Trauer und Liebe

  • Hallo zusammen,


    ich bin Susi eine Mutter von zwei Jungs im Alter von 16 und 12 Jahren und ich bin seit dem 27.03.2024 verwitwet. Unsere letzten Jahre waren sehr turbulent, zum einen 5 Jahre Kampf mit meinem Mann zusammen gegen den Krebs und danach ich und die Kinder mit dem Leben und der Trauer.

    Mit zwei pubertierenden Jungs ist das nochmal eine ganz andere Hausnummer. Eigentlich haben wir das im letzten Jahr ganz gut hinbekommen und sind auch zusammen durch die einzelnen Trauerwellen durch und haben zusammen gehalten.

    Ich war mit meinem Mann 21 Jahre zusammen und davon 13 Jahre verheiratet....mein halbes Leben.


    Die Jungs sind viel mit Freunden unterwegs oder beim Volleyball oder mein großer im Fitness. Sie machen ihr Ding, genießen mehr und mehr ihre Jugend und sind sehr selbstständig.

    Ja und ich?...Ich musste mich erstmal wieder selbst entdecken, wer ich bin, was ich mal war oder sein will. In den letzten Jahren habe ich das voll vergessen, zwischen Mutter sein und Pflegerin, arbeiten und organisieren und dann die Trauer und der Beistand für meine Kids.... da verliert man völlig die Sicht auf sich selbst.


    Ich kann nicht genau sagen wann, aber der Prozess begann dann schleichend, so ca ab Juni letzten Jahres kam dann mehr und mehr das Bedürfnis nach körperlichen Nähe. aber eine neue Beziehung wollte ich noch nicht. Konnte ich noch nicht. Dann habe ich mich aus Interesse in einer Dating App angemeldet. Ich wollte einfach mal schauen was es da so für Menschen gibt, eventuell mal etwas nett schreiben und schauen...alles langsam mal auf sich zu kommen lassen.


    Dann im September habe ich mit einem sehr lieben Menschen angefangen zu schreiben. ein Mann der sehr interessant ist und auf seine Art mich mehr und mehr in seinen Bann gezogen hat. In zwischen kennen wir uns seit 7 Monaten und sehen uns ein bis zwei mal in der Woche. Gehen aus, ins Kino, Essen oder spazieren einfach Zeit zusammen verbringen und sich gegenseitig gut tun. Auch meine Jungs haben ihn, natürlich mit Vorgesprächen mit mir und langsame Vorbereitung, inzwischen zwei mal getroffen und etwas kennen gelernt. Beim anschließenden 4 Augen Gespräch mit meinen Jungs, meinten sie das sie sich für mich freuen und ihn sehr nett finden. ich habe auch gesagt dass er kein Ersatz ist, weder für mich ein Ersatz meines Mannes noch ein Ersatz für sie als ihr Vater und das will er auch gar nicht.

    Man könnte meinen es läuft super.... und eigentlich tut es das auch.


    Und jetzt wo sich der Todestag zum zweiten Mal gejährt hat... geht gefühlt bei mir alles wieder auf Anfang. wie vor zwei Jahren. Die Trauer kommt in großen Schüben mit voller Wucht.


    Man muss dazu sagen, das ich ein extremer Kopfmensch bin und mir über alles und jeden Gedanken mache, mein Gedankenkarusell selten zur Ruhe bekomme.


    Und somit ist es im Moment sehr schlimm. Ich vermisse meinen Mann extrem und gleichzeitig möchte ich am liebsten jede freie Sekunde mit meinem neuen Freund verbringen. Ich weis er hat ein mega Verständnis für mich und meine Trauer und er geht auch toll damit um. aber denn noch habe ich Angst ihm zu viel zu sein. Zu viel Trauer da zu sein und ich will ihn auch nicht verletzten, dass er denkt, er könnte meinem Mann nie gerecht werden, oder oder oder.....meine Gedanken kreisen.

    Und dann kommen zudem ständig diese Schuldgefühle, zum einen meinem Mann gegenüber und zum anderen auch meinem Freund gegenüber.


    Ich denke dann immer ob mein Mann das so für mich gewollt hätte, oder auch das er weis ich will ihn nicht ersetzten, was würde er zu all dem sagen?

    Und dann mein Freund gegenüber, will ich nicht der Trauerklos sein und irgendwie ständig die Stimmung killen. Es tut mir dann immer für ihn Leid, er versucht mich dann auch abzulenken und wenn er merkt es geht nicht dann fragt er was ich gerade brauche. Und obwohl das eigentlich genau richtig ist, habe ich Schuldgefühle, weil ich im Moment so bin wie ich bin.


    Ich weis nicht ob mein momentaner Zustand normal ist nach zwei Jahren, oder ob es an dem Umstand liegt das die Beisetzung sich am 12.04. auch zum zweiten mal Jährt.

    Ist es generell normal das die Trauer nach zwei Jahren so extrem zurück kommt?

    Oder liegt es doch an meinem Freund und daran das mein Herz begreift das es nun zwei Männer liebt? Sofern man das so überhaupt sagen kann....Kann man zwei Männer gleichzeitig lieben, darf man das so ?


    So nun habe ich eine Menge geschrieben, ihr konntet mich etwas kennenlernen und vielleicht ergibt sich hier ein wenig Austausch und ich kann in Zukunft meine Fragen und Gedanken in meinem Kopf etwas sortieren.


    Euch allen einen schönen Abend ....Grüße Susi

  • Ein liebes Willkommen hier bei uns liebe Susi.

    Was ist schon normal in einer Trauer und wer will das festlegen.

    Was der eine als normal empfindet kann für den anderen längst schon übertrieben sein.

    Ich denke aber jede trauer ist so individuell wie der Mensch der sie durchlebt - bis zu einem bestimmten Punkt jedenfalls.

    Deine Zeilen lesen sich für mich jedenfalls völlig normal - ich freue mich richtig das du neue Lieben empfindest und auch die Zweifel dazu kann ich einordnen.

    Da kämpft etwas in dir das seinen Platz sucht - neben die Liebe zu deinem Verstorbenen die immer die Liebe bleiben wird die es war bis ihr getrennt wurdet da gehört auf einmal eine neue Liebe in deinem Leben dazu die eben nicht ersetzt sondern bereichert.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

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