Papa liegt im sterben

      Papa liegt im sterben

      Hallo zusammen, ich bin neu hier.

      Mein Papa hat seit 3 Jahren etwa Lungenkrebs, alle Therapiemöglichkeiten wurden restlos ausgeschöpft. Mit langem Erfolg, denn er ist ein Kämpfer und eine sehr starke Persönlichkeit der niemals aufgegeben hätte, sich niemals aufgegeben hätte. Ganz im Gegenteil, er hat alles dafür getan damit er alles besser machen kann um länger zu leben. Außer das Rauchen selber, das hat er nie gelassen.

      Seit 2 Wochen ist er wieder im Krankenhaus nachdem er kurz vorher dort war wegen einer Lungenentzündung die er wohl nicht mehr gut verkraftet hat, sodass er jetzt die Nachricht erhalten hat, vor der wir alle Angst hatten. Er wird nicht mehr nach Hause kommen. Er wartet auf einen Hospitzplatz.
      Er bekommt jetzt Morphium und wir wissen nicht wieviel Zeit ihm noch bleiben wird.

      Meine Eltern sind geschieden und er lebt seit vielen Jahren alleine auch nicht in der Nähe sondern 1,5 Stunden entfernt. Ich bin 33 Jahre alt und mein Papa ist 64.

      Der Kontakt war nach der Trennung nie besonders gut und auch meine Kindheit und die Erziehung nicht sonderlich vorbildlich. Das Verhältnis nicht sehr gut und ich hatte bis zur eigentlichen Krebsdiagnose fast 8 Jahre keinen Kontakt zu ihm.

      Jetzt muss jedoch sagen, daß mich das ganze fix und fertig macht, ich bin nervlich total am Ende kämpfen regelmäßig mit den Tränen, denke viel nach, wir also mein Bruder und ich besuchen ihn regelmäßig. Aber ich komme mit der ganzen Situation absolut nicht klar. Bin völlig überfordert Und traurig. Der Gedanke das er bald nicht mehr sein wird zerfrisst mich völlig.

      Er geht sehr stark und Realistisch damit um aber trotzdem, glaube ich das er Angst hat. Ich kann mir das alles einfach nicht vorstellen das er bald nicht mehr da sein wird, das tut so wahnsinnig weh.

      Ich möchte einfach meine Trauer mit anderen teilen können und mich austauschen, weil ich nicht gut darüber reden kann.

      Auch der Gedanke das wir die Wohnung kündigen müssen und Formalitäten abklären müssen, über Beerdigung etc. Zu sprechen macht mir so unendlich Angst.

      Ich gehe arbeiten diese lenkt mich such ab, aber eigentlich würde ich am liebsten zuhause bleiben und trauern und ihn so oft es geht besuchen.

      Ich weiß nicht ob ich es schaffe ihm alles zu sagen was ich fühle oder ob ich es ihm zumindest schreiben soll. Ich möchte vor ihm nicht weinen, doch wenn ich über meine Gefühle spreche muss ich das. Er ist Emotionen und Gefühle nicht gewohnt und kann nicht gut mit so etwas umgehen. Ich weiß nicht ob so eine Situation einen Menschen dahingehend verändert.....
      Hallo jennylein
      ich kann dir nur sagen, Besuch ihn so oft es geht und sag ihm was du ihm sagen willst. Du wirst es dein ganzes Leben lang mit dir rum tragen.
      Mein Mann ist vor 10 Wochen plötzlich verstorben und ich würde alles dafür geben, dass wir noch hätten miteinander reden können.
      Das ist aber auch nur eine Meinung, ein Rat. Im Endeffekt musst du deinem Herzen folgen.
      LG Lena
      Hallo Jennylein,
      ein herzliches Willkommen hier im Forum.
      Hier kannst Du alles rauslassen was Dich belastet. Jeder hier kann nachvollziehen wie es Dir geht und wird Dich so gut es eben geht unterstützen.
      Ich an Deiner Stelle würde versuchen mit meinem Papa zu reden auch wenn ich dabei weinen müßte. Er wird Dich verstehen, er wird auch Deine Ängste verstehen. Möglicherweise erleichtert es ihn sogar wenn er sieht dass er mit seiner Angst nicht alleine ist und darüber reden kann, seine Angst zuzulassen und auszusprechen.
      Vielleicht hast Du ja die Möglichkeit frei zu nehmen und bei Deinem Papa zu sein. Oftmals reagieren auch Vorgesetzte erstaunlich gut wenn man sie direkt darauf anspricht und um eine Auszeit bittet.
      Kannst Du mit Deinem Bruder oder jemand anderem über Deine Ängste sprechen? Familie? Freunde?
      Liebe Grüße
      Franzi
      Liebe Lena81,

