Worte des Trostes

      Liebe Mutti,

      Meine Gefühle schwanken
      von Trauer ins Licht,
      ich singe Lieder,
      Mutti hörst Du mich?
      Mutti für Dein Zeichen danke ich Dir,
      ein Vöglein war gestern Abend bei mir.
      Als meine Sehnsucht so stark in mir wahr,
      kam das Vöglein zu mir, es war wunderbar.
      Immer hast Du nach den Vöglein gesehn,
      noch kurz bevor Du musstest für immer gehn.
      Sagtest Du, Miki, schau da draußen die zwei Vögelein,
      Dein Lächeln war dabei so strahlend
      und fein.
      Ich muss jetzt weinen, wenn ich daran denk,
      diese hat Dir damals unser Herrgott geschenkt.
      Und nun hast Du mir ein Vöglein als Zeichen geschickt,
      ach Mutti, ich hab Dich so verdammt arg lieb.
      Das 3jährige steht in wenigen Tagen vor der Tür,
      ich weine Mutti, ich kann nichts dafür.
      Aber zuvor hab ich alle Lieder von Ronny gesungen,
      wie hat das denn in Deinen Ohren geklungen?
      Oder hast Du sogar dabei mitgesungen?

      Ich liebe Dich Muttilein,
      so sehr und noch mehr.
      Du fehlst mir
      Deine Miki
      <3 :knuddeln:

      Brief von meiner Mutti

      Meine geliebte Loni,

      mein liebes Kind, weine nicht mehr so sehr,
      sonst fühle ich mich auch wirklich ganz tot und leer.
      Dabei ist es hier in der anderen Welt so schön,
      ich kann jeden Tag spazieren gehen.
      Spazieren gehen und trotzdem bei Dir sein,
      Miki mein Kind, ich lass Dich niemals allein.
      Ich liebe Dich, ach könntest Du mich und meine Welt nur sehn,
      dann würdest Du wieder glücklicher Deinen Weg weiter gehn.
      Zwar hab ich meinen Erdenkörper verloren,
      in welchem ich auf der Erde ward geboren.
      Diesen brauch ich hier nicht mehr,
      auch ich mein Kind vermisse Dich sehr.
      Doch die Zeit, wie auf Erden, gibt es hier nicht,
      täglich streichle ich Dein Gesicht.
      Mir geht es gut Mikilein, nichts tut mehr weh,
      nur wenn ich Dich mein Kind so oft weinen seh.
      Da nehm ich Dich ganz sanft in meine Arme und tröste Dich,
      erfülle Dein Herz dabei mit Liebe und Licht.
      Du bist doch mein Sonnenschein in meinem Leben,
      Du hast mir so viel Liebe gegeben.
      Und Du tust es immer noch für mich,
      Mikilein auch ich liebe Dich.
      Jeden Tag steh ich neben Dir und halte Deine Hand,
      manchmal spürst Du es und hast mich sofort erkannt.
      Unsere Liebe wird nie verloren gehn,
      und irgendwann werden wir uns wieder sehn.
      Bis dahin mein Kind, lebe Dein Leben,
      dieses wurde Dir vom Herrgott gegeben.
      Sei nicht mehr so traurig und singe und lache,
      Du glaubst ja gar nicht, wie gerne ich dabei mit mache.
      Auch Papa, Oma und all die Anderen singen dann mit Dir,
      dann wird es richtig lustig hier.
      Ich sage dann stolz, da schaut euch alle mal meine Miki an,
      wie wunderschön sie doch singen kann.
      Singe, schreibe und male weiter,
      und geh dabei hoch die Himmelsleiter.
      Tu das was Dir Freude macht,
      alles wobei Dein Herzlein lacht.
      Denke endlich auch mal an Dich,
      dann fühlst Du auch die Wärme und das Licht.
      Ich bin bei Dir, immer mehr spürst Du mich,
      Mikilein ich liebe Dich.

      Deine Mutti
      die auch weiterhin
      auf Dich auf passt.
      <3

      Jede Zelle meines Körpers ist glücklich

      Hallo Lieber Gott,

      ich habe in mir drin, ganz laut nach Hilfe zu Dir geschrien, weil ich Angst hatte vor dem Sonntag. Du weißt doch, Muttis Todestag und noch Muttertag. Habe gestern schon deswegen sehr viel geweint. Und heute fing es auch schon wieder an. Mein Herz schrie ganz laut nach Dir Gott. Bitte, bitte bitte Gott hilf mir. Und Gott, ich hätte es niemals für möglich gehalten, wie Du es angestellt hast, mir im Computer, das Lied finden zu lassen (obwohl ich gar nicht danach gesucht habe und dieses Lied auch nicht kannte) und da war es auf einmal da. - Jede Zelle meines Körpers ist glücklich- Ich habe komischerweise gleich dabei mit gemacht. Fühlte aber zuerst nichts und dachte, so ein Krampf. Hörte es mir noch zwei oder dreimal an und sang und tanzte mit. Dann ließ ich es sein und brachte den Müll runter und ertappte mich dabei, wie ich bei jeder Stufe das Lied sang, - jede Zelle meines Körpers ist glücklich, jede Körperzelle fühlt sich wohl-. Und nun bekomme ich es nicht mehr aus meinem Kopf raus. Es tut mir gut. Es gibt mir Schwung und Kraft und lässt mich Lächeln. Ich danke Dir Gott. Hoffentlich Gott, bist Du auch am Sonntag für mich da. Da brauche ich Dich ganz, ganz doll. Damit ich nicht so alleine bin. Danke Gott Ich hab Dich lieb. Deine Miki

