Nun ohne ihn

      2009 ist meine Mutter unerwartet verstorben (Aorta ist gerissen).
      Glücklicherweise hatte ich meinen Freund der mir damals eine große Hilfe war.
      2012 dann bei ihm die Diagnose Darmkrebs. Es folgte eine enorme OP, Reha usw. Aber zumindest war der Krebs anscheinend soweit weg.
      Da einiges entfernt wurde war er nun quasi Frührentner. 2014 haben wir dann ein schönes Haus gefunden welches ich uns dann kaufte. Wir haben uns dann sogar für die eingetragene Lebenspartnerschaft bei Standesamt entschlossen (auch wenn wir nicht gerade in eine Weltstadt wohnten wo so etwas alltäglich ist). Wir haben uns wirklich gefreut über unser Haus in dem wir gemütlich Leben konnten.
      Doch Ende 2014 / Anfang 2015 wurde festgestellt dass der Krebs wieder da ist. Ende Februar in dem Jahr OP - nur konnten die nichts mehr machen. Er war schon zu weit fortgeschritten. Die Jahre davor haben die keine CT gemacht.
      Nun folgte Chemo, wobei die stärkere noch nicht gemacht werden konnte bis die Wunder der OP verschlossen war. Der "nette" örtliche Chirurg sagte immer nur es würde gut aussehen und maximal drei Wochen dauern (durch seine Unfähigkeit wurden es 9 Monate).
      Dann konnten sie die stärkere Chemo geben. Allerdings ist der Krebs zwischenzeitlich beim Magen angekommen.
      Er hat dann schon mal Blut gespuckt und es wurden immer weniger Dinge die er zum Essen vertrug. Dezember 2016 nahm er quasi nur noch flüssige Nahrung (Fresubin - falls das jemanden etwas sagt) zu sich. Nach Weihnachten selbst das fast nicht mehr. Dann kamen wirklich gute zwei Wochen welche für ihn extrem waren und mich in eine Art Permanentstress versetzt haben. Krankenhaus Palliativstation, dann wieder zuhause. Ich konnte so gut wie Garnichts machen und war schon Dankbar wenn ich ihm etwas zu Trinken bringen konnte damit ich mich nicht total hilflos fühlte. Man konnte ihn kaum berühren wegen seinen Schmerzen (wobei ich einmal voller Entsetzen feststellen musste das ich um seine Oberarme fast herum fassen konnte - da spürte man nur Haut und den Knochen).
      Zu sehen wie dieser 1.84 Meter Kerl plötzlich nur noch so ein Schatten war tat mir in der Seele weh.
      Am 8. Januar wurde er mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht. Ich war dankbar dass die ihm dort mit Medikamenten die Schmerzen genommen haben und er beim Schlafen ruhig geatmet hat.
      Seine Schwester und ich waren bei ihm und so ist er dann um etwa 16.45 Uhr friedlich eingeschlafen. Darauf war ich ja vorbereitet. Und für ihn ist es so am besten - hat er die Schmerzen wenigstens hinter sich.

      Worauf ich nicht vorbereitet war ist das Gefühl als hätte jemand ein riesiges Stück aus mir heraus geschnitten. Plötzlich ist da eine Leere von der man nie geahnt hätte das es die gibt. Ich hätte niemals geglaubt das ich solche enormen Stimmungsschwankungen haben würde. Morgens sitze ich noch auf der Arbeit und scherze mit Kollegen herum... und dann sitz ich da abends allein und frage mich warum ich nicht einfach nachts im Schlaf auch einfach sterben kann.

      Natürlich sterbe ich nicht im Schlaf.
      Natürlich weiß ich auch dass das Leben weiter geht.
      Natürlich weiß ich auch das es mit der Zeit leichter wird.
      Dies ist mir alles klar, ich war schon immer ein realistischer Mensch.

      Aber warum habe ich momentan manchmal das Bedürfnis jemanden anzuschreien weil ich es einfach Ungerecht finde das so ein lieber Kerl mit gerade mal 45 Jahren so ätzend sterben musste? Warum saß ich als ich letztens eine Erkältung hatte in der Badewanne und dachte plötzlich an Rasierklingen (und Nein - ich habe nicht vor Selbstmord zu machen). Überall tauchen warums auf.... und ich finde keine Antworten, aber habe das Gefühle das mir entweder der Kopf platzt oder das Herz zerreißt.

      Aber ich werde versuchen stark zu bleiben..... HDL, wo immer du jetzt bist! Es waren wunderschöne 161/2 Jahre mit dir.
      Hallo monalisa,

      vielen Dank für deine lieben Worte.
      Wie so oft im Leben werde ich auch dies schaffen müssen.
      Es ist halt nur abends irgendwie so.... wie sag ich mal.... komisch? Merkwürdig?
      Ich sitze da dann halt so alleine rum. Zum Glück ist noch Lucy (unsere... also jetzt meine Katze) da.
      Dann könnte ich plötzlich losheulen..... und so war ich früher nicht.
      Aber manchmal habe ich dann so ein Gefühl von Wärme. Als wäre er irgendwie doch noch da und würde auf mich aufpassen.
      Alle paar Tage renn ich zum Friedhof und quatsche das Grab voll.
      Solche Situationen überfordern einen irgendwie total. Wer weiß was ich noch so vergessen habe. Man schiebt ja auch manchmal die Sachen vor sich her. Es fehlt einem auch teils die Kraft habe ich das Gefühl.
      Vielleicht wird es ja besser.

      Liebe Grüsse
      Snoopo
      hallo liebe Snoopo

      ​ du wirst es schaffen es wird kein leichter weg werden aber er ist machbar. ich bin schon
      1jahr und 4 Monate ganz allein ich habe niemanden mehr keine Familie bin sehr einsam.
      ich erlebe das schon zum 2. mal mein erster mann starb 1999 und mein schatz jetzt ende 2015.
      ​wenn du so ein gefühl von wärme hast dann ist er ganz nah bei dir, du hast recht er passt
      auf dich auf. ich geh nicht mehr ganz so oft zum friedhof bin am anfang fast jeden tag bei
      ​ihm gewesen. inzwischen hab ich ja zu hause eine kleine ecke gemacht mit einem bild engel
      ​und Blümchen. da ist er mir viel näher es ist ja unser zu hause und da fühl ich mich wohl und
      ​behütet. du wirst auch einen weg finden damit um zu gehen ich wünsche es dir.

      liebe grüße monalisa
      Hallo monalisa,

      das tut mir jetzt in der Seele weh zu lesen dass du sehr einsam bist.
      Ich hoffe dass sich jemand findet der das etwas abpuffert. Es muss ja keine Beziehung sein. Halt jemand der mal mit dir redet, sich deine Sorgen anhört.
      Ich denke mal das würden unsere Liebsten nicht wollen dass wir Einsam sind.
      Fühl dich mal ganz dolle gedrückt von mir.

      liebe Grüße
      Snoopo
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