Papa liegt im sterben

      Papa liegt im sterben

      Hallo Hanna,

      Das mit deinen Eltern tut mir wirklich sehr leid und das du deinen Vater so vor gefunden hast muss schrecklich sein. Wie geht es dir denn inzwischen?
      Wie verarbeitest du das ganze?

      Ich habe heute Urlaub und je nachdem wie es mir morgen geht werde ich wieder fragen.

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      Jennylein85,
      Schön,das du jetzt Urlaub hast,versuche ein bisschen zu entspannen.Ich weiß,es ist schwer,aber es gibt neue Kraft,
      um für deinen Papa da zu sein.
      Mir geht es nicht so gut,ich sehe immer noch meinen sterbenden Papa vor mir.
      Ich gehe morgens mit meinen Hunden joggen,das tut ganz gut,obwohl es auch keinen Spaß macht.
      Bei meiner Mutter war das nicht so schlimm,weil es absehbar war,und ich mich verabschieden konnte,das macht alles
      leichter.Ich hoffe,das ich das alles mal verarbeiten kann.
      Alles Gute und liebe Grüße von
      Hanna
      Ich habe nur heute Urlaub ich denke ich gehe morgen arbeiten. Ich habe spontan einen Massage Termin gemacht wo ich jetzt hin gehe. Hoffentlich entspannt mich das etwas.

      Am Donnerstag fahren wir ja wieder hin und dafür brauche ich auch einen halben Tag Urlaub mal gucken ob das klappt.

      LG jenny
      Die Massage wird dir bestimmt gut tun.
      Es ist Schade,das ihr immer so weit fahren müsst,um den Papa zu besuchen.
      Aber gute Hospizplätze sind leider nicht so schnell zu finden,und dein Papa scheint sich ja dort wohl
      zu fühlen,dann würde ich ihn auch da lassen.
      Wenn du ihn ihn Donnerstag besuchst wird er sich sehr freuen.
      Schreibe doch mal wie es ihm geht.
      Bis dahin alles Gute für dich und deinen Papa
      Liebe Grüße
      Hallo liebe Hanna,

      Ich kann mir vorstellen das es kein Spaß macht das die Gedanken ständig da sind, Bilder die eingebrannt sind. Das tut mir wirklich unendlich leid für dich.

      Wir waren heute bei Papa, war fast Theater heute einen halben Tag frei zu bekommen. Ich glaube meiner Chefin ist das wirkliche Ausmaß nicht bewusst. Sie weiß zwar das mein Papa sterben wird, aber dadurch das ich mich auf der Arbeit so sehr zusammen reise und nur von den positiven Dingen erzähle kommt ihr das vielleicht nicht so ernst vor. Sie ist grade mal 27 und kann das nicht richtig einschätzen.

      Mein Papa hatte heute einen sehr guten Tag, wir waren aber auch schon um kurz vor 9 dort. Er steht ja schon um 5 Uhr auf, und deswegen ist er da natürlich noch fitter als wenn wir erst mittags kommen.

      Es gab ein paar nicht so schöne Themen leider. Auch haben wir ihn gefragt wo genau er begraben werden möchte, denn er bekommt eine Waldbestattung.

      Die Dosis der Medikamente ist vor 2 Tagen wieder um 10% erhöht worden. Und er kann sehr schlecht laufen.

      Aber was er tut, er hält die Schwestern wirklich auf Trab. Er hat immer viel mit Kräutern gemacht und für die Allgemeinheit gepflanzt. Das hat ihm irre Spaß gemacht. Jetzt hat er Erde und Kräuter dem. HOSPITZ gespendet und lässt die Schwestern Pflanzen. Der kann nicht nichts tun. Muss immer was für alle tun. Liest ohne Ende Bücher und bildet sich immer noch weiter.
      Mein Papa ist der intelligenteste Mensch den ich kenne und das sag ich nicht nur weil es mein Papa ist, er weiß einfach alles und man kann die aufschlussreichsten Gespräche mit ihm führen.

      Ach was werde ich ihn vermissen, diese Gespräche seine direkte ehrliche Art, nie ein Blatt hat er vor den Mund genommen, trotzdem mochten ihn immer alle.....
      ja Jennylein, man weiss schon vorher ganz genau was man alles vermissen wird. Ich freu mich für Dich mit das Du Deinen
      Papa noch sehen, anfassen und was erzählen kannst. Das sind so innige Momente an denen man sich später festkrallt.
      Ich wünsche Dir noch ganz viele davon.

