Völlig verzweifelt

      Völlig verzweifelt

      Mein geliebter Mann ist heute vor 3 Monaten mit nur 44 Jahren gestorben.
      Er hatte Darmkrebs. Die Diagnose bekamen wir im Oktober 2015. 2 Jahre und 2 Monate mussten wir mit der Krankheit leben. Zwischendurch gab es auch lange sehr gute Zeiten mit Urlaub und Aktivitäten und der Gewissheit den Krebs besiegt zu haben.
      Im Juni 17 dann der Rückfall, wieder OP, wieder alles ganz schlimm. Aber auch diesmal, danach wieder alles ok, krebsfrei.
      Kontrolluntersuchung im November. Kein Krebs feststellbar. Wir waren happy.
      Anfang Dezember ging es ihm schlecht. Uniklinik, tausend Untersuchungen. Am 12.12.17 endlich das Ergebnis: kein Krebs im CT feststellbar, kein Krebs in der entnommenen Probe, Blutwerte ok. Es wurde eine OP geplant, um die Verwachsungen im Bauchraum zu lösen. Diese OP war am 13.12.17. Wir waren glücklich, weil dann alles endlich wieder gut sein sollte und sind ganz entspannt in die OP gegangen. Nach 2 Stunden rief mich der Chirurg an. „Ich muss ihnen leider sagen... Der ganze Bauch ist voll Krebs...Wir können nichts mehr machen.“ Und das einen Tag, nachdem uns gesagt wurde das er Krebsfrei ist.
      Unsere Welt brach zusammen. Danach hieß es nur noch palliative Behandlung. Möglichst Schmerzfreiheit erreichen.
      Ich war immer mit bei ihm im Krankenhaus (400km von zu Hause weg). Ich habe immer auf alles aufgepasst. Stundenlang gelesen, Behandlungsmethoden studiert, Alternative Methoden, Zusatzbehandlungen... Mich in Foren ausgetauscht, mit den Ärzten diskutiert. ... Ich hatte immer einen Plan. Mein Mann hat mir vertraut. Und nun? Es gab keinen Plan mehr.
      Mein Mann hat sich gewünscht es irgendwie nach Hause zu schaffen. Gemeinsam mit dem Palliativteam haben wir alles organisiert. Am Donnerstag, 21.12.17 sind wir mit dem Krankentransport gemeinsam nach Hause gefahren. Keiner wusste ob er es schafft und ich musste morgens vor der Abfahrt noch entscheiden was passieren soll, wenn es auf dem Weg passiert.
      Wir haben beide geweint, als wir zu Hause angekommen sind.
      Leider ging es dann sehr schnell. Am 22.12.17 morgens kurz vor 6 ist er gestorben. Ich habe seine Hand gehalten und unser Sohn
      war auch dabei. 17 Stunden durfte er nur zu Hause sein.

      Wenn ich dies jetzt so schreibe kann ich es immer noch nicht fassen. Vor der letzten OP ging es ihm noch gar nicht so schlecht. Wir sind im
      Krankenhaus spazieren gegangen. Sie haben gesagt kein Krebs. Und dann hatte er nur noch eine Woche????? Warum nur???

      Wie soll ich nur weiter leben? Ich bin so verzweifelt.

      Nun sind schon 3 Monate seit dem vergangen. Vieles musste am Anfang geklärt werden. Aber jetzt habe ich das Gefühl es geht mir immer schlechter.

      Traurige Grüße
      ellimu

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ellimu“ ()

      Liebe Ellimu,

      herzliches Beileid. Es macht mich traurig, deine Zeilen zu lesen: Hoffnung, so viel Hoffnung nach so vielen Kämpfen - und dann doch verloren.

      Wünsche dir liebe Menschen um dich herum. Verliere trotz allem nicht die Hoffnung, auch wenn das Schicksal hart zugeschlagen hat. Dein Liebster hat dieses Leben hier überstanden. Du musst es noch leben. Er wird zu sehen sein, der Hoffnungsschimmer, zunächst ganz wenig, dann immer mehr. Halte aus. Hab Geduld mit dir und mit den Anderen.

      Fühle dich hier in unserem Forum gut aufgenommen.

      Alles Liebe Frieda


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      "Wir können der Tatsache nicht ausweichen,
      dass jede einzelne Handlung, die wir tun,
      ihre Auswirkung auf das Ganze hat."

