Ich habe meinen Freund verloren

      Ich habe meinen Freund verloren

      Heute ist es 7 Wochen her. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit und irgendwie auch als wäre es erst letzte Woche gewesen..

      Mein Freund ist morgens am 25.06 mit dem Motorrad auf dem Weg zur Arbeit tödlich verunglückt.

      Wir waren 8 Jahre zusammen. Haben uns mit 24 kennengelernt und sind somit zusammen erwachsen geworden. Haben uns ein Leben zusammen aufgebaut. Aber was erkläre ich hier, das kann sich nach dieser Zeit ja jeder denken

      Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie ich mit dem Verlust umgehen soll. Ich habe noch nie einen Menschen verloren. Dieses Gefühl ist absolut neu und unerträglich für mich.

      Vielleicht ist hier jemand der (leider gottes) in einer ähnlichen Situation ist oder war, mit dem ich mich ein bisschen austauschen kann.

      Lieben Gruß, Nadine


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      Liebe Natzerella,

      mein aufrichtiges Beileid und ein leises Willkommen von mir.

      Egal ob "irgendwie" vorbereitet durch eine schwere Krankheit oder plötzlich und unerwartet, das Abschied nehmen und mit dem Verlust leben ist Schwerstarbeit für Körper und Seele. Auch mein Partner ist vor knapp 2 Jahren von einem auf den anderen Tag nicht mehr da gewesen. In der ersten Zeit fiel es mir sehr schwer, überhaupt zu realisieren, dass er nicht mehr da ist und nie wieder kommen wird. Es hat viele Wochen gedauert, bis ich es wirklich begriffen habe. Das ist völlig normal, wie ich hier häufig gelesen habe und vielleicht auch ein Selbstschutz der Seele.

      Die Verarbeitung der Trauer ist sicherlich nicht bei jedem gleich, wir sind ja alle unterschiedlich und darum auch der Umgang mit diesem großen Verlust. Was ich in dieser Zeit aber gelernt habe, die Umgebung reagiert häufig nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Das hat aber oft nichts mit mir zu tun gehabt, sondern lag daran, dass mein Gegenüber nicht wusste, wie er mit mir in dieser Situation und mit diesem Thema umgehen sollte.

      Und ich habe gelernt, auf mich zu achten und nicht den Anforderungen der Umgebung zu folgen und mir Zeit zu geben. Es ist ja so schon schwer genug, jeden einzelnen Tag zu überstehen. Sich aufzuraffen und wenigstens die nötigsten Dinge des Alltags zu erledigen. Meine Kraft hat dann nicht mehr gereicht, so zu tun als wäre es schon etwas besser, damit den Anderen der Umgang mit mir leichter fiel. Ich war viel allein und das war für mich auch in Ordnung. Ich hatte genug damit zu tun, seinen Verlust zu verarbeiten und trotzdem weiter zu machen.

      So war es bei mir in der ersten Zeit. Ich wünsche dir viel Kraft und liebe Menschen, die dich in dieser schweren Zeit unterstützen oder einfach nur da sind, wenn du sie brauchst. Hier zu lesen und zu schreiben hat mir sehr geholfen und hilft mir immer noch. Verstanden zu werden, ohne viel erklären zu müssen weil es den Anderen genauso geht...

      Fühl dich lieb gedrückt

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Dein Engel“ ()

      Hi Natzerella,
      mir erging es vor drei jahren so wie dir,habe meine Lebensgefährtin bei einem motorradunfall verloren,und habe das volle Programm vor ort mit erlebt,ich war live dabei.das volle Programm Erstversorgung,rettungshubschrauber,dann kampf vier Wochen in der Klinik,den sie leider verloren hat .ich weis wie du dich mometan fühlst,wenn du fragen hast oder sonst was wissen möchtest,kannst du mich ruhig kontaktieren.
      liebe grüsse thomas
      Ein leises Willkommen hier bei uns liebe Nadine.
      So unrealistisch das alles und doch ist es wahr, ob man kann oder nicht, da fragt das Schiksal nicht, es schlägt zu und man muss sehen wie man klar kommt.

