Wer kann mir helfen?

      Wer kann mir helfen?

      Liebe Trauernde,daß ist ein Hilferuf.Meine Trauer ist so dramatisch geworden.Es ist nicht mehr auszuhalten.Ich kenne mich nicht mehr.Der Schmerz macht mich hilflos.Seit dem Tod meines Mannes esse ich kaum noch,bin unruhig und leide unter Gedächnisstörungen,kann mich nicht konzentrieren auf die alltäglichen Dinge.Um nicht alleine zusein fahre ich morgens schon durch die Gegend um Menschen zu sehen. Ich telefonieren mit Menschen,die ich kaum kenne um mit jemanden zusprechen.Viele sind schon genervt.Mittlerweile schäme ich mich so nervig zusein.Dieses Brennen in der Brust gehört auch zu meinen alltäglichen Beschwerden.EKG ist ohne Befund.Der Gang in die Psychiatrie habe ich bisher vermieden.Was soll ich tun?Die Wohnung wechseln? Wie geht man mit dem Alleinsein um?Ich habe Angst verrückt zu weden. Vielleicht helfen mir eure Erfahrungen mit Trauer und Schmerz lg.Buffy
      Liebe Buffy,
      dein Beitrag hat mich tief berührt, kenne ich doch all diese Symptome. Diese tiefe Verzweiflung und dieser Schmerz, der einem Herz und Magen zusammen schnürt. Wenn es derartig unerträglich wird, scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psychiatrie wird immer so negativ wahrgenommen. Kaum einer scheut sich zum Arzt zu gehen, wenn der Körper krank ist. Blutdrucktabletten. Antibiotika und zuckersenkende Medikamente werden genommen, damit es einem besser geht. Wenn die Seele krank ist, hat man diese Scheu. Trauer ist keine Krankheit, aber der Verlust eines geliebten Menschen kann sehr wohl ein derartiges Trauma sein, dass eine Behandlung angebracht ist. Das läßt sich herausfinden und es gibt einige Möglichkeiten, dir zu helfen. Ob es nun ein Psychiater ist, ein Therapeut spezialisiert auf Trauer oder auch eine Tagesklinik, es gibt einige Ansätze. Auch wenn wir manchmal das Gefühl haben verrückt zu werden, wir sind und werden es nicht. Dein Verlust ist noch nicht lange her, gib dir Zeit. Meine Erfahrung ist, Wohnungswechsel und ähnliche wichtige Veränderungen sollte man nicht überstürzen. Alles ist im Moment im Wandel begriffen, die Umstände und man selbst. Einen Tag habe ich so gefühlt und den anderen Tag ganz anders. Dass ich keine gravierenden Entscheidungen getroffen habe, war im nachhinein richtig. Der Kontakt mit anderen Menschen war und ist mir auch wichtig. Nicht mit jedem komme ich in meiner Trauer gut zurecht. Es gibt nur wenige, bei denen ich mir den Kummer von der Seele reden kann. Bei anderen halte ich mich zurück um sie nicht zu "vergraulen". Es ist ein Balanceakt, man muß herausfinden, wer und was einem gut tut. Es ist schwer auszuhalten, aber du bist mit deiner Trauer nicht allein. Du wirst es schaffen und wenn du Hilfe brauchst, hol sie dir !
      Viel Kraft und liebe Menschen die dich stützen wünscht dir von ganzem Herzen
      Emmi
      Hallo Buffy,
      ich kann Dir nur versuchen, dadurch Trost zu spenden, dass es mir genauso geht. Vielleicht hilft uns beiden geteiltes Leid.
      Ich bin nun schon seit über 29 Monaten in dieser Situation, dass meine geliebte Dorit tot ist und ich kann es heute genausowenig wie vor über 29 Monaten ertragen.

      Ich grübele Tag und Nacht, was alles verkehrt gelaufen ist, dass meine liebe Dorit sterben musste-angefangen von der schlechten Ersten Hilfe auf dem Gehweg bis nin zum nicht entfernten Hirnödem, an dem meine liebe Dorit dann verstorben ist. Das ganze Leben mit diesem Wissen um die Todesumstände meiner geliebten Partnerin ist auch für mich so grausam.

