Völlig verzweifelt

      Völlig verzweifelt

      Mein geliebter Mann ist heute vor 3 Monaten mit nur 44 Jahren gestorben.
      Er hatte Darmkrebs. Die Diagnose bekamen wir im Oktober 2015. 2 Jahre und 2 Monate mussten wir mit der Krankheit leben. Zwischendurch gab es auch lange sehr gute Zeiten mit Urlaub und Aktivitäten und der Gewissheit den Krebs besiegt zu haben.
      Im Juni 17 dann der Rückfall, wieder OP, wieder alles ganz schlimm. Aber auch diesmal, danach wieder alles ok, krebsfrei.
      Kontrolluntersuchung im November. Kein Krebs feststellbar. Wir waren happy.
      Anfang Dezember ging es ihm schlecht. Uniklinik, tausend Untersuchungen. Am 12.12.17 endlich das Ergebnis: kein Krebs im CT feststellbar, kein Krebs in der entnommenen Probe, Blutwerte ok. Es wurde eine OP geplant, um die Verwachsungen im Bauchraum zu lösen. Diese OP war am 13.12.17. Wir waren glücklich, weil dann alles endlich wieder gut sein sollte und sind ganz entspannt in die OP gegangen. Nach 2 Stunden rief mich der Chirurg an. „Ich muss ihnen leider sagen... Der ganze Bauch ist voll Krebs...Wir können nichts mehr machen.“ Und das einen Tag, nachdem uns gesagt wurde das er Krebsfrei ist.
      Unsere Welt brach zusammen. Danach hieß es nur noch palliative Behandlung. Möglichst Schmerzfreiheit erreichen.
      Ich war immer mit bei ihm im Krankenhaus (400km von zu Hause weg). Ich habe immer auf alles aufgepasst. Stundenlang gelesen, Behandlungsmethoden studiert, Alternative Methoden, Zusatzbehandlungen... Mich in Foren ausgetauscht, mit den Ärzten diskutiert. ... Ich hatte immer einen Plan. Mein Mann hat mir vertraut. Und nun? Es gab keinen Plan mehr.
      Mein Mann hat sich gewünscht es irgendwie nach Hause zu schaffen. Gemeinsam mit dem Palliativteam haben wir alles organisiert. Am Donnerstag, 21.12.17 sind wir mit dem Krankentransport gemeinsam nach Hause gefahren. Keiner wusste ob er es schafft und ich musste morgens vor der Abfahrt noch entscheiden was passieren soll, wenn es auf dem Weg passiert.
      Wir haben beide geweint, als wir zu Hause angekommen sind.
      Leider ging es dann sehr schnell. Am 22.12.17 morgens kurz vor 6 ist er gestorben. Ich habe seine Hand gehalten und unser Sohn
      war auch dabei. 17 Stunden durfte er nur zu Hause sein.

      Wenn ich dies jetzt so schreibe kann ich es immer noch nicht fassen. Vor der letzten OP ging es ihm noch gar nicht so schlecht. Wir sind im
      Krankenhaus spazieren gegangen. Sie haben gesagt kein Krebs. Und dann hatte er nur noch eine Woche????? Warum nur???

      Wie soll ich nur weiter leben? Ich bin so verzweifelt.

      Nun sind schon 3 Monate seit dem vergangen. Vieles musste am Anfang geklärt werden. Aber jetzt habe ich das Gefühl es geht mir immer schlechter.

      Traurige Grüße
      ellimu

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ellimu“ ()

      Liebe Ellimu,

      herzliches Beileid. Es macht mich traurig, deine Zeilen zu lesen: Hoffnung, so viel Hoffnung nach so vielen Kämpfen - und dann doch verloren.

      Wünsche dir liebe Menschen um dich herum. Verliere trotz allem nicht die Hoffnung, auch wenn das Schicksal hart zugeschlagen hat. Dein Liebster hat dieses Leben hier überstanden. Du musst es noch leben. Er wird zu sehen sein, der Hoffnungsschimmer, zunächst ganz wenig, dann immer mehr. Halte aus. Hab Geduld mit dir und mit den Anderen.

      Fühle dich hier in unserem Forum gut aufgenommen.

      Alles Liebe Frieda


      ......................................................

