Laurax33 Anfänger

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    Laurax33 -

    Hallo ihr Lieben, ich weiß nicht ob ich hier richtig bin, ob es mir oder euch hilft, aber ich möchte euch meine Geschichte erzählen, die mich zwar erst seit knappen 2 Wochen intensiv beschäftigt, aber zerreißt als wäre es ein jahrelanger Kampf gewesen.. Mein Vater starb am 10.05.2020, in meinem Armen, im Beisein seiner ganzen Familie, man sagt "schöner kann es nicht sein". Mein Vater war für mich alles, ich war das Nesthäkchen, seine Prinzessin. Es gab keinen Tag an dem wir Streit hatten, im Gegenteil, wir waren ein Team. Mein Vater wäre am 30.05.2020 72 Jahre alt geworden, was laut Ärzten ein Wunder war, da er schon eine heftige Krankheitsgeschichte hatte. 2009 hatte er zum 2. Mal Tuberkulose, 2010 einen Herzinfarkt, die darauffolgende Operation ging schief, er kam ein Jahr nicht richtig auf die Beine durch einen Ärztepfusch. 2011 kam es zur erneuten Herzoperation, infolge 9 Tage Koma, aber er raffte sich immer wieder auf und führte trotz diesem Leiden und Wehwehchen weiterhin seine Firma und war für mich und meine Familie stark. Am 03.04.2020 fiel er dann morgens im Badezimmer, ich rief den Notarzt. Dieser kam auch und nahm ihn dann mit ins Krankenhaus. Ab dem Zeitpunkt ging der reinste Psychoterror los.. Ich rief nachdem mein Vater morgens um 6 Uhr abgeholt wurde gegen Nachmittag im Krankenhaus an, da sich niemand meldete.. Dort bekam ich ihn ans Telefon. Er wusste das etwas gebrochen war, aber nicht genau was, er würde sich nochmal melden.. Doch das passierte nicht. Wir riefen immer wieder an, bekamen keine wirklichen Infos. Bekamen gesagt er wäre zu sediert zum Sprechen, aber über seinen Zustand gab man uns auch keinerlei Info.. Bis Sonntagabend, als der Arzt anrief um uns zu sagen er sei ins künstliche Koma gelegt worden da sie durch Corona den Oberschenkelhalsbruch nicht operierten könnten. Uns traf es wie einen Schlag ins Gesicht. Und es ging mit weiteren Schlägen weiter. Wir bekamen weiterhin keine Informationen um seinen Zustand bis sie nach 4 weiteren Tagen anriefen und uns sagten, dass mein Vater niemals wieder nach Hause kommen wird. Dort blieb meine Welt dann stehen. Trotz mehrfacher Anrufe, in der Hoffnung ein Arzt würde mit uns sprechen, wussten wir einfach nichts.. Das ging Tage so.. Alle 3 Tage hieß es es ginge wieder aufwärts, dann wieder das er nicht mehr nach Hause kommt. Ich versuchte stark zu sein, so stark wie mein Vater immer war in seinen schlimmsten Zeiten.. Irgendwann wurde uns gesagt er hätte noch 5% Überlebenschance.. Er hätte ein Multiorganversagen, eine Magenblutung, ein Lungenflügel wäre kollabiert, ein Bakterium auf der Herzklappe wäre gefunden worden. Woher das alles kam, wie es überhaupt soweit kommen musste, darauf hatte kein Arzt eine Antwort. Es vergingen weitere Tage.. Dann ein Anruf aus der Klinik (eine Seltenheit, sie riefen nur insgesamt 3x an um uns zu sagen er käme nicht mehr nach Hause), er müsste nicht mehr operiert werden, er dürfte aufwachen. Ich war so froh und so glücklich darüber das sich mein Held wieder zurück ins Leben kämpft. Aber es passierte nichts.. Täglich wurde uns gesagt es wäre normal, es würde oft so lange dauern bis man aus dem Koma erwacht, wir sollten Geduld haben. 14 Tage vergingen. In dieser Zeit bekamen wir keinen Arzt mehr ans Telefon, bekamen nur gesagt 'es geht ihm gut, er ist stabil'. Bis ich keine Geduld mehr hatte und darauf pochte endlich mit einem Arzt zu sprechen. Die Oberärztin lud uns dann ein auf die Intensivstation zu kommen.. Als wäre es ein Geschenk. Dort angekommen wurde uns dann knallhart gesagt wir sollten eine Entscheidung treffen, es wäre nicht normal das man in 14 Tagen nicht aufwacht, einfach aus dem nichts, mit dem Zusatz 'sie werden im schlimmsten Fall weder psychotherapeutische Hilfe bekommen noch sonst was'. Daraufhin durften wir wieder nach Hause um uns bis sonntags Gedanken zu machen, was mit ihm passieren soll.. Letztendlich konnten wir keine Entscheidung treffen, da mein Vater an diesem Sonntag starb und uns so die Entscheidung abnahm. Mich zerreißt es.. Nicht einmal die Tatsache das er fort ist. Ich weiß er leidet nun nicht mehr, er ist ruhig und friedlich eingeschlafen.. Aber er war kein Mensch der gerne alleine war und musste nun 6 Wochen alleine dort liegen, leiden und kämpfen.. Mein Vater starb nicht an Corona, auch nicht an seinen Vorerkrankungen, sondern letztendlich an der Gesetzgebung was Corona betrifft, da er sofort operiert werden hätte können und es gar nicht so weit hätte kommen müssen. Ein Mann der so viel gekämpft und erreicht hat, einen wahnsinnigen Lebenswillen hatte, einfach aus der Realität gerissen, ruhig gestellt um die Kurzarbeit zu gewähren und letztendlich allein gelassen. Ich habe keine Wut oder Hass auf die Ärzte, das Pflegepersonal oder sonst wen, mir bringt es ja auch nichts diesen Personen Vorwürfe zu machen.. aber es ist unfair, unmenschlich und es hätte anders laufen sollen.. Allein das alles ohne Einverständnis erfolgte. Man fühlt sich so betrogen, in eine Ecke gedrückt, sodass ich momentan nicht mal wirklich trauern kann, da ich so unfassbar ratlos bin. Ich fühle mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht eines Lastwagens. Er fehlt mir wahnsinnig ganz klar.. Dazu dann die Beisetzung unter Verordnung des Ordnungsamtes.. Was alles andere als 'menschenwürdig' ist und das komplette Gegenteil von dem was er verdient hätte. Ich weiß nicht ob hier irgendwer nachvollziehen kann was in mir vorgeht, ich hoffe nicht, da ich das niemandem wünsche, aber ich weiß nicht wie ich anders damit umgehen soll und vielleicht hilft es, mir dieses Leid wenigstens 1x von der Seele geschrieben zu haben. Vielleicht ist diese Ratlosigkeit auch normal? Ich weiß es nicht. Ich entschuldige mich jetzt aber dennoch für diesen Roman und hoffe ihr seid und bleibt alle gesund.

