Wann ist Trauer krankhaft?

      Wann ist Trauer krankhaft?

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      Hallo,liebe Betroffende,oft habe ich hier meinem Schmerz freien Lauf gelassen.Heute nach fast 5 Monaten geht es mir immer noch sehr schlecht.Am Anfang hatte ich noch viel zu erledigen,gut so,ich mußte funktionieren.Jetzt fühle ich eine große Leere und Einseimkeit .Ich versuche weiterhin der Einseimkeit zu entfliehen(Trauergruppe,Psychotherapie,ehrenamtliche Tätigkeit) Es hilft für den Moment,aber wenn ich Zuhause bin geht alles wieder von vorn los.Unruhe ,Traurigkeit und keine Lust irgendwas zu tun.Mein Körper ist total erschöpft und ich sehe keine Besserung.Verharre ich zu sehr in meiner Trauer,oder ist das noch normal?Ich habe Angst mein Leben nicht mehr in den Griff zu kriegen. Vor Antdepressiva habe ich Angst und wiederholt abgelehnt.In meinem Kopf ist nur noch Chaos. Entschuldigt mein Dauergejammer ,aber im Moment bin ich so.Liebe Grüße Buffy

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      Liebe Buffy,
      diese Frage habe ich mir auch sehr oft gestellt und stelle sie mir noch. Bei allem was ich schreibe, gehe ich nur von mir aus, von dem was ich empfinde und wie es sich für mich anfühlt. So glaube ich nicht, daß du in deiner Trauer verharrst. Für mich hat sich der Schock erst nach Monaten gelegt, und statt Besserung habe ich eine Verschlimmerung verspürt. Wenn die Geschäftigkeit, das Funktionierenmüssen nachläßt, kommt das Begreifen. Es sind Jahre vergangen und die Trauer ist allgegenwärtig. Genau wie die Liebe zu meinem Mann und die Sehnsucht nach ihm. Mein Leben fühlt sich so fremd an, da ist diese Leere, dieses Gefühl, mitten aus dem Leben herausgerissen zu sein und nur noch als Zuschauer am Rand zu stehen. Und doch habe ich es bis hierher geschafft. Dabei mußte ich mir viel annehmen und mich sehr oft überwinden, es brauchte Zeit. Fünf Monate, das ist noch nicht lange, da macht vieles Angst. Da war auch ich oft völlig erschöpft, hatte mein Interesse an allem verloren, was mir einmal wichtig war. Vielleicht will uns damit unser Körper auch vor Überforderung schützen. Unter mangelnder Konzentration und Fahrigkeit leide ich noch heute. Es ist die Trauer und ich lasse sie zu, denn ich bin traurig ! Wenn ich deine Beiträge lese, glaube ich, daß du vieles richtig machst. Wie auch ich, besuchst du eine Trauergruppe, gehst zu einer Therapeutin und suchst dir eine sinnvolle Beschäftigung. In dem Moment hilft es, aber wieder allein, kommt die Verzweiflung, das kenne ich nur zu gut. Trotzdem glaube ich, daß das ein richtiger Weg ist, wenn man auch nur in ganz kleinen Schritten vorankommt. Krankhaft kommt mir das weder bei dir noch bei mir vor. Ob die Trauer eventuell in eine Depression umschlägt, kann dir ein Arzt oder Therapeut sagen. Da gibt es sichere Hinweise und auch gute Behandlungsmöglichkeiten. Vor Antidepressiva sollte man nach meinem Wissen und Erfahrungen keine Angst haben, wenn wirklich verantwortungsvoll damit umgegangen wird. Wenn du gar nicht mehr aufstehen willst, die Körperpflege und das Essen vernachlässigst, sind das Alarmzeichen. Sprich mit deiner Therapeutin darüber. Alles was du bisher geschildert hast, habe ich in meiner Trauer auch empfunden. Gib dir Zeit, rede mit jemanden über alles und sei traurig, wenn du es bist.
      L.G.Emmi
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