meine Mama.....

      meine Mama.....

      ....am 11.03.18 musste ich mich von meiner Mama verabschieden.

      Der Tag war grausam, erleichternd, schockierend, erlösend und so unwirklich.

      An diesem Tag hatte mein Papa dann auch noch einen heftigen Zusammenbruch, so das ich mich zusammen mit meinem Bruder dann auch noch um meinen Papa kümmert musste und noch muss und der komplette Trauerprozess so komplett anders verläuft als ich gedacht habe.

      Ich möchte hier gern Stück für Stück erzählen was passiert ist. Vielleicht hilft es mir bei der Aufarbeitung des ganzen.

      trauernde Grüße Martina
      Liebe Martina,

      es tut mir leid, dass du deine Mama gehen lassen musstest. Ich kann dich sehr gut verstehen. Es ist wichtig und richtig sich alles von der Seele zu schreiben. Auch ich habe einen Ort gesucht, an dem es Menschen gibt, die das gleiche Schicksal teilen, ohne auf einen bestimmten Tag und eine bestimmte Uhrzeit warten zu müssen, wenn man evtl. eine Trauergruppe außerhalb der eigenen vier Wände gefunden hat. Die Gedanken, die Gefühle, die Trauer, der Schmerz kennen keine Uhrzeit, sie kommen unerwartet und sind meistens unser ständiger Begleiter. Auch ich komme nicht wirklich damit zurecht, meinen Vati nicht mehr bei mir zu haben, es tut so weh nicht in sein Gesicht schauen zu können, ihn nicht einfach mal in den Arm nehmen zu können, sein Lächeln fehlt, seine Stimme einfach mal zu hören, es ist so viel mit ihm gegangen und ich vermisse ihn täglich mehr. Man bleibt doch einfach auch Kind. Dann ist es wie bei dir, ein Elternteil muss dem anderen ins Grab schauen. Meine Mutti ist da, hat ihren Mann nach Jahrzehnten nicht mehr an ihrer Seite und leidet sehr. Sie ist nun auch sehr krank und ich weiß manchmal gar nicht, wie ich den nächsten Tag überstehe. Man tauscht irgendwann die Rollen und übernimmt einen großen Teil der Verantwortung. Und auch wenn man weiß, dass der Tag kommen wird, weil wir nur Gast auf Erden sind, ist es dennoch unendlich schwer und traurig Abschied nehmen zu müssen.

      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und schicke dir liebe Grüße

      m-m-chen
      Danke euch.

      Seit Ende letzten Jahres steht meine Welt Kopf.

      Man sah meiner Mama schon länger an, das es ihr nicht so gut geht. Sie hatte immer weniger Kondition, schwere "Astmaanfälle" und ihr Gesamtzustand war kränklich.
      Auf Nachfrage war aber immer alles soweit gut. Halt kleine Zipperleinchen...aber nichts schlimmes.

      Und ja....es ist meine Mama, da hab ich einfach darauf vertraut, das sie schon sagen würde, wenn es ihr gar nicht gut geht oder sie schwer krank ist.

      Anfang 2018 fiel mir dann bei einem Telefonat auf, das sie abgehakt spricht und es ihr schwer fällt zu reden, aber auch da beschwichtigte sie mich und meinte, sie wäre müde und sie hätte halt nen schlechten Tag.
      Da es am nächsten Tag dann aber nicht besser war, fragte ich meinen Papa....dem war das aber noch gar nicht aufgefallen.
      Wobei ich dazu sagen muss, das mein Papa seit sehr, sehr vielen Jahren Alkoholiker ist und bedingt dadurch und durch einen Unfall geistig nicht mehr wirklich auf der Höhe.

      Ich hab dann die Initiative ergriffen und meiner Mama gesagt, sie soll ne Tasche packen, ich fahr sie ins Krankenhaus. Mein Verdacht war ein Schlaganfall.

      Der Arzt im Krankenhaus meinte das zu Anfang auch..... wäre für uns alle viel "schöner" gewesen.

      Schlussendlich stellte sich nach ein paar Tagen und vielen Untersuchungen heraus, das meine Mama
      einen Hirntumor, Tumore in verschiedenen Organen und COPD im 3 Stadion hat (von der COPD wusste sie, hat es uns aber immer als Asthma verkauft. Ich weiß allerdings nicht ob sie den Unterschied auch wusste).

