meinen Bruder

      meinen Bruder

      Es war Freitag der 25.10.2019 als ich ihn in seinem Bett fand.

      Er wurde gerade einmal 37 Jahre und musste allein an einem Herzinfarkt sterben. viel zu früh.

      An diesem Freitag wollten mein Mann meine Schwester meine kinder und ich ins Schwimmbad...es war Halloween schwimmen.
      Um 18 Uhr wollten wir uns bei mir treffen und als sie gerade die Tür rein kam bekam sie einen Anruf das unser Bruder nicht zur arbeit erschienen ist was total untypisch für ihn war.

      Wir gingen zu ihm rüber(er wohnte nur 5 Häuser neben mir) wir schellten und klopften und riefen ihn auf seinem Handy an...immer und immer wieder.Nichts...einfach nur stille.

      Meine Schwester rief unsere Eltern an für den zweit schlüssel und ich rief seine Ex an ob sie an dem tag was von ihm gehört habe...hatte sie nicht...aber es ging ihm am Abend zuvor nicht gut sagte sie....

      Eine gefühlte Ewigkeit Später kam endlich mein Vater Ich machte noch Witze "der pennt bestimmt nur tief und fest" bla bla bla....

      Im Wohnzimmer war er nicht...in der Küche war er nicht...dann kam das Schlafzimmer...und er lag im Bett...und er sah so kalt aus...auch wenn ich nur seinen arm und einen teil seines gesichts gesehn habe.

      ich wählte noch den notruf...wusste aber innerlich das es zu spät ist.


      und ehrlich gesagt....ich habe keine ahnung wie ich damit umgehen soll....meine schwester und ich mussten uns die letzten wochen um so vieles kümmern...trauerfeier beerdigung Grabgestalltung und jetzt gerade die wohnungs auflösung....und in mir fühlt sich alles so "egal" an und ich finde das falsch... ;(
      Liebe Marela, ein leises aber wie immer liebes Willkommen hier in unserer Runde.
      Zu früh, ja viel zu früh, so traurig, wenn ein so junger Mensch mitten aus dem Leben gerissen wird.
      Wie soll man das verstehen, damit umgehen, die Patentantwort darauf gibt es gar nicht mal.

      So kann es auch normal sein, das sich in einem alles egal anfühlt, dass man nicht mehr weiß wofür.
      Es kann ja jederzeit für jeden vorbei sein, man geht gar nicht davon aus, das ein jugner Mensch sterben muss, nicht durch einen Herzinfakt - und wenn dann trifft es andere, wobei man sich dann dann nicht erklähren muss.
      Bei anderen ist alles so weit weg, da ist man mit ganz anderen Gefühlen dabei.

      Nun ist das alles relativ frisch, muss da wohl noch eine ganze Menge bei dir ankommen, dass es begreifbarer werden kann.
      Ich wünsche dir die Zeit die du brauchst, annehmen , begreifen dürfen, Menschen an deiner Seite die einfach da sind.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Marela,

      ich hab zwar bisher nur im Forum mitgelesen, aber ich hab in deinem Beitrag so viele Parallelen gefunden, dass ich dir gern schreiben möchte.
      Nur wenige Tage vorher, am 21.10.2019, ist bei uns fast das gleiche passiert. Wir fanden meinen Bruder mit nur 43 Jahren tot in seinem Bett - plötzlicher Herzstillstand im Schlaf. Nichts hat darauf hingedeutet, dass so etwas passieren könnte, er war am Vorabend noch bei Freunden und war lustig und gesund wie immer.

      Auch wir wählten den Notruf, aber ich empfand es gleich wie du - es war klar, dass es schon zu spät ist, er war ebenfalls schon kalt und die Augen waren leicht geöffnet mit einem starren Blick (das einzige was mich etwas beruhigt ist, dass die Körperhaltung sehr entspannt aussah, also dürfte er wirklich im Schlaf gestorben sein und nichts mitbekommen haben).

      Ich bin seit diesem Tag wie gelähmt. Ich wusst bis dahin nicht, was Trauer mit einem anrichten kann - körperlich wie auch seelisch. Ich war vorher ein lebenslustiger Mensch, habe einige sehr gute Freunde, quassel gerne und viel... und jetzt? Jetzt hab ich mich vor allen Freunden zurückgezogen, hab das Gefühl, dass mich keiner in meinem Schmerz versteht...mein Bruder war zugleich auch einer meiner besten Freunde, und auch immer ein wenig mein "Lebensberater", mein Anker und mein Felsen. Er fehlt mir jede einzelne Sekunde und nach wie vor kann ich das alles nicht recht realisieren... ich denke jeden Tag beim Aufwachen, dass das alles nicht wahr sein darf.

      Wie geht es dir jetzt damit? Wie war euer Verhältnis? Kommst du mit den Bildern klar, als du ihn gefunden hast?

      liebe Grüße
      Hallo 1000pieces.