      Muttertag und Todestag

      Meine alles geliebte Mutti, <3

      ich wünsche Dir alles, alles Liebe zum Muttertag. Leider ist heute auch noch Dein Todestag. Das macht diesen Tag heute noch trauriger. Aber ich werde sehr tapfer sein Mutti, ich verspreche es Dir. Singe auch schon wieder diesen Ohrwurm, - jede Zelle meines Körpers ist glücklich - , so verrückt, wie es sich auch anhört, es hilft. Es ist Magie. Ach Muttilein, wie gerne würde ich heute diesen Tag mit Dir zusammen verbringen. Ich hätte Dein Lieblingsgericht gekocht und wir wären anschließend ins Grüne gefahren. Du liebst es doch so sehr, Dir beim Autofahren, Dir die Landschaft an zu sehn. Ach, wie glücklich und zufrieden da immer Dein Gesicht aus sah. Jetzt kommen mir doch die Tränen aus meinen Augen, wenn ich daran denke. Weißt Du noch Mutti, als wir in einen Wald gefahren sind, und dann ganz woanders raus kamen und ich nicht mehr wusste, wo wir waren? Bist Du ganz ruhig geblieben und sagtest: - ach es ist soooo schön hier Mikilein, mach Dir doch keine Sorgen, wir finden wieder nach Hause. Ach Mutti, Du hast mir immer so viel Sicherheit und Halt gegeben. Ich vermisse Dich. Muttertag ohne Dich ist schrecklich. Du und auch Gott, ihr helft mir so sehr, aber es gibt Tage oder Augenblicke, da überrollt mich die Trauer und die Sehnsucht nach Dir einfach. Oder sollte ich besser schreiben, die Liebe? Das Heimweh und die Liebe zu Dir? Ach Mutti, in meinem nächsten Leben, möchte ich Dich so gerne wieder als Mutti haben. Du bist die beste Mutti auf der ganzen Welt. Ich liebe Dich mehr als mich selbst. Ja, und ich bleibe heute nicht den ganzen Tag zuhause, ich gehe zum Singen. Ich möchte, dass Du stolz auf mich sein kannst. Ich habe Dir Deine geliebten Rosen gekauft Mutti. Diese bringe ich Dir nach her auf Dein Grab. Wie feiert Ihr, in der anderen Welt, den Muttertag oder Euren Todestag? -Seid Ihr auch so traurig? Oder ist dort in der anderen Welt der Todestag so eine Art Geburtstag? Dann wäre das jetzt Dein Dritter. Ach Muttilein, mach Dir mit Papa, Deiner Mama, Deiner Schwester und all den Andern heute einen schönen Tag. Und Mutti, sei ganz besonders heute an meiner Seite. Aber das bis Du ja eh immer. Ich liebe Dich Mutti, sooooooooooooo sehr und noch viel viel mehr.
      Deine traurige
      Miki
      :knuddeln: <3 <3 <3

      Ein Muttertag ohne Dich

      Ein Muttertag ohne Dich,
      ist wie die Sonne ohne Licht,
      ist wie ein Himmel ohne Sterne,
      ach Muttilein, ich hab Dich so gerne.
      Ein Muttertag ohne Dich,
      ist einfach nur noch fürchterlich,
      ist wie eine Wiese ohne Blümelein,
      wie soll da nur mein Herze glücklich sein.
      Vielen Menschen geht es heute so,
      alle ohne Mutti, sind heute nicht richtig froh.
      Heute weint mein Herze Tränen,
      dafür brauch ich mich nicht zu schämen.
      Ach Mutti, ich bin so dankbar, dass Du meine Mutti bist,
      zwar hier auf Erden nur eine gewisse Jahresfrist.
      Ich bin so dankbar für jedes Lächeln von Dir,
      ach Muttilein, leider bist Du nicht mehr bei mir
      Ich befinde mich in einem Wald voller Erinnerungen,
      was haben wir oft zusammen viele schöne Lieder gesungen.
      Wir haben gelästert und gelacht,
      ach Mutti, mit Dir hat das Leben Freude gemacht.
      Jetzt fang ich wieder zu weinen an,
      diese Sehnsucht ich heute nicht abstellen kann.
      Will ich das denn eigentlich?
      Nein, ich erinnere mich so gerne an Dich.
      Muttertag, wird ein Tag voller Erinnerungen sein,
      die Tränen fließen, oh mein geliebtes Mütterlein.
      Ich fühle mich so einsam und so allein,
      Warum kannst Du nicht heute mal wieder so richtig bei mir sein.
      (Ach das wäre sooooooooooooooooo schön.

      Deine traurige Miki
      :(

      NS: Jede Zelle meines Körpers ist glücklich.........
      Möchte ich das heute überhaupt?
      Aber meine Lippen fangen dabei zum Schmunzeln an
      Magie, ich sage nur Magie.

      Danke Gott

      Guten Morgen Gott,

      Danke, dass dieser Tag vorüber ist,
      Danke, dass diese Nacht vorbei ist, (habe kaum geschlafen)
      Danke, dass E. noch angerufen hat und für mich da war, als ich weinend fast zusammen brach.
      Danke, dass Du nicht böse mit mir warst, als mein Herz nur noch verzweifelt nach Mutti rief.

