Wie kann man einen ganz neuen Freund nach Tod der Mutter troesten

      Wie kann man einen ganz neuen Freund nach Tod der Mutter troesten

      Hallo,

      ​ich habe vor kurzem einen neuen Partner kennengelernt mit dem wirklich alles passte. Obwohl wir uns zeitlich nicht oft sehen konnten, sind wir uns schnell nahe gekommen, hatten taeglich Kontakt (teilweise stundenlang waehrend ich auf Arbeitsreise war) und er bedeutet mir trotz der kurzen Zeit wirklich viel.

      Nun ist letzte Woche seine Mutter verstorben. Im Prozess dorthin (vom Anruf der Nachbarn, bis Krankenhaus, bis Tod) hat er mich regelmaessig angerufen, geschrieben etc. Heute meinte er ploetzlich dass er "mich in eine Schachtel packen moechte" bis er mit der Trauer fertig ist, da er mir nichts zu bieten hat. Hat gleichzeitig betont dass er traurig ist da er selten so tolle Frauen wie mich trifft die er so schnell so gerne mochte.

      ​Ich habe gesagt, dass ich ihn nicht einfach verlieren moechte, daraufhin bat er darum, dass ich ihn anrufen soll und er kein schlechtes Gewissen haben moechte dass er sich nicht meldet, da er dazu keine Kraft hat.
      ​Fuer mich hoert sich dies wie ein fairer Wunsch an und ich wuerde alles dafuer tun auf diese Weise den Kontakt zu halten und ihm helfen zu koennen (auch wenn es vielleicht nur ein bisschen ist, da wir uns ja nicht gut kennen)....Ich habe ja nichts zu verlieren (da die Alternative ist dass ich ihn eh' verliere wenn wir den Kontakt abbrechen).

      ​Habt Ihr Erfahrungen oder einen guten Rat, was ihr machen oder nicht machen wuerdet.
      ​Vielen Dank im Voraus!
      Ulla
      Liebe Ulla, viel raten kann ich dir nicht wirklich.
      Ich denke du wirst auf dein Herz und dein Gefühl hören müssen, was dir gut tut, was dir gesund erscheint.
      Rücksicht nehmen auf seine Gefühle, ohne deine dabei zu verletzen.

      Helfen kann man wohl auch nur jemandem der das auch möchte, annehmen kann, dass kann ich aus Erfahrung sagen, sicher aber kenne ich den Menschen nicht und kann ihn überhaupt nicht einschätzen.
      Sicher ist sein Wunsch zu respektieren, so würde ich das halten, würde ich mir denken, dass er seinen Grund dafür hat, keine Kraft zu haben kenne ich zu gut, die Freude auch, wenn sich dennoch einer meldet ohne Erwartung an mich zu haben, die ich nicht erfüllen kann.

      Trauer ist ein harter Weg, ein Prozess in den man geschleudert wird ohne zu wissen was wirklich auf einen zu kommt.
      Man macht einiges, ohne sich dabei selbst zu verstehen, folgt seinem Inneren und kennt vielfach sich und auch die Welt um einen herum nicht mehr.

      Jemanden in eine Schachtel packen bis eine Trauer vorbei ist, um ihn zu schützen, ja, das wäre vielleicht ein Wunsch den auch ich gehabt hätte, ich weiß aber zu gut, dass man sich in seiner Trauer sehr verändern kann, vielleicht nie wieder sein wird, wie man war.
      Die Schachtel dann zu öffnen wäre eine Konfrontation mit einem Menschen den man so nicht kennt, nicht mitbekommen hat wie er sich langsam verändert hat.

      Ich denke, ich würde mich bei ihm melden, hören wie es ihm geht, Hilfe anbieten, einfach da sein, zuhören.
      Den Kontakt halten ohne Erwartungen aber - ihm aber damit auch die Möglichkeit geben selbst anrufen zu können, wenn denn seine Kraft reicht.

      Das er dir nichts bieten kann, kann interpretiert werden, dass mag ich nicht tun.
      Ich denke wenn du anrufst wirst du merken wie es dir dabei geht, ihn einschätzen können vielleicht, demnach entscheiden wie oft du es tust, dich vielleicht zurückziehen magst, wenn du merkst damit auf bestimmte Dauer nicht umgehen zu können.

      Vielleicht hilft es dir, wenn ich erzähle aus meinem Leben.
      Ja ich stand auch in Kontakt mit einem lieben Menschen, wie gut er mir tat, wie sehr ich die Anrufe genoss, wie sehr er mir half mich zu reflektieren, gute Ratschläge hatte, mich auch ablenkte, einfach da war zuhörte.
      Wie dankbar ich war, ich kann das gar nicht in Worte fassen, was ich aber in Worte fassen kann, wie sehr ich es bedauerte, nicht viel zurück geben zu können, das Gefühl mich beschlich vielleicht einfach nur belastend zu sein, immer wieder die selben Worte, Tränen, das wollte ich ja so nicht, kam mir manchmal regelrecht schäbig vor, in der Angst da einen so lieben Menschen auszunutzen.

      Ich zog mich immer weiter zurück, bis ich den Anschluss verpasst hatte, so mag ich es mal benennen.
      Es ist schon seine Zeit her und noch heute denke ich daran, was wäre, wenn ich mich anders verhalten hätte - zu spät aber, die Zeit ist vergangen und so sehr ich auch bedaure, ich konnte nicht anders.
      Ich sage heute, da habe ich wohl einen Menschen verloren, der ein wahrer Freund hätte werden, sein oder bleiben können.

      Die Zeit ist nicht zurück zu drehen, was mir bleibt sind mein ewiger Dank und die lieben Gedanken daran, dass er einfach da war, ein Licht in sehr dunkler Zeit.

      Ich wünsche dir alles was es braucht um eurer beider Gefühle nicht zu verletzen, ein gesundes Verständnis in der für ihn schweren Zeit.
      Einen Weg, den ihr beide gehen könnt um euch nicht zu verlieren.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Ulla

      In der neue * Brigitte Woman* habe ich einen sehr schönen Artikel gelesen.
      Die Autorin hat ihren Vater verloren und sie beschreibt ihre Gefühle und was ihr dabei geholfen hat, vor allem wie die Umwelt ihr helfen konnte
      Ich finde diesen Artikel sehr entsprechend der Situation. Eine Trauerbergleiterin gibt dazu einige Tipps wie man sich als Freund verhalten kann.

      Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen das mir die Menschen am meisten geholfen haben die einfach nur da waren, ohne ständig Ratschläge zu geben, die geholfen haben ohne viele Worte

      Von meiner Arbeitskollegin ist jetzt der Mann plötzlich verstorben....mit 47 Jahren. Ihr hilft es zu reden, ihr zuzuhören...jeder ist anders, jeder geht mit Trauer und Verlust anders um.
      Ich denke wichtig ist es das zu akzeptieren und dem Partner zu signalisieren: Genau so wie es ist, wie du bist , ist es okay. Ich versuche für dich da zu sein so wie ich kann...und dich zu unterstützen so wie du es brauchst, wie du es möchtest.

      Viel Kraft , Zeit und Hoffnung wünsche ich euch
      LG Sorina
      Alles verändert sich, mit dem der neben einem ist oder neben einem fehlt.
      In meiner Trauer wohnt die Liebe
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