Und plötzlich ist meine Mama weg..

      Und plötzlich ist meine Mama weg..

      Wenn ich ganz ehrlich bin, dann weiß ich nicht, weshalb ich euch hier schreibe. Vermutlich, um meine Gedanken zu sortieren. Oder auch nur, um alles loszuwerden, oder um Dinge zu verstehen. Ich weiß es wirklich nicht.
      Aber ich fang einfach mal an..

      Am 27.12.2018 verstarb meine Mama ganz plötzlich und vollkommen unerwartet aufgrund von Multiplem Organversagen und einer Sepsis die durch einen Darminfarkt verursacht worden sind.

      Wir hatten noch ein wirklich sehr schönes Weihnachtsfest, worüber ich auch wirklich, wirklich sehr glücklich bin. Denn das war für mich das letzte Mal, dass ich mit meiner Mama gesprochen hab. Das letzte Mal, dass ich sie in den Arm genommen hab. Das letzte Lächeln, dass ich von ihr bekommen hab. Das letzte Mal, meine Mama.

      Am 26.12. waren meine Eltern im Krankenhaus, weil meine Mama solche Bauchschmerzen hatte. Dort ist sie untersucht worden, die Ärzte haben nichts gefunden und sie wieder nach Hause geschickt. Donnerstag Morgen ruft mein Papa mich an, dass wir schnell vorbeikommen müssen, weil etwas mit Mama ist. Bei meinen Eltern angekommen, lag sie schon im Rettungswagen und Papa stand total aufgelöst daneben. Ich hab meinen Papa bisher noch nie so gesehen.

      Mama wollte auf Toilette und ist währenddessen zusammengebrochen. Papa hat es mitbekommen, weil er grade im Nebenzimmer war, er hat die ersten Rettungsmaßnahmen vorgenommen, den RTW und Notarzt gerufen und auch die Nachbarin (Sie ist Krankenschwester). Als die Nachbarin rüberkam, haben die beiden sich mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen abgewechselt, bis der Notarzt vor Ort war. Der Notarzt musste sie reanimieren und hat erstmal einige Zeit gebraucht, bis sie stabil genug für die Fahrt ins Krankenhaus war.

      Während der Fahrt musste sie erneut reanimiert werden. Im Krankenhaus angekommen, waren ihre Werte zu schlecht, um sie direkt zu operieren. Das Organversagen hatte schon eingesetzt und ihre Leber hatte aufgehört zu arbeiten.. Sie wurde mit verschiedenen Medikamenten soweit stabilisiert, dass sie in den OP konnte. Die Ärzte haben uns zu diesem Zeitpunkt schon keinen Spielraum mehr für Hoffnung gelassen. Trotzdem wollte ich es nicht wahrhaben. Wir haben hier schließlich von meiner Mama gesprochen. Meine Mama, die stärkste Frau, die ich kenne. Die Frau, die alles irgendwie schafft. Die Frau, die es geschafft hat, eine Hirnblutung zu überleben, die Frau, die das Reden und Schreiben mit Mitte 30, mit ihrer kleinsten Tochter (mir), zusammen neu gelernt hat. Ihr Sprachzentrum ist durch die Hirnblutung komplett zerstört worden und ihre linke Körperhälfte war gelähmt. Und trotzdem hat sie sich irgendwie so durchgebissen, dass man ihr nichts mehr von alldem angemerkt hat. Meine Mama war die stärkste Person, die ich je kennengelernt habe.

      Um 13.00 Uhr kam sie in den OP. Um 15.00 Uhr kam sie wieder raus. Man hat ihr 2m Darm entfernt und uns gesagt, dass es sehr schlecht um sie stünde. „Wenn sie die Nacht überleben sollte, dann wird sie aller Wahrscheinlichkeit nach ein Pflegefall“ Mein einziger Gedanke, den ganzen Tag über war „Gut, aber ihr kennt meine Mama alle nicht. Die schafft das. Wenn das jemand schafft, dann meine Mama!“

      Nur leider war es nicht so. Um 19.30 verstarb meine Mama. Und seit dem fühlt es sich an, als wäre ein Teil von mir mit ihr gegangen. Ich bin zum Zeitpunkt des Todes meiner Mama 28 Jahre alt gewesen. Meine Mama war 60. Am 21.01. bin ich 29 Jahre geworden. Das war 3,5 Wochen nach dem Tod meiner Mama. Der erste Geburtstag ohne meine Mama. Für mich vollkommen unvorstellbar. Alles ist seitdem irgendwie unvorstellbar. Ich weiß, dass ich glücklich sein kann, dass ich 28 wundervolle Jahre mit meiner Mama hatte. Aber ich fühle mich viel zu jung. Ich weiß, dass man niemals genug Zeit mit seinen Liebsten hat, aber ich fühl mich so beraubt. So beraubt der Jahre, die noch kommen werden.