      Ob das wohl jedes Jahr so sein wird? Diese Sehnsucht? Dieses Heimweh? Diese Liebe? Dieser Schmerz? Diese Bilder im Kopf vom Sterben? u.s.w.

      Jetzt im Mai steht mir noch Muttis Geburtstag bevor.

      Ach Gott, ich war gestern Abend um die Todeszeit noch so was von fertig, wäre E. nicht gewesen, hätte ich Niemanden gehabt. Ich meine mit Niemanden, ein lebendes, menschliches Wesen. Es war einfach nur noch schlimm. Ich glaube, wenn mein Kopf diesen Tag vergessen würde, meine Seele hat ihn gespeichert und auch jedes Gefühl. Eine Mutter gibt es halt nur einmal. Und ich habe die Beste. Wahrscheinlich denkt das jeder über seine Mutti. Meine war und ist einfach toll.

      Danke Gott
      Deine Miki

      Bitte Gott, schenke mir Kraft für diesen Tag. Ich benötige diese ganz dringend. Danke
      Lieber Gott,

      ich kann Dich sehr oft nicht mehr verstehn,
      sag mir bitte, wie mein Leben soll weiter gehen.
      Zeig mir, was ich zu tun hab,
      oder soll ich so weiter leben, bis ich auch liege im Grab?
      Dann lieber schon heute, nicht erst in 10 oder gar 20 Jahren,
      was soll ich noch tun? Was soll meine Seele noch erfahren?
      Lass mich bitte erkennen meinen Weg,
      auch wenn es sein wird, ein mühselger Steg,
      schlimmer kann es eh nicht mehr werden,
      bitte Gott, sag mir, was soll ich noch tun hier auf Erden?
      Lass mich bitte erkennen die Wahrheit und Dein Licht,
      zaubere ein Lächeln auf mein ernstes Gesicht.
      Gott, warum kann ich meinen Weg nicht sehn?
      Gott, wie und wo soll ich weiter gehn?
      So wie es jetzt ist, das halt ich nicht aus,
      was soll ich tun? Wobei fühlt sich meine Seele zu haus?
      Bitte Gott, nimm Du mich in Deiner Hand,
      denn nur Dir ist mein Weg sehr gut bekannt.
      Amen
      Ich danke Dir. Deine einsame Miki


      Brief an meine alles geliebte Mutti

      Liebe Mutti,

      ich weiß, eines Tages werde ich Dich wieder sehn,
      weil unsere Liebe uns für immer verbindet.
      Ich spüre Dich an meiner Seite und in meinem Herzen,
      doch Du fehlst mir immer noch sooooo sehr Mutti.
      Es vergeht kein Tag, wo ich nicht an Dich denke,
      und ein paar Tränen aus meinen Augen fließen.
      Ich vermisse Dich so sehr.
      So sehr, dass ich manchmal denke, ich werde noch wahnsinnig vor lauter
      Sehnsucht nach Dir.
      Ja Mutti, zwischenrein gabs auch schon bessere Zeiten, aber ohne Dich, ist alles
      nur noch halb so schön.
      Und ich weiß Muttilein, Du wirst mir immer fehlen, auch wenn Du nun in
      meinem Herzen weiter lebst.
      Ach Mutti, ich verstehe jetzt manches viel besser. Wie muss es Dir ergangen sein, als Deine Mutti starb und musstest noch uns Kinder versorgen. Und als dann noch Papa starb. Wie hast Du das nur alles ausgehalten?
      Mutti, manchmal gibt es Tage, da denke ich immer noch, ich halte diesen Schmerz nicht mehr aus. Dieser frisst mich von innen her auf. Aber dann rede ich mit Gott, und er hilft mir dann.
      War jetzt sehr lange krank. Eine ganz schreckliche Grippe hat mich erwischt und es bestand
      die Gefahr, dass ich wieder eine Herzmuskelentzündung davon trage. Aber mir geht es so langsam wieder besser. Bin gespannt was die Blutergebnisse morgen sagen werden.
      Ich weiß Mutti, dass Du bei mir bist. Dafür danke ich Dir aus ganzem Herzen. Aber diesen
      Schmerz, wird die Zeit niemals heilen. Ich lerne damit zu leben.
      Für Dich.

      Ich liebe Dich doch soooo sehr.
      Deine Miki
      <3



      Hallo Michaela,
      mich haben deine Briefe an deine Mutti mitten ins Herz getroffen. Genauso empfinde ich für meine Mutti, die ich vor 7 Wochen verloren habe. Die Welt steht still ohne sie. Ich bin wirklich sehr gerührt und sitze hier und muss weinen.
      Es tut so gut zu sehen/lesen, dass Du eine genauso tiefe emotionale Bindung zu deiner Mutti hast wie ich. Es ist für mich nicht vorstellbar ohne sie leben zu müssen.
      Wenn Du magst, schreib mir doch einfach. Ich würde mich sehr darüber freuen!
      Viele liebe Grüße
      Tanja
      Liebe Tanja,

