Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?

  • Jeden Tag, seitdem mein Mann gestorben ist, bemühe ich mich, mein jetzt anderes Leben, so gut wie möglich zu gestalten.

    Am Anfang fühlte ich mich wie eine Schwimmerin die einem Strudel zu nahe gekommen ist und jeden Moment in die Tiefe gezogen werden kann. Ich war einige Male knapp am versinken, habe wild gestrampelt und bin erschöpft knapp dem Untergang entkommen.

    Jetzt bin ich endlich im etwas ruhigeren Wasser angekommen. Ich kann entspannen und überlegen was ich denn mit dem Rest meines Lebens anfangen werde. Aber ich muss vorsichtig sein, so dann und wann kann ich den kräftigen Sog der Trauer noch spüren.

    Mein sicheres Boot das mich 43 Jahre über den Ozean des Lebens getragen hat , ist untergegangen.

    Wie bekomm ich noch Leben ins Leben hinein. Es war doch alles gut und so schön!


    Eigentlich müsste ich dankbar sein, ich bin nicht auf fremde Hilfe angewiesen, komme mit allen Anforderungen des Lebens zurecht!

    Aber mein Mann wird mir immer fehlen er ist fort!


    Wie gut dass es dieses Forum und Euch, Ihr Lieben gibt. Wo sonst wäre ich das jetzt los- und so hoffe ich,

    auch verstanden worden.


    Danke für die Mühe die es kostet dieses Forum zu betreuen und am Leben zu erhalten!

    Liebe Grüße!

    Karo

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    Liebe Karo,


    ganz ähnlich habe ich am Anfang meiner Trauer um meinen Allerliebsten gefühlt.


    Es gab ein großes Vacuum in mir, weil er nicht mehr da war.


    Dieses Vacuum wollte ich aber keinesfalls mit einem anderen Menschen teilen, noch nicht mal ansatzweise.


    Das macht dann einsam. Freunde wollten mich besuchen, und ich habe gemauert.


    Wollte einfach mit keinem Menschen, der seinen Platz in irgendeiner Weise einnehmen konnte - und sei es nur zum zusammen Kochen - zu tun haben.


    Der "Rest meines Lebens" ... ja, das ist ein guter Gedanke.


    "Mein Leben"


    Ziemlich bald habe ich seine Liebe gespürt (oder eine Liebe, keine Ahnung woher die kam, aber ich ging davon aus, dass es "seine Liebe" ist).


    Ich stand völlig hilflos vor unserm Holzvergaser, der die Zentralheizung speist, und wusste einfach nicht mehr weiter. Zu kompliziert, hat er immer gemacht, und jetzt funktioniert es nicht mehr ... und dann spürte ich seinen Arm um meine Schultern, das war so tröstlich.


    Mit dem Holzvergaser komme ich übrigens jetzt gut klar.


    Warum erzähle ich das jetzt hier?


    Bestimmt nicht, weil ich dich bekehren will oder zu irgendeinem Glauben führen möchte. Ich erzähle es, weil es so war und weil es grad passt. Für dich.


    ALFrieda


    ......................................................


    "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
    dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
    ihre Auswirkung auf das Ganze hat."


    Albert Einstein

  • Hallo Frieda, Du bringst es auf den Punkt!

    Es gab ein großes Vacuum in mir, weil er nicht mehr da war.


    Dieses Vacuum wollte ich aber keinesfalls mit einem anderen Menschen teilen, noch nicht mal ansatzweise.


    Das macht dann einsam. Freunde wollten mich besuchen, und ich habe gemauert.


    Wollte einfach mit keinem Menschen, der seinen Platz in irgendeiner Weise einnehmen konnte - und sei es nur zum zusammen Kochen - zu tun haben

    Das ist mein Leben, im Moment, mal schauen ob ich es ändern will, bzw. kann.

    Ich hab Versuche gestartet wieder Menschen zu treffen hat mich aber nicht zufrieden gestellt, drum lasse ich es, im Moment!


    Ich freu mich, dass Du mir das mit dem Holzvergaser erzählt hast, das war für Dich Dein Mann, warum auch nicht!

    Das ist für mich kein Bekehrungsversuch sondern ein Einblick in Deine Gefühls- und Gedankenwelt. Danke dafür, dass ich teilhaben durfte.