      Wie es mir geht? Jetzt gerade nicht besonders gut... Ich hatte grad einen kleinen Streit mit meinem Mann über belangloses Zeug.... Und eigentlich wäre ich nun rüber zu meinem Bruder geganngen.. Quatschen zocken ablenken.... Ich war spazieren und stand am Schluss doch vor seinem Haus... Aber ich wusste es würde mir niemand öffnen. Wie gerne hätte ich seinen Schlüssel da gehabt und in meine Höhle der Ruhe und Geborgenheit entflohen.

      Unser Verhältnis war immer super. Er war immer der grosse Beschützer der Mensch auf den man sich immer verlassen konnte wenn die ganze welt gegen einen steht
      Natürlich hätten wir auch schlechte Tage.... Geschwister halt aber auch Dann hätte ich nur anrufen müssen und er wäre da gewesen.
      Ich hatte immer schon das bessere Verhältnis zu ihm wie er und meine Schwester.

      Die Bilder wie ich ihn gefunden hab sind okay... Er hat geschlafen.... Womit ich nicht klar komm sind die Bilder bei der Trauerfeier... Wir hatten einen offenen Sarg und seine Hände.... Seine Finger waren so unnatürlich... Am liebsten wäre ich einfach nur davon gelaufen.... Weit weg aber was hätte es mir gebracht ausser später evtl Vorwürfe wieso ich nicht da war.


      Zu alle dem kommt dann auch noch die Sorge um meine Schwester auch sie hatte vor 2 Jahre im Alter von 32 gleich 3 Herzinfarkte.... Und gut geht es ihr auch nicht.



      Es tut mir so leid das du ebenfalls so einen schrecklichen Verlust erlitten hast.
      Liebe Marela,

      Genau so ergeht es mir auch. Wie du, hab ich auch nur ein paar Häuser von meinem Bruder entfernt gewohnt und hab immer gewusst, mich erwartet dort ein offenes Ohr und ein guter Rat. Mein Bruder hatte eine kleine Wohnung im Haus meines Vaters, somit bin ich jetzt beinahe Täglich mit den leeren Zimmern im Haus konfrontiert... vielleicht ist es sogar besser, dass du nicht jederzeit in sein Haus kannst - es tut unheimlich weh. Vor allem schmerzt es so, da er ja alles in seiner Wohnung so hinterlassen hat, als wenn er in wenigen Augenblilcken wieder kommt. Auch wenn man erwachsen ist, man bleibt glaub ich irgendwie trotzdem immer die "kleine Schwester", und das war ein unheimlich schönes Gefühl.

      Bei mir kommt ebenfalls die Sorge um meinen älteren Bruder (47 Jahre) dazu, der schon seit seiner Jugend an depressiven Phasen leidet und der ebenfalls immer bei meinem verstorbenen Bruder Hilfe und Rat gefunden hat. Jetzt weiß ich natürlich nicht, wie er mit dem Verlust umgehen wird, das macht mir zusätzliches Kopfzerbrechen - obwohl ich ja kaum mit meinen eigenen Gefühlen klar komm.

      Nachdem ich merke, dass ich seit 21.10. aus meinem dunklen Loch nicht heraus finde, hab ich gestern einen Termin bei einem Psychologen vereinbart. Mal sehen, ob es mit etwas hilft?

      Ich hoffe sehr für dich, dass deine Schwester gesundheitlich wieder auf die Beine kommt - aber sie ist ja nach den Herzinfarkten bestimmt laufend unter Beobachtung, oder?

      Darf ich dich fragen, ob bei euch auch die Polizei, Kriminalpolizei und Spurensicherung gekommen sind? Das ist ja bei einem überraschenden Tod in diesem Alter scheinbar ein gängiges Vorgehen (da ja Mord, Selbstmord, Drogenmissbrauch ausgeschlossen werden mussten). Ich war so entsetzt von der Vorgehensweise von diesem "Team", dass ich es gar nicht beschreiben kann. Ich erwarte mir ja kein Mitleid von den Beamten, die sollen natürlich einfach ihren Job machen. Wir durften aber 4 Stunden lang das Zimmer nicht betreten, in dem mein toter Bruder lag und niemand gab uns irgend eine Auskunft, was da gerade passiert/gemacht/gesucht wird. Ich hätte mir nur zwischendurch ein paar Infos von den Herren erwartet, es war so ein schlimmes Gefühl während dessen.

      Grüße von einsamer Schwester zu einsamer Schwester...

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      Hey

      Also bei uns war auch die kriminal Polizei und die Beamten aus unserer stadt.
      Aber ich muss sagen das sie bei uns doch sehr nett und zuvorkommend waren.
      Naja gut ich musste mir seine letzte sprach Nachricht anhören da sie wissen wollten wer als letztes kontakt zu ihm hatte und das war seine ex die ich auch verständigt hatte da sie immer in sehr gutem kontakt mit ihm war.

