Mein Sohn ist einfach gegangen .....

  • Hallo, ich habe im April meinen fast 17-jährigen Sohn durch Suizid verloren und meine 18-jährige Tochter musste ihn finden. Vorher gab es keinerlei Hinweise, dass irgendwas nicht stimmt oder es ihm nicht gut ging.

    Seit diesem Tag existiere ich hier, aber ich lebe nicht mehr, weil ich nichts mehr fühle - außer Traurigkeit.

    Ich zünde jeden Tage eine Kerze am Morgen für ihn an und lösche sie, wenn ich in die Arbeit fahre. Ich rede mit ihm, aber ich bekomme keine Antwort.

    Ich war so stolz auf ihn, weil er sehr intelligent, freundlich, höflich und sozial war. in keiner Sekunde dachte ich daran, dass es ihm nicht gut geht.

    Jeder sagt mir, dass es nicht vorstellbar ist, weil er einfach so war, wie er war! ;(


    Zu Hause reden mein Mann und meine Tochter nicht darüber, weil es beide verdrängen. Für mich fühlt es sich an, als wenn sie ihr Leben einfach so weitermachen.
    Ich weiß, dass jeder seine Trauer anders auslebt, aber ich fühle mich so einsam, obwohl ich nicht immer allein bin. Dies soll kein Vorwurf sein.


    Außerdem kämpfe ich täglich dagegen an, dass ich mit diesem Verlust jetzt für den Rest meines Lebens einfach so zurecht kommen soll. Floskeln, wie "Die Zeit heilt alle Wunden" finde ich einfach zum K....., sie kann diese Wunde niemals heilen. Es wurde mir ein Stück meines Herzens entfernt. Zu Trauergruppen möchte ich nicht gehen, da ich momentan noch nicht bereit bin, mir die Geschichten von anderen anzuhören. Ich weiß, dass ich nicht allein bin mit diesem miesen Schicksal! Ich weiß, dass ich es aushalten muss! Aber ich will es eigentlich nicht! Ich weiß nicht, wie mir irgendjemand da helfen könnte.

    Danke!

  • Es tut mir Leid, ich kann Ihre Schmerzen nachvollziehen (mein Sohn ist unverschuldet vor ca. 5,5 Monaten bei einem Brand verstorben, mit 28 Jahren, gerade Master fertig).
    Mit der Zeit muss ich es akzeptieren, verstehen kann ich es sowieso nie.
    Die Mutter meiner Ex-Frau (also die Oma von unserem Sohn), meine Geschwister ... keiner kann dieses Gefühl nachempfinden. Aber wir wissen auch, dass die Außenstehenden auch nicht wissen wie damit umzugehen. Sie haben noch Verpflichtungen gegenüber Ihrer Familie, ich weiß auch nicht ....

    Viele Grüße
    Thi

  • Als Außenstehender kann man strenggenommen gar nichts produktives raten. Ich persönlich würde von einer Teilnahme an einer Trauergesprächsgruppe abraten, weil dadurch der Schmerz immer und immerwieder hochgekocht wird.

  • Liebe KM,


    das eigene Kind durch Suizid zu verlieren ist schrecklich und leider sind Ratschläge, auch wenn sie gut gemeint sind, auch nur Schläge.


    Dass du dich sehr einsam fühlst, kann ich gut nachvollziehen. Du hast Familie, aber die wollen nicht darüber reden.


    Muss man das akzeptieren oder darf man diesen Menschen den eigenen Schmerz ins Gesicht brüllen, sie schütteln?

    Ich weiß es nicht. Wäre das vielleicht ein Weg?


    Es gibt Bücher über die Verarbeitung von Trauer, mit einem Therapeuten habe ich mal Trauerarbeit gemacht, was mir sehr gut getan hat.

    Es ging darum, den Verstorbenen gedanklich zu treffen und ihm alles zu sagen, was du gerne sagen würdest.


    Bei mir waren es 2 Sitzungen. Einmal habe ich das gesagt, was ich an diesem Menschen mochte und beim nächsten Mal, was ich nicht mochte.

    Ich habe viel geweint dabei und das hat mir sehr gut getan.


    Es gibt auch Trauerbegleiter, vielleicht wäre das einen Versuch wert.


    Das waren jetzt wohl auch wieder Ratschläge ... die allerdings nicht bedeuten sollen, dass du nicht auch einfach traurig sein darfst.

    Vielleicht hilft es ein wenig, einfach hier zu schreiben?


