Mein Lieblingsmensch

      Mein Lieblingsmensch

      Hallo,

      es ist jetzt fast 5 Wochen her, obwohl ich gar kein Zeitgefühl mehr habe. Die erste Zeit war Schock, dann zwischen weinen, bis man keine Luft mehr bekommt, einfach nur fertig sein und "das Beste draus machen", aber heute kann ich nicht mehr und ich hoffe, ich habe hiermit ein gutes Forum gefunden, denn darüber reden kann ich kaum mit jemandem.

      Lieblingsmensch, trifft es am besten. Meine beste Freundin könnte man sagen, aber eigentlich noch viel mehr, Ersatzmama, eine Art Lebenspartner, meine Familie und vor allem meine Seelenverwandte.

      Ich bin um die 30 und sie war um die 20 Jahre älter, als wir uns vor 12 Jahren ganz zufällig im Netz kennen lernten, ganz banal. Die Mails wurden immer länger, wir fingen an zu telefonieren, die Telefonate wurden immer länger und im Laufe der Jahre haben wir praktisch jeden Tag von Morgen bis Abend geredet und ich habe die tiefste menschliche Beziehung geschenkt bekommen, die ich je hatte. Den Menschen, nach dem ich immer gesucht habe, der irgendwie genau wie ich war, genauso dachte, fühlte, dem man vollends vertrauen konnte, dem ich meine tiefsten Geheimnisse erzählen konnte, der mir durch alles hindurch geholfen hat, mit dem ich die tollen Dinge des Lebens teilen konnte.

      Nach drei, vier nicht so schönen Jahren, in denen wir beide viel Pech und Veränderungen erlebt hatten, ging es letztes Jahr endlich wieder bergauf und wir hatten ein tolles Leben geplant. Bis es ihr ab späten Sommer plötzlich immer schlechter ging. Ich sagte ihr, sie müsse zum Arzt, sie wartete ab, ging dann aber doch und es wurde keine Diagnose gefunden. Ab Dezember ging es noch schlechter, noch ein paar Fehldiagnosen bis Ende Februar. Dann kam es schwarz auf weiß: Krebs. Und laut Arzt nur noch 3-6 Monate. Letztlich waren es schwache 2 Monate.

      Jetzt sitze ich da und weiß nicht wirklich weiter. Wenn ich meine Mutter nicht mehr hätte, sähe ich im Leben gar keinen Sinn mehr. Ich habe Gott sei Dank auch noch eine gute Freundin, die aber selbst ernste Probleme hat. Alle anderen geben mir das Gefühl, dass es jetzt mal gut sei mit meiner Trauer, aber das ist es für mich leider noch lange nicht.

      Ich konnte sie leider nicht mal mehr sehen wegen Corona und der Tod kam auf einem sehr schnell. Ich habe von einigen in den letzten Wochen gehört "war doch nur eine Freundin und keine Familie", aber für mich war sie definitiv mein Partner im Leben, nur ohne Sex. Für sie war es übrigens das gleiche, das letzte was sie mir sagte, war, dass ich der Mensch sei, den sie ihr Leben lang gesucht hat und mich mehr liebt, als sie sagen kann. Ich dachte auch nicht, dass sowas möglich ist, aber wir waren wie Eins.

      An manchen Tagen denke ich immer, da kommt noch was, es war alles nur ein Traum oder ein schlechter Scherz. Es ist einfach alles weg, unsere ganzen Träume, Ziele und Pläne. "Unser tolles Leben, das vor uns liegt", wie sie immer gesagt hat. Das Schlimmste ist, dass es so vieles gibt, das nur sie verstanden hat und ich nur mit ihr teilen konnte, vor allem die schönen und besonderen Dinge des Alltags. Wie schön war es zu wissen, da gibt es jemanden, der wartet jeden Tag auf dich, der freut sich mit dir, wünscht dir wirklich das Beste und liebt dich so wie du bist. Als es ihr am Ende zu schlecht zum Reden ging, als dass sie hätte telefonieren können, da habe ich ihr gesagt "das macht gar nichts, so lange es einen Menschen wie dich auf der Welt gibt, ist alles gut".

      Was mich zusätzlich zu meiner Mutter durchhalten lässt, ist die Gewissheit, dass sie wollte, dass ich glücklich bin und sie selbst so ein endlos positiver Mensch war, der in allen Katastrophen und Dramen des Lebens immer an das Gute und Bessere geglaubt hat. Aber das tut ja auch so weh, dass so ein Mensch, der auch so viel noch vorhatte, einfach verschwindet...