      All diese Diagnosen brachten meine Welt zum Einsturz und ich verfiel in totalen Funktionalismus.
      In der kommenden Zeit organisierte ich zusammen mit meinem Bruder meiner Mama ihren Tod.
      Hallo, black-holly, hallo m-m-chen,
      ja - kann ich alles sehr sehr gut verstehen. Meine Mama ist nun vor 10 Monaten verstorben und ich kenne das Gefühl, sie gehen lassen zu müssen, nur zu gut. Ich war gelähmt, traurig, wütend, dankbar. Auch ihr ging es die letzten 10 Wochen sehr schlecht - lag nicht ansprechbar in ihrem Bett, hat nichts mehr gegessen und getrunken und nicht mehr gesprochen. Sie hatte schon Jahre lang immer schlimme Rückenschmerzen, Blase funktionierte nicht mehr etc.; aber wirklich nachvollziehen kann man das alles ja erst viel später. Da fragt man sich natürlich zunächst, ob das zum Schluss, wo sie schon unter Morphium stand, alles so richtig ist oder ob ich sie nochmals ins Krankenhaus hätte schicken sollen. Das ist allerdings bei jemandem, der Demenz hat, fürchterlich (neue Umgebung, neue Menschen, Hektik im Krankenhaus etc.). So habe ich damals die Palliativ-Phase einleiten müssen. Ich war mindestens jeden 2. Tag bei ihr, manchmal auch zwischendurch, obwohl es mich sehr belastet hat. Dann habe ich mir Hilfe beim Hospizverein geholt; das war die beste Idee, die man in einer solchen Situation haben kann. Eine ehrenamtliche sehr nette ältere Dame hat mich dann etwas entlastet, indem sie zeitweise am Bett meiner Mutter saß und ihre Hand gehalten hat.
      Ich vermisse meine Mutter täglich und weine auch immer noch viel, obwohl ich mit mir selbst sehr ungeduldig bin und meine, dass ich mittlerweile dankbar sein muss für die schönen und langen Jahre, die ich sie bei mir haben durfte. Mein Papa ist schon vor 10 Jahren verstorben.
      Du hast völlig Recht, liebe m-m-chen; man bleibt eben halt doch Kind !
      Und die Eltern haben so viel bedeutet! Obwohl ich schon längere Zeit mit meiner Mutter nicht mehr über die täglichen Dinge reden konnte wegen ihrer Demenz, so konnte ich doch bei ihr sitzen, sie umarmen, ihre Hände halten ....; es fehlt einfach die Nähe des lieben vertrauten Menschen; man fühlt sich wirklich so alleine und leer. Es ist - wie schon geschrieben - nun schon 10 Monate her, aber es tut kein bißchen weniger weh. Ich spreche oft mit ihrem Foto und auch mit dem meines Vaters - aber die Umarmung fehlt einfach und es wird nie wieder so werden, wie es einmal war ....

      Black-holly - wenigstens einen Trost hast Du; Dein Bruder hat Dir beigestanden. Ich war ganz alleine, weil mein Bruder sich aus allem rausgezogen hat und noch nicht einmal zur Beerdigung erschienen ist, sondern mit per Anwalt jeglichen Kontakt untersagt hat, obwohl es vorher keinen Streit gegeben hat.
      Die Mama hat so unter seinem Fernbleiben in der Vergangenheit gelitten und wäre m.E. schon eher verstorben, wenn sie nicht noch immer auf ihn gewartet hätte. Unglaublich .....!

      So müssen wir nun alleine weiter funktionieren und uns ganz langsam wieder ins Leben zurückkämpfen. Die Eltern hätten es bestimmt so gewollt ....

      Ich umarme Euch und wünsche Euch viel Kraft
      theri
      Liebe black-holly, liebe theri,

      egal, wie viel Zeit vergeht - obwohl doch die Zeit angeblich Wunden heilen soll - es wird nicht wirklich besser. Das Vermissen wird von Tag zu Tag mehr, dass alles nicht mehr ist, wie es einmal war, das bestätigt sich jeden Tag aufs Neue. Es geht weiter, es muss, aber wie? Ich habe keine Geschwister, aber letztendlich ist auf Geschwister auch nicht immer Verlass. Auch angebliche "Freunde" lernte ich in meinem Leben schon zur Genüge kennen und es gibt sie nicht wirklich, zumindest nicht in meinem Leben. Dennoch habe ich das Glück, meine kleine Familie zu haben. Meinen Vati habe ich hier bei mir auf Erden leider nicht mehr, aber meine Mutti (um die ich seit ihrer Erkrankung jeden Tag bangen muss), meinen Sohn (der meinem Leben den Sinn gibt jeden Morgen aufzustehen) und meinen Mann (der mich unterstützt, aber seine Eltern noch haben darf und diesen Verlust noch nicht so richtig nachvollziehen kann). Wie ihr seht, noch nicht mal so viel wie Finger an einer Hand, aber ich bin dankbar dafür. Aber dafür ist die Lücke, die Vati hinterlassen hat, umso größer. Und dieser Tag des letzten Atemzuges hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Wenn ich im Bett liege sage ich mir immer, dass ich nicht nachdenken möchte, denn diese Gedanken lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich drehe mich Kreise und es ändert nichts an der Tatsache, im Leben loslassen zu müssen. Und der Gedanke ans "Gehen" macht wir Angst. Hoffen auf ein Wiedersehen lässt mich manchmal den nächsten Tag überstehen, aber es ist und bleibt schwer. Klar hätte Vati nicht gewollt, dass es uns so ergeht, aber ich glaube, nein ich weiß eigentlich, er hat es geahnt.

      Und nicht mit jedem Menschen kann man darüber reden, auch Menschen, die solch ein Schicksal schon erlebt haben. Manche kommen damit besser zurecht und so zieht man sich zurück und versucht zu funktionieren. Bis irgendwann unser Moment kommen wird. Und dafür wünsche ich mir wenigstens - auch wenn ich es nicht in der Hand habe - dass mein Sohn auch seine eigene kleine Familie haben wird, die ihn auffangen kann. Ach je, jetzt heule ich gleich los und mag gar nicht daran denken. Sorry dafür.

      Tja, und das Vertrauen zu Ärzten habe ich auch schon lange verloren.

      Ich drück euch auch und schicke liebe Grüße

      m-m-chen
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