      das mit deinem Mann tut mir sehr leid, ein jeder der nie einer solchen Situation gewesen ist, kann nicht annähernd nach empfinden wie es ist, jemanden zu verlieren oder zu wissen, das es den Menschen bald nicht mehr geben wird.

      Heute habe ich mit Papa telefoniert, er sagte mir das er morgen ins Hospiz kommt. Das war abzusehen, aber das er so schnell einen Platz bekommt nicht.
      Wir werden morgen hin fahren, mein Bruder und ich, und ich will versuchen Emotionen zu wecken, versuchen etwas meiner Gefühle preis zu geben, denn gerade in dieser schweren Zeit ist es umso wichtiger.
      Ich hoffe dennoch das wir einen schönen Tag erleben werden.
      Angst habe ich aber wahnsinnige davor.

      Liebe Franzi,

      meine Chefin reagiert sehr verständnisvoll, denn ich habe ihr letzte Woche mitgeteilt, was los ist. Vorher wusste sie nichts davon.
      Auf der Arbeit bin ich sehr gefasst und kann mich weitestgehend ablenken.
      Frei nehmen kann ich allerdings nicht, denn das ginge nur durch Urlaub.
      Ich habe mir aber fest vor genommen, wenn die Zeit schwieriger wird, das abzuklären und eventuell ein paar Tage dort in der Nähe zu bleiben um ihn vielleicht mal ein paar Tage am Stück zu sehen, denn wenn wir einen ganzen Tag dort sind, ist das auch sehr anstrengend für ihn.
      Ich denke aber das dies möglich wäre.
      Immerhin haben wir mit dem Auto jedesmal eine fahrt von 1,5 Stunden ein Weg.
      Ich habe natürlich Menschen zum reden, meinen Bruder, meine beste Freundin, meine Mutter, am meisten hab ich natürlich meinen freund, mit dem ich zusammen lebe.
      Er unterstützt mich so gut es geht und ist jederzeit für mich da.
      Aber manchmal will ich auch einfach nur alleine sein, so wie jetzt.

      Gerade eben habe ich einfach mal meine Gefühle zu Papier gebracht und 5 Seite drauf los geschrieben, das hat ganz gut getan.
      Aber diese Leere geht einfach nicht weg.
      Morgens wenn ich aufstehe geht es mir größten Teils nicht gut ich fühle mich ausgelaugt. tagsüber geht es und wenn ich abends daheim bin, kommt wieder alles hoch, alle Gefühle und Gedanken.

      Jetzt gerade frage ich mich wie es ihm innerlich geht, ob er in Ruhe schlafen kann, oder ob er an den morgigen Tag denkt, denn das wird nicht leicht.
      Da ist es denke ich doch ganz gut, das wir dabei sein können.

      Ich möchte garnicht daran denken, was danach ist, was ist nach dem wenn alles vorbei ist, wie gut werde ich das meistern? Ich habe wirklich wahnsinnige Angst.
      Liebe Jenny, ich habe meinen Vater vor 4 Wochen an Lungenkrebs verloren. Auch er hat 3 Jahre gekämpft. Er hat über 8 Jahre bei mir und meinem Mann gewohnt. Versuche so viel wie es geht bei ihm zu sein. Wir hatten hier zu Hause ganz tolle Unterstützung vom Palliativverein. Kann ich jedem nur empfehlen. Sie stehen mit Rat und Tat an deiner Seite. Ich hoffe auch, das du im Freundeskreis jemanden zum reden hast?! Reden davor und vorallem danach ist sehr wichtig. Ich selber weine noch jeden Tag und vermisse meinen Vater unheimlich.

