Zweieinhalb Jahre Trauer und kein Ende in Sicht.

      Zweieinhalb Jahre Trauer und kein Ende in Sicht.

      Im April 2016 ist meine Lebensgefährtin, die Liebe meines Lebens gestorben. Krebs. Es zog sich lange hin, wir waren voller Hoffnung. Am Ende gings ganz schnell. Ins Krankenhaus, von da ins Hospiz. Vier Wochen die im Sturm vergingen. Letzte Gespräche und noch viel mehr nur Schweigen. Die letzten Minuten ein einziger Kampf. Sie konnte mich nicht loslassen und ich habe sie beim besten Willen nicht loslassen können.
      Die Bilder der letzten Minuten sind immer noch präsent und verfolgen mich.
      Tage danach, das Übliche: Beerdigung. Hilflose Beileidsbekundungen. Betäubung. (Das klingt jetzt so kalt. Aber ich bin mit dem Prozedere vertraut. Leider.)
      Die ersten zwei Jahre danach vergingen zäh und doch rasend schnell. Sie waren eigentlich nur von Gefühlschaos geprägt. Das volle Programm: Nachtschweiß, keine Nacht durchgeschlafen, keine Energie, Panikattacken. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt. Gott sei Dank hatte ich ein paar Menschen die sich um mich gekümmert haben. Die mir zugehört haben und wo ich hin konnte.
      Trauer? Die kam erst so richtig im Laufe des zweiten Jahr heraus und sie ist nach wie vor da. Im Gegenteil, erst seit dieser ganze Schock langsam gewichen ist fehlt sie mir mehr denn je und ich betraure sie.
      Die Mitmenschen die sich gekümmert haben kehren zum Alltag zurück. Ich bin weit davon entfernt zur Normalität zurück kehren zu können. So richtig traure ich erst jetzt. Tja und da ich keine Verwandten / Angehörige habe bin ich mit mir und meiner Trauer allein gelassen. Die Nachbarn sagen: Verreise doch, genieß dein Leben. Hab ich versucht. Ein Witz. Mit wem soll ich das Erlebte teilen.
      Manchmal kommt man sich - nicht richtig tickend - vor, weil andere so viele Konzepte und Vorschläge haben wie man sein Leben jetzt zu gestalten hätte. Man selbst ist aber noch überwältigt von der ganzen Trauer die im Inneren ist.
      So das ist meine Geschichte und es tut gut sie mal schriftlich zu fixieren.

      Bartnelke schrieb:

      So richtig traure ich erst jetzt. Tja und da ich keine Verwandten / Angehörige habe bin ich mit mir und meiner Trauer allein gelassen. Die Nachbarn sagen: Verreise doch, genieß dein Leben. Hab ich versucht. Ein Witz. Mit wem soll ich das Erlebte teilen.

      Hallo Bartnelke,
      ach auch ich höre das immer wieder.
      Gestern erst in der Firma. ich habe mal kundgetan, das mich der Job so sehr anstrengend,
      das es bald nicht mehr geht.
      Da schaue ich auch in fragende Gesichter , die dann schnell das Thema wechseln.
      Es kann keiner verstehen.
      Aber ich glaube hier geht es vielen so wie dir und mir.
      Da bist du sicher richtig.
      Es hilft mir auch zu schreiben. Das tut gut. Ist ja niemand mehr da, der zuhört.
      Naja, vielleicht die Katze...
      Aber in Ernst, es ist gut, das es das Forum gibt.
      Mir hilft es etwas durch diese schwere Zeit.
      Herzlich willkommen.
      Schön , das du da bist
      Hallo Petel,
      danke für Deine Antwort bzw. Dein herzliches Willkommen.
      Ja das Forum hilft mir schon jetzt obwohl ich erst zwei Tage dabei bin. Leider bin iich erst jetzt darauf aufmerksam gemacht worden.
      Was die Atbeitswelt und Trauer betrifft grenzt das oft schon an Grausamkeit. Vor zig Jahren, nach dem Tod meiner Mutter, hat mich mal eine Arbeitskollegin angeschnautzt. Ich soll aufhören mit meinem traurigen Gesicht, sie kann es nicht mehr sehen. Ja sowas passiert und man muss dann damit zurecht kommen. Den meisten ist auch nicht klar wie unendlich viel Energie Trauer verbraucht und dass man im Job an seine Grenzen gerät.
      Alles Gute Dir.
      Schön, dass ich da bin.
      Lieber Bartnelke, ein liebes Willkommen, ja schön das du her gefunden hast, hier bist.

      Und wieder einmal, so waren meine ersten Gedanken beim lesen deiner Worte, ja wieder ein Mensch, der in seiner Trauer dann auch alleingelassen seinen Weg sucht.
      Wer hier kennst das nicht, sie wenden sich dem Leben zu, sicher ein normaler Zustand, leider verstehen sie einfach nicht, wie schwer es für einen selsbt ist, sie sind ja anders betroffen, nicht so nah dran mag ich sagen.