      zuerst möchte ich Dir aus tiefsten Herzen mein Beileid schreiben. Bei Dir ist ja alles noch ganz frisch. Meine Mutti ist schon 3 Jahre tot, aber manchmal fühlt sich diese tiefe Wunde immer noch ganz frisch an, so als wäre es erst gewesen. Zum Weinen wollte ich Dich eigentlich nicht bringen, es tut mir nur gut, Briefe an meine Mutti zu schreiben. Ja, meine Mutti und ich waren ein super Team im Doppelpack. Auch ich dachte 1 1/2 Jahre, ich kann ohne sie nicht weiter leben. Meine Welt stand still in mir drin. Außen ging das Leben weiter, so als wäre nichts geschehn. Damals verstand ich die Welt auch nicht mehr. Ich wollte nur meine alles geliebte Mutti wieder haben. Es dauerte bei mir sehr lange, bis ich ihr "tot sein", akzeptierte. Jeden Tag schrie es laut in mir: "Mutti, ich will Dich wieder haben." Ich würde Dir sehr gerne etwas Schöneres schreiben, aber leider Tanja, kann ich das nicht. Ich lebte mit meiner Mutti zusammen. Sie war meine Mutter, meine beste Freundin, meine Vertraute, sie war mein Halt im Leben. Und dann war auf einmal alles weg. Für immer hier auf Erden. Liebe Tanja, ich weiß, was Du nun durch machst. Es war und ist für mich das Schlimmste, was ich jeh in meinem Leben durch lebt habe. Lass Deine Gefühle zu. Diese müssen raus, sonst erdrücken sie Dich. Deine Seele wird sich einen Weg suchen, um damit umzugehen zu lernen. Aber es wird nicht einfach werden Tanja. Aber heute nach 3 Jahren kann ich Dir sagen, ich hab in diesen 3 Jahren sehr, sehr viel gelernt, was Du jetzt natürlich nach erst 7 Wochen nicht verstehen kannst und wahrscheinlich auch nicht hören willst. Wenn mir das Einer nach 2 Monaten gesagt hätte, wäre ich wahrscheinlich sogar wütend geworden und hätte gedacht: "So ein Schwachsinn. Ich will nichts lernen. Ich will nur meine Mutti wieder haben und sonst nichts.
      Liebe Tanja, Du wirst die nächste Zeit sehr, sehr viel Kraft brauchen. Vielleicht hilft es Dir auch nur im Jetzt, im Heute zu leben. Was morgen ist, ist egal. Alles, alles Liebe Miki
      :knuddeln:

      Liebe Miki,
      vielen lieben Dank für deine herzlichen Worte und deine Unterstützung. Wir scheinen uns sehr ähnlich zu sein. Auch ich habe die letzten 20 Jahre mit einer Mutti zusammen gelebt. Ebenso wie bei Dir war sie einfach alles für mich. Mein ganzes Leben hat sich plötzlich aufgelöst. Wir haben in unserer eigenen kleinen Welt gelebt, waren immer füreinander da, haben uns gegenseitig unterstützt, uns Halt gegeben. Wir haben uns genügt! Umso schwerer ist es jetzt, so allein zu sein. Die leere Wohnung...Ich spüre sie überall. Es ist fürchterlich. Sie fehlt mir so sehr... Ich gehe jeden Tag zum Friedhof um ihr nahe sein zu können. Rede mit mir, bitte sie bei mir zu sein...Schreie, dass sie zurückkommen soll. Sie fehlt einfach überall. Momentan werde ich einfach von meinen Gefühlen für sie erschlagen. Hinabgezogen in ein dunkles, schwarzes Loch. Und keiner ist da, mit dem man sprechen kann. Auch ich habe angefangen ein Tagebuch zu führen, in welchem ich ihr jeden Tag einen Brief schreibe. Ich teile ihr meine tiefsten Gefühle mit und schreibe ihr, wie sehr ich sie liebe und vermisse - so wie zu Lebzeiten.
      Es tut so gut, jemanden gefunden zu haben, der ein ähnliches Schicksal teilt. Ich fühle mich nicht mehr ganz so alleine!
      Ich sende Dir viele liebe Grüße und hoffe wir hören noch viel voneinander!
      Tanja
      Liebe Tanja,

