Liebe Kate,
in dem, was du geschrieben hast, habe ich mich ähnlich auch wiedergefunden. Dieser Gedanke, dass der Mensch für immer weg sein soll, hat mich auch schon sehr beschäftigt. Gerade dann, wenn der Mensch sonst immer da war, man mit ihm zusammen lebte oder eben sehr verbunden war, glaube ich. Ich konnte das auch nicht fassen, als mein Freund nicht mehr da war und kann es bis jetzt nicht. Ich glaube, weil es einfach so total ist, so unwiderbringlich, dass man das einfach nicht fassen kann. Ich habe als Kind gelernt, dass das Weltall unendlich ist, aber dass man sich das als Mensch nicht vorstellen kann. Daran habe ich mich erinnert, als ich nicht fassen konnte, dass ich meinen Freund nie mehr auch nur 5 Minuten noch einmal sehen und mit ihm sprechen können werde.
Ich war nie religiös, habe mich früher gewundert, wie Leute an diese Dinge glauben können. Jetzt wo mein Freund nicht mehr da ist, bin ich zwar auch nicht religiös, aber ich verstehe nun jeden Menschen, der es ist.
Was mir hinsichtlich meines Freundes bleibt, und dir natürlich auch, deinen Vater betreffend, ist die Erinnerung an ihn. Jedes Erinnern vielleicht zu bestimmten Jahrestagen besonderer Erlebnisse; jeder kleine Beitrag hier, wo ich von Ralf was schreibe; jedes Gespräch, was ich in Gedanken mit ihm führe; jeder Besuch in seinem Ruheforst und die Bilder, die ich von seinem Baum, an dem er liegt, mache; jede Möglichkeit, wo ich anderen Leuten von ihm erzählen kann. Irgendwie gibt mir das ein Gefühl, ihn ein bisschen weiterleben zu lassen. Das, womit er die Welt geprägt hat, auch andere wissen zu lassen.
Das ist nicht so stark, wie wenn er noch selbst richtig leben würde. Aber es gibt mir das Gefühl, sein Wesen existiert gewissermaßen weiter. Nicht bewusst aber irgendwie als Bestandteil eines Weltgedächtnis´ der Menschheit.
Hat auch irgendwie fast was religiöses, aber ist doch irgendwie weltlich. Naja, so ist mein Weg. Ich wünsche dir von Herzen, dass du auch einen für dich passenden persönlichen Weg findest.
Und wenn du möchtest und es dir hilft, erzähle uns hier von deinem Vater!
Liebe Grüße
Sascha