Mama verstarb plötzlich und unerwartet

  • Liebe Community,


    ich weiß gar nicht, was ich mir genau erhoffe. Mir hilft im Grunde nichts, um mit meiner Trauer fertig zu werden. Meine Mama ist vor drei Wochen plötzlich und unerwartet verstorben. An einem Tag, an dem sie mit uns in den Urlaub gefahren wäre, wurde sie tot aufgefunden. Ich komm überhaupt nicht damit klar, fühle mich schuldig, zu spät auf ihr Nicht-Antworten reagiert zu haben und auch, weil ich oft sehr ruppig und vorwurfsvoll zu ihr war. Meine Mama war mein Ein und Alles. Obgleich unsere Beziehung chaotisch und komplex war, war sie auch sehr eng. Wir hatten jeden Tag Kontakt. Ich weiß gar nicht, wohin mit mir. Sie lässt mich völlig überfordert zurück. Die meisten Freunde in meinem Alter (ich bin Mitte 30) haben noch die Großeltern und bei mir sind mittlerweile alle verstorben. Ich fühle mich, obwohl ich Partner und Kind habe, komplett alleine. Ich hab keine Lebensfreude mehr und bin ständig traurig. Ich hätte so gerne zumindest einen Abschied gehabt. Es hätte so viel gegeben, wofür ich mich bei ihr bedanken hätte wollen und nun habe ich nie wieder die Chance dafür.


    Danke, dass ihr euch das durchgelesen habt.

  • Ein liebes Willkommen liebe Tristessa - vielfach ist es so das bei einem plötzlichen Tod das nicht Abschied nehmen können mit das schwerste an der Trauer ist.

    Wir wollten doch noch, ich wollte doch nocht so vielesFragen - mich bedanken wie auch du hier schreibst.


    Nichts geht mehr, das stimmt nicht so ganz - ich bin fest davon überzeugt, dass wir alle noch verbunden sind - nichts geht so ganz und etwas bleibt immer.

    So bekommt man zwar keine Antworten mehr - nicht wie gewöhnt jedenfalls aber ich habe nie aufgehört mich zu bedanken bei meinen Lieben, mit ihnen zu reden und manches mal fühlte es sich so an als hätte ich danach Antworten in mir die da vorher nicht waren.

    Es sortiert sich so einges und es tut gut auch wenn es immer mal wieder weh tut.

    Ja ich mir sogar völlig verblödet vorkomme - rede so mit mir selbst mit Blick in den Himmel.


    Wirklich blöd aber ist das nicht, ich merke ja wie es mir immer wieder gut tut.

    Wenn ich nun schreibe es ist als seien sie noch da dann in dem Sinne das sie in mir sind, um mich herum und ich sie nie wirklich verlieren kann.


    Und ja man kommt sich nicht selten allein vor, allein gelassen, es fehlt etwas wichtiges und das können andere nicht immer nachvollziehen.

    Nichts ist mehr wie es war und nichts kann mehr so werden wie es gaplant war.

    Auch das schlechte Gewissen das plagt aber was man nicht aus purer Boßheit oder Absicht tut das ist halt alles Leben.

    Es ist nicht immer als leicht, alles richig, wind wir doch alles Menschen und die machen halt nie alles perfekt.


    Ich wünsche dir deinen Frieden mit dir zu finden und den Weg der Trauer nicht allein gehen zu müssen auch wenn es sich gerade so anfühlt.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Danke für deine liebe Antwort. Wir hatten eine sehr enge, aber auch eine sehr ehrliche Beziehung. Ich hab ihr immer alles reingesagt, was mir nicht gepasst hat, und nun fühlt es sich so an, als hätt ich keine Chance mehr, mich zu entschuldigen oder mich zu bedanken.


    Ich hoffe, meine Mama hat trotzdem gespürt, wie sehr ich sie liebe. Ich bin leider weder gläubig noch spirituell. Meinst du, dass ich mit ihrer Seele noch verbunden bin?