    Fühl dich umarmt und liebe Grüße

    WaSuSa

  • Oh da schleiche ich um deine Worte herum liebe KM - ich finde gerade die richtigen Worte nicht - was ja nicht heißt, dass ich sie hätte oder überhaupt jemand hätte,

    Mein herzlichtes Beileid und ein leises Wikkommen hier bei uns erst einmal.


    Ja jeder trauert anders und ein miteinader darüber reden nicht möglich weil nicht gekonnt oder gewünscht dann ist das für mich auf jeden Fall zu akzeptieren im Gegesatz zu WaSuSa

    Genau so wie Du gerne reden möchtest möchten die anderen eben nicht.

    Vielelicht reden sie ja nur eben nicht mit dir.

    Sie kennen und lieben dich davon gehe ich einfach aus und aus eigenen Erfahrungen weiß ich wie schwer mit einer trauernden Mutter zu reden ist, ja vor allem wenn man ihr sehr nah steht.

    Nicht zu reden muss auch nicht unbedingt verdrängen sein - denke ich jedenfalls, immerhin aber bin ich eine Außenstehende, kenne keinen von Euch und kann mir da kein Urteil bilden.


    Deine Tochter, hat mit dem finden des Bruders noch einmal mehr als nur den Verlust zu verarbeiten.

    Ich weiß nicht in wie weit du in deiner Trauer versunken bist aber ich könnte mir vorstellen das deine Tochter da mehr braucht als nur die trauernde Mutter.

    Ich weiß wie sich das gerade liest aber ich kann das nicht anders schreiben, so habe ich gerade noch die Worte eines trauernden Sohnes im Ohr.

    Weißt du ich habe nicht nur meinen Bruder an den Tod verloren sondern auch meinen Vater an die Trauer.


    Oh ich habe da tausend Gedanken gerade und es bleibt alles Spekulation.

    Wie man dir helfen könnte auch dafür kenne ich dich nicht gut genug aber es gibt Fachleute, Spezialisten die in dem Thema bewandert sind - manches mal ist ja die best gemeinte Hilfe nicht hilfreich.


    Immerhin ist reden hilfreich, ebenso wie schreiben -Manchmal hilft es Tagebuch zu führen, den Schmerz von der Seele schreiben auch wenn er damit nicht weg ist aber Gefühl in Worte gefasst kann schon positiv sein.


    Es gibt für eine Mutter halt kaum etwas Schlimmeres als ein Kind zu verlieren, verstehen kann nur wer es selbst erleben musste.

    Ich wünsche dir erdenklich viel Kraft - ich weiß wie schwer der Weg ist und von irgendwo eine Hand die dich zu halten und begleiten weiß.



    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Hallo du Liebe,


    Es ist noch unbegreifbarer, wenn man es nicht in irgendeiner Weise nachvollziehen kann. Wie soll's dann überhaupt in den Kopf?

    Für mich ist es deswegen wichtig mir immer wieder zu sagen, welche Gründe ich habe, weiter zu machen (das kann ich wenigstens nachvollziehen)

    Bleibe auch immer ehrlich zu dir und anderen.

    Ich bin z.B. öfters wütend, und lasse das dann auch baldmöglichst raus.

    Diese Floskeln kann ich übrigens auch überhaupt nicht hören und sage das auch gleich - alleine die haben mich schon auf die Palme gebracht.

    Höre in dich hinein, was DIR gut tut, nur Du steckst in deiner Haut.

    Ich habe für mich einige Meditationen gefunden, die mir immer wieder innere Ruhe geben.

    Sei stolz auf dich, wie du diese Zeit bereits überstanden hast, denn das kannst du wirklich sein.

    Ganz liebe Grüße, es denken Einige an dich

    Gelika <3

  • Ich weiß nicht in wie weit du in deiner Trauer versunken bist aber ich könnte mir vorstellen das deine Tochter da mehr braucht als nur die trauernde Mutter.

    Hallo Funny,


    da hast du einen sehr guten Punkt angesprochen. Vielleicht wäre das ein Ansatzpunkt, um der Familie wieder näher zu kommen - der Tochter gegenüber auszudrücken, dass sie natürlich auch noch da und wichtig ist. Vielleicht einen Brief schreiben, wenn reden schwer fällt.


    Liebe Grüße

    WaSuSa

  • Ja so ist das liebe WaSuSa - so von außen drauf geschaut ergibt das ein Bild das man selbst vielelicht nicht sehen kann - selbst so aus dem Leben gerissen - vielfach keine Kraft für sich selbst und dann ist da noch Familie die ja auch trauert und mit Tränen im Blick kann man nicht so klar schauen als wenn man klar und stark bei sich ist.


