Meine Mama

  • Hallo Milac,


    Dein Thema berührt mich sehr, ich möchte dir mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen.



    Ich trauere seit 3 Jahren um meine geliebte Mama. Bis heute kann ich nicht über Einzelheiten und meine Schuldgefühle sprechen, wir haben auch sehr schlechte Erfahrungen mit Ärzten gemacht, das kann ich noch immer nicht überwinden.


    Ich hoffe, dass die Psychotherapie dir helfen kann.

    Und dass du Hilfe für deinen Papa gefunden hast.


    Liebe Grüsse, Lola.

  • Hallo Lola, wie geht es Dir nach drei Jahren im normalen Alltag?

    Ich fühle mich sehr oft wie ein kleines Kind, hilflos und unfähig richtig am Leben teilzunehmen. Alles überfordert mich.

    Vom Prinzip her warte ich darauf das alles wieder gut wird, ich aufwache und die letzten Jahre nur ein böser Traum waren.

  • Hallo Milac,


    ja so fühle ich mich auch.

    Das ganze andere Leben ist zwar da, aber man ist nicht in diesem Leben drin. Da hat mir das Buch 'Damit aus meiner Trauer Liebe wird' von Roland Kachler geholfen.


    Er beschreibt darin, wie man sich über Photos und Videos die Verstorbenen wieder auf die innere Bühne des eigenen Lebens zurückholt.

    Das Aufschreiben der eigenen Gefühle wie hier im Forum es hilft dabei sehr.


    Die Verstorbenen können körperlich leider nie wieder zurückkehren, aber ihre Stimmen sie sind in Form von Videoaufnahmen noch da und bringen Verstorbene auf geistiger

    Ebene wieder etwas zurück. Ich mache bei meinen täglichen Verrichtungen immer die Ohrhörerstöpsel rein und höre die Stimme meiner Dorit, so ist sie mir wieder nahe.


    viel Trost im Trauerschmerz

    Matthias

  • Hallo Milac,


    Der normale Alltag läuft bei mir inzwischen meistens ganz gut, aber ich habe oft noch schlechte Tage, an denen ich wieder von Traurigkeit und Schuldgefühlen überwältigt werde.


    Ich habe leider auch keinen, mit dem ich über die schmerzhaften Erinnerungen, die mich noch so oft quälen, reden kann.


    Ich verstehe gut, was du beschreibst, es braucht Zeit, den Verlust erst einmal anzunehmen.


    Liebe Grüsse,

    Lola

  • Ein Danke an Matthias für den Tipp mit dem Buch. Vielleicht sollte ich wirklich mal ein paar Bücher zum Thema Trauer lesen.


    Hört es irgendwann auf weh zu tun? War Trauer früher anders? Diese Fragen beschäftigen mich. Meine Oma war ungefähr 60 als mein Opa verstorben ist. Ich war damals noch ein kleines Kind. Meine Oma ist 10 Jahre später auch gegangen. Manchmal hat meine Mutter über ihre Eltern gesprochen aber es wurden nie Fotos angesehen, es waren auch nie Fotos irgendwo aufgestellt von ihren Eltern. Mittlerweile frag ich mich ob es früher einfacher war zu trauern oder ob sie das leichter verarbeitet hat, weil sie nicht allein war. Es waren ihre Geschwister da, mein Vater, Freunde, Arbeitskollegen und sie musste sich um mich kümmern. Als vor etwa 8 Jahren die Schwester von meiner Mutter unerwartet aus dem Leben gerissen wurde, haben wir gemeinsam viel geweint aber das Leben ging weiter und ich hatte nur selten den Eindruck das meine Mutter traurig ist. Vielleicht konnte sie es gut verbergen, vielleicht war sie charakterlich nicht in der Lage lange Trauer zu empfinden.

    Mir geht es fast nie gut. Es gibt einzelne Tage wo ich mal die Gedanken verdrängen kann, war jetzt mal einen Tag am Meer, was richtig schön war. Leider kann ich nicht länger weg. Jedenfalls im alltäglichen ist die Trauer immer da, die Zweifel, Einsamkeit, Wut, Enttäuschung, Schuld. Ich denke das wird sich nicht ändern. Meine Psychologin hat diese Woche den Termin absagen müssen und ich merke wie mich das belastet. Keiner da zum reden. Deswegen schreib ich jetzt wieder hier.