      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Liebe Ellimu,
      Mein aufrichtiges Beileid zu deinem grossen Verlust. So viel Unerfüllte Hoffnung, so viel Schmerz..
      Wir alle hier im Forum können da mitfühlen und wissen wie es Dir jetzt geht.
      Schreib Dir alles von der Seele und verzweifele nicht, auch wenn Du denkst das kann man nicht schaffen. Es braucht, wie Frieda schon sagt, Zeit und Geduld.
      Ich kenne diese Fragen nach dem WARUM auch so gut. Heute weiss ich es kommt keine Antwort.
      Es ist das Leben... und es will von Dir und Deinem Sohn weitergelebt werden. Ihr schafft das!
      Liebe Grüsse
      Jenny
      Es tut mir sehr leid, Deine Geschichte hört sich leider an wie meine. Mein Mann hat die Diagnose Anfang Juni bekommen, Nierenkarzinom, keine Metastasen. OP Mitte Juni, Entlassung nach einer Woche. Drei Wochen zuhause mit steigender Schmerztendenz im Bauchraum. Antwort der Ärzte: Große OP, tut einfach weh. Als die Chemo beginnen sollte, waren seine Blutwerte sehr schlecht, daher neues CT gemacht und festgestellt, dass er viele Metastasen hatte in Lunge + Bauchraum. Danach folgten 2 OPs, weil man davon ausging, dass er irgendwo einen Abzess hätte, der die hohen Entzündungswerte hervorrief, 3 Magenspiegelungen wegen starkem Magenbluten, das erst erkannt wurde als er bereits Blut spuckte.
      1 Woche nach Einlieferung ins KH war er tot, einfach so. Und ich war noch nicht mal bei ihm, denn ich wurde erst nach seinem Tod informiert.

      Und ich frage mich immer noch, wie das so schnell gehen konnte. Warum er nie eine Chance bekommen hat. Und warum er nicht wenigstens zu Hause und in meinem Beisein gehen konnte.
      Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir vorstellst, dass ihm durch diese verhältnismäßig kurzes Leiden viel erspart geblieben ist. Mir war das nach sehr kurzer Zeit schon klar, das hilft mir persönlich aber nicht. Ich konnte mich nicht einmal verabschieden.
      Es ist wohl doch leichter zu sterben, als mit dem Sterben leben zu müssen.
      Vielen Dank für die herzliche Aufnahme und die netten Worte.
      Im Moment fällt es mir sehr schwer daran zu glauben, dass es irgendwann wieder besser geht. Wie auch, er wird ja nie wieder kommen.
      Gestern war ein ganz fürchterlicher Tag. An einem 22. ist mein Mann geboren und auch an einem 22. gestorben. Immer wenn ich gestern bei der Arbeit das Datum schreiben musste, wollte ich aus Reflex entweder 22.09. oder 22.12. schreiben. Das gab mir jedesmal einen Stich ins Herz.
      Tja und heute ist Freitag, an einen Freitag ist es passiert. ;(
      Liebe Ellimu,

      es tut mir sehr leid, dass dein Mann gehen musste. Diese Tage - sei es eine Zahl oder eine andere Verbindung zu diesen Tagen - sind die, die es noch schwerer machen, als es eh schon alles ist. Und dieser verdammte heimtückische Krebs, mit dem ein Betroffener zu kämpfen hat und uns Angehörige so hilflos macht, lässt einen nicht los. Ich habe das mit meinem Vati erlebt, den ich hergeben musste - ein Weg mit Höhen und Tiefen und zwischen Hoffen und Bangen und dann die Kraft, die weniger wird bis zu dem Tag, an dem man loslassen muss, ob man will oder nicht. Die Leidensgeschichte, die ich bis heute nicht verarbeitet habe und sich nach ein paar Monaten nun bei meiner Mutti wiederholt. Ich kann so gut nachempfinden, was du schreibst. Was habe ich schon im Internet nach Hilfe gesucht, nach einem Weg, meine Lieben retten zu können, bei Vati habe ich das Gefühl versagt zu haben und nun bin ich bei Mutti mittendrin und weiß nicht, ob und wie es weitergeht.

      Und dann die Sache mit den Ärzten, wem kann man vertrauen, wer kann helfen, die Medizin und die Technik sollte doch so weit sein, zu erkennen und zu helfen, aber auch wenn es Fälle gibt, bei denen das anscheinend funktioniert (hat), es gibt noch so viele, die ihr Leben lassen müssen.

      Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und schicke dir liebe Grüße

      m-m-chen
      Liebe Ellimu,
      Auch von mir mein aufrichtiges Beileid.
      Ich habe meinen Lebenspartner auch durch Krebs verloren. Nierenzellkarzinom mit Metastasen der Wirbelsäule. Wir haben das ganze Programm durchgemacht was geht. OP, Bestrahlung, Chemotherapie, Immuntherapie. Immer Hoffnung gehabt das es wenigstens eine Zeit zum Stillstand kommt. Ab Oktober kamen täglich Neurologische Ausfälle dazu bis zur kompletten Querschnittslähmung. Ich würde sagen wir sind durch die Hölle gegangen. Er war immer so tapfer und hat seinen Humor und Sarkasmus nie verloren. Sein größter Wunsch war es die Fußball Weltmeisterschaft noch zu erleben. Ich vermisse ihn so sehr und es gibt Tage da bin ich wie gelähmt wenn ich mir vorstelle ihn nie mehr wiederzusehn, nie mehr mit ihm zu sprechen, nie mehr mit ihm zu lachen. Am Karfreitag werde ich zu dem Ort fahren wo wir uns kennengelernt haben und einfach nur an ihn denken.
      Ich kann deinen Schmerz nur zu gut verstehen und wünsche dir ganz viel Kraft und Zuversicht für die kommende Zeit.
      LG von Doro

      Als du gegangen bist, hast du die Farben mitgenommen.
      Hallo liebe Ellimu,
      auch von mir mein aufrichtiges Beileid. Ich kann dich so gut verstehen.....
      Mein Mann und ich haben nach einer schweren Hirnblutung mit vielen Begleiterkrankungen 10 Jahre lang gekämpft, er musste essen, sprechen, alles neu erlernen. Er hatte einen künstlichen Ausgang, einen Blasenkatheder, eine künstliche Herzklappe mit Herzschrittmacher. Jedes gesprochene Wort, jede Bewegung waren für uns ein großer Erfolg. Auch ichn habe viel Zeit im Internet verbracht, mit Ärzten diskutiert, um jede Therapie gekämpft. Die letzten 3 Jahre konnten wir uns richtig unterhalten und er konnte auch wieder normal essen. (keine künstliche Ernährung mehr) Anfang Dezember stellte man dann eine Lungenentzündung fest, welche mit Antibiotika behandelt wurde. Leider bekam er einen Rückschlag wurde am 25.12.17 reanimiert und es wurden 3 verschiedene multiresistente Keime in Lunge, Niere und später auch am Herz festgestellt. Leider hat man dann zu lange gezögert ihn in eine spezialisierte Uniklinik zu verlegen. Eine Woche später haben sich die Ärzte doch endlich entschlossen, leider konnte man dort auch nicht mehr helfen, mein Mann starb dann einen Tag nach Verlegung. Das alles ist jetzt 3 Monate her.
      Mein Mann ist am 07.01.18 mit 55 Jahren im Krankenhaus an einer schweren Sepsis mit Multiorganversagen gestorben. Ich war bei ihn und werde es nie vergessen können. Ich habe meinen Mann mit 16 Jahren kennen gelernt. Wir waren eine sehr lange Zeit zusammen und jetzt ist überall nur noch Leere. Aber ich hoffe wir schaffen das alle.
      Ich wünsche Dir und allen anderen viel Kraft.
      Beate 68
      Hallo Ihr Lieben,

      vielen Dank für eure Antworten.
      Leider müssen wir dieses Schicksal teilen.
      Am Wochenende habe ich mich (mal wieder) zu meinen Freunden geflüchtet. Ich bin sehr froh das ich sie habe. Aber komme mir auch wie ein Eindringling in der Familie vor. Diese Freunde kennen wir schon von Anfang an (mein Mann schon aus der Schule) und ich glaube sie verstehen einigermaßen was in mir vorgeht. Trotzdem ist man fremd im Haushalt und es fühlt sich falsch an.
      Meine andere beste Freundin ist leider zur Zeit viel beschäftigt. Sie ist frisch verliebt und nur unterwegs.
      Das belastet mich irgendwie. Sie ist so eine Liebe und ich gönne es ihr von Herzen. Aber trotzdem frage ich mich, warum gerade jetzt, wo ich sie doch bräuchte.
      Ich habe einfach Angst vor der Einsamkeit und vermisse meinen Mann so extrem. Könnte ständig nur weinen.
      Das Wetter war am Wochenende so schön, aber mich hat das nur runter gezogen. Ich denke darüber nach was wir jetzt zusammen gemacht hätten. Das macht mich dann noch trauriger und ich habe richtig Angst vor dem Sommer.

