Liebe black-holly, liebe theri,
egal, wie viel Zeit vergeht - obwohl doch die Zeit angeblich Wunden heilen soll - es wird nicht wirklich besser. Das Vermissen wird von Tag zu Tag mehr, dass alles nicht mehr ist, wie es einmal war, das bestätigt sich jeden Tag aufs Neue. Es geht weiter, es muss, aber wie? Ich habe keine Geschwister, aber letztendlich ist auf Geschwister auch nicht immer Verlass. Auch angebliche "Freunde" lernte ich in meinem Leben schon zur Genüge kennen und es gibt sie nicht wirklich, zumindest nicht in meinem Leben. Dennoch habe ich das Glück, meine kleine Familie zu haben. Meinen Vati habe ich hier bei mir auf Erden leider nicht mehr, aber meine Mutti (um die ich seit ihrer Erkrankung jeden Tag bangen muss), meinen Sohn (der meinem Leben den Sinn gibt jeden Morgen aufzustehen) und meinen Mann (der mich unterstützt, aber seine Eltern noch haben darf und diesen Verlust noch nicht so richtig nachvollziehen kann). Wie ihr seht, noch nicht mal so viel wie Finger an einer Hand, aber ich bin dankbar dafür. Aber dafür ist die Lücke, die Vati hinterlassen hat, umso größer. Und dieser Tag des letzten Atemzuges hat sich in mein Gedächtnis gebrannt. Wenn ich im Bett liege sage ich mir immer, dass ich nicht nachdenken möchte, denn diese Gedanken lassen mich nicht zur Ruhe kommen. Ich drehe mich Kreise und es ändert nichts an der Tatsache, im Leben loslassen zu müssen. Und der Gedanke ans "Gehen" macht wir Angst. Hoffen auf ein Wiedersehen lässt mich manchmal den nächsten Tag überstehen, aber es ist und bleibt schwer. Klar hätte Vati nicht gewollt, dass es uns so ergeht, aber ich glaube, nein ich weiß eigentlich, er hat es geahnt.
Und nicht mit jedem Menschen kann man darüber reden, auch Menschen, die solch ein Schicksal schon erlebt haben. Manche kommen damit besser zurecht und so zieht man sich zurück und versucht zu funktionieren. Bis irgendwann unser Moment kommen wird. Und dafür wünsche ich mir wenigstens - auch wenn ich es nicht in der Hand habe - dass mein Sohn auch seine eigene kleine Familie haben wird, die ihn auffangen kann. Ach je, jetzt heule ich gleich los und mag gar nicht daran denken. Sorry dafür.
Tja, und das Vertrauen zu Ärzten habe ich auch schon lange verloren.
Ich drück euch auch und schicke liebe Grüße
m-m-chen