      Sie bekommen schon mit, manche wollen auch genauer wissen, veruchen zu hlefen, bis sie ihre Grenze erreichen, und die ist leider viel enger gelegt als unsere.
      Wir, die Partner, die Eltern, die Kinder, die Vertrauten eines sterbenden Menschen.

      Und sicher gehen alle anders damit um, so wie sie können, ohne das ich manchmal werten könnte, wie eine Trauer gemessen werden kann, manche trauern nach innen, andere nach außen.
      Und ann die anderen, die Kollegen, die Arbeitskollegen, die Eltern, ich bin weit davon entfernt zu werten, heute.
      Heute weiß ich darum, wie schwer ist ist zu verstehen, was man selbst nie so erlebt hat, erleben musste leider.

      Das Leben lebt um uns herum, wir müssen nur das Haus verlassen, die Wohnung und schon erscheint es uns manches mal wie eine andere Welt.
      NEin es ist die gleiche wie vorher, wir haben sie nur nicht so sehen könne wie die Trauernden.
      Nun können wir das, müssen wir lernen, damit unzugehen.
      Umzugehen auch mit den Reaktionen der anderen, die uns manchmal auch immer fremder werden, wir sie so nie kannten.
      Mussten wir ja nicht, wir gehörten zum Leben dazu.

      Heute aber gehören wir hier zu den Wissenden, schauen anders in die Welt, auf das Leben, bekommen hautnah mit, verändern uns und können erst einmal an nichts anknüpfen wie es den war.
      Ja wir machen unseren Job, scheinen stark, und alle scheinen nur darauf zu warten, das wir zurückkeren - anknüpfen eben - alles sit gut.

      Nichts ist gut, die Trauer kennt keine Zeit, trauer kann man auch nicht lernen sage ich heute für mich, man muss sie durchleben, jeden Tag neu verhandeln, neu lernen, neu schauen.
      Einen Schritt vor, zwei zurück, Wochen zurück um sich dann irgendwann herzlich lachend erlebend und erschreckt in ein schlechtes Gewissen wiederzufinden.

      Das ist doch alles nicht normal, wiso verteht mich denn keiner, wir haben uns doch immer gut verstaden - so dachte ich und doch in einem Forum wie diesem Jahre später wusste ich dann nicht ich bin anderes, ich bin nur die Trauernde und die Welt der Trauer ist eine andere als die davor, die, die die anderen kenen, ind er sie sich bewegen.
      Hier aber ist die andere Welt, in ihr bewegen sich Trauernde, jeder auf seinem Weg, vorne, hinten, in der Mitte.
      Aber wir wissen eben, wir lesen den anderen zu, was tun sie, was haben sie getan.

      Aber was schreibe ich alles - komm erst mal an und ich hoffe es kann auch Stück deiner Welt werden, eine Welt in der die ZEit anders läuft, in der du nicht mithetzen musst, nicht konkurieren.
      Einen Platz den du betreten und verlassen kanst wie es dir gut tut.

      Normalität, du befindest dich mitten darin, in der Normalität der Welt der Trauernden.
      Und ja du bist sogar verrückt - ver- rückt im Sinne von deinem Platz verwiesen, als alles noch ok war, die Welt davor, vor der Diagnose, voll in Hoffnung auf ein gutes Ende.

      Ich wünsche dir alles, was es für dich gerade braucht, vor allem aber mehr verstanden werden.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Funny,
      Dir auch einen herzlichen Dank für Deine Antwort und deinen Willkommensgruß.

      Heute Vormittag war schlimm. Da gings mit dem Aufzug abwärts. Das schreiben meines Eintrags hat mich erst entlastet. Aber wie es scheint ist dadurch auch vieles wieder in Rollen gekommen. Ja wenn sich die Schleusen erst öffnen. Vorweihnachtszeit ist eh immer eine Belastung. Jetzt gehts schon wieder etwas besser.
      Ja und wenn ich schon im Schreiben bin habe ich mir gedacht machen wir es gleich richtig. Packen alles auf den Tisch des Hauses. Dann weiß man woran man bei mir ist.
      Als Kind: Tod des Vaters. Als junger Erwachsener: Tod der Mutter, nachdem meine Reanimation vergeblich war. (Das sind Schuldgefühle kann ich Euch sagen) Als Erwachsener: Tod der Großmutter, die ich sieben Jahre gepflegt habe.. Später: Tod meines geliebten Hundes, der mich in einer schwierigen Zeit begleitet hat. (Ja auch das erfordert Trauerarbeit und kann einem aus der Bahn werfen) Noch später: Aus dem Kümmern und der Trauerbegleitung um eine Berufskollegin deren siebenjähriger Sohn plötzlich verstarb entstand eine Beziehung. Er war immer ein stiller Teil dieser Beziehung. Und nun ist sie nach 14 Jahren gegangen.
      Jetzt sollte man doch annehmen man hat schon einiges erlebt, schon Trauer erfahren. "Durchlebt" sozusagen und kann irgendwie damit umgehen. Eine bekannte Emotion die man händeln kann.
      Weit gefehlt. Mich traf jeder Trauerfall immer wieder neu, unerwartet und tiefer als je zuvor. Man fängt immer wieder bei Null an. Es gibt keinen "Gewöhnungseffekt". Es sei denn man verhärtet innerlich. (Hab ich versucht. NICHT ZU EMPFEHLEN. Das rächt sich bitterlich.)
      Man sagt man kann Trauer nicht lernen. Das stimmt. Schon deswegen weil es "die Trauer" nicht gibt. Jede ist von eigener Art.
      Zu Anfang lebt uns die Trauer und wenn wir dazu bereit sind können wir mit der Trauer leben. Aber es kippt oft hin und her.
      Heute hat die Trauer mich gelebt. Ich habe vor, morgen wieder mit ihr zu leben.