    Schön von Dir zu lesen, liebe Grüße!

    Karo

  • Liebe Wüstenblume und eventuelle Mitleserinnen und Mitleser, bin jetzt doch nach hier übersiedelt, weil es ein bisschen mehr wird.

    Mein Garten wird jetzt ein "Naturgarten". Der Garten wurde zuerst von meiner Mutter gehegt und gepflegt. Da war er ein richtiger Bauerngarten, prachtvoll, alles da: Beeren, Kräuter, Gemüse, wundervolle Blumen.

    Dann der Garten meines Mannes mit Rasen, Blütensträuchern, Rosen, anders aber auch wirklich wunderschön.

    Nach dem Tod meines Mannes habe ich 2 Jahre versucht ihm und meiner Mutter bezüglich Gartengestaltung nach zu eifern!


    Doch jetzt wird es ein Naturgarten, Heimat für Wildkräuter, Pflanzen und Blumen deren Samen eben durch den Wind den Weg in meinen Garten finden, Insekten und Vögel.

    Passt besser zu meinem Leben:


    "Etwas eigenwillig und planlos doch mit Hoffnung und dem Willen, dass noch was halbwegs Gutes daraus wird!"

    Seid lieb gegrüßt!

    Karo

  • Liebe Karo,

    was für ein bezaubernder Plan :)

    Ein Naturgarten ist eine Oase um Ruhe zu finden.

    Vor Jahren schenkte mir jemand eine Tafel für den Garten auf der steht: Wer in meinen Garten schaut, der schaut in mein Herz.

    Eigentlich hat damit meine Liebe zum Garten und der Natur begonnen und durch einen ganz besonderen Rat eines sehr lieben

    Mitglieds unseres Forums. ( Danke liebe Frieda :) )

    Mein Garten ist eine Mischung aus ordentlich und kunterbunt. Rosen, Obstbäume, Gemüse, Beeren, Blumen, Biotope, Brunnen, Kräuter und Kamillen.

    Hier kann ich mich Erden, kann die Schönheit jeder Rose erkennen, es ist wie eine Auszeit vom Leben.

    Ich möchte mich auch gar nicht festlegen, es kommt immer wieder etwas schönes dazu und findet ein Plätzchen.

    In meinem Garten habe ich in all den Jahren gelernt Schönes und Gutes wieder an mich rankommen zu lassen und es auch annehmen zu können.

    Liebe Grüße, kleinewüstenblume

  • Liebe Kleinewüstenblume ich sehe Deinen Garten vor mir.Bei Deiner Beschreibung kann ich nur sagen:

    Will ich haben, will ich haben!!!

    Bei mir ist noch "Chaos und Anarchie " Ich kann nur eingeschränkt im Garten arbeiten weil ich in fast allen Gelenken Arthrose habe.

    Mal sehen wie es weitergeht!

    Ich bin guten Mutes.

    Lg Karo

  • Liebe Karo vielleicht wäre eine Gartenchaosarbeitsparty ;) eine Idee für dich.

    Vielleicht würden dir ja deine Familie, Nachbarn und Freunde gerne helfen wenn sie von deinem

    Plan erfahren und das Gröbste gerne gemeinsam für dich beseitigen.

    Vielleicht wäre es ja einen Versuch wert :)

  • Seit dem Tod meines Mannes konnte ich keine Musik hören, das war sein Ding. Er hörte Musik, ging singend oder pfeifend durch Haus und Garten. Vor einigen Wochen begann ich wieder Musik zu hören. Am Anfang war es schrecklich ich musste weinen. Das Schluchzen kam aus meinem Innersten ich war verzweifelt und fühlte den Verlust so tief und schmerzhaft wie am Anfang meiner Trauer es wollte nicht enden. Doch dann löste sich der Knoten und mir wurde klar, wenn ich wieder Freude und Liebe in mein Leben bringen wollte musste ich selbst aktiv werden und etwas unternehmen.

    Ich kann wieder Musik hören und habe mich bei zwei Datingplattformen angemeldet. Ich muss sagen dass es mir sehr schwer gefallen ist. Jetzt sehe ich es als unterhaltsam an

    Ich habe mich bis jetzt mit niemanden getroffen, das geht noch nicht! Aber vielleicht? Mal sehen.