  • Also ich bin davon überzeugt - ich kann das nicht belegen nicht mal wirklich erklähren.

    Es ist das wie es mir ergangen ist - wo ich im Leben eine enge Bindung hatte da ist das mit dem Tod nicht einfach erledigt gewesen.

    Na ja und wenn da nun einer meint das wäre alles Einbildung gewesen dann war es jedenfalls eine sehr schöne *lächel*


    Wie oft spürt man schon etwas bevor es passiert, wie oft weiß man was der andere will bevor er etwas sagt.

    Na ja es gibt so viele Dinge die geschehen die einfach nicht erklährbar sind.

    Es gibt so viel zwischen Himmel und Erde und zwischen Menschen die sind einfach nicht erklährbar.

    Natürlich kann man das mit Spinner abtun, ist mir auch egal - immerhin bin ich nicht allein damit.

    Vielleicht hat ja auch die Empfindbarbeit etwas damit zu tun aber ich bin selbst werder spirituell unterwegs oder besonders gläubig in bestimmter Form.

    Ich kenne mitlerweile einfach ein paar Menschen zuviel die mir bewiesen haben das etwas sein kann obwohl alles dagegen spricht.


    So rede ich mit meinen Lieben eben noch und ich habe auch nicht das Gefühl das sie völlig weg sind.

    Anders aber empfinde ich das bei Menschen die mir nicht so nah waren - die sind einfach weg, da spüre ich nach ihrem Tod gar nichts mehr als etwas Traurigkeit das es sie nicht mehr gibt.


    Hier kann man einiges lesen und bestimmt ist auch eingies davon Auslegungssache aber einiges ist mir selbst so passiert und weiß das nicht alles Spinnerei oder wahr gewordenes Wunschdenken ist.

  • Ach ja und wer kennt uns nicht besser als die Mama - ich bin auch da überzeugt, dass sie wohl gut einschätzen konnte warum einiges von deiner Seite eben kam wie es kam und ich denke wenn sie davon ausgegangen wäre das du es aus bösem Gedanken so gesagt oder getan hättest - meinst du sie hätte dann nicht mit dir das Gespräch gesucht und sich einfach alles so hätte gefallen lassen.


    Ich denke auch unsere Lieben gehen in Frieden und und wünschen uns unseren Frieden damit zu finden.

    Das Band der Liebe ich denke nicht das es reißt - ich denke es verbindet auch über den Tod hinaus.



    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Liebe Tristessa,


    ich kenne das auch, wenn einem alle Angehörigen weggestorben sind. Dann ist man ganz allein auf sich gestellt. Bei mir war es mein Vater, der im Pflegeheim als letzter verstorben ist

    nach Corona stark geschwächt in hohem Alter, ohne dass jemand auch nicht ich bei ihm gewesen sein durfte.

    Zuvor war schon mehr als 3 Jahre vor meinem Vater meine Lebenspartnerin und einzige Liebe im Leben an meiner Hand gehend mit Herzversagen umgefallen und nach1 Woche ITS verstorben-

    Das einzige, was mich bis jetzt über Wasser gehalten hat, ist das Anhören und Ansehen der vielen Videos mit meinen Verstorbenen. Ich wünsche Dir viel Trost in der Trauer.


    Matthias

  • das tut mir leid zu hören :( mir gehts genauso. Ich schau die ganze Zeit alte Fotos am Handy und leb so ein bisschen in der Vergangenheit. Auch mit dem Tod setz ich mich jetzt ständig auseinander, recherchiere bzgl Nahtoderfahrungen, bekomme aber keine Antworten bzw keine, die mich "zufriedenstellen".


    Das einzige, was mir hilft, ist, dass ich nicht verstecke, dass es mir beschissen geht. Das kann ich allen Trauernden mit auf den Weg geben. Alles andere saugt zu viel Kraft...