      LG
      Sabine
      Ja, das stimmt, Jennylein. Genieße jeden Tag und jedes Gespräch mit Deinem Papa.

      Ich habe gestern auch noch im Quali-Kurs für Demenzbegleitung einer Teilnehmerin erzählt, wie ich meine Mama noch 1 1/2 Jahre nach hier in meinen Wohnort geholt habe und dabei - ohne nachzudenken - gesagt, dass ich es wieder genauso machen würde. Mir hat es immer so viel gegeben, wenn wir die Mama jeden 2. Tag besucht haben und sie uns im Rollstuhl sitzend schon von weitem mit erhobener Hand gegrüßt hat, obwohl sie kaum noch was sehen konnte. Sie hat sich immer so doll gefreut, wenn wir gekommen sind. Das wird mir keiner mehr nehmen können und ich denke so oft daran.

      Du schreibst ja auch sehr schön positiv und liebevoll über Deinen Papa - deshalb - sei froh über jeden Kontakt. Man weis, dass man die Eltern nach dem Tod vermissen wird, macht sich aber nicht wirklich eine korrekte Vorstellung davon, wie es sein wird, wenn man sie nicht mehr um Rat fragen oder sich auch einfach nur über labidare Dinge mit ihnen unterhalten kann.
      Ich vermisse meine Mama so unglaublich ....; dabei waren ernsthafte Gespräche schon länger nicht mehr möglich - aber egal - sie war einfach noch da und ich konnte ihre Hand halten. Jetzt weis ich ganz genau was es bedeutet, wenn diese Hand nicht mehr da ist ....
      Hallo ihr Lieben,

      Gestern war es nun so weit mein Papa ist am 2.6.2018 um 18:30 friedlich eingeschlafen. Mein Bruder, meine Mama und ich waren bis zum letzten Atemzug bei ihm und noch darüber hinaus.

      Mein Bruder und ich kamen am Donnerstag von einer Reise zurück und da rief das Hospitz an um mitzuteilen das sich der Zustand verschlechtert hat. Als wir Freitag Mittag hin fuhren rief das Hospitz erneut an um zu fragen wann wir kommen würden, Papa möchte das wir da sind. Als wir ankamen wurden wir erstmal ganz ruhig auf die veränderte Situation vorbereitet. Das er was gegen die Angst bekommt um sich zu entspannen er würde jetzt ruhig schlafen. Wir sind ins Zimmer und es war natürlich schrecklich ihn so da liegen zu sehen. Aber völlig selbstverständlich nahmen wir beide seine Hand und blieben über 2 Stunden neben ihm sitzen. Haben ganz ruhig mit ihm gesprochen. Und die ganze Zeit hatten wir das Gefühl er wird jeden Moment aufhören zu atmen. Es war Schrecklich. Plötzlich wurde er wach und wollte aufstehen. Das ging auch, wenn auch sehr langsam. Er hatte Hunger und wollte essen, was er auch tat. Ich zeigte ihm die Kräuter welche wir zuhause gepflanzt haben und wie sie gewachsen sind. Da blühte er schon wieder auf und freute sich wahnsinnig darüber. Anschließend kamen seine beiden Schwestern und er blühte noch mehr auf. Es wurde über alte Zeiten gesprochen, über Geschichten aus der Kindheit. Ihn ging es richtig gut er hat auch viel erzählt. Trotzdem beschloss mein Bruder dort zu übernachten weil die Schwestern vom Hospiz ihm das angeraten haben. Ich habe bei meiner Tante übernachtet. Die Nacht verlief ruhig. Gestern früh ging es in wieder schlechter, er konnte kaum noch sprechen. War sehr müde und wollte sich eigentlich auch ausruhen. Aber die Angst überwiegte sodass er immer wieder aufstehen wollte. Er bekam was zur Beruhigung und schlief ein während meine Tante ihm vor las. Er wurde wach konnte jedoch nicht mehr reagieren, man hat richtig seine Angst gespürt. Die Schwestern haben uns öfters raus geschickt um ihn entweder frisch zu machen oder ihm erneut Medikamente zu geben. Die wussten ganz genau das es der letzte Tag sein würde. Sie haben uns so dermaßen gut darauf vorbereitet uns raus geschickt das wir einen Spaziergang machen sollen. Aber dann kam der Moment das sie merkten die Zeit ist gekommen, sodass das Angst Medikament durch den Tropf angeschlossen wurde um ihn in eine Art Dämmerzustand zu bringen. Aber sie sagten auch er würde durchaus alles hören und mitbekommen. Kurz danach bekam ich eine totale Panikattacke vor Angst. Man musste mich extrem beruhigen dann wollte ich etwas trinken und indem moment sagte die Schwester ich solle besser rein gehen. Indem moment nahm ich seine hand und er machte seinen letzten Atemzug. Wir haben noch Minuten danach seine Hand gehalten und ihm gesagt wie sehr wir ihn lieben und ihm eine gute Reise gewünscht.

