Krankschreibung

      Krankschreibung

      Hallo und guten Morgen,

      ich gehe heute nach 2 Wochen wieder ins Büro.
      Als meine Mutter im Sterben lag, ich ständig bei ihr im Krankenhaus - und dann noch bei meinem Vater war - und keinen Schritt mehr sinnvoll geradeaus gehen konnte (jedenfalls nicht im "normalen" Leben - einmal bin ich im Schlafanzug zum Aldi!), da habe ich mich krankschreiben lassen … naja, nicht "krank" eigentlich … sondern "arbeitsunfähig" im besten Sinne des Worte. Das wäre ein schönes Chaos geworden, wenn ich da hätte arbeiten sollen! Mein Hausarzt hat das auch sofort gemacht - auf Zuruf sogar am Telefon - mit dem Hinweis, dass ich auch gern eine Verlängerung bekäme.

      Nun war ich insgesamt 8 Tage krank - und habe dann noch 3 Tage Urlaub genommen.

      Trotzdem war mein Chef irgendwie schmallippig.

      Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben?

      Wie geht ihr damit um?
      Wenn Arbeiten nicht geht - weil man einfach nicht dazu in der Lage ist - muss man dann Urlaub nehmen?
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      Liebe Grüße von Greta :knuddeln:

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      Guten Morgen,

      Urlaub ist sicher nicht dazu da, Arbeitsunfähigkeit aufzufangen, es sei denn, sie ist selbst verschuldet.

      Allerdings - wenn wir mal einen Blick auf einen Selbstständigen geben, der sich Urlaub meist nicht wirklich leisten kann und Kranksein eh nicht, dann sieht die Sache wohl etwas anders aus.

      Als mein Mann abends so plötzlich starb, war das Haus voller Gäste und ich musste am nächsten Morgen Frühstück machen. Ich erzählte den Gästen nichts von den schrecklichen Geschehnissen, da sie ohnehin an diesem Tag abreisten. Danach ging ich wieder zu meinem Mann ins Sterbezimmer. Wie ich das geschafft habe weiss ich heute nicht mehr und auch die Zeit danach war nicht ohne, weil alles weitergehen musste und ich ja dann doppelt so viel zu arbeiten hatte.

      Trauer ist (für mich) keine Krankheit. Allerdings kann der Tod eines geliebten Menschen tatsächlich "arbeitsunfähig machen". Jeder muss für sich entscheiden, ob es eine "Auszeit" braucht und ob diese überhaupt sinnvoll ist.

      Ich denke, dass Menschen mit seelischer Vorbelastung sehr schwer an der Trauerverarbeitung zu tragen haben, wobei eine äußere Aufgabe allerdings auch sehr hilfreich sein kann.

      Also mal wieder - wie so oft: es kommt auf dich selbst an, wie du in der Trauerzeit mit deinen Lebensumständen umgehst.

      AL Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Ja, das stimmt wohl.
      Das ist bei jedem verschieden.
      Bei mir kommt sowieso noch eine chronische Krankheit dazu - die jeden Stress von außen noch multipliziert. Außerdem schleppe ich mich damit oft ins Büro, obwohl ich mich "krank" fühle … also wenn man bedenkt, dass ich chronisch krank bin, bin ich sehr selten krank geschrieben … (mein Hausarzt meint immer, er würde mich sofort für 6 Wochen krank schreiben).

      Naja, ich halte das jetzt aus. Es dankt mir ja auch keiner, wenn ich meinen Urlaub jetzt dafür nehme - obwohl ich ihn zur Erholung im Laufe des Jahres noch brauche. Ansonsten werde ich spätestens dann richtig krank!
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      Liebe Grüße von Greta :knuddeln:

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      Hallo Greta,
      also aus meiner Sicht ist das ganz einfach,
      Was nicht geht, geht einfach nicht. Wenn man arbeitsunfähig ist, aus welchen Gründen auch immer, dann ist das so. Und ein Chef der sich eine Meinung dazu erlaubt ist unerheblich.
      Das mag hart klingen, kommt aber aus meiner Erfahrung mit diversen Trauergeschehen.
      Man kann den Körper und Geist nicht endlos strapazieren.
      Erlaube Dir Dann einen Auszeit wenn Du sie brauchst. Es ist auch mit Auszeit zehrend genug.
      Und ohne das jetzt näher zu erläutern: Es kann auch mal eine ganze berufliche Existenz über einen Krankheits- und Trauerfall draufgehen. Auch als Selbstständiger. ;(

      Liebe Greta, schau auf Dich und nimm Dir Auszeiten in welcher Form auch immer.
      Bartnelke
      Liebe Greta,

      so unterschiedlich wie jeder Mensch ist so ist auch der persönliche Umgang mit Beruf(ung) im Zusammenhang mit der Trauer.