  • Liebe Tristessa,


    mein aufrichtiges Beileid zum Tod Deiner Mutter.


    Es gibt einen Trauerspruch, der mir vor 6 Jahren, als meine Mutter verstarb, Trost gegeben hat. Der heißt: "Die Mutter war's. Was braucht's der Worte mehr?". Wem dieser Spruch ans Herz geht, der hatte eine wahre Mutter und begreift, daß dieser Verlust mit nichts anderem zu vergleichen ist. Das hinterläßt tiefe Spuren im Leben, das prägt einen für den Rest der Zeit. Aber das ist an sich nichts schlimmes. Das ist gut so. Je länger man mit dem Verlust lebt, desto mehr versteht man, warum. Wenn man sich denn mit dem Sinn unseres Daseins auseinandersetzen mag und die Geduld aufbringt, bis man es evtl. zu einer solchen Erkenntnis geschafft hat. Das geht nicht in ein paar Monaten.


    Du bist "leider nicht gläubig oder spirituell", schreibst Du. Warum "leider"? Was hindert dich denn daran, das eine oder das andere zu werden? Bei mir war es so, daß ich mich endgültig nach dem Tod meines Vaters vor zwei Jahren der Spiritualität und Transzendenz geöffnet habe. Ich habe Bücher gelesen, die sich damit beschäftigt haben, was mit den Seelen der Verstorbenen geschieht, soweit etwas darüber irdisch bekannt ist und es war eine Fügung, daß vorher schon ein Professor, der ein Bekannter meiner Eltern und mir war, zu diesem Thema geforscht hat. Er hat damals nach dem Tod meiner Mutter meinem Vater Trost gespendet und ihm Hoffnung gemacht, daß es ein Wiedersehen im Jenseits gibt. Die im Forum, die meine Geschichte verfolgt haben, kennen das. Nur so als Neuigkeit für diese sei gesagt, daß dieser Professor ein halbes Jahr nach meinen Vater selbst verstorben ist.


    Eine Mutter, mit der man so eng verbunden war, mit der wird man auch über den Tod hinaus so verbunden bleiben. Man wird sie vielleicht in der Not um Rat fragen, man wird sich vorstellen, sie sei da und weil man so eng mit ihr verbunden war, wird man auch immer eine Idee habe, was sie geantwortet hätte. Und wenn man irgendwann wieder einen Grund hat, sich zu freuen, wird man sich vorstellen, wie sie sich mitgefreut hätte und auf diesem Wege ist sie auch weiterhin ein Teil des eigenen Lebens.


    Das ist etwas, das bleibt, auch über den Tod hinaus.

    Ich wünsche Dir viel Kraft und alles Gute!


    Ralf

  • Mit dem Leben nach dem Tod ist es so eine Sache.

    Unsere materialistisch ausgerichtete Welt will uns immer sagen, dass es so etwas nicht gibt.


    Und doch sollte man auf Zeichen und Botschaften Verstorbener warten. Ich habe solche erhalten und auch ich höre jeden Tag die Videos mit der Stimme meiner Dorit.

    Es hat mir über den Verlust wegzukommen, nicht geholfen, aber es schafft Erleichterung. Man hat das Gefühl, den Verstorbenen neben sich zu haben.


    Und bei mir ist es der Besuch am Grab, wo ich auch mit meinen Verstorbenen 'reden' kann.


    Viel Trost in der Trauer

    Matthias

  • och liebe Tristessa, es geht bestimmt auch irgendwie weiter....so jung schon alle verloren, hartes Brot.

    Warum fühlst du dich denn schuldig ?

    Da kommen einem doch glatt die Tränen.

    Stell dir doch einfach vor, ihr wäret zusammen in den Urlaub gefahren.

    Wäre das nichts für dich ?

    Manifestiere das doch mal. Da gibt's doch so tolle änsätze.