    Wie reden mit einer trauernden Mutter -ist eben kaum möglich und wenn dann braucht auch das eine Kraft die man gerade selbst nicht hat.


    Manchmal ist man auch einfach froh wenn keiner das Thema anspricht, will oder kann man nicht hören wie schlecht es dem anderen geht und nicht zu helfen weiß.

    Ich für meinen Teil war damals froh als ich erfuhr das mein Mann durchaus reden konnte nur eben mit anderen.

    Besser mit anderen reden als überhaupt nicht auch wenn ich es erst nicht verstehen konnte, na ja oder auch wollte.

    iSo wichtig auch Gespräche mit der Familie sind - ebenso wichtig wohl aber auch mit Menschen die nicht selbst gerade in frischer Trauer stecken und sich man möge mir den Satz verzeihen - eben ihren eigenen Schmerz im Vordergrund sehen und Trost suchen.

    Liest sich erbärmlich aber ich weiß es wohl aus eigener Erfahrung und schreibe es deswegen auch genau so.


    Wie Uli von einer Selbsthilfegruppe abrät - meine Erfahrung - alle erzählen von ihren Schiksalen und was mich dabei irritierte war wohl das es da wohl so etwas wie eine Wertung zu geben schien - eine Wertung welches Schiksal mehr Beachtung braucht.

    Für mich unvollziehbar - jede Trauer hjat ihren Schmerz und ich denke noch heute jede Wertung ist fehl am Platz.

    Natürlich schadet es dem einen auch das anhören müssen - all die Traurigkeit - anderen aber tut es gut live zu hören das sie nicht allein sind.

    Immer und immer wieder aber die selbsen Worte, die Tränen ist für mich nichts gewesen vor allem nicht am Anfang - natürlich habe auch ich wohl ebenso immer wieder die selben Worte und Tränen.


    Man muss es versuchen und es gibt ja kein Muss um wieder hin zu gehen.



    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Die Menschen sind verschieden und daher trauern sie auch verschieden. Ein Patentrezept auszustellen ist daher für Außenstzehende meistens schwierig. Vielmehr kommt auf die/den Betroffene/n selbst an, welchen Rat man annimmt oder annehmen will. Oder wohin man gehen will oder wohin eben nicht.

  • hallo WaSuSa,

    ich kann Dich so gut verstehen, mein Sohn hat auch einen Suizid"versuch" gehabt. Wir haben ihn gefunden und es hat 3 Tage gebraucht bis wir wussten ob er das überlebt oder nicht. Anschliessend musste er 2 Wochen in eine psychiatrische Klinik und musste dann noch 4 Wochen bei uns leben, er durfte nicht alleine in seine Wohnung zurück, er war da schon 23.

    Wir haben jetzt Glück gehabt, wussten aber auch nicht ob er irgendwelche Schäden zurückbehält, dem war zum Glück nicht so. Heute ist er glücklicher Familienvater, selber drüber geredet hat er nie.


    Ich habe damals Familie um mich gehabt, das viele reden hat mir sehr geholfen. Die Kirche eher nicht, aber das muss auch jeder selber entscheiden. Jeder trauert auf seine Art, da gibt es wohl kein Patentrezept.


    LG

    Sabine

  • Danke an alle für Ihre Ratschläge.


    Ich bin für meine Tochter da, denn ich weiß, dass sie auch noch da ist.

    Aber meine Tochter hat sich kurz vor diesem schrecklichen Ereignis verliebt und versucht nicht daran zu denken,

    also sie verdrängt es - obwohl ich denke, dass sie es verarbeiten sollte.

    Wir haben es versucht, sie war bei einigen Gesprächen - die, wie sie meinte, nichts gebracht haben.
    Die jeweiligen Gesprächspersonen teilten mir dann mit, dass sie noch nicht bereit ist, darüber zu reden.

    Sie will sich nicht dem Schmerz und der Trauer aussetzen - jedoch meinten sie auch, dass sie es irgendwann einholen wird,

    wenn sie es nicht verarbeitet. - Ich weiß es nicht.

    Mein Mann sagt mir nur, dass nicht jeder zum Psychologen oder sonst wo hin muss - er ist da sehr abgeklärt.


    Ich für meinen Teil fühle mich - ich weiß es nicht - da ich nichts mehr fühle. Ich bin einfach nur traurig.

    Aber das ist ja verständlicherweise "normal".


    Ich danke für Eure Anteilnahme.

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