Ich komme mir so verloren vor

  • Es gibt sie nicht die Worte, die es beschreiben können, wie ich mich gerade fühle.
    Einfach nur schrecklich.
    Unwirklich, nicht begreifend, geschockt, leer, orientierungslos, hilflos, voller Trauer und Schmerz, verzweifelt, einsam, unendlich traurig, in einem nicht enden wollenden Albtraum gefangen.
    Ich halte es oft kaum selbst mit mir aus - so weh tut es.
    Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir nicht vorstellen, dass es jemals wieder besser werden wird.
    Nichts ist mehr wie es war.
    Und es macht mir so Angst nicht zu wissen, wie es gut weitergehen könnte.
    Ich versuche meinem Papa Halt zu geben.
    Und mache mir gleichzeitig auch so große Sorgen um ihn, denn er ist auch schon 85 J. und nicht mehr der Fitteste.
    Die vergangenen Wochen als meine Mama im Krankenhaus gelegen hat und die letzte Woche im Seniorenheim haben ihre Spuren hinterlassen.
    Er hält sich zwar wacker, aber ich weiß nicht, ob er die Kraft finden wird, alleine ohne seine Frau weiterzumachen.
    Dann bin ich ganz alleine.
    Diese Vorstellung ist so erdrückend.


    Gerade jetzt wünscht ich mir einen Partner an meiner Seite, der für mich da ist.
    Doch der Mann, den ich liebe, möchte nicht mehr mit mir zusammen sein.
    Meine Liebsten verlassen mich...
    Es tut so weh.

  • Liebe Christiane,


    es ist so traurig. Und ich kann jedes Wort nachempfinen was die Gefühle über den Verlust und die Sorge um deinen Papa betrifft. Mir geht es ähnlich. Mein Papa ist 86 und schon recht gebrechlich. Er trägt sehr schwer am Tod meiner Mama, er spricht nicht viel, ich sehe es aber genau.


    Ohne Partner und Familie die schlimmste Trauer durchzustehen und dabei noch einem anderen Menschen Halt zu geben, kann die Kräfte überfordern. Hast du gar keine weiteren Angehörigen, die dich oder deinen Papa ein wenig auffangen können? Das würde ich dir von Herzen wünschen!


    Die Mama zu verlieren ist einer der schwersten Verluste, auch wenn man selbst schon im mittleren Alter ist, fühlt man sich verweist. Ich kann dich so gut verstehen! Es ist so schwer auszuhalten!


    Ich denke an dich.
    Ganz liebe Grüsse
    Lola

  • Liebe Christiane, deine Mama ist jetzt bestimmt an einem schönen Ort. Ganz bestimmt!!
    Ich glaube fest daran!


    Ich sehe meine Mama bei Ihren Eltern, die sie sehr geliebt und vermisst hat. Sie sind jetzt vereint. Irgendwann holt meine Mama mich ab und bringt mich an diesen schönen Ort.
    Ich habe keine Angst mehr vor dem Ungewissen..


    Mit einem lieben und mitfühlenden Gruss
    Lola

  • Liebe Christiane,


    als der Anruf kam damals ... ich rutschte mit dem Rücken zur Wand hinab auf den Boden. Nein, auch den Boden gab es nicht mehr, ich stürzte ins Bodenlose ... meine Ma, Mutti, Mutter .......


    Plötzlich war alles weg: die Musik, die wir machten, alle unsere Pläne, die liebe Freundin, die gekommen war ... nichts war mehr wichtig, niemand und nichts!


    Hatte an diesem Morgen ohnehin das Gefühl, das ich eh nie beschreiben kann. Es hatte mit Loslassen zu tun, wie so oft in meinem Leben.


    Aber dann das!!!


    Es war ihre Lieblingzeit zwischen Weihnachten und Silvester, sie hatte Heiligabend Geburtstag. Und wir waren alle da. Auch ich war angereist, um mit ihr zu feiern. Als ich ihr am Abend nachwinkte (der Bus fuhr sie ein paar Stationen weiter nach Hause), war dieses eigentümliche Gefühl um mich herum. Wieder dieses Loslassen.


    Sie starb ganz plötzlich und war noch gar nicht alt. Wie ich sie liebe.


    Keine Ahnung, ob dir das, was ich hier spontan geschrieben habe, irgendwie hilft.


    Habe für sie gebetet, habe mich niedergekniet und die Hände gefaltet und für sie intensiv gebetet, dass es ihr gutgehen soll da, wo sie jetzt ist ... dass eine Art Engel (habe keine Vorstellung davon ausser, dass ein Engel ganz sicher keine körperlichen Flügel hat ;) ) ihr weiterhelfen möge auf ihrem Weg im Jenseits. Und das hat wirklich geholfen.


    Dir alles Liebe
    Frieda


    ......................................................


    "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
    dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
    ihre Auswirkung auf das Ganze hat."