      vielen Dank für Deine Zeilen. Ja, liebe Tanja, ich glaube auch, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Ganz besonders Eine, dass wir mit unserer geliebten Mutti zusammen gelebt haben und dass wir nun Beide so alleine sind. Auch ich habe mit meiner Mutti in unserer Zweisamkeit gelebt. Ja, in unserer ganz persönlichen Welt. Und wir waren dabei Beide zufrieden und glücklich. Wir brauchten nicht viel, um glücklich zu sein. Wir hatten ja uns. Ich danke heute noch dem lieben Gott, dass ich noch diese schönen Jahre mit meiner geliebten Mutti erleben durfte. Habe mich dabei wieder angenabelt. Mutti und ich unterstützten uns auch gegenseitig.
      Ja, die leere Wohnung, das ist was sehr Schreckliches. Unterdessen musste ich um ziehen in eine kleinere Wohnung, aus finanziellen Gründen. Die ersten 2 Jahre ging ich auch täglich zum Friedhof. Manchmal sogar 2 mal. Einmal ertappte ich mich dabei, als ich so vor Muttis Grab stand, wie ich mir wünschte, mich einfach neben sie hin zu legen. Wenn ich da zurück blicke, ich wollte sogar mein Federbett holen, um uns Beide dann zu zudecken, da es sehr kalt war. Ach Tanja, diese Schreie, kenne ich auch sehr gut. Heute sind diese nur noch ein weinendes Flüstern. Wie ich aus Deinen Zeilen lesen kann, bist Du auch so alleine, wie ich. Es ist sehr schwer, sich daran zu gewöhnen. Ich finde es toll, dass Du auch Briefe an Deine liebe Mutti schreibst. Stell Dir mal vor Tanja, dass die Beiden uns nun von ihrer Welt beobachten und sehen, wie wir uns schreiben. Meine Mutti sagt dann zu Deiner, die Miki, das ist meine geliebte Tochter. Ja, sagt dann Deine Mutti, und die Tanja, das ist mein Ein und Alles. Und Beide denken sie vielleicht, schön dass sie sich gefunden haben. Ja, die meisten Menschen mögen nicht über die Trauer reden. Mit meiner besten Freundin konnte ich das, sie ist dann aber leider auch noch gestorben. Oh ja Tanja, dieses schwarze Loch, das kenne ich auch sehr gut. Stell Dir einfach vor, dass ich mit Dir in diesem Loch bin. Zu zweit ist es nicht mehr ganz so schwarz. Wenn Du es erlaubst, nehme ich Dich in meine Arme und Du darfst reden und weinen bis es Dir wieder etwas besser geht. Tanja, ich weiß zwar nicht, ob Du an Gott glaubst, aber ich werde Dich nun in all meinen Gesprächen mit Gott, einbeziehen. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen. Es ist auch sehr schön für mich, jemanden gefunden zu haben, der auch mit seiner Mutti zusammen lebte.
      Es grüßt Dich aus ganzem Herzen
      Miki
      Liebe Mikki,
      danke für deine lieben Worte - sie überwältigen mich. Du sprichst mir so sehr aus dem Herzen!
      Diese Szene auf dem Friedhof kenne ich nur zu gut. Ich habe jedesmal wenn ich bei ihr au dem Friedhof bin, das Befürfnis mich neben sie zu legen und sie festzuhalten, zu umarmen und einfach zu sagen wie sehr ich sie liebe und brauche. Einfach Nähe und Wärme spüren wollen.
      Heute vor 8 Wochen ist sie von mir gegangen; es ist als wäre sie erst eben gegangen. Ich bin soooo traurig - es ist unbeschreiblich!
      Ich fühle mich wie ein schutzloses und hilfloses Kleinkind, das nicht fähig ist, alleine mit seinem Leben fertig zu werden. Es ist so schlimm...
      Ich weiss wirklich nicht, wie es ohne sie weitergehen soll! Ich bin so mut- und kraftlos und sehe keinen Sinn mehr, in dem was ich hier tue. Ich liebe sie so unendlich...und bin so fürchterlich alleine!
      Ich bin so froh, Dich gefunden zu haben. Es macht es etwas leichter mit jemandem zu reden, der meine intensiven Gefühle für meine Mutti verstehen kann.
      Du darfst mich gerne in den Arm nehmen und auch ich nehme dich in meine Arme. Beziehe mich ruhig in all´deine Gebete mit ein. Vielleicht kann ich ja im Glauben ein wenig Halt und Geborgenheit finden.
      Ich drücke dich ganz fest und schicke dir viele liebe Grüsse.
      Tanja
      Liebe Tanja,

      Deine Zeilen Tanja, könnten auch genauso von mir geschrieben sein. Wenn ich zurück denke, oder wieder mal einen Muttiweingedenktag habe, geht es mir genauso wie Dir jetzt. Auch ich fühlte mich, wie ein kleines Kind, das seine Mutti wieder haben wollte. Dieses Kind in mir, wollte auch nicht ohne der geliebten Mutti , weiter leben. Der Schmerz wurde unerträglich für mich.
      Dann kam ich in eine Egalphase. Ab da ging es mir irgendwie besser, leichter. Hört sich extrem verrückt an, aber mir war auf einmal alles egal. Ob ich lebe, ob ich sterbe, ob ich mich dick esse, auch die ganzen Umweltkatstrophen waren mir egal. Für das Leid Anderer war nur noch sehr wenig Kraft vorhanden. Alles, was mir die Leute so erzählten, dachte ich dabei, ist mir doch egal, mir hört ja auch Keiner zu. Ich muss auch sehen, wie ich alleine klar komme. Schrecklich war ich da. Manchmal erkannte ich mich selbst nicht wieder. Meine Seele und mein Körper spielten total verrückt.
      Bis heute ist mir noch nicht richtig klar, warum ich weiter leben soll. Gott hat mir das Liebste genommen, so wollte ich auch nichts mehr mit ihm zu tun haben. Und ich wurde noch einsamer ohne Gott. Oh Tanja, was ich dem alles so hingeknallt habe, da ist es echt ein Wunder, dass er mir nicht böse ist.
      Tanja, die Kraftlosigkeit spüre ich noch bis heute, aber es hat sich schon etwas gebessert. Dieses Kind in uns, dass so laut nach der geliebten Mutti schreit, genau dieses Kind, erhält uns auch am Leben. Denn dieses Kind ist es dann später auch wieder, welches Leben will, wo lachen und singen will, Spaß und Freude haben, so wie Kinder nun mal sind. Aber das brauch alles viel Zeit. Tanja, gib Dir alle Zeit der Welt, welche nun Deine Seele benötigt, um zu lernen, mit diesem Schmerz zu leben. Ich lerne es heute noch.