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      Liebe Elisabeth, ein liebes Willkommen hier bei uns in unserer momentanen kleinen Runde.

      Plötzlich weg und keine ZEit zum trauern wenn es nach anderen ginge.
      Geht es aber nicht, was sind schon 5 Wochen oder wie viele auch immer, wenn man gerade für sich noch am Anfang der Trauer steht.
      Was wissen andere schon, sie haben nicht erlebt, was ihr erlebt habt, sicht gefühlt was ihr fühlen durftet.
      Was auch immer für eine Beziehung man hatte, es war so individuell wie ein jder von uns wohl.
      VIelfach ähnlelt sich einiges in den Schiksalen wenn man hier liest und doch ist nie etwas identisch.

      Ich wünsche dir hier einen Platz für deine Trauer zu finden.
      Lesen und schreiben, wenn espasst andere Menschen kennen lernen und mehr als nur schreiben.
      Alles kann, nichts muss, als erstes aber muss es erst einmal wohl richtig bei dir ankommen, in dir ankommen und einen PLatz finden an dem es aushalten kann.

      Ich wünsche dir alles, was es gerade für dich braucht, voe allem aber Menschen zum reden ohne zu urteilen.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Hallo liebe Funny!

      Was für ein schöner Beitrag, danke dir von Herzen. Da kann man viel Nächstenliebe und Empathie spüren in diesen Zeilen.

      Leider habe ich schon viele wichtige Menschen verloren. Meinen Vater mit 10, meinen Opa, der wie ein Ersatzvater war, mit 11 und so ging es weiter. Geschwister habe ich keine, Partner und Kinder auch nicht (noch - aber in meinem Alter wird es eng, dass das noch was wird), so sind Freunde/Wahlverwandtschaften meine Familie, aber wie selten trifft man jemand, mit dem die Seele ganz gleich schwingt und was für ein Geschenk ist es, wenn ein Freund dann wirklich wie Familie wird. Leider wahrscheinlich ist es gerade dann umso schlimmer, wenn man auch das dann wieder verliert. Ich hasse diesen Tod, der ja doch zum Leben gehört - er taucht immer wieder aus der Versenkung auf und holt einem das Liebste und so viel Leben und Zukunft.

      Ich denke, da ich es leider kenne, auch, das Schlimmste wird erst noch kommen. In der ersten Zeit gab es dann doch noch Ablenkung, aber seit der Beerdigung Ende Mai schlägt die Leere mehr und mehr zu. Die Leute, die "da sein" wollten, melden sich immer weniger (ich mache da keine Vorwürfe). Die Abende sind am schlimmsten, wenn man geredet und sich eine gute Nacht gewünscht hätte. Aber wenigstens habe ich im Moment mal keine Alpträume von ihren letzten Wochen.

      Ich hoffe auch, dass ich hier Trost finde, auch Mal trösten kann und nette Menschen kennen lerne, man sich gegenseitig weiter helfen kann. Ich denke, was uns alle vereint, ist ja, dass wir einen der wichtigsten Menschen verloren haben, jemanden, den man zutiefst geliebt hat und jetzt ist da ein riesiges Loch. Zum Reden habe ich leider keinen so wirklich im Moment, die meisten können doch nur schwer mit dem Thema umgehen.

      Ich danke dir nochmals für die lieben Zeilen!
      Ja liebe Elisabeth, dass ist hier so oft zu lesen, keine MEnschen mehr da, zum reden, wie ausgestorben nenne ich das mal, weg, ohne ja weg sein zu können.
      NEi sie sind da, um uns herum sogar aber sie benehmen sich genau so anders uns gegenüber, wie wir ihnen.
      Es scheint uns normal, immerhin schützen wir uns ja.
      Die einen gegen zu viel Traurigkeit, sie färb ab, hält einen vom Leben fern, dabei haben ja nicht sie so einen wichtigen MEnschen verloren - plötzlich kommen so viele Menschen ohne einen aus, was davor undenkbar schien.