      Albert Einstein
      Liebe Ellimu,
      Mein aufrichtiges Beileid zu deinem grossen Verlust. So viel Unerfüllte Hoffnung, so viel Schmerz..
      Wir alle hier im Forum können da mitfühlen und wissen wie es Dir jetzt geht.
      Schreib Dir alles von der Seele und verzweifele nicht, auch wenn Du denkst das kann man nicht schaffen. Es braucht, wie Frieda schon sagt, Zeit und Geduld.
      Ich kenne diese Fragen nach dem WARUM auch so gut. Heute weiss ich es kommt keine Antwort.
      Es ist das Leben... und es will von Dir und Deinem Sohn weitergelebt werden. Ihr schafft das!
      Liebe Grüsse
      Jenny
      Es tut mir sehr leid, Deine Geschichte hört sich leider an wie meine. Mein Mann hat die Diagnose Anfang Juni bekommen, Nierenkarzinom, keine Metastasen. OP Mitte Juni, Entlassung nach einer Woche. Drei Wochen zuhause mit steigender Schmerztendenz im Bauchraum. Antwort der Ärzte: Große OP, tut einfach weh. Als die Chemo beginnen sollte, waren seine Blutwerte sehr schlecht, daher neues CT gemacht und festgestellt, dass er viele Metastasen hatte in Lunge + Bauchraum. Danach folgten 2 OPs, weil man davon ausging, dass er irgendwo einen Abzess hätte, der die hohen Entzündungswerte hervorrief, 3 Magenspiegelungen wegen starkem Magenbluten, das erst erkannt wurde als er bereits Blut spuckte.
      1 Woche nach Einlieferung ins KH war er tot, einfach so. Und ich war noch nicht mal bei ihm, denn ich wurde erst nach seinem Tod informiert.

      Und ich frage mich immer noch, wie das so schnell gehen konnte. Warum er nie eine Chance bekommen hat. Und warum er nicht wenigstens zu Hause und in meinem Beisein gehen konnte.
      Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dir vorstellst, dass ihm durch diese verhältnismäßig kurzes Leiden viel erspart geblieben ist. Mir war das nach sehr kurzer Zeit schon klar, das hilft mir persönlich aber nicht. Ich konnte mich nicht einmal verabschieden.
      Es ist wohl doch leichter zu sterben, als mit dem Sterben leben zu müssen.
      Vielen Dank für die herzliche Aufnahme und die netten Worte.
      Im Moment fällt es mir sehr schwer daran zu glauben, dass es irgendwann wieder besser geht. Wie auch, er wird ja nie wieder kommen.
      Gestern war ein ganz fürchterlicher Tag. An einem 22. ist mein Mann geboren und auch an einem 22. gestorben. Immer wenn ich gestern bei der Arbeit das Datum schreiben musste, wollte ich aus Reflex entweder 22.09. oder 22.12. schreiben. Das gab mir jedesmal einen Stich ins Herz.
      Tja und heute ist Freitag, an einen Freitag ist es passiert. ;(
      Liebe Ellimu,

      es tut mir sehr leid, dass dein Mann gehen musste. Diese Tage - sei es eine Zahl oder eine andere Verbindung zu diesen Tagen - sind die, die es noch schwerer machen, als es eh schon alles ist. Und dieser verdammte heimtückische Krebs, mit dem ein Betroffener zu kämpfen hat und uns Angehörige so hilflos macht, lässt einen nicht los. Ich habe das mit meinem Vati erlebt, den ich hergeben musste - ein Weg mit Höhen und Tiefen und zwischen Hoffen und Bangen und dann die Kraft, die weniger wird bis zu dem Tag, an dem man loslassen muss, ob man will oder nicht. Die Leidensgeschichte, die ich bis heute nicht verarbeitet habe und sich nach ein paar Monaten nun bei meiner Mutti wiederholt. Ich kann so gut nachempfinden, was du schreibst. Was habe ich schon im Internet nach Hilfe gesucht, nach einem Weg, meine Lieben retten zu können, bei Vati habe ich das Gefühl versagt zu haben und nun bin ich bei Mutti mittendrin und weiß nicht, ob und wie es weitergeht.

      Und dann die Sache mit den Ärzten, wem kann man vertrauen, wer kann helfen, die Medizin und die Technik sollte doch so weit sein, zu erkennen und zu helfen, aber auch wenn es Fälle gibt, bei denen das anscheinend funktioniert (hat), es gibt noch so viele, die ihr Leben lassen müssen.

      Ich wünsche dir und deiner Familie viel Kraft und schicke dir liebe Grüße

      m-m-chen
      Liebe Ellimu,
      Auch von mir mein aufrichtiges Beileid.
      Ich habe meinen Lebenspartner auch durch Krebs verloren. Nierenzellkarzinom mit Metastasen der Wirbelsäule. Wir haben das ganze Programm durchgemacht was geht. OP, Bestrahlung, Chemotherapie, Immuntherapie. Immer Hoffnung gehabt das es wenigstens eine Zeit zum Stillstand kommt. Ab Oktober kamen täglich Neurologische Ausfälle dazu bis zur kompletten Querschnittslähmung. Ich würde sagen wir sind durch die Hölle gegangen. Er war immer so tapfer und hat seinen Humor und Sarkasmus nie verloren. Sein größter Wunsch war es die Fußball Weltmeisterschaft noch zu erleben. Ich vermisse ihn so sehr und es gibt Tage da bin ich wie gelähmt wenn ich mir vorstelle ihn nie mehr wiederzusehn, nie mehr mit ihm zu sprechen, nie mehr mit ihm zu lachen. Am Karfreitag werde ich zu dem Ort fahren wo wir uns kennengelernt haben und einfach nur an ihn denken.
      Ich kann deinen Schmerz nur zu gut verstehen und wünsche dir ganz viel Kraft und Zuversicht für die kommende Zeit.
      LG von Doro

