Meine Mutter, meinen Mann und einen guten Freund

      Meine Mutter, meinen Mann und einen guten Freund

      Hallo Ihr Lieben,

      meine Trauerfälle habe ich bereits unter der Rubrik Vorstellungen hinterlegt, von daher fasse ich mich diesbezüglich kurz. Februar 2018 verstarb mein Mann, Januar 2019 in sehr guter Freund und am 08.02.2020 meine über alles geliebte Mum.

      So langsam weiß ich nicht mehr, wie ich das alles noch verkraften soll. Der "Alltag" erwartet, dass ich funktioniere, aber für mich gibt es diesen Alltag nicht mehr. Seit dem Tod meines Mannes, gegen dessen Krebserkrankung wir drei Jahre lang - vergeblich - gekämpft haben, steht mein Leben Kopf. Nichts ist mehr wie es war. Kaum hatte ich mich einigermaßen erholt, beging ein knappes Jahr nach dem Tod meines Mannes ein guter Freund Suizid. Neben der doppelten Trauer hatte ich dann auch noch Schuldgefühle - hätte ich es nicht verhindern können? In dieser schweren Zeit stand ein Mensch immer an meiner Seite: Meine Mum. Ihr ging es gesundheitlich nicht besonders gut, aber sie war immer, immer für mich da. Hat mich weinen lassen. Hat mich vor Schmerz schreien lassen. Hat mich quasseln lassen. Hatte immer, unermüdlich, tröstende Worte für mich. Und jetzt ist sie weg, einfach so. Am 08.02. einfach umgekippt und tot. Keiner der Ärzte konnte mir nachvollziehbar erklären, warum. Meine Mum hatte eine Lungenkrankheit, die aber medikamentös ganz gut im Griff gehalten werden konnte. Dann bekam sie eine Erkältung - Grippe schließe ich aus, sie war geimpft - und drei Tage später war sie tot. Das Schlimme ist, dass wir 300 km voneinander entfernt wohnen. Ich hatte freitags noch mit ihr telefoniert und sie gebeten, sich jetzt einfach mal hinzulegen und auszuruhen und ihr gesagt, dass ich mich Samstag früh wieder melde (wir haben ohnehin jeden Tag miteinander telefoniert). Also rief ich Samstag an (ich war zuvor noch seelenruhig mit meinen Hunden Gassi und einkaufen - herrje!!!!) und habe sie nicht erreicht. Und das war der Moment, als ich spürte, wusste, sie ist tot. Ich wusste es einfach. Ich habe dann die Polizei verständigt, dass sie bitte vor Ort nachschauen möchten. Die Beamten sind auch sofort los, die Feuerwehr hat das Schloss geöffnet und da lag sie, meine Mum - in ihrem Flur und schon steif. Ich kann diese Vorstellung kaum ertragen..... Und wie gesagt, was letztlich die Todesursache war? Viele große Fragezeichen. Im Leichenschaubericht steht nur, dass es ein natürlicher Tod war. Ich habe auf der Suche nach Antworten mit ihrer Hausärztin telefoniert. Die vermutet, dass der grippale Infekt meine Mum so geschwächt hat, dass das Herz nicht mehr konnte. Daran klammere ich mich jetzt verzweifelt fest, weil ich die Vorstellung, dass sie erstickt sein könnte, nicht ertragen kann.

      Wie ich mit alledem jetzt fertig werden soll, wie ich jemals wieder an irgendetwas Freude empfinden soll, wie ich wieder Struktur und Zuversicht in mein Leben bekommen soll, ist mir gänzlich schleierhaft. Mein Arbeitgeber hat großes Verständnis, erwartet aber natürlich, dass ich meinen Job mache. Sehr schwierig für mich, ich arbeite in einer Kanzlei und brauche meinen Kopf. Das soziale Umfeld ist sichtlich überfordert, darüber bin ich weder böse noch erstaunt, was sollen Freunde und Bekannte da auch sagen, wie helfen? Viele machen sich ganz einfach dünn, aus Angst, etwas falsch zu machen. Ich habe nicht wieder und wieder die Kraft, zu erklären, dass sie eigentlich gar nichts falsch machen können. Das hatte ich nach den vorangegangenen Todesfällen bereits x-fach kommuniziert, ich kann das jetzt nicht schon wieder.

      Mein einziger Lichtblick sind meine zwei Fiffis, die sind für mich wie Kinder, ich habe sie seit 6 Jahren und liebe sie sehr. Die trösten mich, die spüren, dass es mir nicht gutgeht, freuen sich über jedes Wort, das ich an sie richte. Sie reißen mich aus meiner Lethargie, ich muss mit ihnen raus, sie brauchen ihre Mahlzeiten und Zuwendung. Das hält mich jetzt noch aufrecht.

      Wie das alles weitergeht? Ich weiß es nicht - ich fühle mich wie ein entwurzelter Baum.

      Darum bin ich jetzt hier, weil es auch einfach schon gut tut, sich alles von der Seele zu schreiben.

      Liebe Grüße
      Ena
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