Trauer nicht zum aushalten

      Hallo,

      vor über 2 Jahren , es war auch ein Sonntag, ist meine Frau mit einem schrecklichen Hustenanfall aufgewacht, danach war ihr sehr schlecht , hatte Schmerzen im Brustbereich bis hin zum Kiefer. Nichtsdestotrotz wollte sie noch in Ruhe mit mir frühstücken , weil aber der Schmerz immermehr in den Kiefer ausstrahlte suchten wir die Zahnarztbereitschaft auf , der gute Mann konnte aber weder eine Entzündung oder sonst irgendwas feststellen. Wir sind also wieder nach Hause und mein Drängen nach einem Arztbesuch tat sie damit ab dass sie meinte "nur wenn es schlimmer wird", Mittlerweile wurde ihr Zustand aber schlimmer( heute weiß ich dass sie alle Symptome eines Herzinfarktes hatte) , ich wusste nicht wirklich was zu tun ist . Ins Krankenhaus? war sie dagegen weil sie ja "nichts schlimmes hätte" , ich bestand aber darauf , es war mittlerweile gegen Abend, wenigstens den Bereitschaftsarzt aufzusuchen. Gesagt , getan. Die Ärztin reagierte schon am Telefon völlig grantig ( warum gibt es auch Menschen die sich nicht wohlfühlen) und bestellte uns genervt in ihre Praxis in ca. 1h. Nun waren wir also da und meine Frau schilderte in allen Einzelheiten ihren Zustand den die Ärztin aber nicht für voll nahm, sie erkannte den Infarkt jedenfalls nicht, schrieb ihr was gegen Übelkeit auf. Am folgenden Tag, ich musste arbeiten, schleppte sich meine Frau durch den Tag und ich rief laufend an um zu hören wie es ihr geht. Gegen Abend fühlte sie sich erschöpft und ging beizeiten schlafen. Am nächsten Tag war es noch nicht wirklich besser und ich bestand darauf dass sie wenigstens unseren Hausarzt aufsucht, der hatte leider Urlaub und so ging es zur Vertretung , der Ärztin dort erzählte meine Frau aber nur noch von Übelkeit und leichten Schmerzen im Schulterbereich. Die Ärztin verschrieb ihr auch was und wir fuhren zur Apotheke. Ich ging rein um das Rezept einzulösen und war nach nicht mal 1-2 Minuten wieder im Auto..................meine Frau atmete nicht mehr. Ich rief der Apothekerin zu sie soll sofort den Notarzt anrufen und zog meine Frau aus dem Auto und begann die Wiederbelebung. Die Chefin der Apotheke war nun auch noch gekommen und die beiden Frauen waren die einzigen die mir halfen, später erzählten mir die beiden Frauen dass, obwohl ich meine Frau auf dem Gehweg versuchte zurückzuholen, die Menschen einfach daran vorbeigingen, interessiert was ich da mache waren sie schon, bremsten ihr Auto oder ihr Fahrrad ab um zu schauen was ich da machte, gingen langsam und neugierig vorbei , Hilfe angeboten hat keiner. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam der Notarzt und übernahm die Wiederbelebungsversuche. Die Frauen von der Apotheke nahmen mich in ihr Büro mit und gaben mir ein Glas Wasser und versuchten mich zu beruhigen, durch die Fenster sah ich wie meine Frau nun in den Krankenwagen verbracht wurde, der Notarzt kam rein und ich fragte ihn wo er meine Frau hinbringt. Die Antwort die ich bekam werde ich nie vergessen: "Herr......, wo sollen wir sie denn hinbringen? Ihre Frau war vorhin tot und ist immernoch tot, es tut mir leid". Da war dann der Boden unter meinen Füssen weg.........................Ich wollte dass eigentlich nie mehr erzählen , aber eure Erlebnisse erinnern mich an meine Situation und ich kann mit euch fühlen, diese Hilflosigkeit, der Wunsch die Zeit zurückzudrehen, nicht wissen wie man seine Gefühle steuern soll. Alles prügelt auf dich ein und du weißt nicht annähernd wie du es kompensieren kannst und wie du mit all dem umgehen sollst. Und doch kann ich eins mit auf den Weg geben, den schweren Weg den ihr jetzt geht: Die Trauer hält man aus, man funktioniert und lässt sie ein Teil von dir selbst werden, sie wird dich begleiten, ab und an wirst du sie aus den Augen verlieren und dann wirst du ihr wieder begegnen. Ich wünsche euch allen viel Kraft-
      LG Steffen
      @jasmin35:
      Zunächst tut es mir Leid, dass du meinen Beitrag als etwas hart empfunden hast, aber mir ist leider nichts besseres eingefallen. Sorry nochmal! - In deinem Fall ist festzuhalten, dass dir etwas widerfahren ist, was "normalerweise" nur älteren Menschen passiert. Wer rechnet schon bei einem jungen Menschen wie deinem Freund sofort damit, dass die Schmerzen in der Brust ein klarer Hinweis gewesen sind? So schnell kommt da keiner drauf! Und Vorwürfe solltest du dir auch keine machen. Vielmehr solltest du dich fragen, ob und was andere an deiner Stelle eventuell besser gemacht hätten. Wahrscheinlich nichts! - Als mein sozusagen Patenkind kurz nach ihrem 20. Geburtstag eine Schwellung unterhalb ihrer Achsel festgestellt hatte, haben sie und ihre Mutter dieser zunächst keine Bedeutung beigemessen. Als die Schwellung nicht wegging, entschloss sie sich dazu, zum Hausarzt zu gehen. Der hat sie dann zum Internisten überwiesen und dieser widerrum ins Krankenhaus, wo sie relativ schnell operiert wurde. Krebs! Die Ärzte sollen ihr gesagt haben, dass "sie einfach nur Pech gehabt habe." Am Tage ihres 21. Geburtstages war sie bereits 3 Monate tot. Und? Hätte, hätte, Fahrradkette??

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Uli“ ()

      Liebe Jasmin, liebe Sia,
      auch ich wünsche euch beiden jetzt viel Kraft, die werdet ihr brauchen. Besonders dir Jasmin kann ich nur empfehlen, dir neben diesem Forum, auch proffessionelle Hilfe zu suchen. Mir hat es über die ersten Wochen geholfen. Einen Psychologen zu finden ist nicht einfach, doch viele Krankenhäuser bieten ambulante psychologische Hilfe an, da kommt man auch gleich dran. Ich war da ungefähr 6 Wochen, erst danach habe ich mich an einer Trauerbegeleiterin gewandt. Mein Man starb auch innerhalb weniger Stunden, ohne Vorwarnung.
      Bei mir ist die Trauer noch nicht leichter geworden, ich funktioniere, mehr ist es noch nicht. Ich weine noch jeden Tag und bin auch sehr verzweifelt. Man baut sich ein Leben auf, hat Zukunftspläne und dann ist alles plötzlich vorbei.
      Doch die Menschen hier im Forum sagen, es wird irgendwann besser und irgendwann wird auch für uns wieder die Sonne scheinen. Wir müssen nur etwas dafür tun, auch wenn es uns schwer fällt.
      Ich wünsche uns allen viel Kraft.
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