      NS: Nun sind es schon 8 Wochen bei Dir, wieder so ein schrecklicher Gedenktag. Versuche ganz ruhig zu werden und vielleicht kannst Du die Gegenwart Deiner geliebten Mutti spüren. Sie ist da, da bei Dir. Nur in einer anderen Form.
      Ich habe sehr oft zu Gott gesagt, Du kannst alles von mir haben, aber gib mir meine Mutti wieder zurück. Meine Güte, wie ich probierte, mit ihm zu handeln. Ich würde barfuß durch die Wüste laufen um meine Mutti wieder zu haben oder bis ans Ende der Welt, um sie einmal kurz zu sehn, 10 Minuten mit ihr reden und uns festhalten. Ja, diese Wünsche kenne ich alle auch. Tanja, es ist schön, dass es Dich gibt.
      Alles Liebe
      Miki


      Brief an Gott

      Guten Morgen Gott,

      entschuldige bitte, dass ich Dir erst jetzt schreibe, aber in meinen Gedanken und Gebeten waren wir ja immer verbunden. Gott, ich habe eine ganz große Bitte an Dich. Bitte stehe Tanja in ihrer großen Not bei. Sie braucht Dich jetzt ganz dringend. So wie alle hier in diesem Forum. Bitte Gott, lass Tanja Deine Nähe spüren und schenke ihr Deinen Halt. Ohne Dich Gott wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Dafür kann ich Dir nicht genug danken. Klar fehlt mir Mutti immer noch. Gestern hab ich auch mal wieder mehr geweint, weil diese Sehnsucht nach ihr, nie auf hören wird. Aber Du bist bei mir Gott und trägst mich in dieser schweren Zeit. Auch wenn ich Dich Gott und Dein Handeln sehr oft nicht verstehen kann hab ich Dich trotzdem wieder sehr sehr lieb. Denn Du Gott bist die Liebe. Wir Menschen sind es, wo so Vieles kaputt machen. Wir wollen alles besser wissen und mit unserer Besserwisserrei zerstören wir alles. Weil die Liebe fehlt. Wir sind in unserem Denken und Handeln weit entfernt von der Liebe. Sonst gäbe es auch nicht so viele unterschiedliche Religionen, welche uns voneinander trennen und Kriege und Mord und Todschlag auslösen. Keiner denkt dabei an all die Hinterbliebenen die diese schwere Leid im Herzen den Rest ihres Lebens tragen müssen und auch wieder Auswirkungen auf die ganze Welt hat. Ich dachte eigentlich immer Gott, dass Du die Liebe bist. Die Liebe pure. Und die Liebe verbindet die Menschen und trennt diese nicht voneinander. Das bist nicht Du Gott. Das machen wir alles selbst. Ist alles Menschgemacht. Denn Du Herr trennst uns nicht. Deine Liebe verbindet. Amen.
      Deine Miki

      Brief an meine Mutti

      Meine allerliebste Mutti,

      denk bitte nicht, dass ich Dich vergessen habe. Mutti , das werde ich nie. Dafür ist das Band der Liebe zwischen uns viel zu groß. Und meine Liebe zu Dir wird von Tag zu Tag größer und meine Sehnsucht nach Dir wird immer bestehen bleiben. Ach Mutti, es ist so schade, dass Gott Dich nicht wieder lebendig machen kann. Aber Du hast mir ja schon mitgeteilt, dass es in Deiner Welt wunderschön ist. Mutti ich probiere auch jeden Tag sehr tapfer zu sein, aber es klappt halt einfach nicht immer. Sei deshalb bitte nicht traurig, ich komme schon klar. Na ja, so mehr recht wie schlecht. Du bekommst ja alles mit, so kann ich Dir nichts vormachen. Ach Mutti, ich könnte Bücher voll schreiben über meine Trauer und meine Sehnsucht. Über unsere gemeinsame schöne Zeit und wie schön es mit Dir war. Aber wenn meine Zeit gekommen ist, dann machen wir damit weiter. Da holen wir dann alles nach. Freust Du Dich darauf? Heute ist es nicht so heiß und ich werde vielleicht aufs Dorffest gehen, falls ich es mir nicht wieder anders überlege. Mit Dir zusammen, ja da wäre es schön. Schon wieder kullern mir ein paar Tränen aus meinen Augen. Ach Muttilein, ich hab Dich halt so sehr lieb. Ich glaube, falls ich noch 20 Jahre leben sollte, da weine ich immer noch. Das gehört nun halt dazu. Ach Muttilein, ich glaube, ich muss mich etwas ablenken, sonst wird das heute noch ein Muttiweingedenktag. Ach Mutti, ich möchte Dich so gerne mal für 10 Minuten sehn. Das wäre so schön, und ich glaube, es würde mir sehr helfen bei meiner Trauer um Dich. Ja, ich weiß ja Mutti, dass das nicht möglich ist. Aber wünschen, wünschen darf ich es mir doch.

