Meine Mama ist verstorben

  • Hallo zusammen,


    meine Mama ist am Donnerstag im Alter von 69 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. Sie hatte vor 11 Jahren zwar einen Schlaganfall, aber wir dachten alle es wäre soweit in Ordnung. Leider klagte sie die letzte Zeit immer wieder Blasenentzündungen. Aber sie wollte nie zum Arzt gehen. Am Dienstag ging es eigentlich besser, aber Mittwoch fühlte sie sich schlapp und legte sich hin. Mein Papa rieb ihr nachts noch den Rücken ein und ging dann nach oben schlafen. Als er runterkam saß sie tot im Sessel, die Schuhe verkehrt herum an. Jetzt macht er sich genauso wie meine Schwester und ich schwere Vorwürfe. Hätte man sie zwingen müssen zum Arzt zu gehen? Über Krankheit & Tod durfte man nie mit ihr reden. Es ist so schwer, das Gefühl ist so erdrückend. Ich verstehe einfach nicht warum sie nicht ging und sich stattdessen falsch dosierte Medikamente eingeworfen hat.


    Viele Grüße


    Nina

  • Ein liebes Willkommen hier bei uns liebe Nina.

    so schlimm schon wenn ein lieber Mensch aus unserem Leben geht und dann blieben dieses Fragen, man macht sie Vorwürfe - hätte,wäre, wenn und aber.

    Ich weiß natürlich nicht warum deine Mama so handelte wie sie es tat aber ich denke sie wird ihre Gründe gehbat haben.

    In einem Alter in dem man schon weiß was man tut und warum man etwas unterlässt.

    Sie hatte für sich entschieden und ihr müsst nun damit zurecht kommen - Vorwürfe aber dürfen sein aber nicht zu tief und nicht zu lange.


    Ich kann da nur für mich sprechen und doch ist es für mich wichtig das man meine Entscheidungen akzeptiert ob andere das verstehen oder auch nicht.

    Ob sie wusste das es so enden könnte ist unklar, man kann sie ja nicht mehr fragen aber ich denke schon das sie wusste das es andere Wege gibt als sich selbst zu behandeln und und etwas besser wissen zu wollen als andere.

    Und manchmal ja da ist es wirklich so das Menschen einen Grund haben um etwas eben nicht zu tun, ich weiß das von meiner Mama-

    Oft konnte ich mir ihre Entscheidungen nicht erklähren - ebenso oft auch die Frage nach dem Warum blieb unbeantwortet.

    Selbstbestimmend ist sie dann auch ihren letzten Weg gegangen und mir blieb nicht anderes als das zu akzeptieren - auch das war eine Art von Liebe zwischen uns - nicht alles zu verstehen aber Entscheidungen treffen zu dürfen die andere einfach nicht verstehen.

    Heute weiß ich das sie nicht immer ehrlich war - schon länger eine Vermutung gewesen wenn sie vom Arzt kam und verharmloste.

    Sie erzählte uns ebensowenig alles wie auch oihrem Arzt.

    Sicher war es auch eigene Ängste von ihr - sie wollte den ewigen Diskussionen entgehen, sie wollte nichts davon hören was andere meinten, wollten oder dachten.


    Nicht immer leicht aber ich habe mich da irgendwann entschieden nicht mehr unnötig zu fragen oder zu drängen - es hätte ihr alles nur noch schwerer gemacht.


    So schade das sie nun ihren Weg und ihr den Euren gehen müsst ohne zu verstehen, je zu wissen warum.

    Ich denke ihr solltet euren Frieden machen mit ihren Entscheidungen - sie wollte alles so und nicht anders.

    Nicht leicht ich weiß das nur zu gut aber um so wichtiger für Euch die ihr hier im Leben euren Weg weiter gehen müsst - mit Mama im Herzen.


    Ich wünsche euch alles was es für euch gerade braucht.

    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • hallo Nina

    es tut mir sehr leid das zu lesen. Ich selber bin bald 68 und erwische mich auch immer öfter dabei meinen Kindern nicht alles zu erzählen. Es gibt halt Menschen die lieber alles mit sich selber ausmachen und das ist dann halt ihr Weg, jeder so wie er mag oder kann.