  • Ich weiß auch nicht genau, ob das Trauern früher leichter oder auch anders war. Vielleicht haben haben die Leute auch eher im Stillen für sich getrauert. Ich habe als Kind auch relativ wenig davon mitbekommen. Meine Mutter hat diese Dinge schon immer sehr nüchtern behandelt. Sie hat sich sehr engagiert um meine Oma gekümmert, hat aber auch gesagt, wenn sie irgendwann nicht mehr da ist, wird sie sie nicht am Grab besuchen oder ähnliches. Weil das für sie einfach keinen praktischen Zweck hat.

    Ganz früher war die Mehrheit der Leute ja noch religiöser. Vielleicht haben sie darüber ihre Trauer bearbeitet. Es war dann zumindest ein Anlass. Heutzutage vermeiden Außenstehende ja oft, das Thema verstorbene Person auch nur zu berühren, weil sie glauben, das wäre unangenehm. Ich habe früher auch so gedacht. Seit dem Tod meines Freundes Ralf weiß ich, dass das Unsinn ist. Ich freue mich darüber, wenn Leute mich auf ihn ansprechen, weil das bedeutet, dass er auch durch sie irgendwie gedanklich weiterexistiert. Aber das merkt man wohl erst, wenn man selber betroffen ist.


    Und, was vielleicht noch anders als früher ist, dass man heute oft isolierter lebt. Die Verwandten wohnen häufig relativ weit auseinander. Da ist man schnell mal mit seiner Trauer allein, die sich dann steigern kann. Früher reichte vielleicht schon ein verstehender Blick oder ein Wort von Angehörigen, die da waren, dass man wusste, dass man mit der Trauer nicht allein war.


    Was am Ende stimmt, weiß ich auch nicht. Es waren mal so ein paar Gedanken von mir. Milac, ich hoffe, du hast oder findest Leute, mit denen du reden kannst. Und wenn erstmal nicht, vielleicht hilft es ja, dann eben gedanklich mit deiner Mama zu reden. Wenn´s mir nicht gut geht, hilft es mir auch oft, hier einfach zu lesen oder ab und zu auch was zu schreiben. Wie jetzt gerade.


    Liebe Grüße

    Sascha

  • Lieber Milac,


    ich glaube, dass Deine Grosseltern, als sie starben, Dir noch mehr Angehörige hinterlassen haben.

    Auch ich habe um meine Grossmütter längst nicht so getrauert wie jetzt um meine liebe Partnerin und meinen Vater, weil es die letzten Angehörigen waren.


    Ich weiss, die Psychologen sagen immer, man muss die Trauer nach 1 Jahr überstanden haben, aber wenn man einen lieben Menschen oder gar die letzten Angehörigen verliert,

    ich glaube, dann gelten diese einfachen Gesetze nicht. Die Trauer, so empfinde ich es, wird wohl immer da sein. Man kann sich der Trauer nur stellen und muss eben um wieder auf das Buch zurückzukommen, den verlorenen lieben Menschen auf die innere Bühne des eigenen Lebens zurückholen anhand von Videos oder photos, so bleiben die Verstorbenen präsent und man spürt sie wieder im eigenen Leben.


    Das ist zumindest meine Erfahrung.


    Ich gebe auch Sascha recht, beim Schreiben lenkt man sich ab und begibt sich auch gedanklich auf die Ebene, wie es einmal mit den Verstorbenen war.


    LG

    Matthias

  • Danke für eure Antworten. Stimmt natürlich früher war die Familie in der Nähe, jedes Wochenende hat man sich getroffen. Heute bin ich fast immer alleine. Die wenigen verbleibenden Kontakte sind leider keine Hilfe, da ich mich völlig unverstanden fühle. Es wird eben erwartet das man funktioniert. Kann ich aber nicht, weil die Kraft fehlt. Ich empfinde jeden Tag als schwere Last.

  • Danke für eure Antworten. Stimmt natürlich früher war die Familie in der Nähe, jedes Wochenende hat man sich getroffen. Heute bin ich fast immer alleine. Die wenigen verbleibenden Kontakte sind leider keine Hilfe, da ich mich völlig unverstanden fühle. Es wird eben erwartet das man funktioniert. Kann ich aber nicht, weil die Kraft fehlt. Ich empfinde jeden Tag als schwere Last.

    Hallo Milac, bitte melde dich mal bei mir. Ich bin in einer ähnliche Situation wie du, habe niemanden mit dem ich reden kann. Bin ganz alleine. Meine Mama ist vor 9 Monaten verstorben. Vielleicht können wir mal email schreiben. LG

  • Liebe lililu, gern können wir schreiben. Kann man hier private Nachrichten schreiben? Ich kenne mich nicht so aus. Bin auch immer mal paar Wochen nicht hier.