  • Liebe Karo, das freut mich jetzt nehrlich das so zu lesen - wie Recht du hast man muss zulassen.

    Da wartet das Leben man muss es erst mal begreifen das es überhaupt sein kann dass das Leben da einfach weitergeht und auch den Gedanken fassen können das es überall um uns herum weiter geht - es ist da das Leben, so wie es vor dem Verlust war - ob man daran teilnehmen kann oder überhaupt will entscheidet jeder selbst in seinem Können und in seiner Zeit.


    Natürlich ist es schwer, so Schritt für Schritt überhaupt in Bewegung zu bleiben - ein so schwerer Gedanke zu leben während andere nicht mehr dürfen - wir aber dürfen und ja wir sollten es auch irgendwann wieder - und wünschen wir unseren Lieben nicht auch das Leben und verwehren es uns dann selbst.

    Es wir nie wieder sein wie es mal war das wird einem jedem Trauernden schnell bewusst - was aber aus dem Rest des Lebens werden kann das liegt allein an jedem selbst - zuerst aber zulassen das es überhaupt weiter gehen darf.


    mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Lieber Matthias ich hätte gerade so gerne tröstende Worte für dich - weiß ich aber auch dass sie dich nicht erreichen würden.

    Sie sind ihren Weg weiter gegangen, in welcher Form und Richtung auch immer aber du musst nicht allein sein, du musst nur andere oder anders an dich heran lassen.

    Weißt du es war nicht die Aufgabe deiner Liebsten dein Leben lang der Halt und die Zuversicht zu sein - jetzt ist es noch immer aber dein Weg den du gehen musst.

    Ich wünsche dir so sehr das du es schaffst mit deiner Liebsten in Bildern an deiner Seite.

    Vielleicht kannst du ihr die Welt mit deinen Augen zeigen, aus deinem Herzen herraus - wie schade wenn sie da gerade noch immer nur Düsternis und Traurigkeit findet.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Ja liebe Karo, es ist Schwesrstarbeit für die Seele ebenso wie für den Körper - der Wille aber muss vorhanden sein und ich denke bestimmt das es der erste Schritt ist und weitere folgen.

    Die Zeit heilt alle Wunden ich mag diesen Satzt nicht wirklich aber die Zeit ist wohl wirklich genau das was wir brauchen.

    Egal wie lange wir müssen nur in dem Gedanken sein, das es eben seine Zeit braucht und nicht in der Erwartung es muss jetzt, es sollte jetzt.

    Natürlich geht es bei den einen oder anderen etwas schneller, oder es dauert viel läger oder eben man bleibt für den Rest seines Lebens gefangen.

    Allein der Versuch zurück ins Leben, hey ich finde das ist ein riesiger Schritt den du gerade schaffst.

    Und nein nichts muss sofort die Zeit nehmen und auch mal etwas einfach kommen lassen was ,man gestern noch für unmöglich hielt.


    Ich habe so viele menschen hier schon begleitet und ihnen auf ihrem Weg zugesehen es ist alles möglich.

    Selbst Matthisas habe ich noch lange nicht aufgegeben, es ist noch nicht so sein Zeit aber auch ihm traue ich es zu noch einiges zu schaffen was er heute für unmöglich hält.

    Andere habe es mir bewiesen, man darf niemals irgendjemanden aufgeben . die Zeit heilt nicht aber sie birgt den Raum für Wunder.


    Mit einer lieben Umärmelung,

    Funny.

  • Liebe Alle,


    also ich schreibe so, weil mich all eure Worte hier berührt haben und ich ihnen entnehmen konnte, wie viel von euren Gedanken und Erlebnissen sich in meinem Leben wiederspiegelt...

    die Sache mit dem Gerät bei Frieda ist mir gerade nach dem Umzug aufs Land, wo mein Mann und ich gemeinsam hin wollten, aber erst zwei, drei Jahre später, als ich es nun getan habe,

    passiert. Wir haben immer alles gemeinsam gemacht, aber gerade, was Geräte anging, war er es, der besser hineinschauen konnte. Und es ist unglaublich, wieviel ich hinbekommen habe, wenn ich einfach seine Geduld mit den Dingen an den Tag legte, und wo es gar nicht klappte, tauchte plözlich ein Mensch auf, der mir weiter half.