      Als du gegangen bist, hast du die Farben mitgenommen.
      Hallo liebe Ellimu,
      auch von mir mein aufrichtiges Beileid. Ich kann dich so gut verstehen.....
      Mein Mann und ich haben nach einer schweren Hirnblutung mit vielen Begleiterkrankungen 10 Jahre lang gekämpft, er musste essen, sprechen, alles neu erlernen. Er hatte einen künstlichen Ausgang, einen Blasenkatheder, eine künstliche Herzklappe mit Herzschrittmacher. Jedes gesprochene Wort, jede Bewegung waren für uns ein großer Erfolg. Auch ichn habe viel Zeit im Internet verbracht, mit Ärzten diskutiert, um jede Therapie gekämpft. Die letzten 3 Jahre konnten wir uns richtig unterhalten und er konnte auch wieder normal essen. (keine künstliche Ernährung mehr) Anfang Dezember stellte man dann eine Lungenentzündung fest, welche mit Antibiotika behandelt wurde. Leider bekam er einen Rückschlag wurde am 25.12.17 reanimiert und es wurden 3 verschiedene multiresistente Keime in Lunge, Niere und später auch am Herz festgestellt. Leider hat man dann zu lange gezögert ihn in eine spezialisierte Uniklinik zu verlegen. Eine Woche später haben sich die Ärzte doch endlich entschlossen, leider konnte man dort auch nicht mehr helfen, mein Mann starb dann einen Tag nach Verlegung. Das alles ist jetzt 3 Monate her.
      Mein Mann ist am 07.01.18 mit 55 Jahren im Krankenhaus an einer schweren Sepsis mit Multiorganversagen gestorben. Ich war bei ihn und werde es nie vergessen können. Ich habe meinen Mann mit 16 Jahren kennen gelernt. Wir waren eine sehr lange Zeit zusammen und jetzt ist überall nur noch Leere. Aber ich hoffe wir schaffen das alle.
      Ich wünsche Dir und allen anderen viel Kraft.
      Beate 68
      Hallo Ihr Lieben,

      vielen Dank für eure Antworten.
      Leider müssen wir dieses Schicksal teilen.
      Am Wochenende habe ich mich (mal wieder) zu meinen Freunden geflüchtet. Ich bin sehr froh das ich sie habe. Aber komme mir auch wie ein Eindringling in der Familie vor. Diese Freunde kennen wir schon von Anfang an (mein Mann schon aus der Schule) und ich glaube sie verstehen einigermaßen was in mir vorgeht. Trotzdem ist man fremd im Haushalt und es fühlt sich falsch an.
      Meine andere beste Freundin ist leider zur Zeit viel beschäftigt. Sie ist frisch verliebt und nur unterwegs.
      Das belastet mich irgendwie. Sie ist so eine Liebe und ich gönne es ihr von Herzen. Aber trotzdem frage ich mich, warum gerade jetzt, wo ich sie doch bräuchte.
      Ich habe einfach Angst vor der Einsamkeit und vermisse meinen Mann so extrem. Könnte ständig nur weinen.
      Das Wetter war am Wochenende so schön, aber mich hat das nur runter gezogen. Ich denke darüber nach was wir jetzt zusammen gemacht hätten. Das macht mich dann noch trauriger und ich habe richtig Angst vor dem Sommer.

      LG
      Ellimu
      Hallo Ellimu,
      mir geht es genauso, schlimm sind vor allem die Abende und später, wenn man im Bett liegt kreisen die Gedanken. Nach fast 10 Jahren Schwerbehinderung meines Mannes sind leider auch kaum Freunde übrig geblieben. Ausser meinen Eltern, Schwester und Sohn ist leider niemand mehr da. Mein Sohn studiert und ist auch selten zu hause. Zum Glück habe ich neulich eine alte Schulfreundin von mir getroffen. Wir haben beschlossen ein mal monatlich mit 3 weiteren Schulkameradinnen einen Mädelabend zu machen und essen zu gehen. Das ist ja immerhin ein Anfang. Morgen ist der 1. Abend und ich freue mich drauf. Ich freue mich, mal wieder raus unter Leute zu kommen, aber es ist auch eine kleine Überwindung. Trotzdem, raus gehen und ablenken ist für mich ein guter Weg. Vielleicht hilft dir das auch?
      L.G. Beate68
    Liebeskummer Sorgen Forum