      LG
      Ellimu
      Hallo Ellimu,
      mir geht es genauso, schlimm sind vor allem die Abende und später, wenn man im Bett liegt kreisen die Gedanken. Nach fast 10 Jahren Schwerbehinderung meines Mannes sind leider auch kaum Freunde übrig geblieben. Ausser meinen Eltern, Schwester und Sohn ist leider niemand mehr da. Mein Sohn studiert und ist auch selten zu hause. Zum Glück habe ich neulich eine alte Schulfreundin von mir getroffen. Wir haben beschlossen ein mal monatlich mit 3 weiteren Schulkameradinnen einen Mädelabend zu machen und essen zu gehen. Das ist ja immerhin ein Anfang. Morgen ist der 1. Abend und ich freue mich drauf. Ich freue mich, mal wieder raus unter Leute zu kommen, aber es ist auch eine kleine Überwindung. Trotzdem, raus gehen und ablenken ist für mich ein guter Weg. Vielleicht hilft dir das auch?
      L.G. Beate68
      Hallo ihr Lieben,

      ich habe lange nichts von mir hören lassen. Aber das Schreiben fällt mir irgendwie schwer.
      Ich denke ununterbrochen an meinen Mann und habe oft das Bedürfnis es irgendwem mitzuteilen. Aber da es so viele Gedanken gleichzeitig sind kann ich sie kaum hier aufschreiben. Es passiert so unglaublich viel und doch steht alles still. Wir haben immer ganz viel miteinder geredet, Abends stundenlang beim Essen oder am Wochenende beim Frühstück, Brunch. Da konnten wir auch mal ein paar Stunden in der Küche sitzen und über Gott und die Welt reden. Tagsüber ständig in Kontakt über Whattsapp.
      Das fehlt mir soooo sehr. Die Kommunikation, das persönliche, private Gespräch... Ich weiß oft nicht wohin mit meinen Gedanken. Mit meinen Eltern, oder Freunden kann ich einfach nicht so reden wie mit meinem Mann.
      Er fehlt mir so sehr und ich fühle mich so einsam, trotz vieler Freunde.
      Kann man sich daran gewöhnen?
      Hallo liebe ellimu. Gestern habe ich deine Kommentare hier nochmal gelesen. Da hatte ich mich schon gefragt warum du gar nicht mehr schreibst. Ja diese Lücke die entstanden ist ist riesengroß und überall spürbar. Gerade die Gespräche fehlen mir auch so sehr. Wir konnten auch stundenlang über alles Mögliche reden. Das kann einem auch niemand ersetzen. Gespräche mit Familienangehörigen und Freunden sind gut aber ganz anderer Natur. Das Einsamkeitsgefühl hat denke ich jeder und je intensiver die Beziehung war desto stärker empfindet man wohl diese Leere die sich jetzt auftut. Ich denke oder hoffe dass es irgendwann so sein kann dass man sich in irgendeiner Weise daran gewöhnt weil die Zeit das wohl mit sich bringen wird. So wie man irgendwann versteht und akzeptiert dass der Partner nicht mehr da ist wird es wohl auch so kommen das man akzeptiert dass es diese Gespräche in dieser Form nicht mehr geben wird. Was mir immer wieder hilft ist mit ihm zu sprechen auch wenn es keine direkte Antwort gibt. Aber ich habe oft das Gefühl das es mir hilft meine Gedanken die uns betreffen so weitergeben zu können und ich stell mir einfach vor dass er sie hört oder fühlt. Außerdem schreibe ich viel in mein Tagebuch persönlich an ihn. Ich weiß das ist nicht dasselbe aber irgendwie möchte ich meine Gedanken mitteilen und ich stelle immer wieder fest dass es schon gut tut kleine Briefe zu schreiben. Oder hier zu lesen dass wir alle hier im Grunde gleich empfinden. Ich wünsche dir weiterhin Zuversicht und Kraft liebe ellimu. Liebe Grüsse von Claudia1965
      Ja, ich rede auch trotzdem mit meinem Mann. Bin auch jeden Tag auf dem Friedhof und spreche dort mit ihm. Aber oft kommt dann nur meine Verzweiflung raus und nicht die alltäglichen Dinge.
      Gestern Abend zum Beispiel eine Situation: Ich habe mich in die Arbeit gestürzt und habe unser Pflaster auf dem Hof gereinigt. Außerdem hatte ich eine neue Gartenschlauchtrommel bestellt, die gestern kam. Jetzt ist das ein Riesenteil und ich hatte gehofft, das die alte Wandaufhängung wieder passt. Leider ist dem nicht so. Ich war überfordert. Habe gesehen wie mein Mann die alte Trommel befestigt hat und extra eine Grundplatte aus Metall dafür angefertigt hat. Nun passt gar nichts mehr. Ich habe einfach nur geweint und war völlig verzweifelt. Obwohl ich weiß, das ich es auch alleine irgendwie hinbekomme. Scheue mich auch nicht handwerkliche Dinge zu tun, egal ob Bohrmaschine, Winkelschleifer... Aber trotzdem hätte ich ihn gerne gefragt, oder es ihm überlassen, oder wenigsten gemeinsam gemacht. Jetzt will ich die blöde Schlauchtrommel am liebsten zurückschicken und nicht mehr haben, nur weil ich dafür "seine" Aufhängung abbauen muß. Hab es erstmal in die Ecke gestellt und nur geweint.
      So ist das mit ganz vielen Dingen. Ich habe das Gefühl ich schaffe es einfach nicht.
      Liebe Ellimu,
      mir geht es ähnlich wie Dir, auch ich bin sehr praktisch veranlagt und habe "vorher" auch vieles selbst gemacht oder zumindest zusammen mit meinem Mann. Wir haben ja auch tagtäglich zusammen in unserer Firma gearbeitet....
      Ich stelle mir dann vor wenn ich so eine Situation vor mir habe wie würde mein Mann reagieren? In Deinem Fall mit der Schlauchtrommel würde er sagen "hey Franzi, die alte Aufhängung ist zu klein, bau sie ab, mach eine neue dran - du schaffst das schon".
      Mir geht es oft so wenn ich Gäste am Telefon habe die einen Ballonfahrtermin vereinbaren und dann am Ende des Gespäches sagen "schöne Grüße an ihren Mann" dass ich zu Anfang am liebsten weggelaufen wäre... Aber das geht nicht, das würde Tom auch nicht wollen und so beiße ich die Zähne zusammen, ich will auch nicht jedem Gast erzählen dass mein Mann gestorben ist, ich will denen ja nicht den Spaß an ihrer Ballonfahrt verderben.... ich finde es nicht einfach, aber da ich entschieden habe die Firma weiter zu führen und ich aus Kostengründen niemanden dafür einstellen kann muss ich eben selber ran.
      Und irgendwie funktioniert es... jeden Tag ein klitzekleines bißchen besser.
      Ellimu, du schaffst es auch, gib dir die Zeit die du brauchst und halte einfach durch - es wird, vielleicht nicht unbedingt besser, aber anders, irgendwie erträglicher.
      Liebe Grüße
      Franzi
      .......................................