      Papa liegt im sterben

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      Rebecca81 schrieb:

      Liebe Jenny, ich habe meinen Vater vor 4 Wochen an Lungenkrebs verloren. Auch er hat 3 Jahre gekämpft. Er hat über 8 Jahre bei mir und meinem Mann gewohnt. Versuche so viel wie es geht bei ihm zu sein. Wir hatten hier zu Hause ganz tolle Unterstützung vom Palliativverein. Kann ich jedem nur empfehlen. Sie stehen mit Rat und Tat an deiner Seite. Ich hoffe auch, das du im Freundeskreis jemanden zum reden hast?! Reden davor und vorallem danach ist sehr wichtig. Ich selber weine noch jeden Tag und vermisse meinen Vater unheimlich.
      Hallo liebe Rebecca
      Wir besuchen meinen Vater jede Woche. Anders geht es leider auch nicht. Doch wir versuchen ihn in ein Hospitz hier in der Nähe verlegen zu lassen. Er kennt die Leiterin von früher, das war Zufall. Aber das Hospitz wo er aktuell ist, ist schwer zu toppen das ist schon echter Luxus. Wir können ihn leider nicht zuhause pflegen weil weder mein Bruder noch ich zuhause bleiben können. Und zuhause nur mit gelegentlicher Pflege täglich ist zu wenig und möchte er auch nicht. Wo ginge es ihm besser als dort? Er bekommt viel Besuch, alleine letzte Woche hatte er 5 mal Besuch von Familie und Freunden. Das tut ihm glaub ich auch gut. So wie ich es beurteilen kann befindet er sich in Stadium 1 der Schmerzmittel Kette der harten Medikamente. Er kann noch klar denken sich bewegen wird jedoch schnell müde und hat starke Schmerzen das er nach Bedarf schon Morphium bekommt. Zur Zeit geht es mir ganz gut, da ich einfach die Zeit genieße die er sich noch in diesem Stadium befindet. Weiter möchte ich da auch noch nicht denken. Außer der ganze Papierkram den man dennoch zu erledigen hat. Und ich habe immer jemanden zum Reden und der mir zuhört zum Glück.

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      Jennylein85 schrieb:

      Ich möchte garnicht daran denken, was danach ist, was ist nach dem wenn alles vorbei ist, wie gut werde ich das meistern? Ich habe wirklich wahnsinnige Angst.


      Liebe Jenny,

      deine Angst verstehe ich gut, weil es eigentlich unvorstellbar ist, aber meiner Erfahrung nach ist es eher eine Erleichterung, wenn es dann endgültig vorbei ist, wenn du weißt, dass der geliebte Mensch nun seinen Frieden gefunden hat und nicht mehr leiden muss. Deshalb sollte dich das DANACH nicht allzu sehr schrecken.

      Mein Vater starb, als ich 28 war - ist nun auch schon eine Ewigkeit her. Ich hatte allerdings das "Glück", dass er mitten aus dem Leben heraus ganz plötzlich an einem Herzinfarkt starb (er war allerdings vorher schon seit Jahren herzkrank - so ganz unerwartet war es dann auch nicht ... allerdings war er bis zuletzt ziemlich fit gewesen). Insofern musste ich zumindest keine lange Leidenszeit mit ihm durchmachen, wofür ich heute noch dankbar bin.

      Auch mit meiner Mutter hatte ich eigentlich Glück, weil sie letztendlich offenbar an Altersschwäche starb. So blieb es mir zumindest erspart, jemanden an den Krebs zu verlieren.