    Jetzt bin ich auch ganz traurig....

  • Danke für die lieben, mitfühlenden Kommentare. Das schätz ich sehr!


    Ich fühl mich dahingehend schuldig, dass ich nicht die Rettung rief. Ich hätte gleich reagieren sollen, als keine Antwort kam. Sie einen Magenvirus und ich dachte, sie will Ruhe. Ich nehme retrospektiv an, dass das schon die Vorboten vom Herzinfarkt waren :(


    Auch hätt ich vieles anders gemacht, wäre nicht so konfliktfreudig gewesen, hätte ich gewusst, dass das ihre letzten Wochen sind.

  • Liebe Tristessa,


    ja das mit den Schuldgefühlen kenne ich leider aus meiner Erfahrung. Meine Partnerin ist beim gehen an meiner Hand verstorben und auch ich habe bei der Reanimation versagt, die Rettung wured zu spät gerufen udn deshalb hat die Reanimation im Klinikum so lange gedauert und das Gehirn hat den langen Sauerstoffmangel nicht mehr überstanden.


    Ich trage diese Schuld schon mehr als 6 Jahre mit mir herum.

    Ich weiss, wie man sich fühlt.

    Noch nachträglich mein herzliches Beileid zum Tod Deiner Mutter.


    Matthias

  • Diese Schuldgefühle sind wohl irgendwie ein schwieriger, bei vielen kaum zu beseitigender Teil der Trauer. Mir geht es eigentlich gerade ganz gut, ich bin im Urlaub in Bayern, wandere umher und so, habe auch immer Ralfs Bild mit dabei und die ganze Zeit fühle ich mich wohl.

    Doch plötzlich fällt mir irgendeine kleine Bemerkung ein, die ich mal gesagt habe und die vielleicht verletzend war. Und schon ist die ganze Trauer wieder da. Weil man diese Dinge nicht mehr reparieren kann, weil man mit dem Menschen eben (im herkömmlichen Sinne) nicht mehr sprechen kann. Also grübelt man selbst darüber nach, was es natürlich noch intensiver macht.

    Als Ralf krank wurde, habe ich in den ersten Monaten immer gedacht, es wird schon nicht so schlimm sein. Man ist eben einfach nicht von jetzt auf gleich bereit für solche Dinge. Ihr beiden musstet in kürzester Zeit etwas bewerten, was jeden Menschen, wenn er kein medizinischer Spezialist ist, überfordert, nicht nur fachlich, sondern vor allem psychisch.

    Was die Dinge angeht, zu denen man sich im Nachhinein einbildet, man hätte sie besser machen können: Ich weiß, ich kann manche Dinge nicht mehr ändern. Ich weiß aber auch, dass solche Dinge nichts an unserem grundsätzlichen Miteinander geändert haben. Dass wir, so gut wir es konnten, füreinander da waren. Und wir dadurch miteinander verbunden waren, und irgendwie weiterhin sind.


    Liebe Grüße

    Sascha

  • Liebe Tristessa

    Von mir bekommst Du jetzt erst mal eine große Umarmung. Und ich sage Dir,Schrei,wenn Du schreien willst....

    Weine, wenn Du weinen willst...Rede ,wenn Du reden willst..

    Ich war 15 als meine Mutter starb. Dieser Schmerz wird Dich für den Rest Deines Lebens begleiten .

    Nur,Dich trifft keine Schuld-Warum??

    Du hast alles ,was ging- für Deine Mutti getan.Du warst da...

    Nur eben nicht ,als es passierte.

    Aber lass Dir gesagt sein-das dabei sein-ich das schlimmste, was ich in in meinem Leben je erfahren habe.

    Und das wünsche ich niemanden.

    Du hast die Erinnerung..und das ist wertvoll.

    Im Nachherein ist man immer schlauer-nur Sätze wie:hätte ich nur: helfen eben nicht..

    Umarmung

    Kessy

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