      Bei uns hat das ganze zwei Stunden gedauert... Bis der Bestatter kam wir durften in die Wohnung und so aber ins Schlafzimmer weiss ich nicht ich war die ganze Zeit draussen bei meiner Schwester und nicht oben das hätte ich nicht ausgehalten.
      Als sie weg waren durften wir aber wieder rein gehen.

      Mir wurde auch auf Nachfrage gesagt das sie von herzstillstand ausgehen aber das sie das nicht genau sagen können.


      Naja für mich kam das schlimmste erst am nächsten Morgen.... Meine Kinder haben mich gefragt warum wir nicht schwimmen waren wie geplant.... Wieso ich so spät erst zu hause war.... Der älteste mit gerade mal 9 Jahren sagte zu mir "wieso er und nicht uroma.... Die ist doch viel älter" und die beiden hatten ein so tolles Verhältnis... Er war immer so oft drüben.

      Und mit der ganzen scheisse nicht genug kam für mich der zweite "horror" am Abend danach....



      Im Moment hab ich auch wieder eine Phase in der ich nachts nicht schlafen kann.... Was ich aber sehr wohl die ersten Wochen danach konnte und alle anderen nicht und ich kam mir so schlecht vor... Jeder sagte mir "ich kann nix essen nich schlafen bin nur am weinen" und ich....mir gings "gut" ich konnte schlafen konnte essen hab nicht viel geweint und dann hab ich mich einfach nur gefragt "was zur Hölle stimmt mit dir nicht"
      Ich weiss nicht ob das die Kinder sind - vor allem der zwerg- die mir Kraft geben oder die Tatsache das ich ihn gefunden hab und es gesehn hab das er nicht mehr da ist.

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      Hi!

      Ich hab in den letzten Wochen auch gemerkt, dass jeder einzelne in der Familie vollkommen verschieden trauert. Nur weil du Appetit hattest und schlafen konntest, heißt das ja noch lange nicht, dass "etwas verkehrt" läuft. Sei froh - denn ich habe 1 Monat lang kaum gegessen und geschlafen, das zehrt schon ziemlich - auch körperlich. Ganz bestimmt geben dir die Kinder erstens die Kraft zu funktionieren und zweitens MUSST du ja auch für sie da sein. Und nachdem du ja tagsüber mit den Kindern/für die Kinder funktionierst, ist es nicht verwunderlich, dass du jetzt öfter mal eine schlaflose Nacht hast... da wird dann einiges verarbeitet, und das ist sicher OK so.

      Ich kämpfe schon mit den Bildern, als wir ihn gefunden haben. Nicht mit den Bildern, wie er ausgesehen hat, das war nicht schlimm...eher dieser Schockmoment, der mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat... diese Sekundenbruchteile, die mein Leben veränderten. Das kreist schon sehr oft in meinem Kopf...
      Heute hab ich meinen ersten Termin bei einem Therapeuten... mal sehen, ob das etwas für mich ist?

      Welcher Horror kam dann für dich noch am Abend danach dazu?

      glg

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      Ich hoffe sehr für dich das es dir hilft=)

      Naja es war so das ich nicht ohne Licht schlafen wollte und zum Teil immer noch nicht kann.
      Mein Mann und ich sind an dem Abends danach gegen 23 Uhr ins Bett geganngen nach dem er mich überredet hatte.
      Da ich nicht schlafen wollte und konnte hab ich zum fester geschaut und hab gesehn das uns jemand durch das fester beobachtet(unser Schlafzimmer ist unten bei der Einfahrt).
      Mein erster Gedanke war "Haha sehr witzig Roman Halloween und du kommst wieder und jagst mir ne scheiss angst ein"
      Ich habe tatsächlich gedacht mein Bruder würde da stehen es war aber irgendein perverses arsch.
      Mein Mann hat ihn Gott sei Dank auch gesehn sonst hätte ich mich selbst für total bekloppt gehalten.
      Er war noch draussen gucken und zum Auto und ich stand drin in der Garage mit Pfeffer spray total angespannt.
      Nachdem mein Mann alles nachgeschaut und abgeschlossen hatte sahs ich mit nem Nervenzusammenbruch aufm Sofa.
      Einfach weil Halloween war... Das war die lieblings Zeit im Jahr von meinem Bruder und er hat es immer gemacht mich so zu erschrecken sei es das er abends mitm Rad im sommer unterwegs war und eben am Rollo geklopft oder gekratzt hat oder sich mittags einfach vors Fenster stellen und drauf warten das ich ihn seh.

      Seit dem sind bei uns sämtliche Türen die wir im Winter nicht brauchen doppelt und dreifach zu geschraubt und die Einfahrt nun komplett ausgeleuchtet.

      Aber immer noch hab ich an nem Montag Abend einfach scheiss Panik das sowas noch mal vorkommt da ich da immer allein zu Hause bin.
      Mein Mann ist zwar keine 5 min von zu Hause weg aber es ist doch etwas anderes.
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