meinen Vater

      Ich möchte mich kurz vorstellen: mein Foren-Name lautet simple-me und ich bin 37 Jahre alt, weiblich, verheiratet, drei Kinder.

      Vor zwei Wochen ist mein Vater ganz plötzlich und völlig unerwartet im Alter von 59 Jahren gestorben. Er war ganz allein in seiner Wohnung, ich wohne zwei Stunden entfernt. Wir waren an dem Sonntag verabredet, daher habe ich sowohl am Freitag als auch am Samstag versucht ihn zu erreichen um die Details zu besprechen, ohne Erfolg. Samstag Nachmittag war ich halb wahnsinnig vor Sorge und habe eine Bekannte angerufen die einen Schlüssel zu seiner Wohnung hatte und in der Nähe wohnte. Sie fand ihn schließlich leblos im Wohnzimmer. Der alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

      Die darauf folgenden Tage waren ein Albtraum. Ich hatte die ganze Zeit dass Gefühl, dass nichts real ist, ich lief mir selbst hinterher und hatte keine Ahnung mehr ob ich schlief oder wach war. Aber natürlich war ALLES real, nichts davon war nur ein schlechter Traum. Am vergangenen Donnerstag war dann die Beisetzung in der Nähe seines Wohnortes, das war sein Wunsch... Viele Menschen kamen um sich von ihm zu verabschieden, mehr als ich erwartet hatte. Das war auf einer Seite tröstlich, auf der anderen Seite erdrückend. Ich weiß nicht ob jemand versteht was ich meine...

      Seit gestern bin ich nun wieder zu Hause, immer noch fassungslos und am Boden zerstört. Mein Mann versteht mich nicht, meint dass ich jetzt die Trauer hinter mir lassen müsste, es ist schließlich alles vorbei. Das kann ich nicht, noch nicht. Momentan habe ich das Gefühl die Trauer ist bodenlos, ich schwimme in dem schwarzen Nass und finde keinen Halt. Ohne Hoffnung, ohne Licht am Horizont.

      Hat jemand Erfahrung mit ähnlichen Situationen und Empfindungen? Ich würde mich sehr gern mit anderen Trauernden austauschen um mich nicht mehr so allein zu fühlen....

      Traurige Grüße
      Simple-Me
      Hallo liebe Simple-Me,

      auch ich habe meinen geliebten Papa vor genau zwei Wochen verloren, sehr überraschend. Er war nie ernsthaft krank, er war älter als dein Vater (75), aber immer munter, aktiv, beweglich mit seinen Enkelkindern (ich bin 38 und zweifache Mama). Es ist für mich unfassbar. In dem Moment seines Todes war ich mit meiner Mama und meinem Bruder bei ihm. Er war in der Intensivstation, an tausend Kabel und Schläuche gefesselt. Ich hielt seine Hand, die immer kälter wurde. Es war der schlimmste Moment meines Lebens. Es war, als würde mir für kurze Zeit jemand das Herz herausreißen.
      Auch ich habe den Eindruck mein Mann denkt, dass die Zeit der Trauer nun langsam offiziell enden müsste. Erst vorgestern ist mein Papa beerdigt worden. Immer wieder flammen die Bilder vor meinen Augen auf, ich kann sie nicht loswerden. Ich fange plötzlich zu weinen an. Ich laufe ziellos im Haus hin und her, ich gehe dreimal los, um eine Sache zu holen. Ich fühle mich, als müsste dieser Alptraum doch bald vorbei sein und mein Herz zieht sich krampfhaft zusammen wenn ich merke, dass es kein Traum ist. Es ist wahr und tut so furchtbar weh.

      Ich kann dich so gut verstehen.
      Liebe Simple me, ein leises Willkommen hier bei uns.
      Ich denke sicher, hier können viele verstehen, was da in dir los ist, wie schlimm es ist, weil sie ähnliches selbst erleben mussten.
      Für viele ist es wohl der Vater, der immer starke, der einfach da ist, kein Gedanke daran das er je gehen würde.
      Unvorbereitet in die Situation zu rutschen, welch ein Albtraum.