      Deine immer an
      Dich denkende
      Miki
      <3 :knuddeln:
      Liebe Mikki,
      ich danke Dir so sehr, dass du mich in deine Gebete miteinbezogen hast. Das kann ich jetzt sehr gut gebrauchen!
      Diese Wochenenden sind so schlimm. Diese Einsamkeit und dieses Alleinsein. Meine Sehnsucht und meine Liebe nach meiner über alles geliebten Mutti werden immer grösser und damit auch meine Trauer und der Schmerz. Wie hält man das nur aus, wenn man keinen Menschen mehr hat? Ich komme gerade vom Friedhof und wäre am liebsten bei ihr geblieben. Ich konnte mich kaum trennen, aber dann fing es so stark zu regnen an, dass ich doch gehen musste.
      Ich weiss wirklich nicht weiter. Wie gehst Du denn mit solchen Situationen um? Vertraust Du nur auf Gott oder hast Du Menschen, mit denen Du sprechen kannst. Wenn Du magst, schreibe mir doch einfach!
      Alles Liebe
      Tanja
      Liebe Tanja,

      wenn ich so zurück denke, als meine Mutti 2 Monate tot war, ich will da ganz ehrlich zu Dir sein, da ging es mir sterbens elend. Ich habe zwar Geschwister, aber die leben ihr Leben weiter mit allen Verpflichtungen. Ach Tanja, ich weiß gar nicht, ob ich das hier so schreiben darf, aber im ersten Jahr wollte ich meiner Mutti nur nach sterben. Dieser Schmerz war auch für mich viel zu stark und ich würde sagen unmenschlich hart. Ich hielt es kaum aus. Gott sei Dank hatte ich da noch ab und zu mal meine Freundin. Wir waren füreinander da. Sie für mich und ich für sie. War auch bei einer Psychologin, aber die konnte mir überhaupt nicht helfen, die war selbst total fertig und drohte mir nur meine Brüder anzurufen. Ab da habe ich dann nicht mehr die Wahrheit gesagt. Aber vielleicht kannst Du Dir auch psychologische Hilfe holen und hast dabei mehr Glück als ich. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert. Oder gibt es bei Dir eine Trauergruppe? Bei uns leider nur für Frauen die ihren Mann verloren haben. Ich habe auch öfters mal die Telefonseelsorge angerufen. Oder kannst Du vielleicht gut mit Deinem Hausarzt darüber reden? Hast Du eine Freundin in Deiner Nähe? Bitte Tanja, Du brauchst Hilfe. Mein Glaube hilft mir erst jetzt, damals, am Anfang, wollte ich von Gott nichts mehr wissen. Tanja, Du gehst nun durch die schlimmste Zeit Deines Lebens. Ich dachte damals auch, das halte ich nicht mehr aus, ich schaffe das nicht. Nicht ohne meine Mutti. Sie wäre die Einzige gewesen, die mir einen Halt hätte geben können. Aber sie war ja nicht mehr da. Ich war sehr oft am durch drehen. Hatte für den Notfall von meinem Arzt Tropfen, welche ich ab und zu einnehmen musste, wenn ich regelrecht zusammen brach. Tanja, ich weiß in etwa, wie Du Dich fühlst. Bitte Tanja, halte durch. Deine Mutti möchte das auch. Da, wo Du Dich in der Trauer gerade befindest, ist die aller schlimmste Zeit. Den Tod der Mutter vom Herzen her zu akzeptieren. Diese Last ist kaum auszuhalten. Meine Seele hat sich dann irgendwie in diese Egalphase geflüchtet, aber das kam erst viel später, und das hat mir dann sehr geholfen. Ein Stück weit befinde ich mich immer noch in dieser Egalphase . Und dass ich wieder zu Gott gefunden habe, das hilft mir nun auch sehr. Aber das waren alles harte, schwere Wege, bis ich da ankam, wo ich heute bin. Wo wohnst Du Tanja? Ich bin in BW (Baden Württemberg) zuhause. Tanja, probiere nur im Jetzt zu leben und denke nicht an morgen und bitte suche Dir Hilfe. Hospitz und Diakonie oder Caritas bieten für Trauernde Hilfe an. Gib nicht auf. Es wird besser werden und Du wirst dabei ein anderer Mensch werden. Bitte halte durch. Ich drücke Dich ganz fest. In Liebe Miki
      :knuddeln:
      Liebe Mikki,
      ich danke dir so sehr für deine mitfühlenden Worte. Du beschreibst die Situation genau richtig, in der ich momentan befinden: Der fehlende Lebenswille, das sog. nach sterben wollen. Ich wäre jetzt viel lieber auf ihrer Seite als auf meiner und könnte dann einfach bei ihr sein und sie in den Arm nehmen. Mein Herz wil diesen unenendlichen Schmerz überhaupt nicht fühlen. Irgenwie kämpfe ich dagegen an und doch bin ich so machtlos.
      Ich komme aus Essen (NRW) und habe auch schon einige Versuche unternommen mir helfen zu lassen. Ich habe bereits schon 2mal ein Trauercafe besucht, aber das Problem daran ist, dass es sich in erster Linie an trauernde Menschen richtet, die einen Ehepartner verloren haben. Wir sind mit unserer Trauer irgendwie "Exoten" und gehören eigentlich nirgendwo so richtig dazu. Es scheint normal zu sein, das man sich ab einem gewissen Alter einfach mit dem Tod der Eltern abfinden muss.
      Aber so ist es nun einmal nicht! Es tut so weh...
      Leider habe ich über die Jahre auch die wenigen Freunde verloren, die ich hatte. Es ist nun wirklich niemand zum reden da.
      Einen Trauerbegleiter bzw. einen psychologischen Psychotherapeuten habe ich mir auch gesucht und bereits auch besucht. Ich bin mir aber nicht sicher, ob dass das richtige ist. Ich kann zwar mit ihm reden, aber er lässt mir nicht viel Freiraum um über meine Mutti zu sprechen. Sondern sagt mir ständig, ich solle anfangen mich selber zu lieben. Ich bin mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist.
      Ich brauche jemanden, der mich versteht, der meine Gefühle nachempfinden, der weiss, wovon ich spreche!
      So, jetzt ist es etwas besser...
      Ich danke dir für dein Verständnis und hoffe noch auf viele schöne e-mails/Gespräche. Wenn du magst, können wir ja mal miteinander telefonieren.
      Ich drücke dich auch ganz fest!!!
      Alles Liebe
      Tanja
      Liebe Tanja,