      Mein Mann starb im Januar 2018 außerhalb unserer Ballonfahrsaison und ich stand vor der Überlegung weitermachen oder die Firma in den Wind schießen. Finanziell hätte ich mir das leisten können, ich bin nicht auf unsere Firma angewiesen. Aber in der Firma steckt unser gemeinsamer Traum. Aus diesem Grund habe ich erstmal weitergemacht, schweren Herzens und mich jeden Tag überwindend.

      Als mein Vater dann im März mit 93 Jahren starb habe ich mir eine 10-tägige Auszeit genommen um für meine 93jährige Mutter da zu sein und ihr die Behördenlauferei abzunehmen. Mein Team war solange für unsere Kunden da. Meine Eltern waren seit 68 Jahren zusammen und ich dachte dass meine Mutter meinem Vater folgt. Aber sie hat sich "berappelt", lebt alleine in ihrem gemeinsamen Haus, geht mit der Nachbarin 1 x pro Woche einkaufen und freut sich wenn ich jeden Samstag komme....

      Rückblickend stelle ich fest dass für mich meine Arbeit das Beste war um mich ins Leben zurückzuholen, mich wieder zu erden. Hat aber auch damit zu tun dass ich mit ganzem Herzen dabei bin und wir vor 20 Jahren aus unserem Hobby unseren Beruf gemacht haben.

      Wäre ich an deiner Stelle und hätte mir der Hausarzt angeboten mich 6 Wochen krank zu schreiben, noch dazu mit einer chronischen Krankheit im Hintergrund, würde ich mich krank schreiben lassen. Meiner Erfahrung nach aus meiner "Angestelltenzeit" hat mir niemand gedankt wenn ich die Zähne zusammen gebissen habe und zur Arbeit gegangen bin obwohl ich mich nicht wohl gefühlt habe.

      Ich finde auch dass es unerheblich ist ob man 40° Fieber und Grippe hat oder einfach platt ist weil das Geschehen der letzten Wochen die Nerven dünn gemacht hat.

      Ein schmallippiger Chef kann nervig sein, aber auch er wird nicht deinem Vater bei der Trauerarbeit helfen oder deiner Familie Mittagessen kochen oder deine Bude putzen wenn du flach liegst.

      Oftmals neigen gerade wir Mädels ja dazu die Zähne zusammen zu beißen. Ist meiner Ansicht nach falsch und die Kunst liegt darin rechtzeitig die Reißleine zu ziehen.


      Liebe Grüße
      Franzi
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      - Aufgeben ist keine Option -
      Liebe Greta, ich denke du scheinst mit und bei deinem Arzt am besten beraten.
      Er kennt dich am besten - ebenso vor als auch in der Trauer.
      Er sollte am besten entscheiden können, was dein Köper braucht, auf was du achten solltest um die Gesundheit so zu erhalten wie sie ist, meine das sich da nichts verschlimmert.

      Vielfach schreibe ich ja du musst da in dich hineinfühlen, dass kannst nur du selbtentscheiden, was du brauchst.
      Die einen bruachen ihre Arbeit, alles wäre da schlimmer als sich da raus zu ziuehen, nur weil man genrade nicht hundertprozent bei sich und fit ist.
      Andere hingegen brauchen nichts als Ruhe, in sich gehen, in sich fühlen, die Trauer voller Wucht ankommen lassen, verarbeiten überhaupt verstehen, was da geschehen ist.

      Wenige Arbeitgeber, die sich in ihre Angestellen hineinfühlen können, manchmal zählt nur, das es im Betrieb reibungslos läuft.
      Sich komplett aufreiben nur um dem zu genügen, viellicht auch Existenzangst die einen an den Arbeitsplatz zwingt über alle Kraft hinaus.

      Manch kurze Auszeit kann Wunder wirken und verhindert einen kompleten Ausfall der eintreten kann wenn der Körper sich irgendwann ganz verweiert.
      In dem Falle hättest du alles verspielt eventuell, den Job, und die Gesundheit die noch vorhanden war.

      Der Arzt an deiner Seite wäre dann der, der dir am besten raten kann, dich voe allem auch begleiten, beobachten und wird wissen, was wann am besten für dich ist.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



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