... meinen Dad

      ... meinen Dad

      Hallo zusammen,

      nachdem ich mich vorgestellt habe, möchte ich hier mal meine Geschichte erzählen.

      Im Juli '19 ist mein Vater plötzlich verstorben, Krebs. Er war ein paar Tage im Krankenhaus wegen geschwollenem Magen, da wurde dann Flüssigkeit abgesagt und er wurde auf eigenen Wunsch entlassen, es hiess, da befindet sich ein "Schwamm" auf dem Darm, das könnte man aber operieren. Am nächsten Tag ist er zuhause zusammengebrochen und verstarb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ab da ist nichts mehr, wie es für mich war. Am Anfang hat man funktioniert, meine Mutter und ich (Einzelkind) haben alles geregelt. Schon da war extrem viel von mir abhängig, da war überhaupt keine Zeit zu trauern oder sich überhaupt damit auseinanderzusetzen, es war alles so surreal.
      Möchte erwähnen, dass für mich mein Leben bis dahin recht "entspannt" lief, konnte also immer ein stückweit Kind bleiben. Klar, Arbeit, Wohnung etc. hab ich mir alles selber erarbeitet, aber das Gewissen, dass es meinen Eltern gut geht, war für mich immer mit am Wichtigsten. Ich konnte mich 101% auf beide verlassen, am meisten auf meinen Vater. Er war ein absoluter Ruhepol, nie laut, nie aggressiv, immer mit guten Ratschlägen und einem Lächeln. Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch, es muss nicht kompliziert sein oder Besonders, einfach "normal". Und das ist es eben seit dem nicht mehr.

      Nach der Beerdigung ging es dann einfach wieder weiter wie bisher, der Alltag kam schnell. Auch da war einfach dieses "abschließen" sehr schwierig, ich habe viele Freunde, die mich auch soweit unterstützt haben, soweit möglich. Aber es gibt eben auch Punkte, die sollte man - denke ich - mit sich selber klären, und da fehlts mir eben. Am schlimmsten ist es für meine Mama, die tut mir einfach unfassbar leid. Sie hats noch nicht geschafft, die Hausschuhe von ihm wegzuräumen... ich sag ihr immer, sie muss es ja nicht, wenn sie noch nicht bereit ist. Aber es zerreisst mir mein Herz, wenn ich sie dann so sehe, wie sie nach 43 Jahren Ehe alleine in der Wohnung ist... im Block wohnt noch meine Oma, die Mutter meines Vaters, bald 92 Jahre und - gottseidank - noch sehr fit. Aber die beiden verstehen sich nicht, Oma ist sehr stur und durch das Alter auch etwas herrisch und meine Mutter schnell aufbrausend, deswegen ist das auch ein Thema, wo ich immer dazwischenstehe.
      Ich merks sehr im Alltag, klar telefoniere ich und meine Mama jeden Tag, ich möchte einfach nicht, dass sie sich so alleine fühlt, aber grad wenn man dann einkaufen geht oder ähnliches, geraten wir schnell aneinander, wir sind einfach einen ganz anderen Rhythmus gewöhnt und ich bin ein ganz anderer Mensch als mein Dad. Wir sind auch beide sehr emotional und da ists nicht immer leicht. Mir tuts auch gleich immer sofort leid, wenn wir wegen Kleinigkeiten streiten, aber das muss ab und zu raus. Sie hat bis auf ihre Geschwister in Slowenien und ein paar wenige Bekannte hier auch zu wenig Leute um sich, und das merkt man. Die beiden waren früher in einer slowenischen Kirchengemeinde, als ich klein war waren dir da sehr oft, man hat Weihnachten gefeiert und es gab Aufführungen und Ausflüge, aber leider wurde das von einigen wenigen Leuten kaputt gemacht und da meine Eltern nicht zwischen den Stühlen sitzen wollten, haben sie auch das dann beendet. Deswegen telefoniert sie oft mit ihren Leuten und das hilft ihr etwas weiter, obwohl sie oft auch sagt, sie möchte nix hören und ist froh, wenn sie ihre Ruhe hat. Ich muss das dann auch so glauben, da kann ich ihr nicht so viel helfen.

      Was meine Mama auch sehr zu schaffen machte, war der Verkauf des Autos. Papa hat sich immer sehr darum gekümmert, dass es sauber und ordentlich ist und war auch ein bisschen stolz drauf. Der Verkauf, den ein guter Freund dann organisierte, war auch sehr anstrengend für alle Beteiligten, es sollte in gute Hände, das Geld sollte auch einigermassen passen usw., da bekamen wir uns auch öfter in die Haare.

      Am schlimmsten allerdings ist die Sache mit unserem Haus. Meine Eltern sind beide aus Slowenien und wir haben da unten ein kleines Häuschen, das die beiden mit sehr viel Liebe über Jahre hergerichtet haben, ab der Rente waren sie teilweise 3 bis 4 Monate unten und haben es sich gut gehen lassen. Wir haben sehr viel Verwandtschaft unten, die jetzt das Haus bisschen unter Kontrolle haben, mähen, Heizöl kaufen etc., so dass ich nicht so oft runterfahren muss. Auch da sind jetzt noch ein paar Sachen passiert, die mein Vater sicher lösen könnte, ich aber leider nicht, weil ich das Wissen nicht habe, wen oder was man wegen den Dingen ansprechen muss.
      Ich war im Februar mit einen Freund unten, weil wir von ein paar Jahren noch eine neue Heizung eingebaut haben, die musste gewartet werden. Und es ist so unfassbar schmerzhaft, das liebevoll eingerichtete Haus zu sehn und zu wissen, dass es nicht mehr groß genutzt werden kann... auch meine Mama weiss noch nicht, wann und wie lange sie überhaupt nochmal runter möchte. Da müssen wir einfach abwarten denke ich.

      Es passieren einfach nur noch schlechte Dinge, so kommt es mir vor. Ich dachte "im neuen Jahr wirds sicher besser", dann kam Corona, Kurzarbeit und dieses Gefühl, wieder ein Problem zu haben, das ich nicht selber lösen kann. Und natürlich auch die Angst, dass den beiden etwas zustößt wegen dem Virus. Auch solche Sachen wie mit den Behörden, der Bank, dem Telefon oder der Mietzahlung war alles an mir, diese teilweise lächerlich dämlichen Probleme zu lösen, bei denen man sich denkt, wie soll das eine 70jährige, die das ja noch nie oder nur sporadisch gemacht hat, vernünftig hinbekommen.

      Ich will für alle immer nur das Beste und versuche, es jedem Recht zu machen, auch auf Kosten von mir. Es sind keine unlösbaren Probleme, das ist mir auch klar, aber diese Leichtigkeit, mit der ich immer solche Sachen angegangen habe, ist komplett weg. Und das ist etwas, das mir sehr schwer zu schaffen macht.

      Letztens ist auch noch die Mutter eines guten Freundes verstorben, das war dann auch noch ein Tiefschlag. Man denkt einfach immer drüber nach über Dinge, die vor einem Jahr noch so unfassbar weit weg waren und jetzt so präsent sind, dass es wehtut. Ich habe auch einfach sehr viel schlechte Tage, das ist mein Umfeld nicht gewöhnt, seien es die Sportkameraden, die Arbeitskollegen oder die Freunde. Ich war immer ein sehr fröhlicher und lustiger Mensch, aber die Situation erstickt vieles im Keim.

      Vielleicht hat hier jemand ein paar Tipps, wie man etwas besser mit der ganzen Geschichte klar kommt, bin für jede Hilfe dankbar.

      Grüße

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Zook“ ()

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