      - Aufgeben ist keine Option -

      ellimu schrieb:

      Außerdem hatte ich eine neue Gartenschlauchtrommel bestellt, die gestern kam. Jetzt ist das ein Riesenteil und ich hatte gehofft, das die alte Wandaufhängung wieder passt. Leider ist dem nicht so. Ich war überfordert. Habe gesehen wie mein Mann die alte Trommel befestigt hat und extra eine Grundplatte aus Metall dafür angefertigt hat. Nun passt gar nichts mehr. Ich habe einfach nur geweint und war völlig verzweifelt. Obwohl ich weiß, das ich es auch alleine irgendwie hinbekomme.


      ellimu, unter anderem deshalb habe ich mich nun auch - sehr schweren Herzens! - von dem Haus mit Garten getrennt, weil ich solchen Stress einfach nicht mehr haben möchte. Weiß noch genau, was für ein Theater das war, als meine Mutter und ich vor Jahren mal gemeinsam einen von amazon gelieferten Rasenmäher zusammengebaut haben - allein hätte ich das im Leben nicht geschafft ...
      Und die letzten Jahre musste ich ja immer allein in den Garten ... - war dann immer noch ganz nett, dass meine Mutter sich dran gefreut hat, wenn ich gesagt habe, dass der Rasen wieder gemäht ist etc.
      Aber das allein so weitertreiben - da habe ich keine Lust mehr drauf. Zumal ich dann wieder x Leute anrufen müsste, falls ich doch mal wieder einen neuen Rasenmäher zusammenbauen müsste usw. Ich mache es mir jetzt schön seniorenmäßig gemütlich in einer Wohnung mit Hausmeisterdienst.