      Manches mal helfen Seiten wie diese, die Mennsche die sich hier bewegen, die Welt der Trauer überhaupt zu verstehen, all das was da auf einen einstürzt.
      Antworten auf Fragen die unser Umfeld nicht hat oder sich nicht damit auseinander setzen möchte.
      Ich wünsche dir alles, was es gerade für dich braucht, zu versthen, was nicht zu verstehen ist, anzunehmen, was kaum zu ertragen ist.
      Einen Menschen der einfach da ist.

      Mit einer lieben Umärmelung,
      Funny.
      Ich bin anders als vermutet, selten wie erwartet und erst recht nicht wie es andere gerne hätten.


      Licht und Liebe, sind stärker als Tod und Schatten



      Ich habe meinen Freund verloren

      Vielen lieben Dank für eure Worte,

      Ich denke auch das der Tod eines geliebten Menschen , egal auf welche Art und weise er gegangen ist, das schlimmste ist was einem passieren kann und absolute Schwerstarbeit für Körper und Seele ist. Das realisieren kommt so langsam immer mal wieder. Anfangs habe ich ausreden gesucht wieso es nicht sein kann das er Tod ist. Habe mir Dinge zusammengesponnen wie: „vielleicht gibt es eine neue Form von Reality Show wo Menschen seinen liebsten ihren Tod vortäuschen um zu sehen wie sie damit umgehen“ oder vielleicht wollte er ja auch einfach nur verschwinden und hat deshalb seinen Tod Inszeniert. Total die bekloppten Gedanken. Aber für ne Sekunde waren sie ernst gemeint. Solche Gedanken kamen oft. Kommen aber mittlerweile nicht mehr so oft. Nur manchmal denke ich er kommt gleich um die Ecke und entschuldigt sich für dieses ganze Drama.

      Meine Umgebung hat eigentlich „perfekt“ reagiert. Am Unfalltag war meine Familie nach meinem Anruf innerhalb von Minuten da. Und von dem Moment an war dann auch 24 std. Immer jemand da. Is der eine gegangen stand schon der nächste in der Tür. Das tat die erste Woche sehr gut. Irgendwann wurde mir das dann aber zu viel und ich musste unbedingt auch mal wieder alleine sein. Was wir heute teilweise noch sehr schwer fällt. Was heißt „heute“, es ist ja auch erst knapp 2 Monate her ..
      ich konnte ca. eine Woche das Haus nicht verlassen. Wir.. (macht der Gewohnheit) ich wohne auf nem Dorf wo jeder jeden kennt und ich hatte totale Angst davor von Jedem angeguckt oder angesprochen zu werden.
      Dazu kommt das ich selbstständig bin und mir leider nicht sehr viel mehr Zeit geben konnte da ich ja nun auch alles finanzielle alleine auffangen muss :-/ das heißt ich muss erstmal alles beiseite schieben um funktionieren zu können. da wir ja nicht verheiratet waren, stand mir ja nichts zu. Und seine Eltern (zu denen er keinen guten Kontakt hatte) waren natürlich die ersten die vor meiner Tür standen und alles wertvolle haben wollten. Und wenn ich sage die ersten, dann meine ich damit, das mein Freund keine 24 std. Tod war Und sie hier schon auf der Matte standen um sein Auto z.b. mit zu nehmen. Dabei hatten sie nicht mal irgendwelche kosten, da er Soldat war, hat die Bundeswehr die Beerdigung gezahlt.
      Naja sie haben jedenfalls alles an finanziellen Mitteln und Unterstützung bekommen ...

