Gedanken zur Nacht

      Gedanken zur Nacht

      Warum habe ich gelogen? 2Tage vor dem Tod meines Mannes,sagte er mir....Du musst sehen,daß du ohne mich klar kommst .Ich habe es ihm versprochen,damit er in Ruhe gehen kann.Ich habe mein Versprechen nicht gehalten.Versucht habe ich es,es hat nicht geklappt bis hierher.Jetzt bin ich seit 1Woche krank,ans Sofa gefesselt mit Fieber,Husten und anderen Symptomen,die keiner zuordnen kann.
      PCR Test negativ.Meine ganzen Aktivitäten nicht mehr möglich. Mein Körper hat mich ausgebremst.Will ich so weiterleben?Nein!Ich muß die Balance finden zwischen Achtsamkeit und zerstörerischer Trauer.Mein Mann hätte es so gewollt.Hoffentlich gelingt es mir.Grüße Buffy
      Liebe Buffy,
      wie lange erträgst Du nun dieses Schicksal ?

      Ich musste es bisher über 30 Monate ertragen und habe es immer noch nicht geschafft. Hinlegen und nicht mehr weitermachen, das kommt in mir immer wieder hoch.
      Ich kann Deine Gedanken gut verstehen. Unsere Partner haben es sicher nichjt gewollt, dass uns die Trauer so fertig macht. Aber ihre Abwesenheit durch ihren Tod ist für uns Hinterbliebene eben nicht zu ertragen und ich muss auch noch nach über 2,5 Jahren an die grausamen Dinge, den plötzlichen Herzstillstand auf dem Gehweg bis hin zu ihrem Hirnschaden, an dem sie verstarb, zurückdenken.
      Dass Du diese Dinge nicht aus dem Kopf bekommst, kann ich voll verstehen.
      Ich höre mir, wenn ich am PC sitze, immer die Stimme meiner liebsne Partnerin von den vielen Videos an und das bringt sie mir in der Gegenwart etwas nahe.
      Vielleicht hast Du auch Erinnerungsstücke an Deinen Mann, die Du in der Gegenwart betrachten kannst.