      So viel Leben, das noch vor mir liegt. Und bei allem soll sie nicht dabei sein. Und dieser Gedanke macht mich verrückt. Ich weiß, dass mir keine andere Wahl bleibt, als einfach irgendwie weiter zu machen. Es bleibt einem ja auch nichts anderes übrig. Aber es tut weh. 28 Jahre. Das ist nicht genug. 60 Jahre. 60 Jahre sind zu jung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „lena211“ ()

      Und plötzlich ist nichts mehr wie es war, kann nichts mehr werden wie gedacht.

      Liebe Lena, ein leises wie immer aber liebes Willkommen hier bei uns.
      Zu jung, zu früh, das Schiksal entscheidet, machtlos stehen wir dem gegenüber, können nicht glauben, ob wir können, werden wir auch nicht gefragt.
      Die Mama gehen zu lassen, die erste und vielfach engste Bezugsperson die man neben sich hat, sie fehlt so aus dem Nichts heraus, keine Vorbereitung, nichts das einen auf so etwas vorbereitet hätte.

      Ich denke sagen zu dürfen, selsbt wenn es das gäbe, es würde nicht wirklich etwas ausrichten können.
      Was sollte man gegen diesesn Schmerz stellen, diese Ohnmacht mit der man nicht umzugehen weiß.
      Wissen hat selten Macht gegen Gefühle, wenn sie einem alles in Trümmern legen.

      Ich kann da auch keine Worte gegenstellen, die wirklich zu trösten wüssten, die dir etwas deines Schmerzes nehmen könnten.
      Vielleicht aber hilft es, sich damit nicht ganz alein zu wissen, ich weiß, wie du dich fühlst, viele hier werden sich in deinen Worten finden können.

      Bleibt mir aber der Wunsch, alles was es gerade für dich baucht, die Tage zu schaffen, immer nur den einen auf dem Weg durch die Trauer.
      Möge dir das lesen hier helfen, das dir von der Seele schreiben können.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      liebe Lena,
      Deine Mama war das für Dich was mein Papa für mich war, er ist letzten April verstorben.
      Die erste Zeit ist so schrecklich, man ist so leer. Man funktioniert, weiss aber nicht warum.

      ich wünsch Dir ganz feste das Du die nächste Zeit irgendwie rumkriegst.

      LG
      Sabine
      Ich danke euch beiden, für eure Antworten. Es tut gut zu wissen, dass man eben nicht komplett alleine ist. Auch wenn ich das allgemein nicht bin, aber irgendwie fühlt es sich so an.. Und ihr habt auch beide die richtigen Worte. Ich bin leer und funktioniere. Auch bis jetzt hat sich das nicht geändert.
      Auch muss ich sagen, dass ich in einigen Dingen keinen Sinn mehr finde. Wie z.B. meine Arbeit. Warum sitze ich hier und tu mir das an? Ich weiß es nicht. Ich bin etwas ratlos und weiß weder vor noch zurück..

      Für den Moment sind mein Freund und ich vorerst bei meinem Papa. Für ihn ist das alles natürlich nochmal viel schlimmer. Er bat uns, fest bei ihm einzuziehen.. Ich denke allerdings nicht, dass das die beste Entscheidung für uns alle wäre..
      liebe Lena,
      ich denke es ist auch noch viel zu früh irgendwelche Pläne zu schmieden. Meistens hat man eh keinen Kopf für sowas.
      Die Zeit wird es zeigen was das Beste für Euch und Deinen Papa ist. Erst muss man einigermaßen mit seiner Trauer
      fertigwerden und umgehen und das ist halt bei jedem unterschiedlich.
      Ich wünsch Dir alles Gute.

      LG
      Sabine
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