    Heute war wieder ein richtig schlimmer Tag, bin mir nicht mal sicher warum. Das Wetter war schön und im Gedanken sah ich mich im Garten sitzen und grillen, wie früher mit der Familie. Gleichzeitig fallen mir viele Dinge ein, die in den letzten Jahren nicht gut gelaufen sind, sinnlose Diskussionen, Streit wegen irgendwas, Missverständnisse. Heute würde ich vieles anders machen doch heute ist es zu spät.

  • Hallo Milac,


    ich weiß wie du dich fühlst. Man kann so vieles nicht mehr rückgängig machen. Bei mir sind es jetzt bald 10 Monate seid sie gegangen ist. Ich fühle mich sehr, sehr einsam und taub. Ich habe niemanden, sie war meine einzige Bezugsperson.

  • Hallo Milac,


    es ist sehr individuell. Es gibt Menschen, zu denen ich mich selbst auch zählen würde, die gelernt haben, Gefühle nicht zu zeigen, weil es halt in gewissen Situationen (im Beruf z.B.) ihnen schaden würde. Wenn man das über viele Jahre gelernt hat, dann geht man vllt. auch in der Situation, wo man einen nahen Angehörigen durch Tod verloren hat, ähnlich damit um, vielleicht merkt man gar nicht einmal, daß das auf Familienangehörige irritierend wirken könnte. Das hat aber nichts mit Abstumpfung zu tun. Nur weil ich bei der Beerdigung meiner Mutter und später bei der meines Vaters nicht weinen mußte, heißt das nicht, daß es mir nicht nahe gegangen ist. Ich gehe nur anders damit um. Ich besuche mein Elterngrab i.d.R. zweimal in der Woche, ich rede da mit meinen Eltern (wenn niemand in der Nähe ist), ich erzähle ihnen, was ich erlebt habe und wenn ich gehe, wünsche ich ihnen alles Gute. Gestern habe ich ihnen gesagt, drückt meinem Verein die Daumen, sie haben ein sehr schweres Auswärtsspiel und der Verein hat dann das Spiel völlig überraschend gewonnen. Meine Eltern sind für mich immer noch auf eine gewisse Weise da, wie zu der Zeit, als sie noch gelebt haben. Wenn ich dann nach Hause komme (ich habe meine Eltern vorher in ihrem Haus gepflegt und lebe auch weiterhin in meinem Elternhaus), dann sitzt vor meinem geistigen Auge mein Vater auf der Couch und sieht sich die Nachrichten an, wie jeden Tag. Ich stelle mir vor, was ich heute zu ihm sagen würde, wenn er noch da wäre und was er geantwortet hätte. Das gibt mir Frieden.


    Zu den Schuldgefühlen: Ich muß mit mir abmachen, daß ich meinen Vater eine Woche vor seinem Tod gegen seinen Willen notfallmäßig ins Krankenhaus habe einliefern lassen, obwohl er das ausdrücklich nicht wollte. Genau das wollte ich eigentlich vermeiden. Wenn er friedlich eingeschlafen wäre mit 88, hätte ich ihn natürlich gelassen, aber er hat sich so quälen müssen, daß ich das nicht mitansehen konnte und nicht mehr gewußt habe, was ich sonst tun sollte. Ich hatte ja noch die Hoffnung, daß er nochmal wieder nach Hause kommt. Er hat mir dann im Krankenhaus gesagt, daß ich das richtige getan habe. Eine OP hat er dann aber verweigert und ich habe mich dann natürlich seinem Willen angeschlossen, obwohl er mir eine Vollmacht unterschrieben hatte, das zu entscheiden. Einige Tage später ist er dann verstorben, aber er hat das gewußt und sich so entschieden und dann ist es eben der letzte Dienst, den ich für ihn leisten konnte. Dennoch hadere ich nach über zwei Jahren immer noch mit dieser Entscheidung, ob ich ihn gegen seinen Willen ins Krankenhaus hätte einliefern dürfen, Ich weiß aber bis heute nicht, was ich sonst hätte tun sollen. Das kommt immer wieder, ich kann es nicht ändern.


    Das sind vielleicht Wunden, die niemals heilen werden. Wie bei einem alten Auto, das irgendwann Beulen abbekommen hat, aber immer noch gute Dienste leistet. Auch der alte Karren kann uns immer noch an Orte bringen, die wir noch nie gesehen haben.


    Schenke der Zukunft dein Vertrauen!