      Andere trauern selbst und manchmal denke ich, dass es selbst ind er Trauer so etwas wie Rivalität gibt, wo jeder seines Kummers und seinesr Tränen gewürdigt und getragen werden will - ohen Rücksicht jedeoch auf andere.
      Wo die einen die Trauer zeigen, verbergena ndere es und es wird nie ein völlig klares Bild einer Trauer geben - der Schmerz der vielfach so unbekannt ist weiß da einiges auszurichten, was die Seele am Ende wieder heilen muss.
      Heilen aber, ist in den seltesten Fällen möglich - es hinterlässt hässliche Narben die immer wieder ohne Vorwahrnung aufreißen können.
      Gestern las ich im Sinn dazu - Die Zeit heilt nichts - man lernt nur - hat nur Zeit sich drum herum neu einzurichten zu orientieren.
      Ja das trifft es wohl für viele, andere dagegen werden einen Verlust nie verwinden, kein neues drum herum, außer einen dicken Mauer bauen die sie vom LEben da Draußen ausschließt.

      DIe auch wievielte Trauer schützt da glaube ich vor nichts.
      Trauer lässt sich nicht lernen, die ist einfach und muss gelebt werden, wie sie eben kommt - und sie hat tausende von Seiten die sich eben manches mal gleichen aber nie wirklich gleich sind - weil wir eben so individuell verschieden.

      Reden ist da wohl an erster Stelle was den meißten hilft, wie schlimm, wenn es keinen gibt.
      Hier zu schreiben kann schon einiges von der Seele nehmen, hier oder auch in einem Tagebuch - aber ich denke in einem Forum hilft es auch, zu wissen man teilt es - weil andere ja lesen auf eine heilende Weise, man fühlt sich weniger allein.
      Ja ich weiß, dass andere über solche Aussage hier lachen, na ja, das sind nicht die, die allein gelassen vom Umfeld hier Trost finden durften.
      Um so wichtiger auch die Tatsache, mit jedem Wort hier helfen wir auch Menschen, die sich nicht zu schreiben trauen, sich aber in Worten hier selbst finden und sich getröstet fühlen.
      So versuche ich noch heute zurück zu geben, was ich in einem Forum wie diesen mal erfahren durfte - Menschen die einfach da sind, wo man sie nicht vermutet.



      Mit einer lieben UMärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Liebe Elisabeth,

      wie gut, dass es dich so schnell dorthin treibt, wo du dich mit Gleichgesinnten austauschen kannst. Bei mir (35 Jahre alt) hat das bis jetzt gedauert - nicht 5 Wochen, sondern fast 18 Monate.
      Mir wurde das erste Mal am Wochenende nach dem Tod meines Partners gesagt "move on". Denk positiv, schau nach vorne.
      Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es nach tiefen Verlusten gar nicht darum geht, zu einem "normal" zurückzukehren, sondern dass wir ab jetzt anders leben werden. Mit einer Person (und dann zwei, drei, vier …), denen wir außerhalb der physischen Welt einen Platz geben und mit der wir sprechen.
      Mir hat es geholfen, anfangs jeden Tag an meinen Partner zu schreiben. Auch jetzt tue ich das (in de guten Zeiten) noch. In den schlechten Zeiten bin ich stumpf und "verlebe einfach die Zeit". Vielleicht kannst du weiterhin Mails an deine Freundin schreiben? Was würde sie antworten?

      Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass es so gut wie niemanden gibt, der nicht erwartet, dass man wieder funktioniert. Hauptsache, es geht einem wieder gut - damit sich die anderen keine Sorgen machen müssen.
      Was ich vielmehr erlebe, ist, dass sowohl bei mir als auch bei einer Freundin, die um dieselbe Zeit herum einen schweren Verlust erlitt, nun nach 1,5 Jahren körperliche Beschwerden auftreten und das Aufrechterhalten des vermeintlich Normalen nicht mehr funktioniert. Eine andere Freundin, die ihre Tochter verloren hat, ist seitdem arbeitsunfähig und hat nun nach über einem Jahr beschlossen, dass sie in ihren stressigen Beruf nicht mehr zurückkehren kann.

      Der Tod existiert für die Gesellschaft nicht und die Trauernden werden als dysfunktional wahrgenommen.

      Aber wir alle werden Verluste erleben. Und ich glaube und hoffe, dass der Austausch mit Gleichgesinnten heilsam ist - das ist jedenfalls meine Hoffnung.
      Wirkliche Empathie, nicht nur Floskeln, ich hoffe sehr darauf.