      Genauso meine Steuererklärung - habe ich jahrelang selbst gemacht und dabei immer gern bei meiner Mutter rumgeschimpft, was das doch für ein Mist und für eine Zumutung ist. Sie hat dann immer gesagt: Stell dich doch nicht so an, du hast es die ganzen Jahre vorher doch auch geschafft. Und dann hab ich mich zusammengerissen und es gemacht ... Seit diesem Jahr lasse ich es nun einen Steuerberater machen, weil ich es einfach HASSE und mir nun auch der Rückhalt fehlt, das noch selbst zu machen.
      Liebe ellimu, ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, an diese Leere, die da ist, jeden Tag aufs Neue in mir drin. Trotz Familie, die leider sehr weit weg wohnt, Arbeit, Freunden, Kollegen, trotz der Aktivitäten in der Freizeit die ich mit der Trauergruppe zusammen unternehme, bleibt sie. Ich verstehe dich gut, auch ich kann meine Gedanken oft nicht so ordnen, um sie hier aufzuschreiben. Oftmals versagt sogar meine Stimme, weil es mir an manchen Tagen so schlecht geht, dass es mir sprichwörtlich "die Sprache verschlägt". Vielleicht wird es ja erträglicher, das Aushalten, ich weiss es nicht. Ich wünsche es uns jedenfalls. Lieben Gruß, Beate
      Da bin ich wieder. Wieder ganz unten im tiefen Trauerloch.
      So viele Gedanken, die mich einfach fesseln und immer trauriger machen. Das Vermissen wird immer stärker. Ich habe oft das Gefühl ich kann nicht mehr. Ich schaffe das nicht. Ich will das nicht.
      Ich möchte ihn einfach anfassen können. Wie er sich anfühlt, sein Gesicht, seine Hände berühren. In den Arm nehmen... Er fehlt mir so.
      An den letzten zwei Wochenenden war ich mit Freunden beim Campen. Wie jedes Jahr Himmeltag und Pfingsten. Doch dieses Jahr zum ersten Mal allein. Es war sehr, sehr schwer. Obwohl ich so viel Gesellschaft und Ablenkung hatte. Aber dann die Gespräche ringsrum von den anderen Männern, oder Familien. So ganz normale Sachen. Ich denke dann, ja so hätte das mein Mann auch gemacht ...
      Dann sitze ich am Lagerfeuer, sehe das Holz verbrennen und plötzlich schießen mir Gedanken in den Kopf: Hat es auch so ausgesehen, als mein Mann verbrannt wurde? Wie konnte ich ihn nur verbrennen lassen? Ich habe Bilder im Kopf... Alles dreht sich nur im Gedankenkarussell.
      Ich kriege es einfach nicht hin.
      Letztes Jahr zu Pfingsten war mein Mann noch mit und es begann gerade die letzten Tage beim Campen, das es ihm schlecht ging. Es waren die letzten "normalen" Tage vor der erneuten Diagnose. Danach war nur noch Ärzte, Schmerzen, kämpfen angesagt. Das beschäftigt mich so sehr. Die letzten Tage... Ich erlebe es alles nochmal.
      Außerdem hatten wir am Sonntag Hochzeitstag. Gedanken, Gedanken, Gedanken...
      Gestern wieder zurück nach Hause. Einsamkeit. Nur am verzweifelten Weinen.
      Heute ist wieder der 22. Also sind es jetzt 5 Monate. Unvorstellbar.
      Ich kann nicht mehr.
      Liebe Elimu, erst fünf Monate, schon fünf Monate, so frisch und doch schon einige Zeit vergangen.
      Ich schreibe ja immer, jeder in seiner Zeit, in seinem Könnem.
      Diese Auf und abs sind schon heftig, viele können wohl Bücher darüber schreiben, die Auslöser manches mal eine Kleinigkeit ud bei dir gerade der Urlaub.
      Das erste mal alein ,wo ihr sonst gemeinsam gewesen seid, der Blick in die Flammen, deine Gedanken, die sichversäbständigen und von eines ins andere wechseln.

      alles nachvollziehbar, kenne ich das doch auch, solltest du aber ganz tief in dich höhren, ob deine Kraft wirklich noch reicht, um das alleine zu schaffen.
      Ich weiß gerade gar nicht, ob du speziielle Hilfe an deiner Seite hast.
      Weißt du ich lese deine Worte und denke, alles noch im Rahmen soweit - es könnte dir aber entgleiten, dich so überrennen, dass es unmöglich ist, da alleine noch hinaus zu finden, die Gedanken dunkler und dunler werden.

      Ich wünsche dir eine begleitende Hilfe, deine Gedanken sortieren, die Heftigkeit mildern, die Trauer zwar ist, aber dein Leben nicht so sehr einnimmt das es dir unmöglich scheint.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



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