      Ich hätte niemals gedacht das ich es schaffe dabei zu sein, ihn fest zuhalten und zu küssen.
      Er hat auf uns gewartet bis wir aus dem Urlaub zurück waren. Er hat uns mit diesem schönen Freitag Lebewohl gesagt.

      Dieses hospiz ist der Hammer und was die Schwestern dort leisten einfach nur Menschlichkeit pur.
      Sie haben ihn danach sogar nochmal zurecht gemacht.
      Uns gesagt was wir für eine tolle Familie haben.
      Mein Papa hat es tatsächlich geschafft alle wieder zusammen zu führen, denn das war sein größter Wunsch.

      Ich bin unendlich dankbar das es solche Einrichtungen gibt und meine vorige Angst hat sich ganz schnell in Freude und ewige Dankbarkeit umgewandelt.

      Mein lieber Papa ich werde dich immer lieben und dich niemals vergessen, denn ich weiß du bist immernoch bei uns

      Aber es tut so wahnsinnig weh, es fühlt sich so unecht an, als ob das alles nicht wahr ist.
      liebe Jenny,

      auch von mir mein herzliches Beileid zu Deinem Papa, ja es tut immer sehr sehr weh einen lieben Menschen herzugeben. Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel viel Kraft für die kommende Zeit und alles Liebe.

      lg Heidi
      Hallo Jennylein,
      auch ich möchte dir meine Anteilnahme ausdrücken und dich in den Arm nehmen. Ihr seid bei ihm gewesen und habt ihn begleitet.Das ist schön, richtig schön. Beim Abschiednehmen die liebsten Menschen um sich haben, den Zusammenhalt spüren, das gibt Kraft, allen Beteiligten.
      L.G.Emmi
      Hallo Jenilein,
      auch von mir mein herzliches Beileid.
      Das hast du alles so gut geschrieben. Mich hat das alles wieder an meinem
      Mann erinnert. Wie das so war und das hat sich geähnelt.
      Mir laufen die Tränen und ich kann schon fast nicht mehr schreiben und lesen...
      Ein liebes *drück* ist mir gerade alles was möglich ist.
      Schöne Worte die du gefunden hast, tröstlich wie ihr es geschafft habt, zusammen.
      So wünsche ich euch gemeinsam den Weg durch die Trauer zu finden.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Jenny,
      in Gedanken bin ich bei Dir, wünsche Dir viel Kraft für alles was jetzt noch kommt. Gut dass Ihr Euch als Familie habt, dass Ihr gegenseitig für Euch da sein könnt.
      Stille Grüße
      Franzi
      - Aufgeben ist keine Option -
      Liebe Jenny, meine herzliche Anteilnahme am Tod Deines geliebten Vaters.
      Es ist so schön zu lesen, dass Ihr alle bei ihm gewesen seid und ihm den Abschied leichter gemacht habt.
      Es gibt viele Ähnlichkeiten zum Tod meiner Mutter. Mein Mann und ich haben ja auch ihre Hand gehalten beim letzten Atemzug und danach. Es war für mich auch das 1. Mal ein Sterben so hautnah mitzuerleben. Ich bin heute wirklich dankbar, dass ich dabei sein durfte, als meine Mama gegangen ist. Auch sie hat - genau wie Dein Vater - auf uns gewartet, um uns einzubinden. Natürlich ist das schwer, aber auf der anderen Seite für mich einfacher, als wenn sie nachts gestorben wäre, wenn ich nicht dabei war im Heim. Kann Dich und Deine Gefühle also sehr gut verstehen.
      Wenn Du Hilfe / Austausch brauchst, darfst Du Dich gerne melden bei mir.