      Ich kann Deinen Schmerz verstehen, helfen leider nicht.
      Einzig und allein mich entspannen die Gänge zum Friedhof. Dort brauche ich mich mit niemand zu verabreden. Bestimmte Leute treffe ich dort sehr häufig. Ich werde jetzt losfahren zum Friedhof. Gestern da hat es geklappt, habe viele Bekannte auf dem Friedhof getroffen. Heute werde ich mal sehen, ob ich gespräche haben werde. Wenn nicht, habe ich Gespräche mit meinen lieben Verstorbenen, die sind immer für mich da.

      Ich fühle mit Dir
      Matthias
      Liebe Buffy,

      mir ging es genau so, ich war wie in einem Schockzustand aus dem ich nicht ohne Hilfe rauskam. Ich habe tagelang am ganzen Körper gezittert.Vielleicht kannst du ja mit deinem Hausarzt sprechen, meine Ärztin hat mir damals gute Tipps gegeben und Tabletten verschrieben. Dann habe ich professilnelle Hilfe eines Psychiaters in Anspruch genommen und bin zu einer Heilpraktikerin (für psychische Erkrankungen) gegangen. Eine psychosomatische Reha habe ich auch gemacht.

      Jetzt, nach über 5 Jahren, habe ich mich entschieden, dass Haus zu verkaufen und einen Neuanfang zu wagen. Ich war mir immer unsicher bleibe ich im Haus oder gehe ich. Die Entscheidung kann man nur einmal treffen, lass dir Zeit. Wichtige Entscheidungen sollte man (wenn möglich) erst treffen wenn man wieder gefestigt ist.

      Liebe Grüße
      Silke
      Liebe Buffy, es ist sehr traurig, deine Zeilen zu lesen. So richtig weiß ich auch nicht, was ich dir raten soll. Ich hatte zum Glück meine Arbeit..auch wenn ich zuerst nach 5 Wochen noch nicht arbeiten wollte. Aber meine Chefin sagte, ich solle es versuchen und wenn es manchen Tag nur ein paar Std. ist...Ich denke, aber du bist den ganzen Tag zu hause..Hast du Kinder in der Nähe? Enkel? Und ich habe psychologische Trauerbewältigung in Anspruch genommen. Zwar auch erst 5 Monate danach, aber es hat mir sehr geholfen. habe jetzt noch 5 Sitzungen und dann werde ich es beenden, weil ich denke, dass ich jetzt allein klar komme. Wohnung wechseln? Das sollte man nicht überstürzen. Ich hadere auch oft mit unserem großen Haus, aber im Moment will ich es noch nicht verkaufen. Ich habe aber 5 Wochen nach dem Tod meines Schatzis meinen großen Flur renoviert und bin jetzt dabei an die Zimmer zu gehen. Irgendwie braucht es Veränderung, weil ich gemerkt habe, dass es mir nicht gut tut, alles so zu lassen, wie es vorher war. Es reißt immer wieder die Wunden auf, die Erinnerungen. Das Leben ist jetzt anders. Das zu begreifen tut sehr, sehr weh...aber man muss für sich den erträglichen Weg finden.
      Liebe Buffy, ich bin auch sehr berührt von deinem Beitrag, es ist einfach nur unendlich schwer den Schmerz auszuhalten, und doch, es muss ausgehalten werden. Ich habe professionelle Hilfe in Anspruch genommen und mich hier im Forum angemeldet und viele viele Stunden die vielen Beiträge gelesen und das tue ich heute noch und es war gut, dass ich den Weg hierher gefunden habe. 4 Jahre ist das jetzt her und doch als wäre es gerade erst gewesen. Den Schmerz auszuhalten und weiterzugehen ohne den geliebten Menschen, das ist eine große Herausforderung und kostet viel Kraft und tut einfach nur weh. Aber diesen Weg kann uns niemand abnehmen, vielleicht begleiten und für uns da sein und mit uns ein stückweit aushalten, was auch gut tut, aber da bleiben viele Stunden in denen ist man dann doch ganz allein. Vielleicht wird es irgendwann erträglicher, das wäre jedenfalls mein Wunsch, für uns alle. Lieben Gruß, Beate
      Liebe Ina,ich habe einen Sohn und eine Enkeltochter die in meiner Nähe wohnen.Ich bin oft dort und versuche zu helfen,wo ich kann.Mein Enkelkind ist auch an Krebs erkrankt und macht alles noch belastender.Früher habe ich im Krankenhaus gearbeitet .Seit 3 Jahren bin ich Rentnerin.Leider kann ich nicht wieder einsteigen,ich habe es versucht. Aber man hat im Moment keinen Job für mich.Dienstags arbeite ich ehrenamtlich in einer Kita.Morgens ist es heftig mit meiner Unruhe und Traurigkeit .Schlimm ist,daß ich nicht in der Lage bin meinen Haushalt zu führen.Alles erscheint mir sinnlos und macht mir Angst.Mein Selbstwertgefühl ist am Boden .Ich fühle mich einfach nur noch schlecht.In der nächsten Woche habe ich einen Termin bei einem Psychiater.Das ist meine letzte Hoffnung auf Hilfe.Ich hasse mich für meine Schwäche.. Lg.Buffy
      Liebe Buffy,
      du bist überhaupt nicht schwach, ganz im Gegenteil! Wer merkt, daß er Hilfe braucht und diese sucht und annimmt, ist stark ! Es ist keine Schwäche die all dies mit dir macht, es ist Trauer ! Und du hast allen Grund traurig zu sein. Sei nachsichtig mit dir selbst, du mußt nicht funktionieren. Sei gut zu dir selbst, soweit es geht. In der ersten Zeit habe ich diesen Hinweis von anderen Trauernden nicht verstanden. Wie kann ich mir Gutes tun, wenn mir doch irgendwie alles egal ist, mein liebster Mensch Gutes nicht mehr spüren und erlebe knann ? Aber es ist wahr und richtig, sei gut zu dir selbst. Finde raus, was das sein könnte. Es fängt mit ganz kleinen Schritten an, nimm dir die Zeit. Du wirst es schaffen und du bist nicht allein.Alles Liebe für dich.
      Emmi
      Es tut mir gut eure Beiträge zu meinem Hilferuf zu lesen.Danke dafür! Mittlerweile versteht mich kaum noch jemand.Deshalb ist der Austausch hier im Forum für mich so wichtig geworden.Man kennt sich nicht,trotzdem hat man das Gefühl von Verbundenheit.Als meine Eltern gestorben sind, war ich auch sehr traurig,aber dieses verstörende Gefühl blieb aus.Ich hoffe,daß mir die Zeit hilft, etwas Licht am Ende des Tunnels zu sehen.lg.Buffy
      Liebe Buffy,
      ja ich kann mich da hineinversetzen. Nach dem Tod meiner Mutter vor über 22 Jahren da hab ich den Tod auch leichter weggesteckt als jetzt vor 29 Monaten und 3 Wochen den Tod meiner Lebenspartnerin.
      Bei mir war es damals wichtig, mit meiner Partnerin und meinem Vater Menschen in meiner Nähe zu haben, die mich in meiner Trauer auffangen konnten. Und mit meiner Partnerin teilte ich sogar das gemeinsame Schicksal, im selben Jahr unsere Mütter verloren zu haben.
      Vielleicht wird es auch bei Dir dadurch erschwert, dass Du keine Angehörigen mehr hast, die Dich in Deiner Trauer auffangen können.