    Albert Einstein

  • Liebe Christiane,


    ich kann Dir Deine Traurigkeit nachfühlen.
    Denn ich bin gerade jetzt in dem Zustand, den Du so treffend beschreibst.
    Ich habe gerade meinen Vater verloren. Er war nach dem Tod meiner Lebenspartnerin der letzte Angehörige, den ich noch hatte.
    Er war sogar 95, als er verstarb. Ich hatte vor über 3 Jahren an der Hand gehend meine Lebensgefährtin verloren.
    Da war mein Vater im Pflegeheim in seinem hohen Alter mein letzter Angehöriger. Und ich habe ihn im Rollstuhl jeden Tag im
    Rollstuhl ausgefahren. Nachdem ich und mein Vater Corona überstanden Hatten, habe ich mich schon gefreut, mich mit
    ihm jeden Tag im Rollstuhl wieder bewegen zu dürfen. Aber es hat nicht sollen sein.
    Er ist verstorben in seinem Alter im Heim und ich hatte auch 1,5 Jahre Angst um meinen Vater, der im hohen Alter auch viele
    Probleme im Heim hatte (Oberschenkelhalsbruch mit OP, Darmverschluss bis hin zur Lungenentzündung wegen seinen Schluckstörungen
    und Corona Anfang Oktober) und immer wieder hat er es zurück in den Rollstuhl geschafft.
    Ich weiss daher, was es heisst, Angst um einen alten Vater zu haben.
    Und am Schlimmsten ist dann, wenn er doch verstirbt. Hüte Deinen Vater, solange es noch geht. Ich habe es auch versucht, aber letzten
    Endes ist er verstorben.


    Allein sein und mit der unsäglichen Trauer dabei leben zu sollen ist etwas Furchtbares.


    Liebe und traurige Grüsse
    Matthias

  • Hab Dank für deine Zeilen, lieber Matthias.



    Ich fühle mich dieser Tage auch ganz besonders unsicher und verletztlich.
    So ohne Halt, Schutz, Wärme und Geborgenheit.


    Kennt ihr das auch?
    Und falls ja, was hat euch dabei geholfen wieder mehr in eure Mitte zurück zu finden?

  • Liebe Christine,


    So ohne Halt, Schutz, Wärme und Geborgenheit.


    Ja ich fühle das auch.
    Das habe ich vor allem, weil ich keinen Angehörigen mehr in meiner Nähe habe, der meinem Leben Kraft und Inhalt gibt.


    Beim Tod meiner lieben Dorit war es mein Vater, der noch da war, allerdings auhc schon altersschwach und man wusste nicht, wielenge es noch geht.
    Und nun ist auch er tot und habe ich keinen Menschen mehr.
    Deshalb kenne ich die Gefühle, die Du ausdrückst, nur zu gut in der Trauer.


    Ich glaube, helfen kann eigentlich nur, wenn man noch jemand hat, der einen in seiner Trauer trösten kann.


    Ich versuche, mich abzulenken durch den täglich 2maligen Gang zum Friedhof, dort wo ich Bilder und Videos der Verstorbenen über der Grabstelle
    abspiele und aus der Geschichte mit den Verstorbenen vorlese. Das ist mein Ritual, irgendwie damit fertig zu werden.


    Traurige und liebe Grüsse
    Matthias

  • Liebe Christiane,


    ja, ich kenne das auch: als mein Allerliebster plötzlich verstorben ist, kam ich mir vor - wie ich damals fühlte - wie ein "waidwundes Reh". Alles schmerzte - innen und aussen. Es waren Menschen um mich herum, gute Leute, liebe Verwandte und Freunde, aber es schmerzte so sehr.


    Was mir etwas geholfen hat war, dass ich viel raus bin in die Natur, mit meinem damaligen treuen Hund. Er war mein Weggefährte und ihm machte es nichts, wenn ich lief und weinte und weinte. Ja, Bewegung und herausweinen, nicht laut, sondern einfach mit vielen Tränen, das hat geholfen. Trauer will gelebt sein, sie will nicht unterdrückt und sie möchte auch eigentlich nicht zelebriert werden. Einfach nur gelebt, durchlebt werden. Sie hat ein Recht darauf.


    AL Frieda


    ......................................................


    "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
    dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
    ihre Auswirkung auf das Ganze hat."


    Albert Einstein

  • Gerade halte ich mich wieder selbst kaum aus.


    Ein Gefühlscocktail aus Angst, Traurigkeit, Hilflosigkeit, Überforderung. Und noch ganz viel mehr.


    Ich sitze da, bin angespannt und gelähmt zugleich.


    Will vor mir selbst weglaufen und komme doch nicht von der Stelle.

  • Hallo, Christiane!


    Ich kann dich sehr gut verstehen.


    Ich komme auch nicht gut zurecht, mir wird jetzt wirklich klar, wie endgültig alles ist.
    Ich vermisse meine Mama so unendlich!!! Jeden Tag, wenn ich die Wohnung meiner Eltern betrete, um mich um meinen Papa zu kümmern, bin ich gleich voller Traurigkeit und Schmerz.


    Liebe und mitfühlende Grüsse an dich!

  • Herzlichen Dank, liebe Lola!



    Heute kam Post vom FriedWald, also der "Baum-Vertrag".
    Da ich meinen Papa nicht mehr als nötig damit belasten mag, hab ich ihn nur schnell unterschreiben lassen und kümmere mich um alles weitere.
    Es fühlt sich fremd an - dieser bürokratische Akt und muss doch sein...


    Mein Herz ist schwer.

  • Ich fühle mich - schon seit gestern Abend - so richtig beschissen.


    Voller Angst.
    Trauer.
    Traurigkeit.
    Verzweiflung.
    Einsamkeit.
    Überforderung.
    Wehmut.
    Sehnsucht.


    Mir ist grad alles zu viel. Möchte mich nur noch verkriechen.


    Wünsche mir ein klein wenig Trost.

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