    Hadert nicht zu lange, glaube mir, Deiner Mama war das bewusst das sie anders hätte handeln "können". Vorwürfe Euch selber gegenüber nützen keinem was.

    Aus all diesen Gründen habe ich meinen Kindern jedem einen Brief geschrieben der solange verwahrt wird bis ich mal nicht mehr bin, da kann man ihnen alles sagen was man IM Leben wohl vergessen hat.


    LG

    Sabine

  • Hallo Funny,


    ich weiß das wir unseren Frieden damit finden müssen, aber es so schwer. Und irgendwie unvorstellbar das jemand so leichtsinnig sein Leben weggeworfen hat ohne uns vorher irgendwas noch zu sagen. Im Sarg sah sie gestern friedlich aus. Ich überlege heute nochmal zu gehen, aber noch weiß ich nicht ob ich das sinnvoll ist. Am liebsten möchte ich mein altes Leben hinter mir lassen. Ganz andere Ausrichtung im Job, neues Haus. Dann wiederum geht’s mir tagsüber normal. Wobei ich mir aktuell nicht vorstellen kann irgendwie am sozialen Leben teilzunehmen oder irgendwie Sport zu treiben. Freitag will

    Mich eine Freundin zu sich zum

    Frühstück einladen, aber ich weiß gar nicht ob ich schon soweit bin.


    Hab einen schönen Tag

    Nina

  • hallo Nina,


    wer erzählt seinen Kindern schon alles, die haben ihre eigenen Probleme. So meinte ich das auch nicht, im Allgemeinen wissen meine Kinder alles von mir, aber so das ein oder andere gibt es halt doch noch, aber das hat mit Krankheit nichts zu tun. Ich hab z.B. Diabetes und dadurch Polyneuropathie, d.h. meine Füße sind betroffen und manchen Tag kann ich nicht lange laufen. Wenn ich dann mit meiner Tochter unterwegs bin heisst es immer: Mama, ich geh da rein, ich hol das für Dich da raus usw. usw. Das geht mir auf die Nerven, ich bin kein Krüppel und das geht mir auf die Nerven.

    Aber das ist meckern auf hohem Niveau.


    versuch*s doch einfach bei Deiner Freundin, wenn Du dann nicht mehr kannst oder willst dann wird sie das sicher verstehen wenn Du gehen möchtest. Versuch es..........


    LG

    Sabine

  • Ja liebe Nina wie gut ich deine Gefühle und Gedanken kenne, es sind auch schon einige gewesen wo ich miterleben konnte wie sie aus einem tiefen Trauertal ihr Leben komplett umgekrempelt haben - noch immer habe ich Respekt vor deren Mut - schaue ihnen aber heute dabei zu wie sie richtig neu aufgeblüht sind.


    Ich finde es ja nach wie vor wichtig sich selbst nicht zu vergessen auch wenn es schwer fällt aber den Schmnerz zulassen und nicht versuchen auch noch für andere stark zu sein - natürlich wenn Verantwortunf für Kinder mit im Spiel ist.aber auch da nur wenn es der Mutter gut geht kann es den Kindern gut gehen und man sollte alles an Hilfe annehmen was man bekommen kann.


    Und wenn ich die dummen Sprüche alle selbst nicht mag - jedes Ende kann ein neuer Anfang für etwas anderes schönes sein - so wie war wird es sowieso nicht mehr geben.


    Ich bin mir auch nicht sicher ob ich es sinnloses Leben wegwerfen nennen würde - manchmal hilft auch ein Gespräch mit dem Arzt des Verstorbenen um zu hören was da vielleicht an Diagnosen waren die man nicht wusste.

    Ach es kann so vieles sein vor allem aber darf man niemals die Angst unterschätzen die manchendavon abhält überhaupt zum Arzt zu gehen oder weitere Schritte zu tun wenn denn nötig.

    Wie Angst lähmen kann - ich habe es selbst erlebt - das will man keinem gönnen.


    Ich denke aber du wirst in deiner Zeit deinen Weg finden wenn erst etwas Zeit war um das alles zu verdauen, damit irgendwie klar zu kommen.

    Es dauert und leicht geht anders - leider.



