Warum hat die Evulution Trauer etabliert? Welche Funktion hat das?

  • Hallo,

    ich frage mich warum die Evulution Trauer in den Köpfen von Menschen und Tieren etabliert hat.

    Wenn so ein starkes Gefühl wie Trauer seit tausenden von Jahren in unserem Leben eine Rolle spielt muss es einen Sinn des trauerns geben.


    Der Sinn verschließt sich mir vollkommen.


    Volgendes Beispiel:

    DIe Ente geht mit dem Erpel über die Straße.

    Die Ente wird überfahren.

    Der Erpel frisst eine Woch nichts mehr und ist traurig.


    Viel logischer wäre doch wenn der Erpel sagen würde " Oh, Dumm gelaufen", und sich dann einen neue Ente sucht.

    Dem ist aber nicht so.


    Kann mir jemand eine Antwort daruf geben?


    Ich hab schon gegoogelt, aber ich finde dazu überhaupt nixht was wissenschaftlich fundiert wäre.


    Liebe Grüße,


    Der Andy

    • Official Post

    Hallo "Der Andy"


    und herzlich willkommen hier im Forum!


    Erst mal eine Frage: hast du persönlich mit einem Trauerfall zu tun oder möchtest du ernsthaft über dieses Thema plaudern?


    Meine Antwort auf deine Frage wäre einfach, wenn sie nicht so folgenschwer wäre:


    Von Geburt an ist dieses "vermaledeite Loslassen" angesagt. Du musst dich in diese Welt hineinfügen. Und wenn du endlich und hoffentlich all deine Sinne beisammen hast, geht alles wieder von vorne los. Du musst loslassen, ob du willst oder nicht. Ich mache jetzt einen Sprung zum Trauern, denn spätestens dann, wenn du einen geliebten Menschen gehen lassen musst, wirst du dieses schmerzvolle Loslassen erleben, wenn du wirklich bereit dazu bist, ansonsten hängst du fest und trauerst vielleicht dein Leben lang.


    ALFrieda


    ......................................................


    "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
    dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
    ihre Auswirkung auf das Ganze hat."


    Albert Einstein

  • Danke für Deine Antwort liebe Frieda!


    Die Frage ist aber wissenschaftlicher Art.


    Warum hat die Natur seit tausenenden von Jahren das Gefühl der Trauer bei Säugetieren (auch Menschen) beibehalten?

    Es muss in der Evolution einen Nutzen gehabt haben zu trauern.

    Die Gefühle Angst, Freude, Panik, Ärgern, Liebe kann ich erklären weil diese Gefühle einen Vorteil für die Menschheit hatten.


    Aber welchen Nutzen hat Trauer?


    Liebe Grüße!


    Der Andy

  • Hallo „Der Andy“,

    Trauer erlaubt es uns, unsere Gefühle zu verarbeiten und zu zeigen, dass wir jemanden vermissen. Sie hilft uns, Abschied zu nehmen und bietet uns die Möglichkeit, uns mit unseren Emotionen auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren. Trauer kann uns auch dabei unterstützen, uns zu verbinden und Trost bei anderen zu finden, die ebenfalls trauern. Es ist wichtig, Trauer zuzulassen und sie zu durchleben, um letztendlich Heilung und Frieden zu finden.


    Liebe Grüße,

    Trauernde2.0

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    • Official Post

    Trauer hat keinen "Nutzen", wenn du so willst. Sie geschieht, wenn ein gutes, schönes Verhältnis (bis hin zum Abhängigkeitsverhältmis) durch den Tod in die Brüche geht. Auch wissenschaftlich dürfte es klar sein, dass ein Wesen, das mit einem anderen Wesen eine Gemeinschaft bis zu einer Abhängigkeit erlebt, traurig ist, wenn diese nicht mehr besteht.


    Es gibt bei Menschen Trauer, Hilflosigkeit, Entsetzen, Verzweiflung und das gibt es sicher zum Großteil auch bei vielen Tieren. Der Tod gehört zum Leben. Schöpfer, Erhalter, Zerstörer. Ein immer wiederkehrendes Phänomen.

    Was ist daran wissenschaftlich nicht zu verstehen?


    Und warum sollte die gesamte Evolution ausschliesslich zum Vorteil des Menschen sein?


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    "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
    dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
    ihre Auswirkung auf das Ganze hat."


    Albert Einstein

  • Hallo "der Andy",


    keine Ahnung, bisher habe ich mich nie nach dem "Nutzen" von Gefühlen gefragt, weil sie einen eben überkommen, meist werden sie ja durch etwas ausgelöst und ich habe mich dann immer eher gefragt, ob das Gefühl der Ursache angemessen ist - vor allem, wenn ich mich über etwas aufregte oder aufrege, denke ich, ist es der Anlass wert oder rege ich mich aus ganz anderen Gründen auf, die so ihr Ventil finden... wenn ich ehrlich bin, weiß ich, wenn ich zur Zeit Agressionen spüre, dass ich es einfach nicht verstehen will, warum mein Mann seinen wohlverdienten Ruhestand nicht erleben darf. Und dadurch, dass er ihn nicht erleben darf, bin ich ja auch meiner Zukunft beraubt. Denn die nächsten Jahr sollten ja vor allem uns gehören, nach einem arbeitsreichen Leben mit viel Fürsorge für Kinder und Enkel - die wir bewusst gewählt hatten, aber die während der eigenen Berufstätigkeit ja viel mehr abverlangt, als wenn man dann im Ruhestand ist. Ganz schlimm ist für mich, dass mein Mann sich bei meiner Mutter mit Corona angesteckt hatte und drei Wochen nach der Erkrankung am plötzlichen Herztod starb. Meine Mutter ist inzwischen 90 geworden, mein Mann nur 66, dieser Zusammenhang ist sehr blastend für mich...

    Aber hier soll es ja um den "Nutzen" vielleicht würde ich lieber sagen "Sinn" von Trauer gehen... wenn wir nicht über den Verlust von geliebten Menschen traurig wären - und nicht nur das, uns berührt ja auch, wenn fremde Menschen ihr Leben auf tragische Weise oder unserem Gefühl nach vor der Zeit verlieren - also wenn wir da nichts spüren würden, was wäre für uns denn da der Wert des menschlichen Lebens? Wenn wir Gefühle haben, sind wir traurig, wenn andere leiden oder gar ihr Leben verlieren. Und ich fürchte, die Menschen, die andere einfach mit Krieg überziehen, ihnen Gewalt antun, denen ein menschliches Leben nichts wert ist, sind gerade solche, denen die Gefühle abhanden gekommen sind oder die nie Gefühle wie die Achtung vor dem Leben hatten.

    Insofern ist Trauer der Menschheit von Nutzen, sie beweistt, dass uns ein menschliches Leben etwas wert ist, dass wir lieben konnten und koennen, denn sonst wäre uns der Verlust ja egal.

    Gerade kam ich mit meiner Trauer gar nicht gut zu recht, darum habe ich auch ins Forum geschaut und viel Berührendes von euch gelesen und bin mir während des Schreibens klarer geworden: ich darf in alle Ewigkeit traurig darüber sein, dass mein geliebter Mann mir zu früh vorausgegangen ist. Dem Leben gebe ich ja trotzdem eine Chance in den Phasen, wo die Traurigkeit mir nicht die Kehle zuschnürt und alles verdunkelt und ich an das Schöne denken kann, das wir zusammen hatten und das für immer bleibt und das mir hilft auch neues Schönes zu sehen.


    Alles Liebe und viel Mut und Kraft euch

    Angelika

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