      Ich wünsche dir, dass alles ein gutes Ende findet und dein Papa palliativ gut versorgt wird, sodass er möglichst wenig leiden muss. Betrachte es als ein Glück, dass er einen Hospizplatz bekommen hat! Der Kampf um diese heiß begehrten Plätze ist oft groß - ich weiß noch, wie ich wegen meiner Mutter immer wieder mit dem Leiter des hiesigen Hospizes telefoniert hatte, da ich es zum Schluss, als ihr Zustand sich drastisch verschlechterte und sie offenbar auch unter Schmerzen und/oder Ängsten litt, auch nicht mehr geschafft hatte, sie allein zu Hause zu betreuen ... Den Platz bekam ich nicht und beinahe hätte man meine Mutter aus dem Krankenhaus zum Sterben noch in ein Pflegeheim verlegt ... Letztendlich wurde sie dann mitten im Sterben noch in eine Zweigstelle des Krankenhauses an einen anderen Ort verlegt, wo es eine Palliativstation gab, und 2 Tage vor ihrem Tod mit dem Krankentransport dorthin gekarrt, weil man ihr in dem ersten Krankenhaus, wo sie bereits palliativ versorgt wurde, das Einzelzimmer nicht mehr frei halten wollte ... Wenn dein Vater einen Hospizplatz ergattert hat, werden ihm zumindest solche menschenunwürdigen "Abschiebepraktiken" in den letzten Tagen und Stunden seines Lebens erspart bleiben.

      Viel Kraft für alles, was noch kommen mag! Und glaub mir, du überstehst es, weil wir alle diese innere Kraft in uns haben, die stärker als der Tod ist und uns am Leben erhält!

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      Hallo Jenny,
      ich kann so gut nachempfinden, wie es dir zur Zeit geht. Mein Papa kam Anfang des Jahres ins Krankenhaus. Von der Diagnose bis zum Tod waren es "nur" acht Wochen. Acht Wochen in denen sich alles von jetz auf gleich und von Tag zu Tag geändert hat.
      Ich würde dir auch raten, mit deinem Papa über alles zu reden, was du noch mit ihm besprechen willst. Irgendwann wird die Medikamentendosierung einfach so hoch sein, dass er dir vielleicht nicht mehr auf alles eine "klare" Antwort geben kann und ich bin mir auch sicher, dass er gerne mit dir sprechen möchte, denn ihn werden sicherlich ähnliche Themen beschäftigen. Konntest du denn mittlerweile mit ihm reden und ihm etwas von deinen Gefühlen erzählen?
      Was das freinehmen / den Urlaub angeht:
      Als sich der Zustand meines Vaters drastisch verschlechtert hatte, war ich für insgesamt drei Wochen (eine Woche vor und zwei Wochen nach seinem Tod) krankgeschrieben. Denn mit Urlaub hat das ja nichts zu tun, was wir da leider durchmachen müssen... Vielleicht wäre das nochmal eine Alternative, damit du deinen Vater besser / häufiger begleiten kannst?
      Es ist schön, dass du jemanden zum reden hast.
      Alles Liebe für dich,
      Meri
      "Liebe macht Trauer erst möglich." - E. Klepgen

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      hallo Jenny,
      versuch noch ganz viel mit Deinem Papa zu reden. Ich konnte es nicht mehr, meiner war im Endstadium Demenz.
      Was Marion oben schreibt stimmt für mich zum Teil. Nach langer Krankheit und Siechtum ist man im ersten Moment
      wirklich erleichtert weil derjenige sich nicht mehr quälen muss. Das hat bei mir aber nur einen Tag angehalten und
      dann kam die Trauer mit Wucht auf mich zu.

      deshalb Jenny, nutz die Zeit aus solange er sich noch mit Dir unterhalten kann und noch nicht so unter Medis
      steht die seinen Geist "umnebeln". Das ist für danach so wichtig, die Selbstvorwürfe kommen dann von selber.

      LG
      Sabine
    Liebeskummer Sorgen Forum