      Ich wünsche dir einen gute Tag, eben so gut es geht - ein Tag nach dem nächsten, mehr kannst du nicht von dir verlangen.
      Liebe Grüße, Dan
      Liebe Dan,
      so erlebe ich es auch...wir hatten so viele enge Freunde und auch in der Familie war alles sehr eng.....aber kaum Jemand will drüber reden....ganz schnell wird das Thema gewechselt...die Einzigen, die mir wirklich zuhören, sind meine Tochter und meine Mama ( 80 Jahre alt)...aber wie auch? Keiner kann nachvollziehen, wie sehr mir mein Mann fehlt....keiner kennt diese Situation, wo plötzlich der Lebensinhalt weg ist...Ich habe das Gefühl, dass mit zunehmender Zeit alles schlimmer wird..nichts wird besser oder leichter...täglich gibt es neue Herausforderungen, mit denen man allein da steht....und diese verdammte Sehnsucht nach einem lieben Wort, nach Streicheleinheiten, einem Küßchen, schönen Gesprächen, einer Umarmung ...das alles fehlt mir so sehr...das kann kein anderer Mensch ersetzen...auch die Kinder und Enkel nicht....ich bin einfach nur verdammt allein...
      Liebe InaMarianne, genau so geht es mir auch. Am Anfang war ich noch sehr mit meinem Mann verbunden, aber dann, als ich wieder mehr "am Leben teilgenommen habe", wurde es immer schwerer. Warum? Weil ich noch lange nicht so weit war. Ich habe es weder wirklich akzeptiert, dass meine Liebe sich nicht mehr aktiv leben lässt, noch hatte ich ausreichend Gelegenheit zu trauern. Und ich habe kein Vorbild - wie es gehen soll. Es gibt diesen einen Psychologen, dessen Bücher sehr gut sind ("Damit aus meiner Trauer Liebe wird"), aber auch das geht nur in sehr kleinen Häppchen, weil es so intensiv für mich ist. Gefühlt geht es nicht mit der Erinnerung und noch viel weniger ohne. Das Scherzhafteste ist wirklich, dass ich kaum über ihn sprechen kann und dass ich nicht mehr MIT ihm sprechen kann. Und dass niemand daran interessiert zu sein scheint, über den Tod und dessen Bedeutung an sich zu sprechen. Wie erlebt ein Mensch seine letzten Stunden? Was geschieht dann? Ich möchte mich verbunden fühlen, aber habe keinen "spirituellen Hintergrund" dafür. Etc., etc. …
      Aber vielleicht kann man mal eines sagen: Das Alleinsein ist auch die einzige Möglichkeit für mich. Ich kann nicht "ersetzen" - seine Seite des Bettes bleibt leer. Und langsam wird es Gewohnheit.
      Liebe DanDSou!

      Was für eine Rettung deine Zeilen gerade für mich sind! Ich wollte mich ohnehin einloggen, um wieder zu schreiben, aber besser passend hätte es zeitlich wohl kaum sein können.

      Die letzten Tage waren ziemlich wirr, ein Auf und Ab, aber heute hatte ich einen ziemlichen Breakdown. Vor allem wegen der Menschen um mich herum. Ich muss eigentlich dankbar sein, einige haben mir ihre Hilfe angeboten, versuchen da zu sein, mich abzulenken... Aber der Schock oder wie ich es nennen soll, lässt das oft gar nicht zu. Manchmal kann ich Gesprächen nicht so richtig folgen, ich muss viel zu oft weinen und da ich das vor einigen unterdrücke und mir eine Menge Schlaf fehlt, bekomme ich es dann mit den Nerven. Das ist der Grund, warum ich mich am liebsten zurück ziehe, es kehrt ja nicht mal richtig Ruhe in mich selbst ein, aber dabei werden dann einige unverständig und auch ungehalten. Streit ist aber das so ziemlich letzte, was ich jetzt ertragen kann. Mit "Negativität" kann ich gerade gar nicht umgehen. Ich kann oft die Stille nicht mehr aushalten, aber fast genauso oft brauche ich die Ruhe einfach auch.