    Alles Gute

    Ralf

  • Bald sind es zwei Jahre ohne Mama. Zwei Jahre in denen mein Leben mehr oder weniger in einer Art Stillstand ist. Es scheint als wären nur wenige Monate vergangen aber nicht zwei Jahre. Ich trete auf der Stelle, bekomme organisatorische Sachen nicht mehr auf die Reihe, eigentlich irgendwie überhaupt nichts. Wann hört das auf?

  • Ja eann hört das auf - so spontan denke ich gerade wenn du es zulässt - vielleicht braucht es dazu auch Hilfe wenn es mit das was man Überwindung nennt nicht geht.

    Die Welt hat sich in den zwei Jahren weiter gedreht lieber Milac auch wenn dein Gefühl etwas anderes sagt, nun musst du wieder anfangen dich darin zu bewegen.

    Einen Anfang finden dein Leben ohne deine Mama direkt neben dir zu organisieren, anzupacken was auch immer mit ihr in deinem Herzen.

    Mit dem Gedanken das sie es erwartet.

    Wie so oft geschrieben muss man dem Leben einen Sinn geben wenn der ursprüngliche Sinn verloren gegangen ist.

    Ich bin sicher das deine Mama davon ausgegangen ist dich fürs Leben fit zu machen - du deinen Weg hast und ihn auch ohne sie gehen wirst.


    Vielleicht würde es helfen dem Sinn deiner Mutter zurliebe irgendwie aus deinem Loch zu kommen.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Ja, nur leider schaffe ich es nicht mein Leben zu sortieren oder besser gesagt es bleibt mir keine Zeit um wirklich zu leben. Überall sind nur Probleme und ich völlig überfordert. Mein Vater schwer krank und uneinsichtig. Vom Prinzip muss ich mich zur Zeit um alles alleine kümmern. Wahrscheinlich würde sie auch erwarten das ich mich um ihn kümmere, was ich auch versuche. Es ist aber alles zu viel, Garten, Haustiere, Vater, mit allem steh ich allein da. Das soziale Umfeld existiert nicht mehr, weil diese Leute nur da waren solang alles perfekt war. Ich sitze so gesehen tatsächlich in einem Loch und kann nicht raus. Ich bin selber krank und muss trotzdem funktionieren. Es bleibt mir nur zu hoffen das es doch noch alles besser wird.

  • Aber nur zu hoffen das es besser wird lieber Milac ich weiß nicht - ich denke du solltest dich um Hilfe bemühen - entweder um dir ebi allem helfen zu lassen oder eben um dich soweit wieder fit zu bekommen um es selbst zu können.

    Ich weiß das ist leichter geschrieben als getan aber wenn ein Loch zu tief wird braucht es Hilfe um eine Leiter oder ein Seil hinunter zu lassen.


    Ich wünsche dir jedenfalls irgendetwas, irgendjemanden das dir gerade weiter geholfen werden kann.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Hallo Funny,


    ich hoffe das Daumendrücken hat genutzt, nächste Woche habe ich einen Termin bei einer sozialen Einrichtung, sozusagen Sozialarbeiter die helfen, wenn man einfach nicht mehr weiter weiß.


    Jetzt nähert sich der zweite Jahrestag, diese Zeit jetzt hasse ich so sehr. Insgesamt sind vier Trazerfälle in den letzten Jahren ausgerechnet in die vorweihnachtliche Zeit gefallen.


    Milac

  • Das hoffe ich auch auch lieber Milac.

    Alles ist besser als nichts zu tun *lächel*

    Aber wenn ich eines weiß, dann das nicht alle Sozialarbeiter schlecht sind - es muss einfach auch passen - was für den einen passt geht für einen anderen überhuapt nichts - ich bin gespannt und drücke weiter meine Daumen.


    Und ja die liebe Weihnachtszeit, die hat es wirklich in sich - meine Oma sagte oft da geht der Deibel (Teufel) uff Stelzen.

    Das Fest der Liebe und da wo es noch gut ist eben einfach das Fest der Familie - wo man zusammen sitzt der Anlass das sich die Familie trifft und es ist besonders schwer wenn im Laufe der Jahre einige Stühle leer bleiben.


    Gerade aber auch wo es kaum noch Famile hat schlagen die Emotionen Rad und man fühlt sich noch alleiner als sonst schon.


    Ich kann mir gut vorstellen das die Gedanken sich verselbstständigen und anstatt guten Mutes zu sein wartet man darauf was in diesem Jahr während der Zeit passiert.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

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