    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Hallo Sabine,


    ich glaube insgeheim hast du Recht, die Eltern werden einem nie alles erzählen. Ich denke auch nicht das mein Papa uns alles erzählt (vielleicht ist das so in der Generation). Aber ich verstehe auch dich wenn du sagst es nervt dich. Würde es mich auch. Ich bin in diesem

    Punkt leider ganz anders als meine Mama (nicht besser aber anders), ich gehe eher zuviel als zu wenig. Auch nicht gut. Das andere Extrem. Ich war heute ein zweites Mal am offenen Sarg, ganz alleine. Habe ihr noch ein paar Zeilen geschrieben, aber irgendwann merkte ich dann auch das es Zeit ist Abschied zu nehmen. Ich hätte ihr die Sachen sonst noch dreifach erzählt. Nach dem gestrigen Schock, war es heute ein Trost. Jetzt muss ich das für mich verarbeiten. Habe eine schönen Tag!


    Viele Grüße


    Nina

  • Hallo funny,


    ich bin das andere Extem, daher weiß ich wie beängstigend die Angst sein kann. Ich war heute das zweite Mal am offenen Sarg, nie hätte ich gedacht das ich mich je alleine neben eine Leiche setze und mich mit ihr unterhalte. Aber es war tröstend. Ein Abschied jetzt für immer, aber so ist das leider!

    Es wird Zeit brauchen.

    Hab einen schönen Tag

    Viele Grüße


    Nina

  • Ja was man alles so nicht gedacht hätte - ich könnte Bücher schreiben - ein wahnsinnig trauriger Anlass aber dennoch über sich hinauswachsen zu dürfen - tun und noch einmal tun und zu merken hey es geht was ich nicht nie gedacht hätte Trost zu finden in etwas das undenkbar schien.

    Ich freue mich für dich und denke es wird dir eine liebevolle wenn auch auch schmerzende Erinnerung bleiben.

    Einen Abschied zu haben in den Momenten in denen es eben möglich war-

    Ich wünsche dir den Frieden der Nacht.



    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • hallo Nina,

    ja, auch ich hätte sovieles nicht gedacht. Ich habe auch so einige Probleme mit dem Tod. Als ich elf war ist mein Bruder verstorben, unsere Eltern haben meine Schwester und mich einfach mitgenommen um ihn nochmal zu sehen. So völlig unvorbereitet. Das hat mein Leben enorm geprägt, ich kann bis heute nicht im dunklen Zimmer schlafen und sowas. Ich habe mir meine Verwandten die dann iwann starben nie mehr angeguckt.

    Bis.................. mein Papa starb, er war mein Herzensmensch und es war ganz normal das ich ihn mir angeguckt habe. Heute wüsste ich nicht was ich bei anderen machen würde.


    vielleicht hat Dir das am Sarg gutgetan?


    LG

    Sabine

  • Hallo Sabine,


    Mittlerweile ist etwas mehr Zeit vergangen und ich denke das mir der Abschied am Sarg etwas tröstendes für mich hatte. Den schwersten Gang habe ich am Dienstag noch vor mir. Aber dann hoffe ich das etwas Ruhe bzw. Normalität einkehrt. Klar sie wird immer fehlen, aber dann hat sie ihre letzte Ruhestelle gefunden.


    VG Nina

  • Liebe Nina,


    erst einmal mein herzliches Beileid zum Tod Deiner Mutter! Ich habe das schon erlebt und mein liebster Trauerspruch war: "Die Mutter war's. Was braucht's der Worte mehr?"