      Ich umarme und drücke Dich
      LG Therese
      Liebe Jenny,
      mein herzliches Beileid zum Verlust deines Vaters. Er konnte sich wirklich glücklich schätzen, euch zu haben. Dass sein größter Wunsch in Erfüllung gegangen ist, ist wirklich toll. So habt ihr jetzt euch, um euch gegenseitig zu stützen. Er hat wirklich das Beste aus dieser Krankheit gemacht. Alles Gute für euch alle.

      Papa liegt im sterben

      Erstmal vielen lieben Dank für eure Anteilnahme, ihr seid wirklich toll.

      Ich hatte vor einigen Tagen schon hier geschrieben, nen sehr langen Text, scheinbar ist dieser aber nicht raus gegangen, warum weiß ich nicht.

      Naja wie waren Sonntag nochmal im Hospiz um uns zu verabschieden und auch damit die Schwestern sich verabschieden können. Es war sehr schön und natürlich dennoch traurig.
      Es ist der absolute Wahnsinn was diese Menschen die dort arbeiten leisten.
      Wie menschlich die sind und wie genau sie bestimme Momente abschätzen können.
      Ich bin froh, daß es solche Einrichtungen gibt.

      Montag haben wir die "Bestattung" besprochen, die keine klassische werden wird, da war ich total gefasst bei.

      Und jetzt kommt mein eigentliches Problem. Ich habe bevor Papa starb wahnsinnig geweint, während dessen, danach und spät abends zuhause bin ich nochmal richtig zusammen gebrochen.
      Sonntag bei der Abschiedsfeier habe ich auch nochmal wahnsinnig viel geweint. Seitdem würde es stiller. Den Sonntag war ich ruhig und den Montag auch, seit Dienstag weine ich überhaupt nicht mehr, meine Gedanken schaffen es nicht an das ganze Ereignis heran zu treten. Ich möchte weinen, trauern und an alles denken, aber es kommt mir vor, als würde ich blockiert werden. Als ob meine Augen ausgetrocknet sind.
      Ich komm mir furchtbar dabei vor, habe ein total schlechtes Gewissen, weil es mir geht, wie es mir geht. Gestern habe ich mich absichtlich betrunken damit ich in Sentimentalität gelange, was sonst bei mir sehr gut klappt. Nichts!!!
      Jetzt habe ich mich ein wenig zu diesem Thema durchgelesen, das es nichts ungewöhnliches ist und das eine Art Abwehrmechanismus ist, das der Verstand die Situation verdrängt und nicht wahr haben möchte.
      Ich komme mir so furchtbar vor.
      Was soll ich tun? Ich möchte doch einfach nur trauern und weinen.

      Gesendet von meinem MHA-L29 mit Tapatalk
      Liebe Jenny,
      Trauer darf und ist alles, nix muss...
      Die Zeit bis zur Trauerfeier/ Bestattung ist eine Ausnahmezeit, alles noch unwirklich und die Endgültigkeit noch nicht in unserem Bewusstsein angekommen.
      Die vielen Tränen werden erst noch kommen und wenn nicht ist es auch ok und glaub mir es wird noch viel Kraft kosten sie alle zu weinen wenn sie kommen...Ich wünsche dir diese Kraft und den Mut alles zuzulassen was für dich die Trauerr ausmacht...Ich wünsche dir vorallem Menschen die diesen Weg einfach mit dir gehen, ohne Ratschläge, ohne Floskeln. Menschen die einfach da sind und mit dir aushalten...
      alles liebe
      Judith

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „JHa69“ ()

      Liebe Jenny,
      das war bei mir genauso.
      Ich habe funktioniert wie ein Uhrwerk. Alles geregelt, Beerdigung und
      auch die vielen Behörden. Geweint habe ich auch nicht so viel.
      Aber so nach 3 Wochen bin ich in ein tiefes Loch gefallen, als ob es
      kein entrinnen gibt. Ich glaube der Verstand verarbeitet das auch erst sehr viel später.
      Aber es kommt sicher. Und du brauchst dich deswegen ja nicht schlecht zu
      fühlen. Wenn man das noch nicht mitgemacht hat, weis man auch nicht so genau wie
      der Körper und der Kopf reagieren.
      Aber glaube mir, das kommt mit Sicherheit....
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