      Das dein Partner dich nicht verstehen kann, ist sehr schade und doch nicht ungewöhnlich.
      Sie haben eine andere Geschichte miteinander.
      Am bestet redet es sich deswegen wohl unter Menschen die selbsiges erlebt haben, sie kennen das Kaos in einem , um einen herum.
      Sie schwammen oder schwimmen noch in denselbsen schwarzen nass wie du.
      An die Hände nehmen und gemeinsam den Weg hinaus zu finden ist ein Geschenk, dass man hier manches mal erleben darf.

      Das wünsche ich dir, eine Hand die hält, ein Herz das versteht, und viel Geduld mit dir und deinen LIeben - die es bestimmt nicht böse meinen sondern einfach nicht anders können.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Hallo ihr Lieben,
      meinen Papa habe ich im Juni verloren. Er war 88, aber fit und bis dahin gesund. Man verliert jemanden, der immer für einen da war, da bleibt eine Lücke, eine Sehnsucht nach Geborgenheit.Egal wie alt man selber ist, einen Elternteil verlieren tut weh. Voriges Jahr war mein Mann ganz plötzlich gestorben. Ein Alptraum, der mich immer noch gefangen hält.Meine Kinder anrufen und ihnen sagen, daß ihr Papa nicht mehr lebt,ihnen diesen Schmerz zufügen müssen, das war Horror. Sie sind Mitte 30, sie weinen zu sehen, hat mir das Herz zerrissen. Und wir trauern immer noch. Das Leben geht weiter, aber es ist ein anderes und ein ganz ganz wichtiger Mensch fehlt, wird immer fehlen. Wir trauern und das dürfen wir auch, jeder auf seine Art. Die Trauer wird ein Teil von uns und ist für mich auch ein Zeichen von Liebe. Ich wünsche euch viel Kraft und liebe Menschen an eurer Seite, die euch Halt geben.
      L.G.Emmi
      Liebe Emmi,
      danke für deine lieben Worte.
      Du hast so recht, ein ganz wichtiger Mensch in meinem ist einfach nicht mehr da. Es fällt mir so schwer das zu begreifen. Ohne ihn ist alles anders. Mit ihm war die Welt ein bisschen bunter, die Sonne ein bisschen heller. Ich habe keine Ahnung wie ich ohne ihn die Farben wieder zum leuchten bringe..
      Jeder in meiner Umgebung hat "gute Tipps" wie ich mit der Trauer fertig werde und doch weiß niemand wie sich das für mich anfühlt und entsprechend auch nicht was ich dagegen tun kann. Will ich denn etwas dagegen tun? Ist es nicht besser die Trauer zu zu lassen? Der einzige, der mich versteht, ist mein Bruder, aber er ist weit weg.
      Und ihr wisst es vermutlich auch, ihr erlebt ganz ähnliche Dinge wie ich. Ich fühle mich nicht mehr so allein. Danke!
      Liebe Grüße und
      fühlt euch umarmt.
      Liebe Simple-Me,
      ich habe die Trauer zugelassen, ging gar nicht anders, sie war doch da und ist es noch. Auch haben wir allen Grund, traurig zu sein. Mir kommen noch jeden Tag die Tränen und ich sage mir, er ist es doch wert, daß ich um ihn weine. Ja, man bekommt viele Ratschläge, aber wie es in einem aussieht, können wahrscheinlich nur Menschen wissen, die ähnliches erleben mußten. Einer schrieb hier mal im Forum sinngemäß, habt Nachsicht mit den Nichttrauernden, sie wissen es nicht besser und gönnt ihnen diese Zeit. Das fand ich sehr gut und es hat mir im Umgang mit ihnen geholfen. Mir ging es früher auch so, ich hatte bei Trauerfällen wenig Einfühlungsvermögen, bin den Menschen aus Unsicherheit lieber aus dem Weg gegangen. Das tut mir heute sehr leid. Dabei brauchen wir die anderen. An manchen Tagen mehr, an anderen weniger, aber wir brauchen sie. Gerade heute sagte mir wieder eine Bekannte, die sehr für mich da war, du schaffst das. Meine Antwort war, will ich das überhaupt? Sie sagte darauf, ja, du willst und nahm mich fest in die Arme. Das sind für mich die Momente, die mir Kraft geben und dafür bin ich sehr dankbar. Auch dir wünsche ich solchen Beistand. Es ist schwer, geht oft nur in kleinen Schritten, aber es geht.
      L.G.Emmi
      Hallo, liebe Simple-Me,
      auch von mir mein aufrichtiges Beileid.
      Auch wenn meine beiden Eltern noch leben, glaube ich, mir doch in etwa vorstellen zu können, was du empfindest. Auch ich wünsche dir die Kraft, diese erste, besonders schlimme Zeit durchzustehen, und dir ggf. Hilfe zu holen, wenn du sie im Umfeld nicht bekommen solltest.
      Die Trauer wird sich mit der Zeit verändern, aber wie gesagt, es braucht Zeit und die ist individuell ganz verschieden. Dafür muss man sich auch nicht entschuldigen und man muss auch nicht "loslassen".
      Mir hat in der allerersten Zeit noch am ehesten geholfen, mir zu sagen, dass ich das Stück für Stück, sprich Tag für Tag angehen muss, nicht die ganze lange Zeit ohne meinen geliebten verstorbenen Menschen vor mir zu sehen (das hat mich ganz und gar verstört), sondern immer nur einen Tag nach dem anderen irgendwie zu schaffen.
      Es ist schwer, aber wir alle hier und auch die anderen, die es trifft, schaffen es irgendwie, jeder auf seine Weise, und manchmal hilft schon das Gefühl, nicht vollkommen alleine zu sein mit dem Schmerz, ein ganz klein wenig weiter, zumindest ist das bei mir immer noch so.
      Fühl dich ganz lieb gegrüßt,
      aelice
      Hallo alle zusammen