    Ich habe meine Eltern 6 Jahre lang in meinem Elternhaus gepflegt. Meine Mutter ist vor 7 Jahren nach 2 Jahren Pflegegrad 4, später 5 verstorben. Mein Vater und ich haben Trost darin gefunden, daß sie von ihrem Leiden erlöst wurde. Dann wurde mein Vater nach 4 Schlaganfällen selbst pflegebedürftig und ich konnte ihn noch 4 Jahre lang begleiten, bevor er dann auch verstorben ist. Einige Wochen vor seinem Tod habe ich ihn auf einen schwarzen Flecken auf seinem Arm hingewiesen, daß das eine Blutvergiftung sein könnte und daß das untersucht werden müßte. Er war aber schon 88 und wollte keine ärztliche Hilfe mehr. Einige Wochen später hatte er einen Notfall, es ging ihm plötzlich sehr schlecht und ich konnte ihm nicht mehr helfen. Ich habe es nicht einmal mehr geschafft, ihn ins Bett zu bringen, weil das im Obergeschoss war. Mir blieb nichts anderes mehr übrig, als den Rettungswagen zu rufen, obwohl er das ausdrücklich nicht wollte. Ich habe mich in der Situation über seinen Willen hinweggesetzt, weil ich noch eine Perspektive sah, daß man ihm helfen könnte. Im Krankenhaus wollte man ihn operieren, das hat er abgelehnt. Ich habe dann mit einem Mediziner in unserer Familie telefoniert und wir sind übereingekommen, daß wir seinen Wunsch zu respektieren haben. Ich hatte eine Vollmacht meines Vaters, um über diesen Eingriff zu entscheiden, aber ich habe es abgelehnt, die Zustimmung zu erteilen. Wenige Tage später ist mein Vater verstorben. Der zuständige Chirurg wollte mir dann noch einreden, ich sei schuld am Tod meines Vaters. Chirurgen wollen operieren, das ist ihr berufliches Interesse. Das Interesse meines Vaters war aber ein anderes.


    Und damit komme ich zu deiner Frage: Hättet ihr Deine Mutter zwingen sollen, zum Arzt zu gehen? Aus meiner Erfahrung eindeutig: Nein. Deine Mutter war ein erwachsener Mensch, ich nehme an voll entscheidungsfähig, für sich selbst verantwortlich und ihr Wille ist grundsätzlich zu respektieren. Und wenn sie es in Kauf nimmt, evtl. zu sterben so wie mein Vater das getan hat, dann ist das ihr gutes Recht. Das haben wir zu akzeptieren. Niemand anderes als der Sterbende selbst kann es besser beurteilen, ob es richtig oder falsch ist, daß er diesen Weg geht.


    Wie wir mit so einem Erlebnis emotional umgehen, ist ein ganz anderes Thema. Aber wenn das in dieser Form abgelaufen ist, ist es unsere Aufgabe, das zu respektieren. Ich werde mich vermutlich bis zu meinem Lebensende immer wieder fragen, ob ich es in der Situation richtig gemacht habe, aber solange ich keinen Hinweis darauf habe, was ich konkret falsch gemacht haben könnte, gehe ich davon aus, daß es richtig war. Manchmal sind die Entscheidungen, die wir im Leben treffen müssen, brutal schwer. Aber wir müssen sie treffen und wir müssen damit auch irgendwann unseren Frieden finden und als Mensch an den Erfahrungen wachsen. Weder Deine Mutter noch mein Vater hätte es gewollt, daß wir daran emotional zerbrechen. Das sollten wir als Aufgabe verstehen, die uns die/der Verstorbene hinterlassen hat.


    Ich wünsche Dir und deinen Angehörigen für die schwere Zeit viel Kraft!

    Liebe Gruße

    Ralf

  • hallo ralf,

    jetzt nach Deinem Text hab ich ein Deja-vu........ als mein Papa schon fast im sterben lag wollte man ihn noch zur Dialyse schicken. Er hatte überall offene Wunden vom liegen, hatte Schmerzen. Wir - meine Schwester und ich - haben das abgelehnt, es war vorauszusehen das er nicht mehr lange zu leben hat. Man kann sich nicht vorstellen was wir uns alles anhören mussten, das war für uns ganz schlimm und kurzzeitig kam das schlechte Gewissen hoch. Heute sind wir froh so entschieden zu haben, 2 Tage später ist er ganz friedlich zuhause eingeschlafen.

    Deine Geschichte hat mich jetzt daran erinnert und Du hast Recht, ich seh das genauso.


    LG

    Sabine

  • Halllo Ralf


    danke für deine Nachricht. Im Grunde sehe ich es genauso wie du, aber sich damit abzufinden ist schon schwer. Und immer wieder kommt der Gedanke nach dem Warum. Ich weiß das ich darauf nie eine Antwort bekommen werde. Ich versuche mich damit so gut es geht zu arrangieren. Ändern kann ich es nicht. Ich muss es so annehmen. LG

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