    Und dann die Sache mit dem Garten bei Karo und KleineWüstenblume... wir waren schon seit 18 Jahren zusammen hier aufs Land gefahren und zwar wegen des großen, wilden, uneinsehbaren Gartens, der zu einem kleinen, im Anfang nahezu unbewohnbaren Haus gehörte. Immer, wenn wir hier waren, waren wir mehr draußen als drinnen, aber machten das kleine Haus im Laufe der Jahre bewohnbar.

    Und nun ist es mein großes Glück, ganz hier sein zu können, wo wir zu zweit immer glücklich waren. Mein Freundeskreis in der Stadt, machte sich Sorgen, ob das die richtige Entscheidung war, meine Kinder waren da zuversichtlicher, denn sie wussten, was der Ort mir und meinem Mann bedeutete. Sie wussen nur nicht, ob ich mit den Widrigkeiten des Alltags hier fertig würde, denn die sind schon herausfordernder, als in einer Stadtwohnung und ich bin inzwischen siebzig geworden. Nach einem schneereichen, langen Winter und Dauerregen im Frühjahr, habe ich gelernt, was in Ordnung sein muss für das naechste Winterhalbjahr und ich bin natürlich froh über meine köperlichen Kräfte (meine Ärztin bescheinigte mir ein wesentlich jüngeres biologisches Alter), und nach wie vor einfach dankbar für diesen Ort. Wenn ich die Traurigkeit und den Schmerz meine, nicht mehr aushalten zu können, darüber, dass mein Mann, der drei Jahre jünger war als ich, das hier nicht mehr erleben darf, was ihn so glücklich gemacht hätte und was er mehr als jeder andere, den ich in meinem nun schon längeren Leben kennen gelernt habe, verdient gehabt hat, dann gehe ich hoch, auf unseren Berg, schaue in das Grün und den Himmel, wie wir es immer zusammen getan haben und weiß, er ist hier.


    Alles Liebe und Gute euch allen

    Angelika

  • Oh ja liebe Angelika, schöne Worte die auch mir gerade richtig gut tun.

    Dann gehe ich zu dem Ort und weiß das er da ist - es geht mir warm ins Herz das so zu lesen - auch wenn mein Schmerz und das Vermissen mich ganz und gar umzingelt hat dann muss ich ans Meer, den Ort wo ich die wohl immer wieder glücklichste Zeit mit meinem Sohn verbracht habe.

    So frei und lebendig wir uns dort gefühlt haben dann auch mit seiner Schwester.

    Wir brauchten nicht viel wie Gelöd oder Luxus.

    Wir genossen die Sonnenuntergänge - Bami und Pattat mit Majo meißtens mit slzigem Sandgeschmack.

    Sluch so ein Eisgetränk das regelmäßigen Hirnfrost verursachte und wir uns danach kugelig lachten.

    Oh ja die Füße ins Meer und dann den Sand nicht wirklich abbekamenund die Füße juckten - holländische Fußflöhe *lach*


    Jahrelang führ ich dann hin mit meiner Tochter und den Pflegemädels - heute sogar mit meinem Enkel.

    Meine Tochter schenke mir den Moment dem kleinen Bärchen zum ersten mal die winzigen Füßchen ins Meer zu halten und ich weiß mein Sohn war auch dabei - in mir und um uns herum.

    Was soll cih sagen der kleine liebt das Wasser schon genau so wie mein Sohn und es ist mir eine Freude ihm dabei zuzusehen ihn an der Hand zu halten und wer weiß - vielleicht werde auch ich es sein, die ihm das schwimmen beinringt wie ich es meinem Sohn beigebracht habe.


    Meine Tochter hat einen Schwimmkurs machen müssen, da war ich mach dem Tod meines Sohnen noch nicht stabil genung und wollte um so sicherer sein das sie es einfach konnte und sie erst gar keine Angst vorm Wasser bekommt.


    Am liebsten wäre ich gerade in diesem Moment auch gern mit meinen Füßen am Strand und dürfte weit hinaus zum Horizont schauen.

    Ja lieber Matthias so nagt es auch noch immer an mir die inerhalb weniger Monate zwei ihrer liebsten Menschen hat gehen lassen müssen.

    Wie sehr ich das Gefühl kenne - den einen Abschied nicht mal begriffen und schon schlägt das Schiksal erneut zu.



    Mit einer lieben Umärmelung Funny.

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