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      InaMarianne -

      Liebe Laura.....mein aufrichtiges, herzliches Beileid ....es wird dir helfen hier zu schreiben und zu lesen....Aber schreibe nicht hier an der Pinnwand..geh ins Forum oder Dashboard..da findet man deine Beiträge schneller..LG Ina

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      Renate1967 -

      Liebe Laura ich kann das Nachvoll ziehen, mein Mann starb nicht an aber wegen Corona, Er hätte eine neue leber transplantiert bekommen sollen, war auf der Ruro Transplant Liste und war an Stelle 1 auf dieser Liste. Da machen neun Länder mit , bei dieser Liste und die Organe die gebraucht werden , werden dann eben in die dementsprechenden Spitäler geschickt. Normalerweise. So nicht bei Corona. Da wurden keine geschickt weil sie sagten es könnte einen Virus haben. Es gab in den Spitälern außerhalb eine passende leber für meine Liebe aber sie wurde nicht geschickt. Und er war schon zu schwach für einen Transport. Er hätte es geschafft , er war noch jung , hätten sie ihm rechtzeitig operiert. Es ist wie du sagst, furchtbar ungerecht und einfach nicht richtig. Auch mich quälen Gewissensbisse, und ich frage mich warum musste er genau zu dieser Zeit, gerade dieses Stadion erreichen. Es tut nur weh , sonst nichts.

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