      Ich will hier nicht weiter herumjammern, aber ich habe jetzt schon etwas Angst, dass ich noch weitere Kontakte verliere, weil ich gerade einfach nicht mehr funktioniere. Gleichzeitig frage ich mich manchmal, ob ich "übertreibe", weil sogar Teile ihrer nächsten Familie momentan wieder ganz gut funktionieren - sagen sie wenigstens. Ich muss allerdings hinzufügen, dass selbst ihr Sohn nicht so einen intensiven Kontakt zu ihr hatte. Wir waren jetzt 12 Jahre wie Lebenspartner, je mehr ich darüber nachdenke und seit ihrer Erkrankung war ich auch bis tief in die Nacht monatelang täglich für sie da. Das würde ich immer wieder so machen, jedoch merke ich, dass ich während der Zeit natürlich alles nur weggedrückt habe und jetzt alles doppelt und dreifach rauskommt.

      Da habe ich dann beispielsweise auch versäumt, mich für Geburtstagswünsche zu bedanken - ich hatte Ende Mai, drei Tage nach ihrer Beisetzung, bis wohin ich irgendwie noch durchhielt, aber seitdem setzte die Realität immer mehr ein. Ich wollte irgendwie keinen Geburtstag haben dieses Jahr. Da sind mir jetzt einige böse, auch Familienmitglieder, die das alles noch nicht wissen, aber die üblichen Floskeln oder "sorry, aber ich hatte einen Trauerfall" brachte ich als Entschuldigung irgendwie überhaupt nicht über mich. Das werde ich morgen jedoch versuchen, ich kann ja nicht alles schleifen lassen.

      Mein einziger wirklicher Halt im Leben ist momentan meine Mutter, die ja nun leider selbst auch Erfahrung hat in dieser Hinsicht - weshalb ich ihr auch nicht alles aufladen kann. Bei allen anderen spüre ich jetzt schon, dass das Thema lieber totgeschwiegen wird, dass es jetzt doch mal gut ist, life goes on wobei ich mich ja selbst danach sehne, wenigstens wieder etwas Struktur in meinen Alltag zu bringen. Im Moment ist mein einziger Erfolg, dass ich ohne Schlaftabletten (den Gang zum Arzt zögere ich noch hinaus, ist auch alles kompliziert wegen Corona in meiner ländlichen Region) meinen Schlafrythmus allmählich wieder in halbwegs geregelte Bahnen bringe.

      Danke dir noch einmal sehr für deine einfühlsamen Worte, die mich mich selbst etwas weniger verrückt fühlen lassen heute, nachdem das erste normale Treffen mit einer Freundin ein ziemlicher Flop war. Wir sind essen gegangen, aber mir wurde beim Anblick des Essens einfach schlecht - das ist mir noch nie passiert, ich war eigentlich eher immer Frustfresser. Es lag wohl auch daran, dass mir beim Essen und beim Blick aufs Handy allzu klar wurde, was nie mehr kommt. Für gewöhnlich hätte ich ihr geschrieben unterwegs, ein Insider-Witzchen über das Restaurant hinterlassen, vielleicht ein Foto, einen Gruß von der gemeinsamen Freundin hinterlassen. So war es einfach, wir waren praktisch süchtig nacheinander, all der Spaß, dieses Zusammen, es ist einfach ein riesiges Loch, das mir auch Angst macht. Bei meinen früheren Verlusten hatte ich sie an meiner Seite, da ging das alles, nie war ihr was zu viel, kein Thema tabu.

      Es ist gut, hier sein zu dürfen, schreiben zu können, auch, wenn ich mich für den heutigen Beitrag entschuldigen möchte, der ist sicher sehr wirr und unüberlegt, weil ich einfach wirklich übernächtigt bin und schreibe, was mir in den Sinn kommt.

      Vielen Dank auch noch einmal an Funny, auch deine Worte sind sehr wohltuend! Ich wünsche euch allen, wenn ihr das lest, trotz allem einen guten Tag, einen möglichst entspannten ohne schlimme/nagende Gedanken!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ElisabethB“ ()

      @Dan - gerade auch deinen letzten Beitrag kann ich sehr gut nachempfinden. Ich werde ihr definitiv wieder schreiben - mir tut das Tagebuch hier bisher gut. Ich hoffe für dich, dass dir dieses Forum ebenfalls gut tun kann, dich auf einen Weg bringt, der dir die Fragen, die dich umtreiben, besser beantworten kann und dich mit dem neuen Leben besser zurecht kommen lässt. Zeit gibt es bei soetwas irgendwie gar nicht wirklich, auch bei mir ist der richtige Fall nach solchen Verlusten erst wesentlich später gekommen. Ich glaube, deshalb musste ich dieses Mal auch soetwas wie dieses Forum finden, ich habe es sonst immer mit mir selbst ausgemacht, wahrscheinlich irgendwann auch einfach verdrängt, aber das hat zu oft zurück geschlagen.

