom, da denkt man an vieles nicht, so traurig das ist.
      Ich wünsche auch dir alles erdenkliche Gute! LG von Regina
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Danke Regina,
      ich glaube auch das beides gleich schlimm ist. Ob krank oder nicht, den liebevollsten Menschen haben wir alle verloren.
      Es ist bei uns ja ganz schnell gegangen, ich war einfach nur geschockt und dachte am Anfang,warum war er nicht krank, so hätte man sich doch vorbereiten können. Dann denke ich aber hätte ich ihm das gewünscht, natürlich nicht.

      Aber die Frage, was ist in dem Moment mit ihm geschehen, was hat er gefühlt, hat er mich gehört, warum konnten wir uns nicht verabschieden, warum konnte er nichts mehr zu mir sagen.
      Das alles macht mich richtig fertig
      Das kann ich mir sehr gut vorstellen, liebe Lena. So würde es mir auch gehen.Ich hatte vor einiger Zeit, genau gesagt 1998, eine Nahtoderfahrung, wäre an Erbrochenem beinahe erstickt. Da fühlte ich keinerlei Schmerz, ich fühlte mich sogar glücklich, sah Szenen vor mir, so wie ich mir immer Glück vorgestellt habe...ich lief auf einer blühenden Wiese und begegnete meinem Vater. Das will nichts heißen, ich weiß. Wenn dein Mann gekonnt hätte, hätte er noch etwas Schönes zu dir gesagt, da kannst du dir sicher sein, alles ging einfach viel zu schnell , was für ihn natürlich gut war. Du warst in diesem Moment bei ihm, das gibt es auch oft nicht, wenn der geliebte Mensch z.B. im Krankenhaus verstirbt. Woran ist dein Mann gestorben, wenn ich fragen darf?
      Ich drücke dich mal ganz fest aus der Ferne!
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Wir wissen es nicht genau, man vermutet Hirnschlag. Ich habe keine Autopsie zugelassen. Ich habe es nicht übers Herz gebracht.
      Ja er hätte noch was schönes gesagt , da bin ich mir sicher. Zwei Tage vorher hat er mir gefühlte tausend mal gesagt, wie sehr er mich liebt und irgendwann antwortete ich ihn Schatz ich weis das doch. Hatte er schon was gefühlt?
      An dem morgen war alles wie immer. Auf einmal hörte ich ein Zimmer weiter einen Knall. Ich lief sofort hin,haben direkt den Krankenwagen gerufen, er reagierte nicht mehr und wurde ganz blau im Gesicht.
      Der notarzt hat versucht ihn zu reanimieren aber ohne Erfolg. Sie brachten ihn ins Krankenhaus, aber dort bekamen wir nur noch die Nachricht das er es nicht geschafft hat.
      Was für ein Schicksalsschlag.... Das tut mir sooo leid, nun muss ich auch wieder heulen, liebe Lena. Wenn dein Mann dir zwei Tage vorher sooo oft gesagt hat, wie sehr er dich liebt, dann war dies vielleicht wirklich sein Abschied, wer weiß.... Vielleicht hat er wirklich etwas gespürt, geahnt.... oder er war ganz einfach unheimlich glücklich mit dir und wollte dir das mitteilen, damit du es auch nicht vergisst. Das ist doch etwas, wovon du zehren kannst...also zu wissen, dass dich dein Mann so sehr geliebt hat <3
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Liebe Lena, so geht es mir auch. Wir haben uns spät erst kennengelernt, alles passte so gut, wir hatten beide in der Vergangenheit schwere Zeiten erlebt. Mein Mann lebte richtig auf, war so glücklich, und ich natürlich auch. Doch dann hat das Schicksal erbarmungslos zugeschlagen. Mich macht das auch total fertig, alles ist so unfair. Warum hat nicht MS gereicht? Warum musste er auch noch Krebs bekommen???? Ich hadere sehr mit dem Schicksal und mit Gott und der Welt...
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
      Das ist auch sehr schlimm Regina, man meint es ist von einem sehr weit weg und dann erwischt es einen so hart. Den Glauben hab ich auch im Moment verloren.
      Warum hat man uns die Männer weggenommen. Wir waren so glücklich. Es gibt so viele schlimme , schreckliche, brutale Menschen auf dieser Welt. Warum mussten unsere geliebten Menschen gehen. Warum?
      Warum müssen Menschen doppelt leiden MS und dann Krebs warum?
      Genau das frage ich mich auch sehr oft. Da laufen so viele gemeine und irre Menschen draußen herum, die Anderen übel mitspielen, und ausgerechnet liebe Menschen trifft es so hart. Warum nur?!? Womit haben wir das verdient, haben es diese lieben Menschen verdient? Früher war mein Motto immer "Alles hat irgendeinen Sinn, auch wenn man ihn noch nicht sieht", aber das sehe ich nicht mehr so. Es kann kein Sinn darin liegen, dass ein geliebter Mensch stirbt :(
      Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben.(Mascha Kaleko)
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