      mein Herz hat 2 1/2 Jahre gebraucht bis es diesen Schmerz voll und ganz angenommen hat. Das ging bei mir nur in sehr kleinen Schritten. Anders hätte es mein Herz auch nicht ausgehalten. Mein Herz wollte diesen Schmerz auch nicht fühlen, deshalb ging es bei mir sehr, sehr langsam voran. Ich wollte einfach nicht wahr haben, dass Mutti nun nie wieder kommen wird. Hörte ich ein Geräusch an der Tür, sprang ich hoch erfreut auf und schrie, Mutti, meine Mutti ist endlich wieder da. Wie oft ist mir das passiert. Wenn ich daran denke, kommen mir auch heute noch die Tränen. Ach Tanja, kämpfe nicht, denn irgendwann hast Du eh keine Kraft mehr, um dagegen anzukämpfen. Ich ließ es einfach nur noch geschehen. Ich fühlte mich lebendig begraben. Keinen intressierte es. Ich verbrachte viel Zeit im Bett und starrte stundenlang nur die Decke an. Beim Einkaufen rannte ich durch den Supermarkt, holte das Nötigste, Kasse und schnell zum Auto. Da brach ich wieder sofort heulend zusammen. Übrigens beim Autofahren schrie ich sehr oft meinen Schmerz laut heraus. Natürlich auf nicht so stark befahrene Straßen. So laut ich konnte schrie ich immer und immer wieder, Mutti ich will Dich wieder haben. Das laute herausschreien meines Schmerzes, tat mir damals sehr gut. Hinterher war es mir leichter. Auch heute noch kommt dieser Satz ab und zu aus meinem Herzen, Mutti, ich will Dich wieder haben.
      Schade, dass ihr in Essen das Gleiche Trauergruppenproblem habt, wie wir hier.
      Tanja, was es uns so schwer macht, ist, weil wir mit unserer Mutti zusammen gelebt haben. Die meisten Frauen und Männer haben einen Partner und Kinder und leben weiter weg vom Elternhaus, da ist alles ganz anders. Ich will damit nicht sagen, dass sie nicht trauern, aber anders, auf ihre Art. Ihr Partner gibt ihnen Halt und für ihre Kinder müssen sie voll da sein und ihr Berufsleben muss auch weiter gehen. Das stell ich mir alles auch sehr schwierig vor. Aber das kann man mit uns nicht vergleichen. Wir haben beim Tode unserer Mutter alles verloren. Denn Mutti war unsere Familie. Und nun ist alles weg und wir stehen ganz allein da. Das macht es bei uns so schwer. Aber dafür hatten wir auch eine wunderschöne Zeit mit unserer Mutti. Ich würde es sofort wieder tun, für Mutti da zu sein, wenn ich nochmals die Wahl bekäme und diesen Schmerz nochmals dafür in Kauf nehmen. Es war die schönste Zeit in meinem Leben.

      Tanja, Du gehst doch zur Beratung, damit Du über Deine Mutti reden kannst, weil Du sonst Niemanden dafür hast. Ich kann mir sehr schwer vorstellen, dass Du jetzt, in Deiner Situation, anfangen sollst Dich zu lieben. Dafür schmerzt Dein Herz viel zu sehr. Wir lieben Beide unsere Muttis, mehr als uns selbst. Und was ist so falsch daran? Tanja, Du wirst spüren, ob Dir Dein Therapeut gut tut oder ob er noch mehr Schaden anrichtet. Ich war seelisch und körperlich so am Ende, dass ich ein Jahr brauchte, bis ich kapierte, das meine Psychologin für meine Trauer gar nicht da war. Sie sehnte sich nach Liebe und Anerkennung. War selbst sehr kraftlos und erweckte den Eindruck, dass sie nur noch ihre restliche Zeit bis zur Rente, absaß. Mir tat sie auch irgendwie leid.
      Deine Mutti ist gerade erst 2 Monate tot und der redet von Selbstliebe. Bei mir meinte der Pfarrer auch nach 3 Monaten, so langsam sollte ich mich aber neu orientieren. Ich glaubte, ich höre nicht richtig. Der hatte keine Ahnung wie es mir ging. Das war ein einmaliger Besuch, weil ich ihm beim Nächsten mal nicht mehr die Türe öffnete.
      Mit dem Telefonieren Tanja, weiß ich nicht, wie das gehen soll. Ich mag hier nicht meine Telefonnummer für alle sichtbar rein schreiben.
      Liebe Tanja, ich finde, dass Du ganz normal auf dem Tode Deiner Mutter reagierst. Ich begegne auf dem Friedhof Menschen, Männer und Frauen, die mir sagen, sie weinen auch noch nach 15 oder 20 Jahren um ihre Mutter. Mutter bleibt eben Mutter. Viele sagen es auch nicht.

      Alles liebe Tanja
      Ich bete und denke an Dich
      Miki

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