      Liebe Grüße auch an dich!

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      Liebe Elisabeth,

      du lebst in einer intensiven Zeit. Es ist gut, dass du deine Mutter hast. Ich habe damals mit niemandem wirklich gesprochen außer mit meinem Therapeuten. Der konnte auch nicht wirklich etwas tun, aber er musste mir zuhören ;) Was gut tat. Ansonsten habe ich mich auch sehr vergraben. Konnte dann irgendwann die Stille nicht mehr ertragen (es war ja keine Stille, es war ein "Film" in meinem Kopf nach dem anderen), Musik ging aber gar nicht, also hab ich halt irgendwelche Medien konsumiert.
      Mein Hund hat mich damals schon echt gerettet. Da musste ich eben raus, jeden Tag drei Mal mindestens, und mich kümmern. Es ist wichtig, jemanden zu haben, um den man sich kümmern kann.

      Ich muss ehrlich sagen, ich wünschte, ich hätte länger in dieser Phase bleiben können. Leider musste ich nach zwei Wochen wieder arbeiten und nach drei Monaten war ich täglich 14 Stunden unterwegs, um irgendwie alleine diese zu große Wohnung zu halten.

      Eine meiner neuen Kolleginnen hatte ihre Tochter verloren und ist nach einiger Zeit zur Kur in die Psychiatrische stationäre Klinik, was ihr sehr geholfen hat. Ich weiß nicht, ob du psychologische Unterstützung hast?
      Wie du lasse auch ich mir mittlerweile sehr lange Zeit, auf Nachrichten zu antworten. Du hattest Geburtstag - weshalb solltest du dich schlecht fühlen, weil du nicht auf Glückwünsche eingehst? Gib dir ein bisschen mehr Spielraum, würde ich sagen. Ja, ich habe wahrscheinlich auch dadurch Menschen verloren. Aber ich konnte und wollte mich nicht mehr um die Bedürfnisse anderer kümmern. Und das ist total ok. Mein Bruder hatte mich damals mit seiner Freundin besucht, sie kamen 200 Kilometer angefahren. Nach 5 Stunden Ausflug war ich zu nichts mehr fähig, setzte mich vor den Laptop und trank Wein, während sie kochten.
      Und genau das sollte das Umfeld tun - dir Essen bestellen, ein bisschen im Haushalt helfen, kochen oder einfach mal nachfragen. Nichts verlangen.

      Ich denke, jede und jeder in dieser Situation reagiert absolut "richtig", eben so, wie er_sie es braucht.

      Alles Liebe, Dan
      Liebe Elisabeth, das alles ist gar ncht so wirr und durcheinander wie du meinst, es sit so wie es eben sit und die meißten hier werden das auch genau so lesen.
      Es muss raus und am besten eben wie es einem gerade in den Sinn, aus der Seele heraus kommt.

      Deswegen habe ich es uach sehr geschätzt hie nur für mich - ich meine neben meiner Welt hier Draußen schreiben zu können.
      Nicht auf jedes Wort achtend, einfach erst einmal raus.
      Noch heute kann man sehen, dass es noch immer ähnlich ist - meine Rechtschreibung, die fehlende *lächel*
      Hatte ich ja in meiner Trauer den ersten Laptop bekommen und der Tasten überhaupt nicht mächtig.
      Meine Gedanken schneller in meinen Fingern als mein HIrn in der Rechtschreibung.

      Nun ja manchmal ist es mir - nicht peinlich aber es wäre schon schön, wenn die Fehler einfach nicht wären, wäre das aber dann noch ich, meine Texte, meine Art zu sein, sein zu lassen, vor allem aber so ehrlich und uas dem Herzen unterwegs.
      Einige bezweifeln das eher und auch ich mag am Ende liebr sein, wie ich von Anfang an her war - nicht immer noch einmal nachlesen und noch einmal nac Fehlern suchen und damit hier zu ändern und da und der Wert des Textes wäre wohl dahin.

      So finden wir einen PLatz hier der uns gut tun kann, jedem so wie er es braucht.
      Schreibe einfach, wie es raus muss, bevor es sich in dir festsetzt und mehr schadet als es müsste, als du verkraften kannst.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Danke euch beiden nochmals sehr für eure Worte und die schnellen Antworten heute!