      Liebe und leider auch traurige Grüsse
      Matthias
      Liebe Buffy,
      du hast doch nicht gelogen ! Du hast deinem Mann versprochen, daß du zusiehst, ohne ihn klar zu kommen. Das machst du doch ! Das heißt ja nicht, daß es gleich klappt. Gib dir Zeit und sei nicht zu streng mit dir. Weder du noch dein Mann konnten damals wissen, was das wirklich bedeutet. Das weiß man doch erst, wenn man drin steckt in dieser Situation. Die Trauer ist mein ständiger Begleiter geworden. Oft wird mir gesagt, du willst ja gar nicht darüber hinwegkommen. Und irgendwie stimmt das auch.Die Trauer verbindet mich mit meinem Mann. Er würde wollen, daß ich um ihn trauer, auch noch nach Jahren. Er würde wollen, daß ich ihn vermisse, er für mich weiterhin der wichtigste Mensch im Leben ist und ich ihn ganz fest in meinem Herzen trage. Daß er tot ist, nimmt mir die Lebensfreude und ich sehne mich unendlich nach unserem gemeinsamen Leben. Aber er würde auch wollen, daß ich weitermache, sozusagen für ihn mitlebe.Er würde wollen, daß ich Dinge weiter gestalte, auch in seinem Sinn und er würde sich freuen, wenn er wüßte, daß andere für mich da sind und mir helfen. Mit dem Verlust meines Mannes, mit diesem Schickslasschlag, kann ich mich nicht abfinden, Herz und Seele und manchmal halt auch der Körper bäumen sich auf. Aber die Trauer kann ich inzwischen annehmen, empfinde sie nicht mehr als zerstörerisch, sondern als stillen Begleiter, der mich versteht. Mein inneres Gleichgewicht habe ich noch nicht gefunden, aber ich vertraue da inzwischen ein bißchen auf die Natur des Menschen, daß sie uns das Rüstzeug mitgegeben hat, solche existenziellen Krisen zu schaffen. Natürlich kommen mir auch oft Zweifel, wäre ich manchmal am liebsten bei ihm. Für mich nachvollziehbare Gedanken, wenn man so geliebt hat.
      L.G.Emmi
      Liebe Emmi,lieber Matthias,jetzt kann ich endlich wieder schreiben.Nach meinem letzten Beitrag mußte ich notfallmäßig ins Krankenhaus.Meine Erkältung ist eine bakterielle Lungenentzündung.Am Wochenende bin ich entlassen worden.Mein Zustand ist jämmerlich,körperlich wie seelisch.Das Alleinsein hat noch einmal eine andere Dimension angenommen.Ich vermisse meinen Mann so sehr.Keiner der mich fragt ,wie geht es dir?Kann ich was für dich tun?Absolute Stille .Wie erträgt man das?Ich im Moment garnicht.Liebe Grüße Buffy
      Liebe Buffy,
      da freue ich mich erst einmal für Dich, dass Du aus dem KH wieder entlassen werden konntest. Ich mag mir gar nicht auszumalen, wie das wäre, enn ich ins KH müsste. Niemand, der mir frische Wäsche bringt. Niemand, der mich besuchen kommt. Immer allein auf dem Zimmer hockend. Und ob den Zimmermitbewohner mich mit meiner Trauer verstehen kann, ist auch fraglich.
      Ich ertrage die Einsamkeit zu Hause kaum noch. Morgen fahre ich wieder zu meinem Vater ins Heim. Heute da habe ich Baumschnitt auf dem Grundstück.
      Ich versuche, die Stille durch das Abspielen der Videos und der Friedhofsbesuche zu unterbrechen. Am Grab und zu Hause da höre ich vom Band Dorits Stimme und es ist beinahe so, als würde sie zu mir sprechen und manche humorvolle Bemerkung ist auch dabei.
      Ich kann Dir in Deiner Trauer zuhören. Helfen kann ich sicher nicht, bin ich doch zu sehr in meiner Trauer. Aber ich kann Deine Trauer sehr gut verstehen.

      LG
      Matthias
      Lieber Matthias,danke für deine Anteilnahme.Ja,wenn man krank ist wird die Situation noch unerträglicher.Besuch im Krankenhaus war wegen Corona nicht möglich.Mann fühlte sich wie eingespe rrt.Die Wäsche mußte von meiner Freundin an der Pforte abgestellt werden.Es gibt zwar Liebe Menschen die sich kümmern,aber letztendlich ist man alleine mit all seinen traurigen Gedanken.Es wird einfach nicht besser.Ich wünsche dir einen erträglichen Tag. Lg. Buffy
      Liebe Buffy,

      ja das ist wirklich ein tragisches Problem, dass man wegen Corona niemand mehr im KH besuchen kann. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wenn ich meinen vater nicht einmal hätte im Sommer, als er wegen seiner OP wegen Oberschenkelhalsbruch im KH lag, hätte besuchen können. Dann hätte ich meinen alten Vater nicht das Abendessen auf Station reichen können, als er in den Reko-Stuhl mobilisert wurde. Glücklicherweise ware damals die Zahlen niedrig und man durfte besuchen.

      Wir müssen einsam und allein die Last der Trauer mit uns herumschlemmen. Bei mir sind es jetzt 31 Monate, dass ich meine liebe Dorit ohne ein Lebenszeichen für immer verloren habe und 30 Moante ist sie unter der Erde, dorthin ich jetzt auf den Friedhof mich wieder begeben werde.

      Wünsche auch Dir noch einen erträglichen Tag, ich werde es nur am Friedhof etwas ertragen können, wenn ich am Grab mit meiner lieben Dorit rede.

      Liebe Grüsse an Dich
      Matthias
    Liebeskummer Sorgen Forum