      Bei mir ist es jedenfalls so.

      LG
      Matthias
      Liebe Buffy, du musst dich nicht für deine Schwäche hassen. Du bist in einer tiefen Trauerphase. Ich habe anfangs auch nur das Nötige im Haushalt erledigt...gerade so, dass es nicht schmutzig bei mir ist. Ich habe ewig gebraucht um Fenster zu putzen, aber immer nur soviel gemacht, dass es einigermaßen ordentlich ist. Habe nur alle zwei Wochen Wäsche gewaschen, wenn ich dann echt keinen Schlüppi mehr im Schrank hatte. Na und? Wer will darüber urteilen? Setz dich nicht unter Druck...alles in kleinen Schritten...Mir war es egal, dass der Rasen kniehoch war...dass das Leergut rumstand, okay..mache ich, wenn es besser geht. Setze dir kleine Ziele...versuche einfach kleine Momente zu genießen...jeder kleine Schritt zählt...und genieße die Zeit mit deinem Enkelkind..manchmal geschehen doch kleine Wunder...ich hatte dir geschrieben, dass auch unser Sohn im Alter von 13 Jahren an einem Hirntumor erkrankt war.....3 Jahre dauerte der Kampf, den wir dann doch gewonnen haben....Ich möchte dir eine ganz dicke Umarmung schicken..Es macht mich traurig, deine Zeilen zu lesen und ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, dass es mir trotz all meiner Trauer und Sehnsucht, doch so relativ gut geht. LG Ina
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