      Ja, liebe Funny, es ist bei mir so wie du schreibst - es tut gut, es gerade hier rauszulassen. Es fühlt sich wie ein geschützter Ort an. Das Tagebuch hätte ich ja auch für mich selbst in einem Notizblock anlegen können, hatte ich auch schon versucht, aber hier fühlt es sich irgendwie besser an. Das ist schon seltsam, auf eine positive Weise, wie das mit dem Internet sein kann - es ist manchmal wirklich wie irgendwo hingehen, der restlichen Welt die Tür zuzumachen und abzutauchen und das brauche ich gerade wirklich. Ich kann bei dir übrigens gar keine großen Fehler erkennen, und das sage ich dir als Autorin. Bei mir fand ich das nur wegen dem Sinn, ich kann gerade einfach nicht so klar und gerade denken und vieles könnte ich dadurch sicher ziemlich einseitig oder auch unglücklich formulieren, aber ich stehe eben neben mir. Ich denke auch, man sollte nicht zu viel zurückschauen, hier geht es ja um persönliche Erfahrungen, das soll ja nicht in einem Buch veröffentlicht werden.

      Liebe Dan, das kann ich mir gut vorstellen. Bei mir ist es gerade umgekehrt, durch die Krise kann ich im Moment immer noch nicht arbeiten
      (ich habe zwei verschiedene Jobs, den einen kann ich auch von zu Hause ausüben, aber ich finde da noch keine richtige Konzentration, seit ein paar Tagen fange ich aber wieder an) und wäre froh, ich hätte etwas Alltag und Ablenkung, vor allem Struktur. Ich habe noch drei Katzen und wie du von deinem Hund schreibst, es tut gut, sich um etwas kümmern zu müssen. Schon während der Krankheitsphase - als sie ab März im Krankenhaus war, waren Besuche ja nicht mehr möglich und ich bin zusammen mit dem Shutdown zuhause allmählich die Wände hochgegangen - habe ich mir eine weitere Aufgabe geschaffen, indem ich angefangen habe zu gärtnern. Da muss ich jetzt täglich dahinter sein und das ist gut so.
      Ich hatte vor 3 Jahren eine Depression und war da länger in Therapie, weshalb ich jetzt erstmal Pause habe bzgl. Krankenkasse. Denke, offiziell geht es erst wieder ab November, aber ich will mich nächste Woche mal aufraffen und nachfragen, denn es gibt in meiner Nähe eine ganz gute Traumatherapeutin, die das Thema Trauer auch als Schwerpunkt hat. Tja, letztes Jahr hatte ich es aus alledem endlich ganz rausgeschafft, jetzt muss ich da wohl wieder hin. Aber man sucht es sich eben nicht aus.

      Wie du habe ich seit einer Woche angefangen, allen möglichen Kram auf YouTube zu gucken. Musik geht bei mir gerade auch nicht und auch nicht die üblichen Filme und Medien, die ich sonst liebe. Das macht es mir auch schwer bei manchen übrigen Freundschaften, ich kann manche Themen gerade einfach nicht hören. Mich treibt ganz anderes gedanklich um, die großen "Sinnfragen" etwa. Dazu habe ich dann auch schon einige Bücher gelesen, ich bin ohnehin schon vor einigen Jahren mehr zum "spirituellen" Thema gekommen, aber auch das wird einem manchmal zu viel. Und du hast natürlich recht, ich muss lernen, mehr auf mich zu schauen. Ich habe mir durch einige Trauerfälle, mein Vater starb als ich 10 war, das habe ich nie so richtig "aufgearbeitet", eine Verlustangst antrainiert - aber gerade meine Liebste hat mir so oft gezeigt und gesagt, dass man auf Menschen, die in schwierigen Zeiten nicht wirklich da sind und da sogar noch Ansprüche stellen, eigentlich ja auch pfeifen kann. Ich muss nur eine gewisse Balance finden, auch nicht unrecht zu tun und zu sehr in eine negative Spirale abzudriften. Die Zeit und das Leben werden es mir wohl zeigen.

      Danke euch nochmals ganz herzlich, es ist eine große Erleichterung, hier zu schreiben und gerade in schwierigen Phasen. Es geht mir heute defintiv besser als gestern, da ich wenigstens mal etwas Schlaf nachholen konnte.

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