      Habt Verständnis und Nachsicht mit den Nichttrauernden.
      Freut Euch für sie. Sie wissen noch nicht was auf sie zukommt.

      Alles Gute Euch allen die ihr hier seid.
      Da könneten wohl einige Worte und Erfahrungen von mir stammen.
      Nein man lernt stets nur damit umzugehen, neu umzugehen, das Wissen aber da imm Innern aus GEschehnissen, die belastet haben.
      Gemischt mit dem neuen, das in jeder Trauer anders ist.
      Andere Nähe, andere Erlenisse, andere Verbindung.
      Nebenher dieses erneute, als gäbe es keine Ruhe, kein entfliehen können aus dem was das Leben ja ist, ein kommen und gehen, ein geben und nehmen und das muss nicht wirklich eine Ausgewogenehit haben.

      So sitze auch ich in meiner Trauer, aus den gesamten Verlusten.
      Ohne zu werten aber ist es und dafür habe ich keine Worte, ich kann nicht unterscheiden zwischen ich schließe schneller Frieden und endlcih vertehen und annehmen das es die Abfolge des Lebens ist.

      Mein zu wissen ich muss das Leben leben, genießen, dass Beste daraus machen, ich habe ja nur dieses eine erst einmal - dem aber eben deswegen gehemmt sein, den Sinn suchend zwischen aufstehen nur um wieder fallen zu müssen.
      Mir verbieten, was mir helfen würde aus diesem dichten Dunkel zurück ins Licht zu treten.

      Es blendet mich derart, das ich es fast nicht mehr zu sehen weiß, all das was ich liebe, was ich benötige, was auch mir zusteht, vor allem aber das Wissen, das sie es von mir erwarten, sich wünschen mich nicht durch ihren Tod so dermaßen aus dem Leben gerissen zu haben.

      Diese Hoffnung einen weiteren Schritt geschafft zu haben um dann gegenteiliges festzustellen.

      So sitze ich immer wieder fest, verkrieche mich in meine Trauerloch suche nach erneuter Kraft um neu anzugreifen, mich gegen meine Trauer zu wenden und diese zu bekämpfen.
      Es ist aber kein bekämpfen von Nöten, ich habe keine Chnace zu gewinnen.
      Eher muss ich annehmen, meine Frieden damit schließen, nun ist es so und egal wie traurig es auch ist, wie viel Shmerz es mir bereitet es hilft keinem mich auch noch aufzugeben.

      Also doch in den Kampf, den Kampf gegen etwas das ich nicht wirklich steuern, weil wohl nicht verstehen kann.
      Dem Frieden den meine Lieben nun haben in den Vordergrund zu stellen, den GEdanken ertragen können, das ich darf ws ihnen nun versagt ist -das Leben zu leben.
      Die Wut wohl über das verlieren in die Dankbarkeit noch zu leben zu stellen.

      Wäre ich es gewesen die gegangen wäre, hätte ich nicht beistehen können, hätte nicht die helfende, liebe Hand reichen können.
      Wüsste ich dann die anderen in meinem Schmerz zurückgelassen.

      Mein Kampf lohnt, egal wie lange, wie schwer.

      Und so könnte ich weiter schreiben und mich fragen, wenn ich soch weiß, warum tu ich mich so schwer damit - es muss die LIebe sein

      Und ja auch ich freue mich über jeden der mich und meinen Kampf nicht nachvollziehen kann, nachempfinden - er hat diesem Schmerz, diese Verzweifelung eben noch nicht leben müssen.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Die letzten Tage ist die Erinnerung wieder sehr intensiv.
      Die Erinnerung an die Zeit miteinander, die letzten Wochen und überhaupt an alles mögliche was man so miteinander erlebt hat. Gestern war sie mir im Geist so nah, so intensiv, dass ich überhaupt nicht fassen konnte warum sie nicht mehr da ist. Ein Mensch lebt, steht mitten im Leben und dann.. ist er einfach weg. Nur noch eine Leere bleibt zurück. Für immer. Für mich in manchen Momenten einfach unfassbar.
    Liebeskummer Sorgen Forum