      ich bin 31, mein Vater ist 59.
      Er ist seit knapp 8 Wochen im Krankenhaus und jetzt im Hospiz wegen Tumoren in der Leber. Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Meine Freunde und Bekannten sind auch größtenteils überfordert, denke ich. Kurz nach der Diagnose wurde ich fast täglich gefragt wie es ist, jetzt ebbt es immer mehr ab. Dabei wird es gerade jetzt immer schlimmer mental, weil einfach bald Weihnachten ist und er bald sterben wird. Und ich sitze alleine zu Hause oder kümmere mich um meine Mutter, die verständlicherweise mehr als am Ende ist. Ich bin Einzelkind und vieles lastet auf mir ganz allein. Ich weiß auch überhaupt nicht, wie die Zeit "danach" werden soll...Die Beerdigung ist quasi schon organisiert, obwohl er noch da ist....

      Lg
      Bella
      Hallo Bella,
      ich bin in Gedanken bei dir!
      Die Zeit die dir noch mit deinem Papa bleibt ist so wertvoll. Es ist ganz schrecklich dass er gehen muss und nichts kann dich auf den kommenden Verlust vorbereiten. Umso schlimmer dass gerade jetzt scheinbar niemand da ist, der dich emotional auffängt.
      Hier im Forum sind viele Menschen, die Ähnliches erlebt haben, mir hilft das Gefühl nicht allein zu sein mit diesem alles verzehrenden Kummer. Ich hoffe dass es dir auch hilft.
      Herzliche Grüße
      Simple-Me
      Hallo Bella, ich möchte dir auch ein paar leise Grüße und mein Mitgefühl schicken.
      Vor zwei Jahren habe ich auch viel Zeit im Hospiz bei meinem engsten Freund verbracht und ich denke, ich kann dir nachfühlen, wie es dir geht. Ich wünsche dir viel Kraft für diese und die nächste Zeit.
      Vielleicht hast du ja auch die Möglichkeit, im Hospiz Ansprechpartner zu finden?
      Den Schmerz kann uns keiner abnehmen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Austausch mit Menschen, die dich verstehen, doch ein wenig helfen kann.
      Alles Liebe,
      Aelice
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