      Naja.. jedenfalls merke ich das ich auch ein bisschen mehr Zeit gebraucht hätte um das ganze zu verarbeiten. In diesem stressigen Alltag auf der Arbeit kann ich das natürlich nicht. Auch wenn ich mit vielen meiner Stammkunden über alles sprechen kann (ich finde darüber reden ist bislang die beste Therapie gewesen)
      Ich werde versuchen mir im Oktober eine Woche Urlaub zu nehmen und dann das ganze zu verarbeiten. Im Schnelldurchlauf. Durch die Selbständigkeit muss ich leider einfach funktionieren. Ich weiß halt nur leider nicht wie man das ganze überhaupt verarbeitet.

      Ich hab absolut keine Ahnung ...

      Und ich habe Angst das ich in der Verarbeitung stecken bleibe und es nicht zu Ende bringen kann.

      Eigentlich macht mir alles Angst wenn ich darüber nachdenke jetzt für immer ohne ihn weiter leben zu müssen. Er war mein Halt, mein zu Hause. Und nun fühle ich mich wie ein Säugling der draußen in der Dunkelheit ausgesetzt wurde.



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      Ich habe meinen Freund verloren

      Thomas,

      ich kann und möchte mit gar nicht vorstellen was du durchgemacht haben musst... mein Freund war „Gott sei dank“ sofort Tod. Er ist mit 150kmh auf einer Landstraße ungebremst in einen abbiegenden Bus geknallt. Genauere Details weiß ich nicht. Habe nie nach gefragt und auch die Artikel in den Zeitungen nie gelesen. Konnte ich nicht. Ich habe die Polizei die morgens vor meiner Tür stand gefragt ob er sofort Tod war und mehr wollte ich für mich nicht wissen. Ich konnte ihn mir auch nicht nochmal angucken. Durch den Unfall sah er ja nun mal leider nicht aus als würde er nur schlafen .. und ich denke dieses Bild hätte sich für immer in meinen Kopf gebrannt.
      Es ist jetzt knapp 2 Monate her und ich war noch immer nicht an der Unfallstelle. Dabei ist die direkt nach Ortsausgang. Irgendwann werd ich wieder lang fahren müssen. Aber ich schaffs noch nicht :-S
      Wie lange hat es bei dir gedauert bis zu wieder „ja zum Leben“ sagen konntest? Ich hab das Gefühl ich befinde mich in einer Schleife der Emotionslosigkeit und diese ist für mich nun mein Leben geworden.. ich weiß überhaupt nicht mit der ganzen Situation um zu gehen...




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      hi nadine,
      bei mir hat es schon sehr lange gedauert,bis es bei mir einiger masen mit dem normalen leben weiter ging.aber es ist halt immer noch besonders schlimm,wenn der Jahrestag kommt,wo es passiert ist.auch sind so die Feiertage wie weihnachten,geburtstag usw.nicht mehr das ,was es früher war.
      nimm dir die zeit,wo du brauchst,um das alles zu verarbeiten,da gibt's keine genaues zeitlinit.
      ich hatte mir damals profesionelle hilfe gesucht bei einer Psychologin,hatte nicht geglaubt,das es hilft,jedenfalls bei mir.
      als sie bei meiner Lebensgefährtin im Krankenhaus die Maschinen abgestellt hatten,blieb es mir über lassen,ob ich dabei bleiben möchte.hatte mich bevor die Maschinen abgestellt wurden,bei ihr verabschiedet.
      in diesem sinne bis bald und dir alles gute

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      Hallo Nadine,

      es tut mir sehr leid für dich.

      Ich kenne dieses Schwanken zwischen dem Gefühl, dass mein Mann schon eine Ewigkeit fort ist, obwohl es noch gar nicht so lange ist. Mein Mann ist vor 5 Monaten gestorben. Auch plötzlich und ohne Vorwarnung.

      Leider ist es bei mir schon fast zur Normalität geworden, dass er gestorben ist. Nur manchmal trifft es mich wieder fast wie an dem Tag als er starb. Das bedeutet nicht, dass ich nicht um ihn trauere. Es ist nur Drumherum Alltag eingekehrt. Doch so schnell.

      Ich wünsche dir ganz viel Mut den Weg, der sich jetzt aufgetan hat, weiter zu gehen.

      Grüße

      Ellen


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